Mehr als 100 Filmschaffende verurteilen die Zensur von Widerstand gegen Israels Völkermord in Gaza durch die Berlinale

Die diesjährigen Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale) waren geprägt von einem zunehmenden Konflikt zwischen einer Schicht von Künstlern, die entschlossen sind, gegen den noch immer andauernden Völkermord in Gaza Stellung zu beziehen, und der Leitung der Berlinale sowie deren Förderer in der Bundesregierung, die entschlossen sind, den Völkermord aus dem Programm herauszuhalten.

Bae Doona (links) und Jurypräsident Wim Wenders bei der Pressekonferenz der Jury der Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale) am Donnerstag, dem 12. Februar 2026 [AP Photo/Scott A Garfitt/Invision]

Am 17. Februar wurde ein offener Brief veröffentlicht, der mittlerweile von mehr als 100 Filmschaffenden unterzeichnet wurde – allesamt frühere Teilnehmer der Berlinale. Darin wird der Veranstaltung vorgeworfen, „Künstler zu zensieren, die sich gegen Israels anhaltenden Völkermord an den Palästinensern in Gaza und Deutschlands führende Rolle als Unterstützer aussprechen.“

Zu den Unterzeichnern gehören Tilda Swindon, Javier Bardem, Peter Mullan, Mike Leigh, Nan Goldin, Adam McKay, Alia Shawkat, Brian Cox, Hany Abu Assad, Joshua Oppenheimer, Ken Loach, Mahdi Fleifel, Mark Ruffalo, Saleh Bakri und Sarah Friedland.

Der offene Brief greift einen schwerwiegenden Vorwurf des Palestine Film Institute auf, laut dem die Berlinale „Filmemacher überwacht und gleichzeitig eng mit der Bundespolizei bei ihren Ermittlungen zusammenarbeitet.“

Der Brief bezieht sich auf diejenigen Filmemacher, die bei der Berlinale 2025 für die Palästinenser und ihre Rechte Stellung bezogen hatten und von hochrangigen Organisatoren der Festspiele scharf ermahnt wurden. In dem Brief wird ein Filmschaffender zitiert, der gegenüber Film Workers for Palestine erklärte: „Es lag ein Gefühl der Paranoia in der Luft, ein Gefühl, nicht beschützt, sondern verfolgt zu werden. Das habe ich nie zuvor bei einem Filmfestival erlebt.“

Der offene Brief missbilligt auch die Erklärung zu Beginn der Berlinale, Künstler müssten sich „aus der Politik heraushalten“:

Wir widersprechen entschieden der Erklärung des Präsidenten der Jury der Berlinale 2026, Wim Wenders, Filmemachen sei „das Gegengewicht zur Politik.“ Man kann das eine nicht vom anderen trennen. Wir sind zutiefst besorgt darüber, dass die staatlich finanzierte Berlinale dazu beiträgt, das in die Praxis umzusetzen, was die UN-Sonderberichterstatterin für freie Meinungsäußerung, Irene Khan, vor kurzem verurteilt hat als Deutschlands Missbrauch von drakonischen Gesetzen, um „das Eintreten für die Rechte der Palästinenser einzuschränken, die öffentliche Beteiligung abzuschrecken und den Diskurs in der Wissenschaft und der Kunst zu begrenzen.

Der Brief zitiert den chinesischen Künstler Ai Weiwei, der über die Ereignisse in Deutschland schrieb, sie „tun, was sie in den 1930ern getan haben.“

Der öffentliche Aufruf verweist auf die gemeinsame Rolle der US-Regierung und der deutschen Regierung bei der Versorgung Israels mit den Waffen, die es zur Fortsetzung seiner ethnischen Säuberung und des Völkermords braucht (darunter international verbotene Thermal- und thermobarische Waffen).

Es wird darauf hingewiesen, dass bei früheren Berlinale-Festspielen „Gräueltaten gegen die Menschen im Iran und der Ukraine“ verurteilt wurden. Weiter heißt es:

Wir fordern die Berlinale auf, ihre moralische Pflicht zu erfüllen und sich klar gegen Israels Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen an den Palästinensern auszusprechen, sowie ihre Beteiligung an der Verteidigung Israels gegen Kritik vollständig zu beenden, außerdem zu fordern, Israel zur Rechenschaft zu ziehen.

Eine andere bedeutende Entwicklung war die Weigerung von Kaouther Ben Hania, der Regisseurin des preisgekrönten Films Die Stimme von Hind Rajab, den Preis als „Wertvollster Film“ zu akzeptieren, der diese Woche bei einem Festakt des Cinema for Peace verliehen wurde. Zuvor war bei derselben Veranstaltung ein israelischer General geehrt worden. Auch die ehemalige US-Außenministerin und Kriegsverbrecherin Hillary Clinton hatte an der „Friedensveranstaltung“ teilgenommen.

Cinema for Peace ist zwar nicht offiziell Teil der Berlinale, findet jedoch seit 2002 jährlich zeitgleich mit dem Filmfestival statt und zieht das gleiche Publikum an.

In der Ablehnung ihrer Auszeichnung erklärte Ben Hania: „Die israelische Armee hat Hind Rajab ermordet, ihre Familie ermordet, die beiden Sanitäter ermordet, die versuchten sie zu retten – mit der Komplizenschaft der mächtigsten Regierungen und Institutionen der Welt.

Ich weigere mich, dass ihr Tod als Kulisse für eine höfliche Rede über Frieden dient. Nicht, solange die Strukturen, die dies möglich gemacht haben, unangetastet bleiben.“

Ben Hania fügte hinzu, der Tod der sechsjährigen Hind sei „keine Ausnahme, sondern Teil eines Völkermords.“ Sie kritisierte diejenigen, die Massenmorde an Zivilisten als „Selbstverteidigung“ oder „komplexe Umstände“ bezeichnen und gleichzeitig jede Opposition unterdrücken.

Zuletzt erklärte sie: „Frieden erfordert Gerechtigkeit und Rechenschaft, und keine glänzenden Slogans.“

Als Reaktion auf den offenen Brief der Künstler an die Berlinale haben deren Leitung und Unterstützer in den deutschen Medien alles darangesetzt, die Position des Festivals zu verteidigen.

Die Leiterin der Berlinale, Tricia Tuttle, erklärte ausweichend: „Wir vertreten viele Menschen, mit unterschiedlichsten Ansichten, darunter viele, die in Deutschland leben und ein komplexeres Verständnis von Israels Positionen wünschen, als es der Rest der Welt derzeit vielleicht hat.“

In einem kurzen Absatz wiederholt Tuttle das Wort „komplex“ bzw. „Komplexität“ mit Bezug auf Israel dreimal – genau die Worte, die Kaouther Ben Hania kritisierte, als sie ihren Preis ablehnte!

Wovon redet Tuttle? Wenn es darum geht, in der Frage eines Völkermords Partei zu ergreifen, gibt es keine „Komplexität“!

Auf einer Seite steht die breite Masse der Weltbevölkerung, die Israel zunehmend als Pariastaat betrachtet, der für einen der schlimmsten Akte völkermörderischer Gewalt seit dem Holocaust verantwortlich ist. Dieser Widerstand, der sich in zahlreichen Massenprotesten, Demonstrationen und Streiks äußert, richtet sich auch gegen die Länder, die Israels engste Verbündete sind: die USA, Deutschland, Großbritannien und Frankreich.

Der Palästinenser Basel Adra (left) und der Israeli Yuval Abraham erhalten an der Berlinale 2024 für ihren Film "No other land" den Publikumspreis, Berlin, 24. Februar 2024 [AP Photo/Markus Schreiber]

Auf der anderen Seite stehen die oben genannten Regierungen zusammen mit bürgerlichen Regimen und nominellen Oppositionsparteien auf der ganzen Welt, die den Kriegsverbrechern in Tel Aviv weiterhin helfen und ihre Beziehung aufrechterhalten, und so eine Fortsetzung des Völkermords ermöglichen.

In Deutschland war es die grüne Kulturstaatsministerin Claudia Roth, die im Jahr 2024 eine Jury der Berlinale als antisemitisch verunglimpft hatte, weil diese einen Preis an den Film No Other Land vergeben hatte. Der Film dokumentierte die Verbrechen der israelischen Armee und Regierung an der palästinensischen Bevölkerung im Westjordanland. Jüngst erhob Andreas Büttner, ein führendes Mitglied der Linkspartei, falsche Antisemitismus-Vorwürfe, um eine Kunstausstellung zur Verteidigung der Rechte der Palästinenser in Potsdam zu schließen.

Es ist zu begrüßen, dass sich unter Filmschaffenden Widerstand gegen die Komplizenschaft von kulturellen Institutionen regt, die Völkermord unterstützen. Gleichzeitig sollten diejenigen, die in der deutschen Kulturbranche aktiv sind, aufpassen. Der offene Brief zitiert einen palästinensischen Filmschaffenden, der erklärte: „Es lag ein Gefühl der Paranoia in der Luft, ein Gefühl nicht beschützt, sondern verfolgt zu werden. Das habe ich nie zuvor bei einem Filmfestival erlebt.“ Diese Worte erinnern an eine ähnliche Äußerung der UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese.

Vor einem Jahr wurde Albanese daran gehindert, in Deutschland Vorträge über die Lage im Gazastreifen zu halten. Als Reaktion auf die Drohungen und Einschüchterungen, die sie in Deutschland erlebte, erklärte sie: „Ich muss zugeben, dass mich die etwa 75 Stunden in diesem Land ziemlich nervös gemacht haben und ich es nicht erwarten kann, wieder ins ,friedliche‘ Tunesien zurückzukehren [wo sie lebt]. Ich habe noch nie ein solches Gefühl von Atemnot verspürt wie hier.“

Dieser Prozess ist nicht auf Deutschland beschränkt. Weltweit gehen Regierungen und zahlreiche offizielle Institutionen mit Polizeistaatsmethoden vor, die an die faschistischen Regierungen der 1930er-Jahre erinnern, um den Widerstand gegen das Massaker in Gaza durch Verhaftungen, Einschüchterungen und Inhaftierungen ohne rechtsstaatliches Verfahren gewaltsam zu unterdrücken. Diese Kräfte normalisieren Völkermord, um neue Kriege und neue Verbrechen gegen breite Schichten der Weltbevölkerung zu rechtfertigen.

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