Pentagon-Untersuchung: Mädchenschule in Minab wurde von US-Rakete getroffen

Laut einem Bericht der New York Times kommt eine interne Untersuchung des Pentagon zu dem vorläufigen Ergebnis, dass das US-Militär am ersten Tag des illegalen Krieges der Trump-Regierung gegen den Iran in der Stadt Minab ein Kriegsverbrechen verübt hat.

Die Enthüllungen der Times basieren auf Aussagen von „US-Regierungsvertretern und anderen mit den vorläufigen Ergebnissen vertrauten Quellen“. Sie zeigen, dass der Angriff, bei dem mindestens 150 Kinder getötet wurden, Teil des verbrecherischen Kriegs war, dessen strategisches Ziel die koloniale Unterwerfung des Iran durch den US-Imperialismus ist.

Am Samstag, dem 28. Februar, dem ersten Tag des Kriegs gegen den Iran, wurde die Mädchengrundschule in Minab in der Provinz Hormosgan während der Unterrichtszeit von einem Präzisionsangriff mit Raketen vernichtet. Laut Zeugenaussagen wurde die Schule dreimal hintereinander angegriffen, wodurch das Dach einstürzte und die Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren sowie ihre Lehrkräfte unter sich begrub.

Laut iranischen Medien und offiziellen Vertretern des Landes wurden zwischen 168 und 180 Menschen getötet, darunter mindestens 150 Schülerinnen. Damit handelt es sich um den bisher tödlichsten Angriff auf Zivilisten in der Anfangsphase des Konflikts.

Die Mädchengrundschule befand sich in einer ehemaligen Militäranlage, die schon Jahre vor dem Krieg zu einer Schule umgebaut wurde. Sie grenzt zudem an die Marineeinrichtung Sayyid al-Shuhada an, die von den Seestreitkräften der Islamischen Revolutionsgarde genutzt wird. Laut der New York Times und anderen Medien begannen die Angriffe am 28. Februar etwa zu der Zeit, zu der die Kinder samstags (im Iran ein Werktag) üblicherweise an der Schule eintreffen oder bereits in den Klassenzimmern sitzen. Diese Tatsache verdeutlicht, dass die Schule vermutlich voll besetzt war.

Die Untersuchung der Times, die sich auf Satellitenbilder, Bildmaterial aus den sozialen Medien und verifizierte Videos stützt, macht deutlich, dass die benachbarte Marineeinrichtung von einem Tomahawk-Marschflugkörper, abgefeuert vom US-Militär, getroffen wurde. Der Bericht der Zeitung zeigt außerdem, dass die Schule von einer präzise abgestimmten Salve auf das Zielgebiet getroffen wurde. Die Beweise machen deutlich, dass die Kinder und Lehrkräfte in Minab durch einen vorsätzlichen US-Raketenangriff ermordet und unter Trümmern begraben wurden, und dass dieser Angriff im vollen Bewusstsein der Tatsache stattfand, dass sich neben einer Einrichtung des iranischen Militärs eine Schule befand.

Der Bericht der New York Times über die vorläufige Untersuchung des Pentagon bestätigt, dass die Schule tatsächlich von einer amerikanischen Rakete getroffen wurde. Die für die Planung der Angriffe verantwortlichen Stellen des US Central Command (CENTCOM) hatten die Zielkoordinaten für die Angriffe in Minab auf der Grundlage von Daten der Defense Intelligence Agency (DIA) bestimmt, die die Shajarah-Tayyebeh-Schule als Teil eines gemeinsamen Militärkomplexes auswiesen.

Allerdings war die Schule, wie die Times dokumentiert, seit Jahren vollständig von dem Marinestützpunkt getrennt. Die Wachtürme waren abgebaut, Zäune hochgezogen, mehrere öffentliche Eingänge errichtet, das Grundstück gesäubert, Sportplätze angelegt und das Gebäude in hellen Farben angestrichen worden, wodurch der Komplex als Grundschule genutzt werden konnte. Doch die Datenbanken der DIA, mit denen die Zielsoftware und die die Prozesse des CENTCOM – von der Zielerfassung bis zum Angriff – gespeist werden, waren nicht soweit aktualisiert, dass die Umwandlung der Einrichtung vermerkt worden war.

Der Bericht der Times beschreibt den barbarischen Prozess von Entscheidungen, der den Präzisionsangriffen gegen die Feinde des US-Imperialismus zugrunde liegt. Dieser umfasst u. a. folgende Schritte:

  • Behörden wie die DIA und die National Geospatial Intelligence Agency unterhalten Datensammlungen über Ziele, Bilder und Kartenlayer für die militärische Infrastruktur des Iran.

  • Planungsstellen des CENTCOM arbeiten zusammen mit Geheimdienstanalysten daran, Angriffspläne für besonders wichtige Ziele zu erstellen – zum Beispiel Kommandozentralen, Marine- und Raketenanlagen oder Logistikdepots. Dabei orientieren sie sich an den allgemeinen Zielen der Mission, die von den Generalstabschefs und der zivilen Führung vorgegeben wurden.

  • Mit Hilfe von Computermodellen und Bildanalysen wird die voraussichtliche Zahl von zivilen Todesopfern berechnet, während Anwälte, die der Militärführung unterstehen, prüfen, ob geplante Angriffe den dehnbaren Richtlinien von „Verhältnismäßigkeit“ und „Notwendigkeit“ entsprechen, die in den Einsatzregeln des Pentagon festgelegt sind.

  • Je nach den konkreten Umständen kann die Autorisierung des Angriffs an Befehlshaber in der Region delegiert oder auf höhere Ebene, bis hin zum Verteidigungsminister oder dem Präsidenten, weitergeleitet werden.

Im Fall des Angriffs in Minab heißt es in den vorläufigen Untersuchungsergebnissen, dass sich die Planer des CENTCOM auf Daten der DIA verlassen hätten und zu dem Schluss gekommen seien, dass das Schulgebäude weiterhin Teil des Sayyid-al-Shuhada-Komplexes sei, weswegen die offenkundige Anwesenheit von Zivilisten nicht „ausreichend gewichtet“ wurde.

Mit anderen Worten: Das Pentagon erklärt selbst, dass US-Offiziere bewusst einen Tomahawk-Angriff auf ein bebautes Gebiet angeordnet haben, in dem sie entweder eine Schule vermuteten oder bei dem sie es nicht für nötig hielten herauszufinden, ob es sich um eine Schule handelt, obwohl es eine ausreichend große Zahl an frei zugänglichen Quellen gab, die genau das bewiesen.

Die Times deutet außerdem an, dass der Militärstützpunkt etwa zwei Stunden nach dem ersten Angriff erneut getroffen wurde, was darauf hindeutet, dass die Kommandanten Echtzeit-Einschätzungen zu den Schäden hatten und sich der Zerstörungen vor Ort bewusst waren. Die Entscheidung zur Fortsetzung des Angriffs zeigt, dass die Ermordung von Zivilisten, darunter zahlreichen Schülerinnen, eine Folge der Militäroperation war, von der man so auch ausging.

Angesichts all dieser Tatsachen drängt sich die Frage auf, ob Hegseth und Trump darüber in Kenntnis gesetzt wurden, dass sich unter den ausgewählten Zielen in Minab eine Grundschule für Mädchen befand. Und falls sie informiert wurden, haben Hegseth und Trump den endgültigen Befehl zum Angriff gegeben?

Trump reagierte auf die Beweise, dass die Schule durch eine vom US-Militär abgefeuerte Rakete zerstört wurde, mit einer Mischung aus Ablenkung und dreisten Lügen. In den Tagen nach dem Massaker erklärte er wiederholt, dass der Iran selbst möglicherweise verantwortlich sei, und behauptete, dass Tomahawk-Raketen eine „gewöhnliche“ Waffe seien und im großen Stil an „viele Länder“ verkauft würden. Er behauptete außerdem wahrheitswidrig, der Iran besitze ebenfalls „einige Tomahawks“.

Als er nach Berichten gefragt wurde, laut denen „wahrscheinlich eine Tomahawk-Rakete diese iranische Mädchenschule zerstört hat“, antwortete Trump, dass Tomahawks „zu den aktuell stärksten Waffen“ gehörten und „an andere Länder verkauft und von diesen eingesetzt“ würden. Er fügte hinzu, der Vorfall werde „gegenwärtig untersucht“, egal ob „es der Iran war, der auch einige Tomahawks hat... oder jemand anderes.“

Militäranalysten und Faktenchecker weisen darauf hin, dass nur drei Verbündete der USA – Großbritannien, Australien und Japan – Varianten des Tomahawk-Marschflugkörpers gekauft haben und dass diese Verkäufe strengen Kontrollen unterliegen, die u. a. den Weiterverkauf an andere Staaten wie den Iran verbieten.

Keine andere Konfliktpartei besitzt diese Waffe, und es gibt keine plausible Möglichkeit, wie der Iran eine Tomahawk-Rakete aus amerikanischer Produktion benutzt haben könnte, um eine seiner eigenen Mädchenschulen zu bombardieren. Trumps Behauptung, dass Tomahawks eine im großen Stil verkaufte „gewöhnliche“ Waffe seien, ist eine Lüge. Sie dient dazu, dem Pentagon und dem politischen Establishment Zeit zu verschaffen, um ein Narrativ zu konstruieren, in dessen Rahmen ein „Fehler“ eingeräumt wird, der aber von seiner grundsätzlich aggressiven Kriegspolitik getrennt ist.

Kriegsminister Pete Hegseth und die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, wichen bei einer Pressekonferenz den Fragen der Reporter aus und erklärten wiederholt, die Regierung werde „die Ergebnisse“ ihrer offiziellen Untersuchung „abwarten“. Obwohl die vorläufigen Untersuchungsergebnisse des Pentagon bereits an die Medien durchgesickert waren, wiesen sie jede Verantwortung der USA zurück.

Zweifellos haben diese Vertreter des Weißen Hauses Zugang zu den gleichen Operationsaufzeichnungen, Schadenseinschätzungen und Geheimdienstkontakten, auf denen auch die Untersuchung des Pentagon und der Artikel der New York Times basiert. Dass Hegseth und Leavitt sich weigern, die Verantwortung der USA anzuerkennen, ist Teil einer politischen Strategie, die darauf abzielt, Trumps „Große Lüge“ zu stärken – jenes Narrativ, dass der Iran – und nicht die USA selbst – der „weltweit führende staatliche Unterstützer von Terrorismus“ sei.

Die Times benutzt die Veröffentlichung der vorläufigen Untersuchungsergebnisse, um ihr eigenes Narrativ vom Krieg der USA und Israels gegen den Iran zu propagieren. Laut dieser Geschichte ist das Massaker an der Mädchenschule das Ergebnis „veralteter Zieldaten“ und „menschlichen Versagens“. Diese „Analyse“ ist in Wirklichkeit Teil einer ideologischen Kampagne, deren Ziel es ist, das Kriegsverbrechen als ein Einzelfall von seiner Ursache, der Kriegspolitik als Ganzer, zu trennen. Dieses Vorgehen ist sowohl den Demokraten als auch der Redaktion der New York Times genehm.

Indem die Times den Angriff als tragischen Nebeneffekt eines komplexen technologischen Systems, bestehend aus nicht ganz perfekten Datenbanken, überarbeiteten Analysten und unter Druck gefällten Entscheidungen darstellt, wird die politische Bedeutung des Vorfalls heruntergespielt. Dieses Narrativ klammert die grundlegende Tatsache aus, dass der ganze Krieg gegen den Iran ein illegaler und verbrecherischer Angriffskrieg ist.

Die Times behandelt die Zerstörung der Mädchenschule wie einen bürokratischen Fehler. In Wirklichkeit ist er jedoch das Ergebnis des barbarischen Drangs des US-Imperialismus, die ganze Welt seinen strategischen Zielen unterzuordnen. Wenn die Entscheidungsträger in den USA die Zerstörung einer Grundschule bereitwillig in Kauf nahmen, dann ist das Massaker nicht einfach ein Fehler, sondern Ausdruck der objektiven Logik, die dem ganzen Krieg zugrunde liegt.

Die Lügen der Trump-Regierung erinnern auffallend an diejenigen, mit denen Israel seine Kriegsverbrechen im Gazastreifen rechtfertigt. Die israelische Armee hat monatelang – mit voller diplomatischer, finanzieller und materieller Unterstützung durch die US-Regierung – einen Krieg zur kollektiven Bestrafung und Vernichtung durchgeführt, bei dem Schulen, Krankenhäuser, Flüchtlingslager und Wohnblöcke ins Visier genommen und zehntausende Zivilisten ermordet wurden.

Genau wie in Minab wird auch im Gazastreifen jedes Verbrechen als legitime „Selbstverteidigung“, Angriff auf angebliche „menschliche Schutzschilde“ oder als unerfreulicher „Fehler“ dargestellt, der sich aufgrund fehlerhafter Geheimdienstdaten eingeschlichen hat. Die bewusste, systematische Zerstörung des gesellschaftlichen Lebens wird mit Rhetorik über „Präzisionsangriffe“ und „Kollateralschäden“ bemäntelt. Das Ziel ist in beiden Fällen das gleiche: eine unterdrückte Bevölkerung durch Terror zu unterwerfen, Gebiete zu entvölkern und den Weg für die Vorherrschaft des Imperialismus freizumachen.

Unmittelbar nach dem Angriff in Minab legten Trump und Netanjahu nahe, dass der Iran die Schule selbst bombardiert habe. Dabei handelt es sich um einen neuerlichen Aufguss der grotesken Lügen, dass palästinensische Widerstandskämpfer für die Bombardierung von Krankenhäusern und UN-Schulen im Gazastreifen verantwortlich seien.

Das Pentagon wusste von Anfang an, dass in der Shajarah-Tayyebeh-Schule eine Tomahawk-Rakete eingeschlagen ist, die von einer ihrer Plattformen in der Nähe abgefeuert worden war, und dass es eine dreistellige Zahl von Todesopfern gab. Dass die Verantwortung für das Massaker erst mit Verzögerung eingestanden wurde, liegt daran, dass die Trump-Regierung für die Ausarbeitung einer offiziellen Rechtfertigung für den Angriff mehr Zeit und Mittel aufwendet, als sie es bei der Durchführung des Raketenangriffs selbst tat.

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