Am gestrigen Donnerstag, den 12. Februar, führte ein ganztägiger gemeinsamer Streik der Lufthansa-Piloten und des Lufthansa-Flugpersonals dazu, dass hunderte Maschinen der Kranich-Airline am Boden blieben und nicht abheben konnten.
Am Morgen schätzte der Flughafenverband ADV, dass rund 460 Flüge mit 69.000 Passagieren gestrichen würden, und im Laufe des Tages erklärte der Lufthansa-Vorstand in einer eigenen Mitteilung, er habe sogar 800 Flüge annullieren müssen, was eine überwältigende Befolgung des Streikaufrufs bezeugt. Der 24-stündige Arbeitskampf betraf rund 100.000 Fluggäste, und auch die Frachtflüge wurden von den Piloten bestreikt.
Am stärksten betroffen waren die großen Lufthansa-Drehkreuze in Frankfurt und München. Am Frankfurter Rhein Main Airport wurden von insgesamt 1.117 Flügen rund 450 Flüge annulliert, und am Münchner Franz-Josef-Strauß-Flughafen waren es 275 von insgesamt 920 geplanten Flügen. Aber auch die Flughäfen Hamburg, Bremen, Stuttgart, Köln/Bonn, Düsseldorf, Berlin und Hannover hatten den ganzen Tag mit Ausfällen und Unregelmäßigkeiten zu kämpfen.
Der Streik hat einmal mehr gezeigt, welche gesellschaftliche Macht die Arbeiterklasse unter einer geeigneten Führung entfalten könnte. Er richtete sich gegen die gravierende Umstrukturierung, die der Lufthansa-Konzern auf Kosten seiner Piloten, Flugbegleiter und des Bodenpersonals durchsetzen will. Unter den Schlagwörtern „Produktivität“ und „Flexibilität“ werden Arbeitsplätze, Löhne, Bedingungen und Betriebsrenten angegriffen.
In der Kabine haben sich rund 20.000 Stewardessen und Stewards am Streik beteiligt. Sie wehren sich gegen die Neugründung und Ausweitung immer neuer Billig-Tochtergesellschaften durch Lufthansa wie Eurowings, Discover, Cityline und zuletzt LH City Airline. Der LH-Vorstand drückt damit die Arbeitskosten und verdrängt mehr und mehr die klassischen Standards. Den Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern bleibt nur die Wahl zwischen entweder schlechteren Löhnen und Tarifen oder der Entlassung. Derzeit verdrängt City Airlines mehr und mehr die ältere Cityline, bei der deshalb bis zu 800 Stellenstreichungen bevorstehen.
Auch die rund 4.800 Piloten der Lufthansa und Lufthansa Cargo, die sich am Streik beteiligt haben, sind mit sozialen Angriffen konfrontiert. Sie haben schon Ende September 2025 mit großer Mehrheit für Streik gestimmt, in einer Urabstimmung, an der sich 90 Prozent beteiligten. Doch ihre Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat erst jetzt, nach acht erfolglosen Verhandlungsrunden und nur für einen Tag zum Arbeitskampf aufgerufen.
Bei den Piloten hat Lufthansa seit langem die Sparschraube angesetzt. Hier geht es insbesondere um die Übergangs- und Betriebsrenten, die für die Piloten lebenswichtig sind, denn kaum einer von ihnen ist in der Lage, den Pilotenberuf mit Dauerstress, ständiger Zeitverschiebung, Klimawechsel und permanent unterschiedlichen Arbeitszeiten bis zum gesetzlichen Rentenalter auszuüben. Lange Zeit konnten Lufthansa-Piloten mit 55 Jahren in Rente gehen und erhielten ein Übergangsgeld und eine feste Betriebsrente, was jedoch schon 2017 – mit Zustimmung der Spartengewerkschaft VC – geändert wurde.
Damals, vor neun Jahren, wurde das System von garantierten Betriebsrenten auf kapitalmarktbasierte Modelle umgestellt. Seither zahlt Lufthansa nicht mehr fixe Rentenbeiträge aus, sondern garantiert den Piloten nur noch die Höhe des Arbeitgeberanteils zu dem Rentenfonds. Mit der Niedrigzinspolitik sinken jedoch zwangsläufig die ausgezahlten Summen, und die Beschäftigten tragen zudem das Marktrisiko selbst.
Hinzu kommt, dass Lufthansa die herben Verluste aus der Corona-Zeit, als die Piloten teilweise bis zu 50 Prozent ihrer Löhne einbüßten, seither niemals ausgeglichen hat. Von 5.500 Piloten sind heute in der Kernmarke Lufthansa nur noch 4.800 übrig. Dies alles, obwohl der Konzern seine Umsätze und Profite zuletzt erheblich steigern konnte: In den ersten neun Monaten 2025 hat Lufthansa einen Gewinn von 1,48 Milliarden Euro ausgewiesen, das ist ein Plus von 26 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahr 2024.
Die Lufthansa versucht als Flaggschiff der deutschen Wirtschaft derzeit, die Kosten eines scharfen globalen Handelskriegs auf die Belegschaften abzuwälzen. Und der Kranich-Konzern ist als Ausrüster der Bundeswehr auch an der allgemeinen deutschen Aufrüstungs- und Kriegspolitik aktiv beteiligt. So ist die LH-Tochter Lufthansa Technik Defense mittlerweile der unverzichtbare Partner der Luftwaffe und verspricht auf ihrer Firmenwebsite „höchste Einsatzverfügbarkeit“.
Den Beschäftigten, den Piloten und dem Flug- und Bodenpersonal ist dabei die Rolle zugedacht, die Kosten von Handelskrieg und Aufrüstung zu begleichen: mit immer neuem Sozialabbau, Massenentlassungen und letztlich mit dem eigenen Leben.
Deshalb liegt es auf der Hand, dass sie den Kampf gegen die sozialen Angriffe mit dem Kampf gegen Krieg verbinden müssen und sich dazu mit ihren natürlichen Verbündeten, den Luftfahrt-Beschäftigten in den anderen Betrieben und Ländern und auf der ganzen Welt, zusammenschließen. Das schlagen die Sozialistische Gleichheitspartei, die World Socialist Web Site und die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC) vor.
Um die Arbeitsplätze und existenzsichernde Löhne, Gehälter und Renten zu verteidigen, müssen unabhängige Aktionskomitees aufgebaut werden, die direkt von den Beschäftigten kontrolliert werden und branchen- und länderübergreifend vernetzt sind. Dabei muss das Prinzip gelten, dass die Bedürfnisse und das Leben der Beschäftigten und ihrer Familien mehr zählen als die Profite der Konzerne. Die Bedingungen dafür reifen schnell heran, denn in der ganzen Arbeiterklasse breitet sich Unruhe und Kampfbereitschaft aus.
Allein in dieser Woche kam es neben den Lufthansa-Streiks auch zu Warnstreiks im Öffentlichen Dienst in Mainz und Potsdam und beim öffentlichen Personen-Nahverkehr in mehreren Bundesländern. Auf der ganzen Welt, insbesondere in den USA, nimmt der Klassenkampf Fahrt auf.
Weltweit machen die Arbeitenden die gleichen Erfahrungen: Die Gewerkschaftsspitzen sind in das Management integriert, agieren als dessen Kontrollorgane und isolieren und verraten die Arbeitskämpfe, statt sie zum Sieg zu führen. Der Grund ist, dass diese Bürokraten die kapitalistische Wirtschaft verteidigen und deren Kriegs- und Handelskriegspolitik unterstützen.
Am Flughafen gilt das nicht nur für die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die eigentliche Hausgewerkschaft von Lufthansa, sondern auch für die Spartengewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und UFO. Sie sind bestens integriert, haben ihre Funktionäre in den Lufthansa-Aufsichtsräten sitzen und sind an deren Entscheidungen beteiligt. Eine effektive Mobilisierung und Solidarisierung aller Beschäftigten ist so ungefähr das Letzte, was sie wollen.
Die VC hat alles in ihrer Macht Stehende versucht, um den Streik abzuwenden, der schon seit Ende September, also vor 20 Wochen, mit großer Mehrheit beschlossen wurde. Auch jetzt hat sie nur zu einem eintägigen Streik, quasi einem „Schuss vor den Bug“ aufgerufen, um den Lufthansa-Vorstand zurück an den Verhandlungstisch zu holen. Der Vorstand nutzt diese Kampf-Unentschlossenheit derweil für immer neue Angriffe auf die Piloten und das ganze Personal.
Was die Kabinengewerkschaft UFO betrifft, so fordert sie von vorneherein weder die Verteidigung jedes Arbeitsplatzes noch gleiche Löhne und Bedingungen für alle, sondern lediglich einen tariflichen Sozialplan, um die Entlassungen abzufedern.
Die Sozialistische Gleichheitspartei hat in dieser Woche anlässlich ihres Berliner Wahlkampf in einem Manifest dazu aufgerufen, den Kampf „gegen Sozialkahlschlag, Aufrüstung und Faschismus“ mit einem Programm „für Sozialismus statt Krieg!“ aufzunehmen. Darin heißt es: „Die entscheidende Aufgabe besteht darin, den Klassenkämpfen, die ihrem ganzen Wesen nach international sind, auch eine internationale Form und eine sozialistische Perspektive zu geben, die die kapitalistische Ausbeutungslogik nicht akzeptiert.“
