Arbeiter im BYD-Werk in Xi'an in China streiken gegen Hungerlöhne

Am 5. Februar legten die Beschäftigten der BYD-Fabrik für Hochspannungsgeräte im Industriepark Jixian in der Hightech-Zone von Xi'an die Arbeit nieder, weil ihnen die Stücklohnprämien drastisch gekürzt wurden. Im Rahmen von Kostensenkungsmaßnahmen wurde der maximale Stücklohnbonus – ein wichtiger Bestandteil des Monatslohns – von 2.400 Yuan auf nur noch 300 bis 600 Yuan zusammengestrichen. Xi’an liegt im Nordwesten Chinas und ist die Hauptstadt der Provinz Shaanxi.

Viele Arbeiter gaben an, dass ihr Nettoeinkommen nach den Pflichtabzügen für Sozialversicherungs- und Wohnungsfondsbeiträge auf unter 2.000 Yuan gefallen ist. Dieser Betrag entspricht umgerechnet ca. 240 Euro, unter Berücksichtigung der Kaufkraft etwas mehr. Das reicht in der Stadt nicht für Miete und Essen.

Unterdessen verfügte BYD-Gründer, Vorsitzender und CEO Wang Chuanfu laut Forbes im letzten Jahr über ein geschätztes Privatvermögen von 28,5 Milliarden US-Dollar. Ein einzelner BYD-Fabrikarbeiter, der 2.000 Yuan pro Monat verdient, müsste mehr als 8,2 Millionen Jahre arbeiten, um diese Summe anzuhäufen.

Diese enorme Diskrepanz ist das Fundament des Geschäftsmodells von BYD, bei dem die Grundlöhne bewusst knapp über – und manchmal sogar knapp unter – dem lokalen Mindestlohn gehalten werden, sodass die Arbeitnehmer auf Überstunden, Boni und Leistungszulagen angewiesen sind, die nach Ermessen der Unternehmensleitung gestrichen werden können.

Der Streik in Xi'an ist kein Einzelfall. Er ist der jüngste Ausbruch einer Reihe von eskalierenden Arbeitskämpfen im riesigen Produktionsimperium, das BYD über Jahre hinweg aufgebaut hat und das sich über mehrere Länder und chinesische Provinzen erstreckt.

Im Mai 2024 streikten die Beschäftigten im BYD-Werk in Wuxi – ehemals im Besitz des US-amerikanischen Elektronikherstellers Jabil –, nachdem das Unternehmen neue Arbeitszeitregelungen eingeführt hatte. Damit wurden die Überstunden abgeschafft, mit denen die Beschäftigten zuvor ihre Hungerlöhne aufgebessert hatten. Der Grundlohn bei BYD in Wuxi war auf nur 2.490 Yuan festgelegt, kaum mehr als das gesetzliche Minimum. Die Abschaffung der Überstunden – die nach chinesischem Arbeitsrecht mit dem 1,5- bis 2-fachen des regulären Satzes vergütet werden müssen – führte zu einem Einbruch der realen Monatseinkommen.

Die Situation spitzte sich Ende März und Anfang April 2025 dramatisch zu, nachdem mehr als 1.000 Arbeiter im Werk in Wuxi am 28. und 29. März die Arbeit niedergelegt hatten, gefolgt von ihren Kollegen im BYD-Werk in Chengdu vom 31. März bis 1. April. Die Beschwerden waren ähnlich: leistungsabhängige Lohnkürzungen, Streichung selbst symbolischer Leistungen wie einer Geburtstagsbeihilfe von 30 Yuan, willkürliche Versetzungen und Degradierungen.

Die Wut im Werk in Wuxi richtete sich vor allem gegen den eklatanten Verstoß von BYD gegen die Versprechen, die das Unternehmen im Dezember 2023 bei der Übernahme des Geschäftsbereichs Green Point von Jabil für 15,8 Milliarden Yuan gegeben hatte. Damals hatte die Unternehmensleitung zugesichert, dass die Löhne und Arbeitsbedingungen für mindestens 18 Monate unverändert bleiben würden.

Die Polizei wurde zum Werk in Wuxi entsandt, wo Stoffvorhänge aufgestellt wurden, um die Demonstranten vor der Öffentlichkeit abzuschirmen. In Chengdu lösten Bereitschaftspolizei und SWAT-Teams am 2. April letzten Jahres die Streikaktion gewaltsam auf, wobei es Berichten zufolge zu Verhaftungen kam. Ein Arbeiter war bereits Mitte März für fünf Tage inhaftiert worden, nur weil er gegen eine Herabstufung protestiert hatte.

BYD-Firmenschild in der Nähe der damals im Bau befindlichen Fabrik in Camacari in Brasilien, 6. März 2025 [AP Photo/Eraldo Peres]

Das Muster der Ausbeutung reicht über die Grenzen Chinas hinaus. Im Dezember 2024 retteten brasilianische Behörden mindestens 163 chinesische Arbeiter aus einer Situation, die Staatsanwälte als „sklavenähnliche Bedingungen“ bezeichneten, auf einer Baustelle für ein neues BYD-Werk im brasilianischen Camaçari. Die Baustelle wurde geschlossen, wodurch sich die Eröffnung der Anlage – dem ersten Pkw-Werk des Unternehmens außerhalb Asiens – bis Oktober 2025 verzögerte.

Laut der Website HK Labour Rights Monitor „enthüllte die Untersuchung schockierende Missstände: Einige Arbeiter schliefen auf Betten ohne Matratzen, und 31 Personen mussten sich eine einzige Toilette teilen. Lebensmittel und persönliche Gegenstände wurden unter unhygienischen Bedingungen gelagert. Berichten zufolge mussten die Arbeiter bereits um 4 Uhr morgens aufstehen, übermäßige Arbeitszeiten ohne Ruhetage erdulden und in einigen Fällen 25 Tage lang ohne Unterbrechung arbeiten.“

Den Arbeitern wurden ihre Pässe abgenommen. Bis zu 60 Prozent ihres Lohns wurde einbehalten und sie wurden gezwungen, bis zu 12 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und bis zu 25 Tage hintereinander zu arbeiten. Die Staatsanwaltschaft von Brasilien reichte daraufhin eine Klage auf Schadenersatz in Höhe von 257 Millionen Reais (etwa 45 Millionen US-Dollar) ein, die inzwischen für nur 40 Millionen Reais beigelegt wurde.

17 Jahre lang, von 2008 bis 2025, wurde das Arbeitsregime von BYD stillschweigend von dem milliardenschweren Spekulanten Warren Buffett, einem der reichsten Männer der Welt, unterstützt. Berkshire Hathaway, Buffetts Holdinggesellschaft, hielt einen bedeutenden Anteil an BYD, der ursprünglich 2008 auf Drängen seines damaligen Partners Charlie Munger für 230 Millionen US-Dollar erworben wurde, der Wang Chuanfu als „eine Kombination aus Thomas Edison und Jack Welch“ beschrieb.

Zu Spitzenzeiten hatte Berkshires Beteiligung an BYD einen Wert von über 9 Milliarden US-Dollar – eine etwa 40-fache Rendite. Die Investition brachte einen geschätzten Gewinn von 7 Milliarden US-Dollar ein. Während dieser Zeit, in der die BYD-Arbeiter Hungerlöhne, polizeiliche Razzien bei Streiks, die Beschlagnahmung von Pässen im Ausland und systematisch gebrochene Versprechen erdulden mussten, blieb Berkshire Hathaway ein prominenter Aktionär und verlieh dem Unternehmen sein Ansehen und das von Buffett persönlich.

Berkshire begann im August 2022 mit dem Verkauf seiner Anteile und schloss seinen vollständigen Ausstieg bis Anfang 2025 ab. Buffett äußerte keine Kritik an den extrem ausbeuterischen Arbeitspraktiken von BYD. Seine einzige öffentliche Äußerung im Jahr 2023 war, dass BYD ein „außergewöhnliches Unternehmen“ sei, das von einer „außergewöhnlichen Person“ geführt werde, dass er aber „Dinge finden werde, die ich mit dem Geld machen kann, die mir ein besseres Gefühl geben“.

Die wiederkehrenden Streiks bei BYD offenbaren den Charakter der kapitalistischen Ausbeutung in China und den Aufstieg von BYD zum weltweit dominierenden Hersteller von Elektrofahrzeugen. BYD meldete 2024 einen Umsatz von 777,1 Milliarden Yuan und einen Nettogewinn von über 40 Milliarden Yuan. Wang Chuanfus persönliches Vermögen macht ihn zu einem der reichsten Menschen der Welt – letztes Jahr wurde er von Forbes als neuntreichster Milliardär Chinas gelistet.

Doch die Arbeiter, die diesen Reichtum produzieren – mittlerweile sind es über 900.000, womit BYD der größte börsennotierte Arbeitgeber Chinas ist – erhalten Löhne, die es ihnen in vielen Fabriken unmöglich machen, ihre grundlegenden Lebenshaltungskosten ohne strapaziöse Überstunden zu decken.

Der Allchinesische Gewerkschaftsbund, die einzige gesetzlich zugelassene Gewerkschaftsorganisation, fungiert nicht als Vertreter der Arbeiter, sondern als Arm der Unternehmensleitung und des Staates, der unabhängige Organisationen unterdrückt und Unzufriedenheit in harmlose Kanäle lenkt. Arbeiter, die versuchen, sich zu organisieren oder zu protestieren, sehen sich schnell mit Polizeirepressionen, Entlassungen und Inhaftierungen konfrontiert.

Der Streik in Xi'an zeigt, wie schon zuvor die Streiks in Wuxi, Chengdu und Changsha, dass die chinesische Arbeiterklasse nicht bereit ist, diese Bedingungen zu akzeptieren. Während die chinesischen Staatsmedien und die Bürokratie keine öffentlichen Statistiken über Arbeitskämpfe veröffentlichen, haben spontane Streiks und Proteste seit 2023 deutlich zugenommen, insbesondere wegen ausstehender Löhne und Lohnkürzungen, wie Organisationen berichten, die versuchen, Streikaktivitäten von außerhalb Chinas zu beobachten.

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