Elite-Einheit der US-Marine auf dem Weg in den Nahen Osten und zunehmende Drohungen mit Bodenoffensive

Die USS Tripoli

Die USS Tripoli, ein amphibisches Angriffsschiff mit der 31. Marine Expeditionary Unit an Bord, wurde am Dienstag bei der Durchfahrt der Straße von Malakka auf dem Weg zum Persischen Golf geortet. Sie brach am 11. März von der japanischen Insel Okinawa auf und soll bis Ende März im Nahen Osten eintreffen. Ihr Einsatz erfolgt vor dem Hintergrund zunehmender Forderungen in den Medien und im politischen Establishment der USA nach einer Bodenoffensive im Iran.

Etwa 50.000 US-Militärangehörige sind bereits im Nahen Osten stationiert, unterstützt von zwei Flugzeugträgerkampfgruppen – der USS Abraham Lincoln im Arabischen Meer und der USS Gerald R. Ford im Roten Meer. Eine dritte, die USS George H.W. Bush, ist auf dem Weg ins Mittelmeer. Die USS Tripoli und ihre Marines werden die erste Einheit am Kriegsschauplatz sein, die für Bodenkampf trainiert ist.

Der Einsatz erfolgt vor dem Hintergrund einer dramatischen Eskalation des Kriegs. Am Dienstag wurde der iranische Sicherheitschef Ali Laridschani bei einem israelischen Luftangriff ermordet. Laridschani war Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats und faktisch Staatschef des Iran seit der Ermordung des Obersten Führers Ali Chamenei in den ersten Stunden des Kriegs am 28. Februar.

Am Dienstag sprach sich der republikanische Abgeordnete Pete Sessions (Texas) im Fernsehsender CNN offen für eine Invasion der Insel Charg durch US-Marines aus. Die Insel ist Irans wichtigster Exporthafen für Öl, von dem aus 90 Prozent der Rohölexporte des Landes abgewickelt werden. Absurderweise bestritt er, dass dies ein „Einsatz von Bodentruppen“ wäre.

Sessions erklärte: „Diese 2.500 Marines, die Marine Expeditionary Force, würden vermutlich die Insel sichern. Meiner Meinung nach handelt es sich bei der Insel nicht um einen Bodentruppeneinsatz im Kampf, sondern um die Sicherung der Anlage.“ Er machte einen Unterschied zwischen der Einnahme einer Insel und einem Kampfeinsatz „innerhalb des Irans, wo sie in den Städten sind, wo wir Situationen erleben, die wir in der Vergangenheit mit großen Bevölkerungszentren hatten, mit Kämpfern gegen uns, und es herrscht Chaos.“

Sessions Äußerungen waren noch deutlicher als die des republikanischen Senators Lindsey Graham, der am Freitag auf X gepostet hatte: „Wer die Insel Charg kontrolliert, der kontrolliert das Schicksal dieses Kriegs. Semper Fi“ – ein durchsichtiger Aufruf zu einem amphibischen Angriff der Marines auf die Insel.

Im Vorfeld von Sessions’ Äußerungen hatte das Wall Street Journal am Sonntag in einem Leitartikel mit dem Titel „Die Schlacht um die Straße von Hormus“ erklärt, die Trump-Regierung müsse den Krieg eskalieren, statt ihn voreilig zu beenden. Das Journal warnte, dass, falls es dem Iran gelänge, die Straße von Hormus zu schließen, er damit „ein iranisches Veto über Energielieferungen errichten und sich künftige Straflosigkeit sichern“ würde. Weiter heißt es: „Man stelle sich vor, wie das Regime die Welt erpressen und damit durchkommen würde, wenn man erlaubt, dass es die zwei- oder dreifache Menge an Raketen oder Atomwaffen zusammenträgt.“

Sowohl die New York Times als auch das Wall Street Journal berichteten in den letzten Tagen, dass eine Besetzung der Insel Charg und eine Bodenoffensive entlang der Straße von Hormus von der Trump-Regierung gerade intensiv geprüft werde. Am Montag erklärte US-Präsident Donald Trump vor der Presse, er habe „keine Angst“ davor, Truppen in den Iran zu schicken. Er wies Vergleiche mit dem Vietnamkrieg zurück und sagte: „Ich habe wirklich vor nichts Angst.“

Der Druck in Richtung einer Bodenoffensive nimmt zu, weil das Vorhaben der US-Regierung gescheitert ist, die iranische Regierung durch die Ermordung ihrer Führung zu Fall zu bringen. Politico berichtete am Dienstag, einige von Trumps eigenen Verbündeten gingen mittlerweile davon aus, dass der Präsident „keine Kontrolle mehr darüber hat, wie oder wann der Krieg endet“. Eine Person aus dem engen Umfeld des Weißen Hauses erklärte gegenüber Politico: „Wir haben [den Iran] zwar auf dem Feld besiegt, aber jetzt haben sie weitgehend die Karten in der Hand. Sie entscheiden, wie lange wir involviert sind, und sie entscheiden, ob wir Bodentruppen einsetzen. Und meiner Meinung nach führt kein Weg daran vorbei, wenn wir unser Gesicht wahren wollen.“

Eine andere Quelle erklärte gegenüber Politico: „Die Bedingungen haben sich geändert. Die Ausstiegsoptionen gibt es nicht mehr, weil der Iran das asymmetrische Vorgehen antreibt.“

Trotz über zwei Wochen Bombenangriffen, bei denen über 7.000 Ziele getroffen, mehr als 100 Schiffe zerstört und der oberste Führer sowie Dutzende hochrangige Mitglieder der Regierung getötet wurden, bleibt die Straße von Hormus, durch die etwa ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen passiert, faktisch gesperrt.

Der Schiffsverkehr durch die Wasserstraße ist auf etwa fünf Durchfahrten pro Tag eingebrochen – ein Bruchteil der 125 vor dem Krieg. Rund 1.100 Schiffe – ein Viertel davon Öltanker – liegen im Golf fest und können nirgendwohin. Der Preis für Rohöl ist seit dem 28. Februar um 45 Prozent von unter 70 Dollar auf etwa 100 Dollar pro Barrel gestiegen. Amerikanische Autofahrer zahlen 3,79 Dollar für eine Gallone, was einem Preisanstieg von 25 Prozent entspricht.

Der Krieg weitet sich zu einer schweren politischen Krise für die Trump-Regierung aus. Laut einer Umfrage von Data for Progress vom 6. bis zum 8. März glauben 52 Prozent der Amerikaner, Trump habe „zumindest teilweise“ den Angriff auf den Iran begonnen, um vom Epstein-Skandal abzulenken. Bei den Anhängern der Demokraten waren es sogar 81 Prozent, bei denjenigen, die sich als parteiunabhängig oder Unterstützer von Kleinparteien einordnen, 52 Prozent. Laut einer Quinnipiac-Umfrage lehnen 74 Prozent der registrierten Wähler den Einsatz von Bodentruppen ab. Trumps Zustimmungswerte sind von über 50 Prozent zu Beginn seiner Amtszeit auf knapp 40 Prozent gesunken.

Unterdessen wurden laut dem US Central Command (CENTCOM) seit Beginn der Operation Epic Fury etwa 200 US-Soldaten verwundet und 13 getötet. Mindestens zehn der Verwundeten erlitten ernsthafte Verletzungen wie Granatsplitterwunden, Verbrennungen und Hirntraumata durch Explosionen.

Laridschanis Ermordung ist der jüngste in einer Reihe von „Enthauptungsschlägen“, die nichts zur Beendigung des Kriegs beigetragen haben. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, Laridschani und der Kommandant der Basidsch-Miliz, Gholamreza Soleimani, seien „eliminiert“ worden und würden „Chamenei in den Tiefen der Hölle Gesellschaft leisten. ... Ich habe die IDF angewiesen, die Verfolgung der Führung fortzusetzen.“

Der neue oberste Führer des Irans, Modschtaba Chamenei, Sohn des ermordeten Ali Chamenei, hat die Vorschläge zur Deeskalation von zwei Unterhändlerstaaten zurückgewiesen und erklärt, es sei „nicht die richtige Zeit für Frieden, bis die Vereinigten Staaten und Israel in die Knie gezwungen sind, ihre Niederlage akzeptieren und Entschädigung zahlen“.

Im Libanon weitet sich der Krieg weiter aus. Seit dem 2. März wurden durch israelische Bombenangriffe 912 Menschen getötet, darunter 111 Kinder. Mehr als eine Million – fast ein Fünftel der Gesamtbevölkerung – musste fliehen. Über 100 Ortschaften wurden zur Evakuierung aufgefordert. Das UN-Menschenrechtsbüro warnte, die Bombardierung von Wohngebieten könnte ein Kriegsverbrechen darstellen und die systematische Massenvertreibung der Bevölkerung verstoße gegen das humanitäre Völkerrecht.

Laut dem iranischen Gesundheitsministerium wurden im Iran seit dem 28. Februar mindestens 1.444 Menschen getötet und mehr als 18.000 verwundet. Amnesty International bestätigte, dass bei dem US-Angriff auf die Mädchenschule in Minab mindestens 170 Menschen getötet wurden, „die meisten davon Schülerinnen“, und forderte, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Bei einem Angriff auf Arak wurden unter anderem ein zweijähriges Kind und sein drei Tage altes Geschwisterkind zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter getötet.

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