Amerikanische und britische Vertreter leugnen israelische Verbrechen, obwohl Gaza bewusst ausgehungert wird

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin erklärte am Dienstag bei einer Senatsanhörung zu Vorwürfen über den von Israel verübten Völkermord in Gaza: „Wir haben keine Beweise dafür.“

Er fügte hinzu: „Wir haben uns verpflichtet, Israel durch Sicherheitshilfe bei der Verteidigung seines Staatsgebiets und seiner Bevölkerung zu unterstützen.“

Zuvor hatte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am gleichen Tag bestätigt, dass ein Datum für den Bodenangriff auf Rafah festgelegt wurde und gedroht: „Keine Macht der Welt wird uns aufhalten.“ In Rafah leben über 1,5 Millionen Palästinenser, die große Mehrheit davon Flüchtlinge.

Ein Einmarsch in Rafah würde die Zahl der Todesopfer in Gaza in ungeahnte Höhen schnellen lassen. Laut den aktuellen Zahlen des Gesundheitsministeriums von Gaza wurden am Dienstag 153 Personen getötet und 60 verletzt. Die Gesamtzahlen stiegen damit auf 33.360 und 75.993, wobei die vermissten und nicht erfassten Personen nicht berücksichtigt sind. Unter den Toten befinden sich 14.500 Kinder und 9.560 Frauen.

Die israelische Regierung weiß, dass die Palästinenser in Rafah nirgendwo hin können. Das Verteidigungsministerium hat zynischerweise eine Ausschreibung für 40.000 Zelte veröffentlicht, die angeblich zur Unterbringung der zu erwartenden Flüchtlinge dienen sollen. Ein Regierungsvertreter bestätigte, dass dies Teil der Vorbereitungen auf die Offensive in Rafah sei.

Der britische Außenminister David Cameron und sein US-Amtskollege Antony Blinken versuchten auf einer Pressekonferenz in abstoßender Weise, die wachsende Zahl der Kriegsverbrechen zu vertuschen.

Der britische Außenminister David Cameron und US-Außenminister Antony Blinken bei Camerons Besuch in Washington [Photo by Foreign, Commonwealth & Development Office /Flickr / CC BY-NC-ND 2.0]

Cameron sprach von einem „Plan B“ im Fall eines „Konflikts“ in Rafah, der offenbar vorsieht, „Hilfslieferungen in den Gazastreifen zu forcieren“ und gleichzeitig Israel „bei seinem legitimen Recht auf Selbstverteidigung im Kampf gegen die Bedrohung durch die Hamas zu unterstützen“. Er fügte hinzu, die Position des Vereinigten Königreichs, Israel weiterhin mit Waffen zu versorgen, bleibe „unverändert“ – alleine im Jahr 2022 wurden Waffen im Wert von etwa 49 Millionen Euro geliefert.

Blinken lobte Israels „erste Maßnahmen“ zur Verstärkung der Hilfslieferungen in den Gazastreifen und behauptete: „Jetzt ist die Hamas gefragt.“

Die Realität, wie es in Rafah nach einem Einmarsch aussehen wird, zeigt sich im Rest des Gazastreifens. Chan Yunis, die nächste große Stadt nördlich von Rafah, ist ein Trümmerhaufen. Amerikanische Kartierungsexperten haben anhand von Satellitenbildern ermittelt, dass etwa 55 Prozent der Gebäude in der Stadt zerstört oder beschädigt sind.

Die Luftwaffe fliegt weiterhin täglich Angriffe auf die Zivilbevölkerung. Am Dienstag wurden bei einem einzigen Bombenangriff auf das Flüchtlingslager al-Maghazi im Zentrum von Gaza fünf Menschen getötet, darunter Hatem al-Ghamri, der Vorsitzende des Gemeinderats.

Aufgrund von Israels Strategie, die Bevölkerung bewusst auszuhungern, könnte Hunger bald die häufigste Todesursache werden. Die Hälfte der Bevölkerung von Gaza, d.h. doppelt so viele wie im Dezember, ist von „katastrophaler“ Ernährungsunsicherheit betroffen. Weitere 38 Prozent leiden unter Ernährungsunsicherheit auf „Notstandsniveau“ und 12 Prozent auf „Krisenniveau“.

Laut dem Gesundheitsministerium von Gaza sind bis zum 1. April bereits 32 Menschen im Krankenhaus an Unterernährung und Dehydration gestorben, davon 28 Kinder. Die Hilfsorganisation Save the Children bestätigte den Tod von 27 Kindern.

Die Leiterin der Abteilung für humanitäre Politik und Beratung bei Save the Children, Alexandra Saieh, erklärte vor ein paar Tagen gegenüber dem Middle East Monitor: „Wir glauben, dass die offizielle Zahl von 25 verhungerten Kindern nur die Spitze des Eisbergs ist. Das sind nur die Kinder, deren Eltern es geschafft haben, sie in Gesundheitseinrichtungen zu bringen, um Hilfe zu bekommen, und die erfasst wurden.

Einer meiner Kollegen, der in einem der Krankenhäuser in Gaza war, erklärte, die Ärzte müssten die Mütter sofort nach der Entbindung entlassen, weil sie nicht in der Lage sind, sie zu betreuen. Und dann kommen die Kinder, Säuglinge und Kleinkinder wieder in die Unterkünfte und sterben dort, weil die Mütter sie nicht ernähren können.“

Dr. Hussam Safiya aus dem Kamal-Adwan-Krankenhaus im Norden des Gazastreifens erklärte am 4. April gegenüber Human Rights Watch, dass alleine in seinem Krankenhaus 26 Kinder an den Folgen des Hungers gestorben sind. Die Mehrheit davon, 16 Kinder, waren jünger als fünf Monate, die anderen zehn unter acht Jahren. Gegenüber Middle East Monitor erklärte er, das jüngste Kind sei mit nur zwei Tagen gestorben, nachdem es wegen des schlechten Gesundheitszustands seiner Mutter bereits stark dehydriert geboren wurde: „[Sie] hatte keine Milch, die sie ihm hätte geben können.“

Der geschäftsführende Direktor des Al-Adwa-Krankenhauses im Norden des Gazastreifens, Mohammed Salha, erklärte gegenüber dem Guardian: „Alle haben aufgrund von Unterernährung mehr als ein Vierteil ihres Körpergewichts verloren. Es gibt keine Nahrung.“

Dr. Margaret Harris von der Weltgesundheitsorganisation erklärte am Wochenende, in das drastisch unterversorgte Kamal-Adwan-Krankenhaus im Norden des Gazastreifens würden täglich mindestens 15 Kinder mit Unterernährung kommen.

Krankheiten sind allgegenwärtig. Anadolu Agency berichtete am Montag, es seien offiziell mehr als eine Million Fälle von Infektionskrankheiten registriert, d.h. bei fast der Hälfte der palästinensischen Bevölkerung, darunter 8.000 Fälle von Hepatitis C.

Harris erklärte: „Unter den Vertriebenen in den Unterkünften wurden seit dem 7. Oktober 614.000 Fälle von Infektionen der oberen Atemwege und 330.000 Fälle von Durchfallerkrankungen verzeichnet.“ Dazu kommen 83.500 Fälle von Krätze, 48.000 Hautausschläge und 7.300 Windpockenfälle. Bei 21.300 Personen wurde Gelbsucht beobachtet.

Harris fügte hinzu: „Die Zahl der Masernfälle, die in Gesundheitszentren des UNRWA diagnostiziert werden, ist beunruhigend.“ 9.000 Patienten müssten zur Behandlung evakuiert werden, darunter 6.000 mit schweren psychischen Traumata und 2.000, die an schweren chronischen Krankheiten wie Krebs leiden. Diese Zahlen sind vermutlich deutlich zu niedrig.

Diese Last liegt auf einem bewusst zerstörten Gesundheitssystem. Nur 10 der 36 Krankenhäuser im Gazastreifen sind höchstens teilweise in Betrieb.

Der palästinensische Rote Halbmond veröffentlichte am Dienstag ein Video, auf dem die Ruinen zu sehen sind, die Israels Wüten hinterlassen hat. Die Organisation kommentiert dazu: „Die vorsätzliche Zerstörung innerhalb des Al-Amal-Krankenhauses in Chan Yunis durch die israelischen Besatzungssoldaten hat zu einer umfassenden Verwüstung geführt. Das Krankenhaus ist nicht mehr in der Lage, Patienten und Verwundete zu behandeln.“

Die Vereinten Nationen widersprechen Israels Behauptungen, seine Truppen würden mehr Hilfslieferungen in den Gazastreifen lassen, was von Blinken und Cameron wiederholt wurde. Laut dem Sprecher des Büros für humanitäre Hilfe, Jens Laerke, sind die Lastwagen, die von israelischen Soldaten kontrolliert werden, „in der Regel nur halbvoll. Das ist eine Vorgabe, die sie zu Kontrollzwecken eingeführt haben.“

Zudem „ist es wenig sinnvoll, Tag für Tag abzuzählen und zu vergleichen, weil dabei die Verzögerungen am Grenzübergang und die Weiterbeförderung in die Lagerhäuser nicht berücksichtigt werden“. Laerke erklärte: „Die Hälfte der Konvois mit Nahrungsmitteln, die wir [im März] in den Norden schicken wollten, wurde von den gleichen israelischen Behörden abgewiesen.“

Das UNRWA, das durch die Einstellung der Zahlungen der imperialistischen Mächte gelähmt ist, konnte nach eigenen Angaben seit Januar keine Nahrungsmittel mehr in den Norden des Gazastreifens bringen.

Das Welternährungsprogramm hatte im Februar wegen Sicherheitsbedenken die Lieferungen eingestellt, sie aber letzten Monat wiederaufgenommen. Die langjährige Sprecherin Abeer Etefa erklärte gegenüber dem Guardian: „Nach vielen gescheiterten Versuchen konnten wir im März mehrere Konvois in den Norden schicken – etwa 47 Lastwagen. Seit Anfang Januar konnten etwa 110 Lastwagen den Norden erreichen, aber das ist bei weitem nicht genug. Wir brauchen 30 Lastwagen pro Tag.

Es ist Glückssache, manchmal gibt es Probleme bei der Abfertigung, manchmal bei der Sicherheit, und manchmal werden wir an Kontrollpunkten abgewiesen oder stundenlang dort stehen gelassen.“

Laerke erklärte, die Wahrscheinlichkeit, dass Konvois mit Nahrungsmitteln abgewiesen werden, sei „dreimal so hoch wie bei humanitären Konvois mit anderem Material“.

Letzte Woche hat Israel durch die Ermordung von Mitgliedern der Hilfsorganisation World Central Kitchen dafür gesorgt, dass die Organisation die Versorgung von 500.000 Menschen in Gaza pro Tag einstellen musste.

Umaiyeh Khammash, Arzt bei Care International and Juzoor, beschrieb den Norden des Gazastreifens als „Hölle auf Erden“ und erklärte: „Wir haben immer wieder versucht, Lebensmittellieferungen durchzubekommen; einmal konnten wir einen Lastwagen voll Nahrungsmittel reinbringen, aber er wurde getroffen und 20 Menschen starben.“

Am 29. Februar wurden mindestens 112 Palästinenser von israelischen Soldaten massakriert und hunderte verwundet, als sie versuchten, von einem Hilfskonvoi Mehl abzuholen. Israel behauptete, eine „Massenpanik“ sei für die Todesfälle verantwortlich.

CNN veröffentlichte am Dienstag die Ergebnisse einer Untersuchung auf der Grundlage „der Analyse von Dutzenden von Videos aus der Nacht und von Augenzeugenberichten, die Zweifel an Israels Version der Ereignisse aufwerfen. Die Beweise, die von Forensik- und Ballistik-Experten geprüft wurden, deuten darauf hin, dass schon mit automatischen Waffen geschossen wurde, bevor der Konvoi nach Angaben der IDF [Israelischen Verteidigungskräften] den Kontrollpunkt zu passieren begann. Die Schüsse wurden aus nächster Nähe auf die Menschenmenge abgegeben, die sich wegen der Nahrungsmittel versammelt hatte.“

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