Wie das Wall Street Journal und Axios am Donnerstag berichteten, plant die Trump-Regierung die Entsendung weiterer 10.000 Bodentruppen in den Nahen Osten, während der US-Angriffskrieg gegen den Iran in die fünfte Woche geht. Das Journal schrieb: „Wenn Präsident Trump grünes Licht gibt, könnten die USA bald mehr als 17.000 US-Bodentruppen in unmittelbarer Nähe des Iran stationiert haben.“
Zeitgleich hatte US-Außenminister Marco Rubio laut Medienberichten am Donnerstag gegenüber den Außenministern der G7-Staaten in Paris erklärt, der Krieg werde mindestens weitere zwei bis vier Wochen andauern. Auf die Frage nach Bodentruppen erklärte Rubio: „Der Präsident muss auf verschiedene Eventualitäten vorbereitet sein, die ich in den Medien nicht diskutieren werde.“
Der Aufmarsch von Bodentruppen, die in der Lage sind, in den Iran einzumarschieren, ist der eigentliche Inhalt von Trumps Behauptungen, er würde mit dem Iran verhandeln. Die US-Regierung hat wiederholt von Verhandlungen gesprochen, um ihre militärische Eskalation zu vertuschen: bei den Luftangriffen auf die iranischen Atomanlagen im letzten Jahr, bei der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro im Januar und jetzt in diesem Krieg. Am Mittwoch verlängerte Trump seine „Unterbrechung“ von Angriffen auf die iranische Energieinfrastruktur bis zum 6. April, während Israel seine Angriffe verschärfte – alleine am Donnerstag wurden eine Uran-Verarbeitungsanlage in Jesd, der Schwerwasserkomplex in Chondab und zwei der größten Stahlwerke des Iran angegriffen.
Jede Bodeninvasion der Insel Charg, ein zentraler Schwerpunkt der geplanten Operationen, würde beträchtliche Verluste für die USA nach sich ziehen. Wie das Wall Street Journal schrieb, müssten US-Schiffe auf dem Weg in die Straße von Hormus „enge, flache Gewässer durchqueren, die möglicherweise mit Seeminen versehen sind, flankiert von iranischen Truppen mit Raketen und Drohnen“. Seth Jones vom Center for Strategic and International Studies (CSIS) erklärte gegenüber dem Journal: „Überschall-Seezielflugkörper könnten innerhalb von Sekunden vom iranischen Festland aus starten.“
Laut CNN hat der Iran die Insel Charg, über die 90 Prozent seiner Ölexporte abgewickelt werden, mit zusätzlichen Truppen, Luftabwehrsystemen und Landminen entlang der Küste befestigt.
Die Washington Post berichtete am Donnerstag, die USA hätten in vier Wochen Krieg mehr als 850 Tomahawk-Marschflugkörper abgefeuert, während jährlich nur einige hundert produziert werden. Vertreter des Pentagon erklärten, die Bestände seien „alarmierend niedrig“. Einer von ihnen warnte sogar, das Militär nähere sich dem Zustand „Winchester“ – das ist militärischer Jargon für Munitionsmangel.
Die BBC veröffentlichte am Donnerstag eine Untersuchung auf der Grundlage von Videomaterial, das von unabhängigen Journalisten in Teheran zusammengetragen wurde und die Zerstörung des Wohnviertels Resalat im Osten Teherans dokumentiert. Bei einem einzigen israelischen Angriff auf ein von Wohnblocks umgebenes Gebäude der Basidsch-Miliz wurden zwischen 40 und 50 Menschen getötet. Eine Mutter wartete tagelang, bis Rettungskräfte ihre Tochter und ihr kleines Enkelkind aus den Trümmern geborgen hatten; beide waren bereits tot. Militärexperten erklärten gegenüber der BBC, die eingesetzten Waffen entsprächen 2.000-Pfund-Bomben des Typs Mark 84. Zwei Experten für humanitäres Völkerrecht erklärten gegenüber der BBC, der Einsatz dieser Waffen in einem dicht besiedelten Gebiet sei „möglicherweise rechtswidrig“.
Die mittlerweile seit fast einem Monat andauernden Bombenangriffe haben im Iran Tausende von zivilen Todesopfern gefordert. Die Human Rights Activists News Agency (HRANA) hat mindestens 1.500 zivile Todesopfer dokumentiert, darunter 217 Kinder. Die Washington Post berichtete am Donnerstag, dass fast 1.500 zivile Todesopfer bestätigt wurden. Nichtstaatliche Vertreter des iranischen Gesundheitswesens gehen von einer tatsächlichen Zahl von etwa 32.000 Toten aus.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat seit Beginn des Kriegs 13 Angriffe auf iranische Gesundheitseinrichtungen dokumentiert. Dazu gehören das Khatam-al-Anbia-Krankenhaus und das Gandhi-Krankenhaus in Teheran, das Abusar-Kinderkrankenhaus in Ahwas und Einrichtungen in mehreren Provinzen. Der iranische Rote Halbmond erklärte am 7. März, 5.535 Wohngebäude, 65 Schulen und 14 Ärztezentren in 131 Bezirken seien angegriffen worden.
Seit dem ersten Golfkrieg 1990–1991 führen die Vereinigten Staaten ununterbrochen Krieg. Gestützt auf ein marxistisches Verständnis der Widersprüche des US- und des Weltimperialismus analysiert David North die Militärinterventionen und geopolitischen Krisen der letzten 30 Jahre.
Amnesty International und Human Rights Watch (HRW) bestätigten, dass bei einem US-Angriff auf die Shajarah-Tayyebeh-Mädchengrundschule in Minab am ersten Tag des Kriegs 168 Menschen getötet wurden, die meisten davon Kinder. CNN berichtete, die USA hätten veraltete Zieldaten benutzt, eigentlich sei das Ziel des Angriffs ein nahegelegener Marinestützpunkt der iranischen Revolutionsgarde gewesen. Iranische Staatsmedien berichteten, bei einem weiteren Angriff auf eine Sporthalle in der Stadt Lamerd seien mindestens 18 Zivilisten getötet worden, darunter Mädchen, die zu diesem Zeitpunkt in der Halle trainierten. Laut den iranischen Kulturbehörden wurden mehr als 120 Museen und historische Stätten beschädigt, darunter der Golestan-Palast, der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.
Die 90 Millionen Einwohner des Iran sind durch einen nahezu vollständigen Ausfall des Internets seit 28 Tagen von der Außenwelt abgeschnitten. Die Internetbeobachtergruppe NetBlocks berichtete, die Internetvernetzung sei seit dem 28. Februar um 98 Prozent zurückgegangen. Laut Human Rights Watch droht die Regierung mit rechtlichen Schritten gegen Bürger, die Virtual Private Networks (VPN) nutzen oder Umgehungstools weitergeben. Iraner im Ausland können ihre Familien im Inland nicht erreichen.
Laut iranischen Regierungsvertretern mussten nach Angriffen auf das Gasfeld South Pars am 18. März zwei Raffinerien den Betrieb einstellen, die zusammen 100 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag produzierten; das entspricht etwa zwölf Prozent der Gesamtproduktion des Iran. Die Gaslieferungen an den Irak wurden unterbrochen. Anfang März wurde eine Entsalzungsanlage auf der Insel Qeshm getroffen, die 30 Dörfer mit Trinkwasser versorgt. Das Institut für Wasser, Umwelt und Gesundheit der Universität der Vereinten Nationen bezeichnete Angriffe auf Entsalzungs-Infrastruktur in einer wasserarmen Region als Angriffe auf Zivilisten.
Im Libanon wurden durch die Angriffe, die Israel am 2. März unter dem Deckmantel des Iran-Kriegs begonnen hat, mindestens 1.116 Menschen getötet und weitere 3.229 verwundet, darunter 121 Kinder und 40 medizinische Fachkräfte. Laut Schätzungen der UN sind 1,2 Millionen Libanesen, d.h. etwa ein Fünftel der Bevölkerung, geflohen. Die WHO hat 28 Angriffe auf Gesundheits-Infrastruktur alleine in den ersten zwei Wochen dokumentiert, bei denen 30 medizinische Fachkräfte getötet wurden. Laut Angaben des israelischen Militärs operieren derzeit drei Divisionen im Libanon. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hat angeordnet, die Zerstörung von Grenzdörfern zu beschleunigen, und dabei Beit Hanoun und Rafah in Gaza als Vorbild genannt. Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich erklärt: „Dahiyeh wird sehr bald wie Chan Yunis aussehen“.
Am Donnerstag wurden bei einem iranischen Raketen- und Drohnenangriff auf den Luftwaffenstützpunkt Prince Sultan Air Base in Saudi-Arabien zehn US-Soldaten verwundet, zwei davon schwer. In den vier Kriegswochen seit dem 28. Februar wurden mehr als 300 US-Soldaten verwundet und 13 Militärangehörige getötet.
