85 Jahre seit Finnlands Bündnis mit Nazi-Deutschland

Feldmarschall Mannerheim, Adolf Hitler und Risto Ryti [Photo: SA-kuvat]

Am 22. September 1940 trafen die ersten Schiffe mit Soldaten der Wehrmacht aus Nazi-Deutschland in Finnland ein. Der überraschte Polizeichef der Hafenstadt Vaasa rief das Innenministerium an, um Anweisungen zu erhalten. Der ebenso verwirrte finnische Innenminister Ernst von Born wandte sich an den damaligen Ministerpräsidenten Risto Ryti, der ihnen auftrug, die Truppen willkommen zu heißen, da sie auf seine Einladung gekommen waren. Dies war der Beginn des katastrophalen Militärbündnisses Finnlands mit Nazi-Deutschland. Es war von einer kleinen Clique um Ministerpräsident Ryti und Feldmarschall Gustaf Mannerheim ausgehandelt worden. In den folgenden vier Jahren unterstützte die finnische Regierung aktiv die Nazi-Herrschaft über Europa und beteiligte sich bewusst am Holocaust, bevor sie einen separaten Frieden mit der Sowjetunion unterzeichnete.

Diese dunkle Episode wirft einen langen Schatten auf die heutige finnische Politik. Heute gehören 85 Prozent der Abgeordneten im finnischen Parlament Parteien an, die aus der Regierung während des Militärbündnisses mit den Nazis hervorgegangen sind. Die Rolle Finnlands im Zweiten Weltkrieg wird keineswegs als Schande angesehen, sondern von führenden finnischen Politikern wie Außenministerin Elina Valtonen gepriesen. Sie prahlte in einer Rede im März letzten Jahres:

Wir Finnen kennen Russland. Russland hat Landgrenzen zu 14 Ländern. Nur eines davon ist während des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Krieges stets eine unabhängige Demokratie geblieben: Finnland.

In Wirklichkeit unterwarf sich Finnland Nazi-Deutschland nicht in einem demokratischen Rahmen, sondern durch eine Reihe von Verschwörungen, die sich in erster Linie gegen die finnische Arbeiterklasse richteten. Unter dem Vorwand, dass Einheit (yksimielisyys) notwendig sei, um die Unabhängigkeit Finnlands zu bewahren, schlossen sich alle großen Parteien, von der Sozialdemokratischen Partei (SDP) bis zur faschistischen IKL, zusammen, um die Kontrolle über die finnische Außenpolitik an die eingesetzten, nicht demokratisch gewählten Vertreter Ryti und Mannerheim zu übergeben. Diese Verschwörung lud dann Deutschland ein, Teile des Landes zu besetzen, und versprach Unterstützung für den Vernichtungskrieg der Nazis gegen die Sowjetunion. Die herrschende Klasse stellte diese Politik fälschlicherweise als Verteidigungsmaßnahme gegen eine sowjetische Aggression dar.

Die schicksalhafte Entscheidung der finnischen Regierung, sich der neuen Ordnung der Nazis in Europa anzuschließen, wurde zwar innerhalb von nur sechs Monaten nach dem Ende des Winterkriegs mit der Sowjetunion im März 1940 getroffen, aber sie war die unvermeidliche Folge einer miserablen politischen Bilanz der finnischen Bourgeoisie. Während des gesamten Unabhängigkeitskampfes Finnlands suchte die Bourgeoisie stets nach einem imperialistischen Oberherrn, der sie vor der äußerst militanten finnischen Arbeiterklasse schützen sollte. Die Tatsache, dass Finnlands Unabhängigkeit aus der Machtergreifung der Bolschewiki in der Oktoberrevolution hervorgegangen war, verstärkte nur noch die Sehnsucht der Kapitalisten nach einem ausländischen Schutzschild gegen den Sozialismus. Vor allem aufgrund des nationalistischen Verrats von Sozialdemokratie und Stalinismus war diese verfaulte Bourgeoisie in der Lage, die Opposition der Arbeiterklasse zu unterdrücken, während sie sich in zunehmendem Maße mit Nazi-Deutschland verbündete.

Erst jüngst ist Finnland der NATO beigetreten, um sich für einen Krieg gegen Russland und China zu rüsten. Damit bereiten sich die Erben der finnischen Kollaboration erneut darauf vor, die finnischen Arbeiter in einen verheerenden Angriffskrieg zu stürzen, alles im Namen der „nationalen Verteidigung“. Es ist notwendig, die groben historischen Verfälschungen aufzudecken, die hinter der aktuellen Propagierung der „Demokratie“ Finnlands im Zweiten Weltkrieg stehen, um die finnischen Arbeiter gegen die gegenwärtigen Kriegsbestrebungen zu wappnen.

Unabhängigkeit und Bürgerkrieg

Finnland, das seit Beginn des 19. Jahrhunderts Teil des Russischen Reiches war, erlangte erst mit der Oktoberrevolution 1917 und dem Sieg der Bolschewiki seine Unabhängigkeit. In Übereinstimmung mit Lenins Politik, das Selbstbestimmungsrecht der vom brutalen zaristischen Regime unterdrückten Nationen zu unterstützen, gewährte die Sowjetregierung Finnland Anfang Dezember 1917, etwas mehr als einen Monat nach ihrer Machtübernahme, die Unabhängigkeit. Diese prinzipielle Politik stand in krassem Gegensatz zur vorausgegangenen bürgerlich-demokratischen Provisorischen Regierung in Russland, die mit Unterstützung der Menschewiki im Sommer 1917 russische Truppen nach Finnland entsandt hatte, um das finnische Parlament mit Gewalt aufzulösen.

Arbeitermiliz im Vorort Maaria von Turku während des Generalstreiks im Mai 1917 [Photo: Turun museokeskus]

Fast zeitgleich mit der Machtübernahme der Bolschewiki in Petrograd brach ein Generalstreik der finnischen Arbeiter aus. Dass die Arbeiterklasse in Finnland nicht zusammen mit ihren Klassenbrüdern und -schwestern im übrigen zaristischen Reich an die Macht kam, war vor allem auf die verräterische Rolle der Sozialdemokratischen Partei Finnlands (SDP) zurückzuführen. Die Sozialdemokraten hatten sich im Stil der Zweiten Internationale geweigert, die politische Macht für die Arbeiterklasse zu übernehmen, und stattdessen systematisch daran arbeitete, die revolutionäre Arbeiterbewegung zu demobilisieren. Dieser Verrat verschaffte den konterrevolutionären bürgerlichen Kräften wertvolle Zeit, um sich auf den Bürgerkrieg vorzubereiten. Zweieinhalb Monate später sah sich die SDP gezwungen, unter den Bedingungen eines rasch eskalierenden Bürgerkriegs die Macht in der Hauptstadt Helsinki zu übernehmen.

Die Weißen Truppen unter Mannerheim luden Deutschland ein, in Helsinki einzumarschieren und die Stadt zu besetzen, was sich als entscheidend für die Niederschlagung der finnischen Arbeiterklasse erwies. Nach dem Sieg im Mai 1918 behielten die deutschen Soldaten General Rüdiger von der Goltz als faktischen Militärdiktator Finnlands bei. Das finnische Parlament feierte seine „Unabhängigkeit“, indem es Deutschland bat, einen Prinzen als König über sich zu setzen. Erst die deutsche Revolution im November 1918 stürzte den deutschen Kaiser und machte die Pläne der finnischen Bourgeoisie zunichte, ihre rücksichtslose Klassenausbeutung der Arbeiter mit einem eisernen preußischen Helm zu krönen.

Deutsche Soldaten der Ostseedivision besetzen Helsinki, 1918 [Photo: Unknown]

Die Regierung, die in Finnland entstand, war stramm antikommunistisch. Während des Bürgerkriegs wurden knapp 6.000 Rotgardisten im Kampf getötet, aber etwa 10.000 wurden im Rahmen des Weißen Terrors hingerichtet, und weitere 12.000 starben in Gefangenenlagern. Diese Zahlen sind umso entsetzlicher, wenn man bedenkt, dass Finnland damals nur etwas mehr als 3 Millionen Einwohner hatte. Die Politiker, die später das Bündnis mit den Nazis schmiedeten, etablierten sich im Bürgerkrieg. Carl Gustaf Mannerheim, ehemaliger Offizier des Zarenreichs, war der Anführer der Weißen Armee, die Massaker an finnischen Arbeitern verübte. Väinö Tanner war der rechtsgerichtete Sozialdemokrat, der sich während des Bürgerkriegs versteckte und danach hervortrat, um die Überreste der SDP nach rechts zu führen und dafür zu kämpfen, die finnischen Arbeiter mit den Kapitalisten zu versöhnen, die gerade ihre Freunde und Nachbarn massakriert hatten.

Deutsche Offiziere [oben links] beaufsichtigen nach dem Bürgerkrieg das finnische Restparlament [Photo: National Board of Antiquities on the Finna service hosted by the Finnish Ministry of Education and Culture]

Nachdem sich der Staub des Bürgerkriegs gelegt hatte, diente Finnland als Operationsbasis für konterrevolutionäre Angriffe der Weißen und ihrer imperialistischen Unterstützer auf den ersten Arbeiterstaat. Nach dem Sieg der Sowjets im russischen Bürgerkrieg gab es zwischen Finnland und der Sowjetunion trotz ihrer langen Grenze nur sehr wenig diplomatischen oder wirtschaftlichen Austausch. Schließlich eskalierte die Krise des europäischen Kapitalismus erneut zu einem Weltkrieg.

Der Stalin-Hitler-Pakt und der Winterkrieg

Der unmittelbare Hintergrund für Finnlands Bündnis mit Nazi-Deutschland waren die wilden Zickzackkurse in Stalins Außenpolitik. Ausgehend von der Ablehnung des marxistischen Internationalismus durch die stalinistische Bürokratie und der Befürwortung des „Sozialismus in einem Land“ verwandelten sich die kommunistischen Parteien weltweit von revolutionären Organisationen zu ergänzenden Instrumenten in Stalins diplomatischen Bemühungen mit kapitalistischen Ländern. Als Reaktion auf den Sieg der Nazis in Deutschland zog sich die stalinisierte Komintern von der katastrophalen ultra-linken Politik der Dritten Periode zurück, in der sie die Sozialdemokraten zu „Sozialfaschisten“ erklärt und die Notwendigkeit einer Einheitsfront der Arbeiterklasse gegen den Faschismus abgelehnt hatte. Stattdessen verabschiedete die stalinistisch dominierte Komintern die ebenso katastrophale Volksfrontpolitik und bestand darauf, dass die Arbeiter die „demokratischen“ Kapitalisten unterstützen sollten. Um ihre bürgerlichen Partner nicht zu verärgern, unterdrückte der stalinistische Apparat revolutionäre Bewegungen der Arbeiterklasse in Spanien und Frankreich und ordnete die kommunistischen Parteien international im Kampf gegen den Faschismus der „demokratischen“ Bourgeoisie unter.

Der sowjetische Außenminister Molotow und der Nazi-Außenminister Ribbentrop geben sich 1940 die Hand [Photo by Bundesarchiv, Bild]

Das Münchner Abkommen vom September 1938, mit dem die Volksfrontregierung Frankreichs zusammen mit Großbritannien trotz sowjetischer Einwände Hitlers Annexion des Sudetenlandes von der Tschechoslowakei zustimmte, führte zu einer abrupten Wende in Stalins Außenpolitik. Weniger als ein Jahr später, im August 1939, verabschiedeten Hitler und Stalin den berüchtigten Molotow-Ribbentrop-Pakt, der Osteuropa in ihre jeweiligen Einflusssphären aufteilte, die potenziellen Auswirkungen einer Seeblockade auf die Kriegsmaschinerie der Nazis durch einen stark ausgeweiteten Handel zwischen den beiden Ländern minimierte und Deutschland die Hände für die Eroberung Westeuropas frei machte. Im Rahmen des Abkommens wurde Polen zwischen den beiden Ländern aufgeteilt, und die Sowjetunion erhielt freie Hand in Finnland und im Baltikum.

Diese völlige Kehrtwende in der Anti-Nazi-Politik der Komintern stürzte die kommunistischen Parteien in ganz Europa in eine Krise und lähmte die Arbeiterklasse, als Deutschland am 1. September 1939 in Polen einmarschierte und damit den Beginn des Zweiten Weltkriegs signalisierte.

Seit Anfang 1938 hatte die Sowjetunion Finnland gegenüber Andeutungen gemacht, Gebiete austauschen zu wollen, damit die Sowjets die Zufahrtswege nach Leningrad, das nur 30 Kilometer von der finnischen Grenze entfernt lag, besser verteidigen konnten. Im Oktober 1939 fanden ernsthafte Verhandlungen statt, die jedoch schnell scheiterten. Die Sowjetunion marschierte am 30. November in Finnland ein.

Unter dem Eindruck von Stalins Säuberungen war die Rote Armee schlecht auf die Offensive vorbereitet und hatte keinen Bezug zur Stimmung in der finnischen Arbeiterklasse. Während des Großen Terrors von 1937-38 vernichtete die stalinistische Bürokratie in einem politischen Genozid über eine Million Menschen, darunter die verbliebenen alten Bolschewiki, die in der Führung der Oktoberrevolution von 1917 zum Sieg beigetragen hatten, und Anhänger der Linken Opposition unter der Führung von Leo Trotzki, dem Mitanführer der Russischen Revolution neben Lenin. Stalin entließ, verhaftete oder exekutierte die meisten hochrangigen Militärs. Der sowjetische Soziologe Wadim Rogowin vermittelt in seinem Werk „Die Partei der Hingerichteten“ einen Eindruck von den Auswirkungen auf das Militär: „Von 837 Personen, die im November 1935 militärische Ränge verliehen bekommen hatten (vom Oberst bis zum Marschall), waren 720 Repressalien unterworfen. Von 16 Personen, die man zum Armeekommandeur bzw. Marschall ernannt hatte, waren von der großen Säuberung nur Woroschilow, Budjonny und Schaposchnikow verschont geblieben. (Wadim S. Rogowin, Die Partei der Hingerichteten, Essen 1999, S. 213).

Die stalinistische Bürokratie führte auch Repressionen gegen ausländische Kommunisten durch, darunter auch Finnen. Das finnische Nationalarchiv enthält Aufzeichnungen über mehr als 6.000 Finnen, die zwischen 1935 und 1939 in der Sowjetunion verfolgt wurden, darunter viele Mitglieder der Kommunistischen Partei.

In der Anfangsphase der Invasion versuchte die Sowjetunion, eine Marionettenregierung zu bilden, die Finnische Demokratische Republik. Weit davon entfernt, die finnischen Arbeiter auf ihre Seite zu bringen, ermöglichte die Invasion Finnlands nach dem Abkommen mit Nazi-Deutschland und der Invasion Polens der Führung der SDP unter Tanner, die finnische Arbeiterbewegung zu entmachten und die SDP endgültig zum Juniorpartner des finnischen Kapitalismus zu machen. Stalins Annäherung an Hitler gab Tanner die Gelegenheit, seine Unterstützung für den finnischen Staat so darzustellen als sei dies ein Kampf gegen Hitler und seine Verbündeten. Dies hinderte Tanner jedoch nicht daran, weniger als zwei Jahre später selbst zu einem prominenten Nazi-Kollaborateur zu werden.

Zunächst gelang es der finnischen Armee, den sowjetischen Vormarsch aufzuhalten. Doch die Desorganisation der Roten Armee wurde überwunden, und die immense Ungleichheit in Bezug auf Industrie und Arbeitskräfte machte sich bemerkbar. Mannerheim lehnte Hilfsangebote der Alliierten ab, da er erkannte, dass ihr primäres Ziel darin bestand, die Nickelminen von Petsamo zu erobern und eine nordische Front gegen Deutschland zu eröffnen. Angesichts des stetigen Vormarsches der überlegenen sowjetischen Streitkräfte akzeptierte Finnland im März 1940 die Friedensbedingungen und trat deutlich mehr Land ab, als die Sowjetunion vor dem Krieg zum Tausch angeboten hatte.

Shachtman und finnische „Landesverteidigung“

Die Erzählung vom „demokratischen” Finnland, das einen mutigen Kampf gegen den sowjetischen „Imperialismus” führte, wurde von bürgerlichen Politikern und Medien angeheizt. Als Ausdruck einer scharfen Rechtsverschiebung seitens der radikalen Kleinbourgeoisie nutzte eine Fraktion innerhalb der Vierten Internationale den Winterkrieg, um ihre Ablehnung des Trotzkismus und ihre Annäherung an den amerikanischen Imperialismus zu Beginn des Zweiten Weltkriegs zu legitimieren.

Die kleinbürgerliche Opposition in der Socialist Workers Party, deren Kern James Burnham und Max Shachtman in den Vereinigten Staaten bildeten, führte den Winterkrieg als Rechtfertigung für ihre Ablehnung einer bedingungslosen Verteidigung der Sowjetunion gegen imperialistische Angriffe an. Burnham und Shachtman behaupteten, die Sowjetunion könne nicht länger als Arbeiterstaat betrachtet werden, da die stalinistische Bürokratie den Molotow-Ribbentrop-Pakt geschlossen habe.

Trotzki vertrat entschieden die Auffassung, dass die verschiedenen Verbrechens Stalins und seines Apparats den Klassencharakter der Sowjetunion dennoch nicht verändert hatten. Er bestand darauf, die Sowjetunion als degeneriertem Arbeiterstaat zu verteidigen: Die Bürokratie musste gestürzt, aber die aus der Oktoberrevolution hervorgegangenen wirtschaftlichen Verhältnisse verteidigt werden.

In seinem Artikel „Bilanz der Finnischen Ereignisse“ vom April 1940 unterstrich er die Notwendigkeit, lokale Ereignisse aus der Perspektive der Interessen der internationalen Arbeiterklasse zu analysieren. Trotzki nahm das Beispiel Norwegens, das von den Nazis besetzt worden war und eine Zeit lang eine pro-nazistische Regierung im Süden und ein nominell „demokratisches“ Regime im Norden unter dem König hatte, der später nach Großbritannien floh. Er betonte, es sei nicht richtig, den norwegischen Arbeitern zu sagen, sie sollten die „demokratische“ Regierung als das kleinere Übel im Vergleich zur pro-nazistischen Regierung unterstützen, da beide Fraktionen der norwegischen Bourgeoisie Werkzeuge der großen imperialistischen Mächte inmitten eines Weltkrieges waren. Trotzki schrieb:

Vom Standpunkt der Strategie des Weltproletariats aus war der finnische Widerstand ebensowenig ein Akt unabhängiger nationaler Verteidigung wie der Widerstand Norwegens. Die finnische Regierung selbst zeigte das am besten, als sie lieber den Widerstand einstellte, als Finnland vollkommen zu einer Militärbasis Englands, Frankreichs und der Vereinigten Staaten zu machen. Zweitrangige Faktoren wie die nationale Unabhängigkeit Finnlands oder Norwegens, die Verteidigung der Demokratie usw., wie wichtig sie auch für sich genommen sein mögen, sind nun mit dem Kampf der bei weitem mächtigeren Weltmächte verknüpft und ihnen vollständig untergeordnet. Wir müssen die zweitrangigen Faktoren abziehen und unsere Politik nach den grundlegenden Faktoren bestimmen. (Trotzki, Bilanz der Finnischen Ereignisse, in: Verteidigung des Marxismus, Juni 1940)

Die von Trotzki hervorgehobenen grundlegenden Faktoren wurden einen Monat später im „Manifest der IV. Internationale zum imperialistischen Krieg und zur proletarischen Weltrevolution“ näher ausgeführt. Das Dokument, das auf einer Dringlichkeitskonferenz der Vierten Internationale zwischen dem 19. und 26. Mai 1940 verabschiedet wurde, stellte fest, dass der erneute Weltkrieg, wie schon der Erste Weltkrieg, revolutionäre Bewegungen in der Arbeiterklasse auf der ganzen Welt hervorrufen wird und den Kampf für die politische Macht der Arbeiterklasse umso notwendiger machte. Die sozialistische Weltrevolution war einzige Ausweg. Trotzki schrieb:

Die IV. Internationale wendet sich nicht an die Regierungen, die die Völker in das Gemetzel gezwungen haben, noch an die bürgerlichen Politiker, die die Verantwortung für diese Regierungen tragen, noch an die Arbeiterbürokratie, die die kriegführende Bourgeoisie unterstützt. Die IV. Internationale wendet sich an die arbeitenden Männer und Frauen, die Soldaten und Matrosen, die ruinierten Bauern und die versklavten Kolonialvölker. Die IV. Internationale hat keinerlei Bindung an die Unterdrücker, die Ausbeuter, die Imperialisten. Sie ist die Weltpartei der Werktätigen, der Unterdrückten und der Ausgebeuteten. (Trotzki, Manifest der IV. Internationale zum imperialistischen Krieg und zur proletarischen Weltrevolution, Mai 1940)

Die Richtigkeit von Trotzkis Ansatz wurde im Laufe des Zweiten Weltkriegs hinreichend bewiesen. „Sozialisten“ wie Tanner, welche die nationale Verteidigung über die internationale Arbeiterklasse stellten, verbündeten sich bereitwillig mit den Nazis und ermöglichten letztlich den Holocaust. Während des gesamten Zweiten Weltkriegs verbreitete die SDP massiv die Lüge, Finnland sei nicht mit Nazi-Deutschland verbündet und unterstütze dessen Vernichtungskrieg nicht, sondern führe lediglich einen eigenen unabhängigen Verteidigungskrieg an deutscher Seite. Der Zweite Weltkrieg radikalisierte die Arbeiterklasse in ganz Europa und darüber hinaus, da sich angesichts der Komplizenschaft der Bourgeoisie bei den schrecklichsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit antikapitalistische und sozialistische Gefühle weit verbreiteten. Antikoloniale Massenbewegungen in ganz Asien und Afrika zeigten ebenfalls das Potenzial des von Trotzki vertretenen revolutionären Programms.

„Einheit” in der Zwischenkriegszeit und die Verschwörung der Sozialdemokratie gegen die Arbeiterklasse

Finnische Soldaten überqueren 1941 die Murmansk-Eisenbahn [Photo: Tauno Norjavirta]

Die schwere Niederlage im Winterkrieg kam für viele Finnen überraschend, da die Zensur während des Krieges den Eindruck erweckte, dass ihre Armee sich gut schlage und nicht kurz vor einer schweren Niederlage stehe. Diese Zensur wurde auch nach dem Ende des Winterkriegs, als der Vertrag von Moskau geschlossen war, beibehalten und half der Regierung, ihre Hinwendung zu Nazi-Deutschland im Geheimen zu vollziehen. Viele rechtsgerichtete Persönlichkeiten in der Regierung, darunter Mannerheim, waren der Meinung, dass der Winterkrieg ein katastrophaler Fehler für Finnland gewesen sei. Juho Paasikivi, ein führendes Mitglied der Nationalen Koalitionspartei (Kokoomus), schrieb später:

Der Winterkrieg hat uns zwar Ehre, Ansehen und das Wohlwollen der Welt eingebracht, aber er hat den unglücklichen Frieden von Moskau nicht verhindert und war auch kein Ausgleich dafür.

Es ist ein eindrucksvoller Beweis sowohl für die Wirksamkeit der Zensur als auch für die Geringschätzung der Politiker gegenüber der Fähigkeit der finnischen Öffentlichkeit, Ereignisse zu verstehen, dass Zweifel an der Notwendigkeit des Krieges öffentlich als kommunistische Subversion angeprangert wurden. Moderne Behauptungen, Finnland sei im demokratischen Rahmen ein Bündnis mit Nazi-Deutschland eingegangen, müssen im Zusammenhang mit dieser Verschwörung der Regierung gesehen werden, die Öffentlichkeit selbst von grundlegenden Kenntnissen über die tatsächliche internationale Lage Finnlands auszuschließen.

Unter dem Zensurregime wurden Artikel verboten, die Sympathie für Norwegen und Dänemark zum Ausdruck brachten, als diese Länder von den Nazis überfallen und besetzt wurden. Kurze sachliche Notizen über die Repressionen der Nazis in ganz Europa wurden gelegentlich zugelassen, solange sie keine Kritik oder Diskussion enthielten. Während Zeitungen das Nazi-Regime loben durften, wurden alle Artikel, die Sympathie für die Sowjetunion zeigten, von den Zensoren verboten. Diese harte Zensur wurde von den SDP-Ministern in der Regierung unterstützt. Der Historiker Anthony Upton beschrieb die Auswirkungen davon wie folgt:

All dies hatte zweifellos zur Folge, dass den finnischen Bürgern jede Möglichkeit genommen wurde, sich ein realistisches Bild von den beiden Großmächten zu machen, deren Politik ihr eigenes Schicksal bestimmte.

Kurz nach dem Winterkrieg stellte sich die linke Fraktion der SDP unter Karl Wiik gegen Tanner und begann, für ein Ende der Notstandsmaßnahmen und eine freie Presse zu agitieren. Sie versammelte eine kleine parlamentarische Opposition um sich, die aus nur sechs Abgeordneten bestand und als Wiik-Gruppe bekannt war. Einige Monate später, im September, organisierte Tanner ihren Ausschluss aus der SDP und verurteilte ihr Werben für demokratische Rechte. Eine wichtige historische Frage ist, wie man die tatsächliche finnische öffentliche Meinung einschätzen kann, obwohl alle Parlamentsparteien so gründlich versucht haben, eine öffentliche Diskussion zu verhindern.

Es gibt zwei wichtige Entwicklungen in der Zwischenkriegszeit, die auf eine große, aber unterdrückte Opposition gegen die zunehmend pro-nazistische Diplomatie der Regierung hindeuten. Erstens das rasante Wachstum der finnisch-sowjetischen Friedens- und Freundschaftsgesellschaft (SNS, nach den finnischen Initialen) und zweitens die linke Opposition in den Gewerkschaften. Im Mai 1940 gründeten etwa 20 aus der SDP ausgeschlossene Radikale und Mitglieder der verbotenen, im Untergrund agierenden Kommunistischen Partei die SNS, um eine Ausrichtung auf die Sowjetunion statt auf Nazideutschland zu fördern. Innerhalb von zwei Monaten hatte sie 115 Ortsgruppen und 35.000 beitragszahlende Mitglieder, das entsprach etwa einem Prozent der Gesamtbevölkerung.

Die Regierung reagierte mit polizeilichen Repressionen. Im Juli wurde der Sekretär der SNS, Mauri Ryömä, verhaftet, weil er einen offenen Brief an das Parlament veröffentlicht hatte, in dem er ein Ende der Zensur und eine neue, auf die Sowjetunion ausgerichtete Regierung forderte. Die SNS organisierte Kundgebungen, um seine Freilassung zu fordern. Die Bemühungen der Polizei, die Versammlungen zu verhindern, führten zu täglichen Protesten in Helsinki. Die Regierung verbot alle Versammlungen von mehr als 30 Personen in der Hauptstadt und setzte Wasserwerfer gegen finnische Arbeiter ein. Auf dem Höhepunkt der Proteste in Turku zerstreute die Polizei die Menschenmenge mit scharfer Munition. Die Regierung verhaftete weitere Führer der SNS und verbot die Organisation im Dezember offiziell.

Obwohl die Wiik-Gruppe aus der SDP ausgeschlossen worden war, setzte sie ihren Kampf für demokratische Rechte und den Klassenkampf in den Gewerkschaften fort. Die Zentralorganisation der finnischen Gewerkschaften (SAK) hielt Ende Oktober ihren Kongress ab, und die linken Sozialdemokraten führten eine Kampagne gegen die korporatistischen Kriegsvereinbarungen. In einem erbitterten Kampf gegen die SDP-Führung konnte etwa ein Drittel der Gewerkschaftsdelegierten des Kongresses für diese Ausrichtung gewonnen werden.

Obwohl sie mit Zensur und Gewalt zurückgedrängt wurde, gab es in der Arbeiterklasse eine klare und militante Opposition gegen die antidemokratischen Maßnahmen der Regierung und ihre zunehmende Orientierung an Nazi-Deutschland. Aber diese Welle der Militanz in der Arbeiterklasse konnte sich nicht zu einer revolutionären Opposition entwickeln, ohne mit der Klassenkollaboration der SDP oder dem bürokratischen Nationalismus des Stalinismus zu brechen. Die Wiik-Gruppe lehnte die illegale, im Untergrund stattfindende Organisierung ab, die notwendig war, damit die Arbeiter gegen das Abgleiten in den Faschismus kämpfen konnten. Die SNS ihrerseits stellte die Dominanz der SDP in der Arbeiterbewegung nicht in Frage, sondern agitierte für eine sowjetische Intervention, wodurch die Mehrheit der finnischen Arbeiter fest unter Tanners Kontrolle blieb. Alle parlamentarischen Parteien schlossen sich zusammen, um diese Opposition zu unterdrücken, und übergaben die Außenbeziehungen zu Deutschland vollständig in die Hände einer militärischen Verschwörung um Mannerheim, um zu verhindern, dass die finnische Arbeiterklasse Einfluss auf die Ereignisse nehmen konnte.

Regierung als Verschwörung

Als vor 85 Jahren die ersten Soldaten der deutschen Wehrmacht in Finnland eintrafen, war es keine Überraschung, dass fast niemand, vom Innenminister abwärts, überhaupt von ihrer Ankunft wusste. Die Entscheidung, deutsche Soldaten im Land zu stationieren, traf Mannerheim nach einem Treffen mit dem Nazi-Gesandten Josef Veltjens am 18. August 1940.

Mannerheim behauptete, er habe für dieses Manöver die Genehmigung von Ministerpräsident Ryti per Telefon erhalten, was wahrscheinlich stimmt, auch wenn Ryti dies stets bestritt. Präsident Kyösti Kallio wurde nicht konsultiert, obwohl er laut Verfassung die Zuständigkeit für Außenpolitik hatte. Das Kabinett wurde erst zwei Tage nach Ankunft der Soldaten über die Vereinbarung informiert. Die beiden SDP-Minister erhoben keine Einwände, murrten jedoch, dass sie erst nachträglich informiert worden seien. Das Parlament wurde nie offiziell informiert.

Die Lüge, die erfunden wurde, um die Einrichtung einer ausländischen Garnison zu verschleiern, lautete, dass Finnland unter Wahrung seiner Neutralität Nazi-Deutschland erlauben würde, Truppen und Material durch das Land zu schicken, um seine Soldaten im äußersten Norden des besetzten Norwegen zu entlasten. Hitler hatte jedoch bereits Wochen vor der Vereinbarung mit den Vorbereitungen für eine Invasion der Sowjetunion begonnen. Aus Sorge, dass die finnische Regierung einen sofortigen Konflikt auslösen könnte, gab Hitler die Details der Operation Barbarossa nicht preis, aber Mannerheim und Ryti bereiteten sich aktiv vor und hofften auf eine Nazi-Invasion.

Insbesondere nach dem Fall Frankreichs an die Nazis im Juni 1940 festigte sich die Meinung der Elite in Finnland, Finnlands Platz in der Neuen Ordnung der Nazis zu sichern. Typisch dafür war der Leitartikel vom 4. August 1940 in Uusi Suomi, der Zeitung der Kokoomus: „[Der deutsche Einfluss in Finnland] schafft eine unbestreitbare Verbindung, die nicht ohne Gewalt gegen die historischen Tatsachen gebrochen werden kann und die auch nicht im Widerspruch zu dem Gefühl der Schicksalsgemeinschaft steht, von dem Alfred Rosenberg spricht.“ Rosenberg war ein führender Nazi-Rassentheoretiker, der Antisemitismus und Lebensraum propagierte. Mit dem Einmarsch in die Sowjetunion wurde er Reichsminister für die besetzten Ostgebiete und später wegen seiner zahlreichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit bei den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt.

Außenminister Väinö Tanner verkündet in einer Radioansprache das Ende des Winterkrieges 1940 [Photo: Yle Archives]

Trotz seiner langjährigen und öffentlich verlautbarten Abneigung gegen die Nazis argumentierte der SDP-Vorsitzende Tanner ebenfalls, dass Finnland sich mit der Nazi-Herrschaft in Europa abfinden müsse. In einer Rede in Oulu am 15. Juli erklärte er, dass kleine Nationen „in diesen turbulenten Zeiten keine Möglichkeit haben, über ihr eigenes Schicksal zu entscheiden“. Die SDP beharrte während des gesamten Krieges auf der absurden Fiktion, dass Finnland nur unabhängig gegen die Sowjetunion kämpfe und nicht mit den Nazis verbündet sei. Sie waren jedoch als Minister in einer Regierung vertreten, die alle Überlegungen dem Kampf gegen die Sowjetunion unterordnete und sich bereitwillig Hitlers antibolschewistischem Kreuzzug anschloss, ungeachtet der damit verbundenen Verbrechen.

Im März 1941 genehmigten Mannerheim und die Regierung die Bildung eines finnischen Freiwilligenbataillons der Waffen-SS. Der finnische Außenminister Rolf Witting äußerte gegenüber dem deutschen Botschafter die Hoffnung, dass „Finnland dem Dreimächtepakt [Achse] beitreten kann“. Das Bataillon wurde vom finnischen Verteidigungsministerium finanziert, und die Freiwilligen schworen pflichtbewusst ihren Treueeid auf den „Führer“, nahmen an der Invasion der Ukraine teil und begingen zusammen mit dem Rest der SS-Division „Wiking“ zahlreiche Kriegsverbrechen, bevor sie 1943 mit Ehren wieder in das finnische Militär integriert wurden.

Finnische Freiwillige der Waffen-SS bei einem Treffen mit Joseph Goebbels im Jahr 1942 [Photo: Unknown photographer]

Im April 1941 wurde das Kabinett umstrukturiert, um die faschistische und antisemitische Patriotische Volksbewegung (Isänmaallinen kansanliike, IKL) in die Regierung aufzunehmen und eine Einheitskoalition zu bilden. Mit ihrer Aufnahme hatten alle parlamentarischen Parteien Ministerposten inne. Die sechs Unabhängigen unter der Führung von Wiik waren die einzige offizielle Opposition im Parlament.

In den letzten Wochen vor Hitlers Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion erklärte Ryti seinem Kabinett:

Wenn jetzt ein Krieg zwischen Deutschland und Russland geführt wird, könnte dies der ganzen Welt zugute kommen. Deutschland ist das einzige Land, das Russland jetzt besiegen oder zumindest stark schwächen kann, und es ist unwahrscheinlich, dass es der Welt schaden wird, selbst wenn Deutschland in diesem Spiel geschwächt wird.

Operation Barbarossa und ihre Folgen

Am 17. Juni 1941, fünf Tage bevor die Nazis ihre Invasion starteten, erließ Finnland einen Befehl zur allgemeinen Mobilmachung. Ihre geheimen Pläne zur Invasion der Sowjetunion waren mit dem Oberkommando der Nazis abgestimmt worden und sahen vor, finnische Soldaten unter deutsche Offiziere im Norden des Landes zu stellen, mit dem Plan, am 29. Juni einzumarschieren. Die Arbeiterklasse brachte sofort ihre Empörung zum Ausdruck. Neben vereinzelten Berichten über Wehrpflichtige, die sich gegen die Mobilmachung wehrten, erklärte die SDP ihre Ablehnung eines Angriffskrieges. Eine Dringlichkeitskonferenz sozialistischer Organisationen und Gewerkschaften am 19. Juni forderte die Regierung auf, ihrer erklärten Neutralität gerecht zu werden.

Um dem Widerstand der Arbeiterklasse zuvorzukommen, bestanden Ryti und Mannerheim gegenüber dem deutschen Kommando darauf, dass ein geeigneter Vorwand gefunden werden müsse, bevor es zu Angriffen ausgehend vom finnischen Territorium komme. Ungeachtet dessen besetzte das finnische Militär am Morgen des 22. Juni – dem Tag, an dem die Nazis in die Sowjetunion einmarschierten – die Ålandinseln und unterbrach die Telegrafenverbindungen zum sowjetischen Marinestützpunkt in Hanko. Mannerheim erteilte Deutschland nach Mitternacht am 24. Juni offiziell die Genehmigung, finnische Flugplätze zu nutzen, und ermächtigte die finnische Marine, offensive Minenfelder zu legen. Am nächsten Morgen bombardierte die sowjetische Luftwaffe Ziele in Südfinnland, um die Kommunikation und die Mobilisierungsbemühungen zu stören. Ryti nutzte dies als geeigneten Vorwand, um die bereits begonnene Invasion Finnlands zu rechtfertigen.

Das finnische Parlament trat an diesem Tag zu einer geheimen Sitzung zusammen und erhielt einen unwahren Bericht der Regierung, in dem die sowjetischen Luftangriffe als Aggression dargestellt wurden, und sprach dann einstimmig sein Vertrauen aus. Selbst Wiik, der sich trotz seiner Ablehnung der Rolle der SDP in der Regierung nie entschieden von der Sozialdemokratie der Zweiten Internationale gelöst hatte, und die anderen Unabhängigen stimmten trotz ihrer Kritik für die Unterstützung der Regierung. Für ihre loyale Opposition wurden sie kurz nach Kriegsbeginn unter dem Vorwand falscher Verratsvorwürfe verhaftet. Sie blieben drei Jahre lang im „demokratischen” Finnland inhaftiert und erhielten ihre Freiheit erst zurück, als Mannerheim einen separaten Frieden mit der Sowjetunion schloss.

Sowjetische Zivilisten in Leningrad verlassen nach einem deutschen Bombenangriff 1942 ihre Häuser. [Photo by RIA Novosti archive]

Ein Großteil der europäischen Arbeiterklasse war durch den Molotow-Ribbentrop-Pakt und den schnellen Sieg der Nazis über Frankreich in Verwirrung gestürzt worden. Der Einmarsch der Nazis in die Sowjetunion machte die Klassenfrage unübersehbar und signalisierte den Wandel auf dem gesamten Kontinent von isolierten oder passiven Widerständen hin zu zunehmenden Streiks und bewaffnetem Widerstand gegen die Nazis. Die finnische Regierung, einschließlich der SDP, bewegte sich in die entgegengesetzte Richtung. Mit dem Einmarsch begann die Zeit ihrer engsten Zusammenarbeit mit den Nazis und bei all ihren Verbrechen. Finnland beteiligte sich an einem brutalen Vernichtungskrieg, der von Nazi-Deutschland bewusst geplant und durchgeführt wurde und etwa 27 Millionen sowjetischen Bürgern das Leben kostete, darunter über eine Million Zivilisten in Leningrad und Millionen von Juden im Holocaust.

Erst als die Sowjetunion den deutschen Vormarsch zurückgeschlagen hatte und nach Westen vorrückte, strebte Finnland einen separaten Frieden an. Die Rote Armee befreite am 22. Juli 1944 das Konzentrationslager Majdanek in Polen. Finnland schloss im September einen Waffenstillstand mit der Sowjetunion. Als Teil der Friedensvereinbarungen erlangte Stalin zusätzliche territoriale Zugeständnisse und Reparationen von Finnland, ließ jedoch die kollaborierende Regierung und Legislative der Nazis bestehen und lehnte jegliche Klassenkämpfe gegen sie ab. Finnland war der einzige Verbündete der Nazis, der nach dem Krieg die Kontinuität der staatlichen Institutionen aufrechterhielt.

Risto Ryti (Mitte links) bei seiner Ankunft zum Kriegsverbrecherprozess 1946 [Photo: Hugo Sundström]

Unter dem Druck der Sowjetunion verurteilten finnische Gerichte Ryti, Tanner und sechs weitere Personen wegen Verbrechen gegen den Frieden zu milden Strafen zwischen zwei und zehn Jahren. Die Prozesse waren in erster Linie eine diplomatische Show und ermöglichten es den Angeklagten, sich als stolze Patrioten zu präsentieren, während ihre Mitschuld am Holocaust im Wesentlichen verschleiert blieb. Mannerheim, der zum Präsidenten ernannt worden war, um den Waffenstillstand und den ersten Übergang zum Frieden zu vollziehen, wurde nie für seine Verbrechen vor Gericht gestellt. Diejenigen, die noch Strafen verbüßten, wurden 1949 von seinem Nachfolger als Präsident, Juho Husti Paasikivi, begnadigt.

Die stalinistische Bürokratie drängte nie auf eine klare Abrechnung mit den Nazi-Kollaborateuren. In der Nachkriegszeit entstand ein völlig absurder nationalistischen Kult in der Geschichtsschreibung. Die Verbrechen der finnischen Waffen-SS-Soldaten wurden jahrzehntelang verschwiegen, und drei verschiedene Waffen-SS-Veteranen bekleideten im Laufe der Jahre Ministerämter in der finnischen Regierung. Erst 2008 deckte ein Doktorand Aufzeichnungen der finnischen Polizei auf, die eng mit den deutschen Einsatzkommandos zusammenarbeitete, um sowjetische Kriegsgefangene für die Deportation in Konzentrationslager auszusortieren und sich an Aktivitäten zur „Partisanenbekämpfung“ in der besetzten Sowjetunion zu beteiligen.

Achtzig Jahre später versucht die finnische herrschende Klasse erneut, die Bevölkerung als Kanonenfutter in einem imperialistischen Raubkrieg im Osten zu mobilisieren. Während Helsinkis Feind im Zweiten Weltkrieg die Sowjetunion war, will die heutige herrschende Klasse in Finnland als Werkzeug des faschistisch gesinnten US-Präsidenten Trump und eines wiederauflebenden deutschen Imperialismus dienen, um Russland und China einem halbkolonialen Status zu unterwerfen. Zu diesem Zweck hat das gesamte politische Establishment in Finnland die Öffentlichkeit in die NATO-Mitgliedschaft getrieben und die 1.300 Kilometer lange Grenze des Landes zu Russland in eine neue Front für einen von den USA oder Europa geführten Angriffskrieg verwandelt.

Der soziale Charakter des kapitalistischen Restaurationsregimes unter Putin hat nichts mehr mit dem degenerierten Arbeiterstaat gemein, den Finnland 1941 im Bündnis mit Nazi-Deutschland angegriffen hat, aber die ideologischen Rechtfertigungen für den Krieg sind weitgehend unverändert geblieben. Wie ihre sozialdemokratischen und schachtman‘schen Vorgänger stellen die heutige SDP und die pseudolinken Parteien Finnland als kleines „demokratisches“ Paradies dar, das dem russischen und chinesischen Imperialismus die Stirn bietet. Während die Regierung in Helsinki Verträge unterzeichnet, um den amerikanischen Imperialismus mit Eisbrechern für den Krieg in der Arktis zu versorgen, droht Trump mit der gewaltsamen Eroberung Grönlands und Kanadas und bereitet sich auf eine Invasion Venezuelas vor.

Die finnische Regierung tritt aus dem Ottawa-Vertrag zum Verbot von Landminen aus, kauft während des Völkermords an Palästina Waffen von Israel und überlässt ihr Territorium dem aggressivsten Militärbündnis der Welt, indem sie der NATO eine permanente Präsenz direkt an der russischen Grenze gewährt. Gleichzeitig möchte sie uns glauben machen, dass es in der Anfangsphase eines dritten imperialistischen Weltkriegs in erster Linie um die „nationale Verteidigung“ Finnlands und den Erhalt der „Demokratie“ gehe. Dies erklärt, warum die Geschichte Finnlands als Kollaborateur der Nazis von der politischen Elite verschwiegen wird und warum wiederum offen rechtsextreme Kräfte wie der Finnischen Partei in das politische eingebunden werden.

Wie in den 1930er und 1940er Jahren ist der einzige gangbare Weg für die Arbeiter in Finnland, sich gegen den Krieg zu wehren, den Nationalismus abzulehnen und ihre Kämpfe mit der Arbeiterklasse in ganz Europa zu vereinen. Diese beginnt, sich gegen das wahnsinnige Bestreben der imperialistischen Mächte auf dem Kontinent zu wehren, die gesamten Kosten des Militarismus und des Krieges auf den Schultern der Arbeiter abzuwälzen. Wie Trotzki und die Vierte Internationale in den frühen Phasen des Zweiten Weltkriegs betonten:

Die IV. Internationale [stützt sich] und ihre Politik nicht auf die militärischen Erfolge der kapitalistischen Staaten, sondern auf die Umwandlung des imperialistischen Krieges in einen Krieg der Arbeiter gegen die Kapitalisten, auf den Sturz der herrschenden Klassen aller Länder, auf die sozialistische Weltrevolution. Veränderungen in den Kampflinien an der Front, die Vernichtung von nationalem Vermögen, die Besetzung von Gebieten, der Untergang einzelner Staaten stellen von diesem Standpunkt aus nur tragische Episoden dar auf dem Weg zum Wiederaufbau einer modernen Gesellschaft.

Unabhängig vom Verlauf des Krieges erfüllen wir unsere fundamentale Aufgabe: Wir erklären den. Arbeitern die Unvereinbarkeit zwischen ihren Interessen und den Interessen des blutrünstigen Kapitalismus; wir mobilisieren die Werktätigen gegen den Imperialismus; wir propagieren die Einheit der Arbeiter in allen kriegführenden und neutralen Ländern; wir verlangen die Verbrüderung der Arbeiter und Soldaten innerhalb eines jeden Landes und der Soldaten mit den Soldaten der gegenüberliegenden Seite der Kampffront; wir mobilisieren die Frauen und die Jugend gegen den Krieg; wir setzen die konstante, beharrliche, unermüdliche Vorbereitung auf die Revolution fort – in den Fabriken, in den Dörfern, in den Kasernen, an der Front und in der Marine. (Trotzki, Manifest der Vierten Internationale, Mai 1940)

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