USA verstärken Militärpräsenz im Nahen Osten und drohen, „die Hölle zu entfesseln“

US-Präsident Donald Trump bei der jährlichen Spendengala des National Republican Congressional Committee (NRCC) am Mittwoch, 25. März 2026, an der Union Station in Washington [AP Photo/Julia Demaree Nikhinson]

Die Trump-Regierung verlegt gegenwärtig Bodentruppen mit Tausenden Soldaten in den Persischen Golf. Unterdessen drohte das Weiße Haus am Mittwoch mit einer massiven Eskalation ihres Angriffskrieges gegen den Iran, wenn dieser die Forderungen der USA nicht akzeptiere.

Die Pressesprecherin des Weißen Hauses Karoline Leavitt erklärte: „Wenn der Iran die Tatsachen der aktuellen Lage nicht akzeptiert, wenn er nicht versteht, dass er militärisch besiegt wurde und daran auch nichts ändern kann, dann wird Präsident Trump dafür sorgen, dass das Land härter getroffen wird als jemals zuvor.“ Dann fügte Leavitt hinzu: „Präsident Trump blufft nicht, und er ist bereit, die Hölle zu entfesseln.“

Leavitt behauptete, die USA stünden kurz vor dem Sieg im Iran: „Deshalb ist jetzt zu erkennen, wie das Regime nach einem Ausweg sucht.“

Ein Reporter fragte Leavitt, wie die Mobilisierung der 82. Luftlandedivision mit der Behauptungen zusammenpasst, dass der Krieg bald vorbei sei, da diese Einheit normalerweise nicht zum Ende eines Konflikts ausgeschickt werde, sondern zum Beginn. Leavitt wich aus: „Der Präsident hat gerne mehrere Optionen an der Hand. Es ist Aufgabe des Pentagon, dem Oberbefehlshaber diese Optionen zu liefern.“

Laut verschiedenen Berichten haben zwei- bis dreitausend Fallschirmjäger der Immediate Response Force der 82. Luftlandedivision schriftliche Befehle zur Verlegung in den Nahen Osten erhalten. Die 82. Luftlandedivision ist eine Eliteeinheit der US Army, bestehend aus Fallschirmjägern, die auf den schnellen Einsatz in Kampfzonen spezialisiert sind. Eine solche Einheit schickt das Pentagon nicht, wenn es verhandeln will, sondern um anzugreifen.

Die Fallschirmjäger würden ergänzend zu zwei amphibischen Verbänden der Marines hinzukommen, die bereits auf dem Weg in den Persischen Golf sind. An Bord des Angriffsschiffs USS Tripoli befinden sich 2.200 Marines der 31st Marine Expeditionary Unit (MEU) und die USS Boxer hat letzte Woche mit 2.500 Marines der 11th MEU den Marinestützpunkt in San Diego verlassen. Die Tripoli wird laut Wall Street Journal vermutlich am Freitag den Kriegsschauplatz erreichen – an dem Tag, an dem Trumps fünftägiges Ultimatum ausläuft, auf das Angriffe auf das iranische Stromnetz folgen sollen.

Sowohl vor dem Angriff auf die iranischen Atomanlagen im letzten Jahr als auch vor der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro und vor dem jetzigen Krieg hatte Trump Verhandlungen stets als Tarnung für eine militärische Eskalation benutzt. Kriegsminister Pete Hegseth, der gemeinsam mit Trump auftrat, verzichtete gleich ganz darauf, einen Vorwand aufzutischen. Hegseth erklärte: „Wir verhandeln mit Bomben. Ihr habt die Wahl, während wir über Teheran kreisen.“ Er lobte den Präsidenten dafür, dass dieser dem Militär befohlen habe, „den Feind vom ersten Moment an so brutal wie möglich anzugreifen und zu vernichten“.

Die New York Times berichtete, die US-Regierung habe dem Iran über Pakistan eine Liste mit fünfzehn Forderungen zukommen lassen, zu denen unter anderem die Demontage der iranischen Atomanlagen in Natans, Isfahan und Fordau gehört. Hinzu kommt ein dauerhaftes Verbot der Urananreicherung, die Übergabe sämtlichen angereicherten Urans an die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), Einschränkungen für ballistische Raketen und die Einstellung von Unterstützung für die Hisbollah und andere verbündete Milizen. Diese Forderungen laufen darauf hinaus, dass der Iran seine nationale Souveränität komplett aufgibt – auf die Übergabe der Verteidigungskapazitäten an die Regierung jenes Landes, von dem der Iran derzeit bombardiert wird. Die Liste der Forderungen ist so konzipiert, dass eine Ablehnung durch den Iran sicher ist. Wenn der Iran sie nicht akzeptiere, so drohte Trump am Montag, „dann bombardieren wir weiter, was das Zeug hält.“

Das Wall Street Journal buchstabierte offen aus, worauf die Regierung spekuliert: „Die neue Frist, um eine Eskalation zu verhindern, läuft am Freitag aus – dem Tag, an dem etwa 2.200 Marines in der Region ankommen sollen.“ In der Zeitung hieß es weiter: „Wird dieses Regime Trump erneut so herausfordern, dass er seine Drohung wahr macht? Und war das von Anfang an der Plan des Präsidenten?“ Das Journal lieferte gleich selbst die Antwort: „Man kann das Diplomatie à la Trump nennen: Eine Hand ist ausgestreckt, während die andere sichtbar zum Schlag ausholt.“

Die Financial Times veröffentlichte am Dienstag ein detailliertes Szenario, wie ein US-Angriff auf die Insel Charg, über deren Terminal 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt werden, ablaufen könnte. Schon jetzt habe das US-Militär bereits mehr als 90 militärische Ziele auf der Insel angegriffen, darunter Lager für Seeminen und Raketenbunker. Militäranalysten sprachen von der „Vorbereitung des Schlachtfeldes“. Bei der Landeoperation würden Marines mit Kipprotorflugzeugen des Typs V-22 Osprey oder per Schiff abgesetzt werden. Schon bevor die amphibischen Einheiten ankämen, könnten die 82. Luftlandedivision und Army Rangers bestimmte Gebiete unter ihre Kontrolle bringen.

Die ehemalige Geheimdienstdirektorin des US Central Command, Karen Gibson, erklärte gegenüber der Financial Times, die USA seien zwar in der Lage, die Insel militärisch zu besetzen, aber die Herausforderung bestehe „nicht nur in der Besetzung der Insel“, sondern auch darin, sie „bei anhaltendem Druck zu halten.“ Charg befindet sich nur rund 25 Kilometer vor dem iranischen Festland, deutlich innerhalb der Reichweite von Raketen, Drohnen und Artillerie. Todesopfer unter US-Soldaten wären, so die Formulierung der Financial Times, „so gut wie sicher.“

Der ehemalige Stabschef des US Special Operations Central, Seth Krummrich, erklärte gegenüber der Zeitung, eine Operation zur Besetzung von Charg wäre „Wirtschaftskriegsführung“ in einem „völlig anderen und komplexeren Raum“. Er fügte hinzu, dass dieses Vorgehen gegenüber der amerikanischen Bevölkerung „mit Blick auf die Zwischenwahlen im November“ schwerer zu rechtfertigen wäre. Die Financial Times schrieb, dass es der Iran, selbst wenn die US-Operation erfolgreich wäre, vorziehen könnte, seine eigene Ölinfrastruktur zu zerstören, anstatt sie aufzugeben – und dass deren Besetzung „an der Position der USA im Iran-Konflikt wohl wenig ändern wird“.

Zwei Vertreter der israelischen Regierung erklärten gegenüber der New York Times, Israel plane innerhalb der nächsten 48 Stunden eine Verschärfung der Angriffe. In Tel Aviv gehe die Sorge um, dass Trump den Krieg beenden könnte, bevor Israel seine Ziele erreicht habe, zu denen auch die Zerstörung der iranischen Waffenprogramme gehört. CNN berichtete am Mittwoch, der Iran verstärke in Vorbereitung auf einen Angriff von US-Bodentruppen seine Verteidigungsanlagen auf Charg und verlege u. a. zusätzliches Militärpersonal und Luftabwehrsysteme auf die Insel.

Die Bombenkampagne gegen den Iran hat innerhalb von vier Wochen Tausende von zivilen Opfern gefordert. Die HHRANA (Human Rights Activists News Agency) beziffert ihre Zahl auf 1.443, darunter 217 Kinder. Da die 90 Millionen Einwohner des Iran seit dem 28. Februar durch den Ausfall der Kommunikation von der Außenwelt abgeschnitten sind, ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Zahl weitaus höher liegt. Laut Amnesty International wurden bei einem einzigen Angriff auf eine Schule in der Stadt Minab 168 Menschen getötet, die meisten davon Mädchen. Am Dienstag wurden im Süden von Teheran weitere zwölf Menschen getötet.

Im Libanon stieg die Zahl der Toten durch den Angriff Israels, der am 2. März begann, auf 1.072, darunter 118 Kinder und 40 medizinische Fachkräfte. Hinzu kommen 2.966 Verletzte. Ein Fünftel der Bevölkerung des Libanon – 1,2 Millionen Menschen – ist in den Norden geflohen. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hat den – in seinen Worten – „beschleunigten Abriss“ der Grenzdörfer angeordnet, wobei er die Zerstörung von Beit Hanoun und Rafah im Gazastreifen als Vorbild nannte. Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich erklärte, der Fluss Litani solle die „neue Grenze“ Israels werden. Fünf Brücken über den Litani wurden zerstört und Israel hat eine 30 Kilometer breite militärische Zone im gesamten Süden des Libanon festgelegt.

Laut einer Umfrage von Reuters und Ipsos, die diese Woche veröffentlicht wurde, unterstützen nur 35 Prozent der US-Bevölkerung Angriffe auf den Iran, 61 Prozent lehnen sie ab. Trumps Zustimmungswerte sind auf 36 Prozent und damit auf den niedrigsten Wert in seiner zweiten Amtszeit gesunken. Nur jeder vierte Amerikaner befürwortet seine Politik im Hinblick auf die Lebenshaltungskosten. Vierzehn US-Soldaten sind seit dem 28. Februar in der Region um den Persischen Golf ums Leben gekommen.

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