Die Chemiegewerkschaft IGBCE ruft für Freitagvormittag zu einer Kundgebung vor der BASF Services Europe in Berlin auf, um gegen die Verlagerung tausender Arbeitsplätze nach Indien zu protestieren. Der globale Chemiekonzern plant, Finanzen, Personal, IT und andere konzerninterne Dienstleistungen bis 2028 im indischen Hyderabad zu bündeln, wo ein globaler digitaler Hub entsteht. Ziel ist die Einsparung von Kosten.
Bisher sind die 8500 Beschäftigten des BASF-Bereichs „Global Business Services“ auf Berlin, Kuala Lumpur (Malaysia) und Montevideo (Uruguay) sowie auf mehrere kleinere Standorte verteilt. Im größten Servicezentrum an der Berliner Storkower Straße arbeiten knapp 3000. Sie erbringen Dienstleistungen für mehr als 100 BASF-Gesellschaften in 45 Ländern. Die Belegschaft ist international, das Durchschnittsalter liegt bei Mitte 30, zwei Drittel sind Akademiker.
Von diesen 3000 Arbeitsplätzen dürften nach der Verlagerung nach Indien maximal 1000 übrigbleiben, es können aber auch deutlich weniger sein. Hinzu kommen Hunderte weitere Arbeitsplätze der BASF Digital Solutions an mehreren deutschen Standorten, die ebenfalls nach Indien gehen. Am Standort Schwarzheide in Brandenburg sind rund 100 Arbeitsplätze betroffen.
Wir warnen die Kolleginnen und Kollegen von BASF: Überlasst die Verteidigung der Arbeitsplätze nicht der Gewerkschaft und ihren Betriebsräten! Sie werden euch in den Rücken fallen.
Die Politik der „Sozialpartnerschaft“, die sie praktizieren, ordnet die Interessen der Belegschaft den Profitinteressen des Konzerns unter. Ihre nationalistische Standortpolitik spaltet die internationale Belegschaft, spielt ein Werk gegen das andere aus und verhindert so einen wirklichen Arbeitskampf, der den Konzern dort trifft, wo es schmerzt: beim Profit.
Statt zu kämpfen, organisiert die IGBCE ohnmächtige Proteste, richtet moralische Appelle an die Geschäftsleitung und schaltet notorisch arbeiterfeindliche Politiker ein, wie Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD). Das ist nur der erste Schritt zum Ausverkauf.
Stephanie Albrecht-Suliak, die Landesbezirksleiterin der IGBCE, hat bereits angekündigt: „Wir werden dem Unternehmen geeignetere Maßnahmen als den Kontrollverlust durch Verlagerung nach Indien vorschlagen.“ Sie meint damit Lohnverzicht, weniger Arbeitsplätze und mehr Arbeitsstress. Die IGBCE und ihr Betriebsrat wollen die Arbeitsplätze „retten“, indem sie dem Konzern in Berlin ebenso profitable Ausbeutungsbedingungen anbieten wie in Hyderabad.
Die IGBCE hat in dieser Hinsicht gerade in Berlin eine lange Geschichte. Um zu verhindern, dass BASF den Service-Bereich in der Slowakei statt in Berlin ansiedelt, hatte sie vor 20 Jahren Sonderkonditionen vereinbart, die bis heute gelten. IGBCE-Chef Michael Vassiliadis lobt diese jetzt als „tarifliches Vorzeigeprojekt“, das in der Bundeshauptstadt „Tausende gute Arbeitsplätze“ geschaffen habe.
Worin besteht dieses „tarifliche Vorzeigeprojekt“? Die Berliner Belegschaft arbeitet pro Woche 2,5 Stunden länger und verdient 20 Prozent weniger, als ihr laut Flächentarifvertrag zusteht. Das will die IGBCE nun weiter unterbieten. Und das in der Hauptstadt, wo die Preise massiv gestiegen und die Mieten kaum mehr bezahlbar sind!
BASF in Berlin ist kein Einzelfall. Weltweit werden Arbeitsplätze, Löhne und Sozialleistungen angegriffen, um die Spekulationsblase an den Börsen weiter aufzublähen und die Vermögen der wachsenden Zahl von Milliardären zu vermehren. Die großen Industriemächte liefern sich einen verheerenden Handelskrieg und bereiten einen Krieg gegen China vor.
US-Präsident Trump hat Venezuela überfallen und Präsident Maduro entführt, dem Iran droht er mit militärischer Vernichtung. Die deutsche Regierung steckt eine Billion Euro in die Aufrüstung, um wieder die „Sprache der Macht“ zu sprechen, und drängt darauf, den Krieg gegen Russland in der Ukraine um jeden Preis fortzuführen. All das wird auf dem Rücken der arbeitenden Bevölkerung ausgetragen. Allein in der deutschen Industrie werden jeden Monat 10.000 Industriearbeitsplätze vernichtet.
Die Gewerkschaften stehen dabei auf der Seite der Konzerne und der Regierung. Das ist kein „Fehler“, sondern eine Folge der sozialen Stellung der Gewerkschaftsbürokraten, die oft mehrfach so viel wie ein einfaches Mitglied verdienen, in Aufsichtsräten und anderen Gremien sitzen und eng mit der Regierung vernetzt sind. Sie verteidigen das kapitalistische Profitsystem, das die Lebengrundlagen der Arbeiterklasse zerstört.
Die IGBCE kassiert jedes Jahr Mitgliederbeiträge in dreistelliger Millionenhöhe, hat aber seit 1971 keinen einzigen großen Arbeitskampf organisiert. Damals streikten 31.000 Beschäftigte der Chemieindustrie vier Wochen lang für eine kräftige Lohnerhöhung; 55.000 wurden ausgesperrt. Seither herrscht Ruhe an der Streikfront. Die Gewerkschaftsfunktionäre haben sich in Co-Manager und Betriebspolizisten verwandelt und organisieren höchstens noch kurze, symbolische Warnstreiks, die den Unternehmen nicht weh tun.
IGBCE-Chef Vassiliadis ist in Wirtschaft und Politik eng vernetzt. Er sitzt in den Aufsichtsräten von BASF, RAG, Henkel und Steag und ist mit der DGB-Vorsitzenden Yasmin Fahimi verheiratet, die als früherer Generalsekretärin der SPD enge Beziehungen zur Partei von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil pflegt. Das Ehepaar Vassiliadis-Fahimi dürfte im Monat so viel verdienen, wie eine Arbeiterfamilie in einem Jahr.
Die Verteidigung der Arbeitsplätze erfordert einen Bruch mit diesem korrupten Apparat. Dazu muss ein Aktionskomitee gegründet und aufgebaut werden, das unabhängig von der Gewerkschaft ist, von demokratisch gewählten, vertrauenswürdigen Kolleginnen und Kollegen geleitet wird und nur den Beschäftigten selbst Rechenschaft schuldig ist.
Das Aktionskomitee muss vom Grundsatz ausgehen, dass Arbeiterinteressen Vorrang vor Profiten haben. Es muss jeden Arbeitsplatz verteidigen, unabhängig davon, ob ihn der Konzern für wettbewerbsfähig und profitabel erklärt. Mit einem Jahresumsatz von 65 Milliarden Euro und einem Gewinn von 7,9 Milliarden Euro (vor Wertberechtigungen, Zinsen und Steuern) verfügt BASF über genügend Geld. Vorstandschef Markus Kamieth hat 2024 über 5 Millionen Euro kassiert.
Statt die „Sozialpartnerschaft“ mit dem Vorstand und mit kapitalistischen Politikern zu pflegen, muss sich das Aktionskomitee grenz- und branchenübergreifend vernetzen. Die Einheit der Arbeiter über alle Standorte und nationalen Grenzen hinweg ist eine Grundvoraussetzung, um die Arbeitsplätze zu verteidigen. Allein bei BASF arbeiten 112.000 Beschäftigte in 99 Ländern. Sie sind Verbündete und nicht Gegner der Belegschaften in Deutschland. Hinzu kommen Millionen Beschäftigte der Autoindustrie und anderer Branchen, die ihre Arbeitsplätze und Einkommen verlieren.
Die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC) wird euch dabei unterstützen, diese internationale Einheit herzustellen. Sie bildet den organisatorischen Rahmen für die Vereinigung der Kämpfe der internationalen Arbeiterklasse.
Die internationale Arbeiterklasse ist eine gewaltige gesellschaftliche Macht. Sie stellt alle Werte her und kann die Gesellschaft zum Stillstand bringen. Sie kann das bankrotte kapitalistische System stürzen, die Milliardäre enteignen und eine sozialistische Gesellschaft aufbauen, in welcher der gewaltige technologische Fortschritt der Beseitigung von Armut, der Hebung von Lebensstandard und Kultur, der Lösung der Umweltkrise – und nicht der Steigerung von Profiten und der Vorbereitung von Krieg dient.
Wir laden die Kolleginnen und Kollegen von BASF ein: Nehmt Kontakt zur Internationalen Arbeiterallianz der Aktionskomitees auf, um die Gründung eines Aktionskomitees vorzubereiten und diese Perspektive zu diskutieren. Schreibt uns eine Whatsapp unter +491633378340 und füllt das untenstehende Formular aus.
