Arbeiter aus allen Teilen der Vereinigten Staaten reagierten voller Wut auf Trumps Drohung, die Zivilisation des Iran, eines Lands mit mehr als 93 Millionen Einwohnern, „in die Steinzeit zu bomben“.
Zwar wurde kurz vor der für 20 Uhr angesetzten Frist, nach welcher im ganzen Iran die Zerstörung von Kraftwerken, Brücken und anderer ziviler Infrastruktur beginnen sollte, eine zweiwöchige Waffenruhe verkündet. Aber es besteht kein Grund zur Annahme, dass es sich dabei um einen Schritt weg vom Abgrund handeln könnte. Frühere „Verhandlungsrunden“ dienten den USA lediglich als Täuschungsmanöver, um hohe iranische Regierungsvertreter, wie zum Beispiel am 28. Februar den Obersten Führer Ali Chamenei, zu ermorden.
Ungeachtet dessen, was geschieht, hat Trumps völlige Gesetzlosigkeit die Brutalität des amerikanischen Kapitalismus bereits weltweit vor aller Augen offengelegt. Dies wird zu einer zunehmenden Radikalisierung der Arbeiterklasse beitragen und die Arbeitenden von der Notwendigkeit eines sozialistischen Umbaus der Gesellschaft überzeugen.
Am Montagmorgen erklärte der Vorsitzende der Internationalen WSWS-Redaktion, David North, in einem Video: „Selbst zu dieser späten Stunde muss die Arbeiterklasse auf der ganzen Welt ihren Widerstand gegen dieses ungeheuerliche Verbrechen erklären. Es muss gestoppt werden. Es darf nicht geschehen.“
Nachstehend bringen wir eine Auswahl an Reaktionen von Arbeitern aus allen Teilen der USA auf diesen Aufruf.
Eine Pflegekraft aus Massachusetts: „Als pensionierte Krankenschwester und als Mensch sage ich: Das darf nicht passieren. Wir als Bürger müssen dieses Kriegsverbrechen gegen den Iran, eine souveräne Nation, aufhalten. Ich stehe als Amerikanerin an der Seite des iranischen Volks; ich bin gegen diesen Krieg und gegen alle Kriege, die sich gegen die Menschheit richten.“
Ein General-Motors-Arbeiter: „Es ist momentan eine üble Lage. Ich bin Veteran und kein Freund von Krieg. Ich bin total dagegen; das ist einer der Gründe, warum ich aus dem Militär ausgeschieden bin. Neben der Gewalt, die er verursacht, gibt es noch etwas anderes: die ständigen Einsätze, der Stress, die Schäden – er zerstört Familien und Angehörige. Trotzdem melden sich immer noch Leute freiwillig, und man ist auf Gnade und Ungnade demjenigen ausgeliefert, der das Sagen hat.
[Veteranen werden] angeblich geehrt, aber sie hatten bei allem, was sie getan haben, keinerlei Mitspracherecht. Es ist so heuchlerisch. Und die Anwerber müssen ihre Quoten erfüllen und erzählen einem alles mögliche, damit man sich meldet. Scharlatane.“
Ein ausgesperrter BP-Raffineriearbeiter aus Whiting (Indiana): „Es ist widerlich. Und die Kongressabgeordneten sind keine Hilfe, sie sitzen weiterhin untätig daneben. Sie haben sich schrecklicher Verbrechen in unseren eigenen Stadtvierteln schuldig gemacht, Menschen entführt, und niemand weiß, wo sie hin sind. Also ist das nichts Schockierendes. Es ist widerlich, und ich hoffe, dass er keine Atomwaffen einsetzt. Aber selbst etwas so Fürchterliches würde mich nicht schockieren, weil er offensichtlich dazu fähig ist.
Ich weiß, dass BP für den Krieg verantwortlich ist! Sie waren es, die die iranische Regierung ursprünglich destabilisiert haben [durch den Sturz der demokratischen Regierung von Mohammad Mosaddegh].“
Ein Ingenieur aus Nordkalifornien: „Wirklich wahnsinnig. Trumps Verachtung für den Wert von Menschenleben und Kultur kennt offenbar keine Grenzen. Die Drohung, eine ganze Zivilisation zu vernichten, ist die jüngste Eskalation seiner Angriffe auf Arbeiter weltweit und im Inland. Es wird immer deutlicher, dass die Demokraten nicht gewillt sind, auf nennenswerte Weise Widerstand gegen diese Politik zu leisten. Sie überlassen es der Arbeiterklasse, sich gegen ein System zu verteidigen, das nur die Interessen der Oligarchen schützt. Wir zahlen für diese Kriege mit unserem Blut und unserer Arbeit, deshalb müssen wir zusammenstehen, um diesen und alle folgenden Kriege zu beenden.“
Ein Mitarbeiter des US Postal Service: „Donald Trumps Drohungen gegen den Iran sind die eines bösartigen Diktators, der keine Rücksicht auf Menschenleben, Völkerrecht oder allgemeinen Anstand nimmt. Davon zu sprechen, das Leben von 90 Millionen Menschen auszulöschen, ist entsetzlich, ebenso wie die Weigerung der Demokraten und Republikaner, ihn zu stoppen. Ich erkläre mich solidarisch mit der Bevölkerung des Iran, die der Gier und Korruption amerikanischer Politiker und Konzerne zum Opfer fällt. Donald Trump muss für seine Worte und Taten zur Rechenschaft gezogen werden.“
Ein Arbeiter aus Massachusetts: „[Trump] muss gestoppt werden, aber wo soll man anfangen, wenn alle Akteure in der Regierung mitschuldig sind? Er gehört verhaftet. Ich verstehe nicht, warum wir, das Volk, uns in diesem endlosen Dialog verlieren und versuchen, mit diesen Verrätern zu reden. Er und sein gesamtes Kabinett sind korrupte Kriegsverbrecher, und sie müssen sofort verhaftet werden, bevor sie etwas tun, was sich nicht mehr rückgängig machen lässt und was wir alle bereuen werden.“
Ein Hochschulmitarbeiter aus Kalifornien: „Trump ist ein Wahnsinniger, und er hat die Unterstützung der Extremisten aus seinen Kreisen und des kapitalistischen Systems, das seinen unausweichlichen Untergang verhindern will. Seine Drohungen, die gesamte iranische Zivilisation auszulöschen, erinnern mich an Trotzkis Ausspruch: ,Die Hegemonie der Vereinigten Staaten wird sich während der Zeit einer Krise noch viel vollständiger, offener, schärfer und rücksichtsloser auswirken, als während der Zeit des Aufstiegs.‘
Wenn dieses Zitat auf eine der bisherigen imperialistischen Regierungen passt, dann sicherlich auf die Trump-Regierung. Wenn sie ihre Drohung wahrmacht, kann und will ich mir nicht vorstellen, wie die globalen Konsequenzen aussehen. Vielleicht ein dritter Weltkrieg. Ich weiß es nicht, aber die Arbeiterklasse wird noch mehr leiden als bisher, wenn wir das nicht verhindern.“
Ein Student und Mitglied der International Youth and Students for Social Equality (IYSSE): „Donald Trumps Ultimaten sind kriminell. Der illegale US-amerikanisch-israelische Krieg gegen den Iran dauert schon seit vier Wochen an, und es deutet nichts darauf hin, wovor die Trump-Regierung zurückschrecken wird, um die Hegemonie der USA zu sichern. Das Vorgehen der USA und ihrer Verbündeten, die die ,Freiheit‘ propagieren, zeigt, dass sie unerbittlich die Interessen des US-Imperialismus verfolgen, ungeachtet des Widerstands der Arbeiterklasse und des Völkerrechts. Die ,Freiheit‘ der Iraner kommt nicht von einer despotischen Regierung, wie sie vor 1979 herrschte, sondern durch einen vereinten und internationalen Kampf der Arbeiterklasse zur Abschaffung des Kapitalismus.“
Ein Arbeiter des Autozulieferers Nexteer: „Dies ist das erste Mal, dass ich einen amerikanischen Präsidenten so reden gehört habe, wie er mit seiner Absicht prahlt, die Bevölkerung des Iran auszulöschen. Die Iraner haben uns nichts getan. So wie ich es sehe, sind sie Arbeiter wie wir. Meine Devise ist: leben und leben lassen. Wir sollten zusammenarbeiten. Und ich habe gelesen, Trump wird diesen Krieg mit Kürzungen bei Social Security, Medicare und Kitas finanzieren.
Die Arbeiter hier bei Nexteer werden von unseren Gewerkschaftsfunktionären nicht vertreten. Sie sagen uns, ein Streik wäre illegal, obwohl wir hier ohne Tarifvertrag arbeiten. Eigentlich ist alles, was Trump tut, illegal, aber wir sollen unsere Rechte aufgeben, weil Leute, die uns nicht vertreten, an der Macht sind?“
Thomas Adams, ein ehemaliger Autoarbeiter und Autor der Studie UAW Incorporated: The Triumph of Capital: „Ich habe Trumps Äußerungen über die Vernichtung der iranischen Zivilisation gelesen. Es ist beunruhigend, wie still die Leute jetzt sind, vor allem der Kongress.
Trump verliert eindeutig den Verstand und schlägt um sich. Er ist äußerst verzweifelt.
Ich habe von Hitler gelesen. Die großen städtischen Konzerne haben ihn nicht nur finanziert, sondern auch die Öfen entwickelt, in denen Juden, Osteuropäer und Katholiken verbrannt wurden.
Man kann förmlich sehen, wie Trump Hitlers Drehbuch abarbeitet. Ich meine, die ständigen Lügen sind das eine, aber die lächerlich absurden Vorwände für Verbrechen – zum Beispiel die Bombenangriffe auf diese Schnellboote, die angeblich Drogenschmuggel betreiben. Er hat weder davor noch danach irgendeinen Beweis vorgelegt. Und jetzt hat er den Iran überfallen.
Wann der Erste Weltkrieg begann, war ziemlich klar. Beim Zweiten war es etwas undurchsichtiger. Wir könnten uns bereits im Dritten Weltkrieg befinden. Wir könnten diese Schwelle schon vor Monaten überschritten haben.
Trump kürzt die Lebensmittelhilfe, die Gesundheitsversorgung, oder er lässt Gesundheitssubventionen auslaufen, setzt die ICE auf den Straßen ein, die in die Wohnungen von Leuten eindringen oder sie aus ihren Autos zerren. [Die ICE] ist wie seine private Gestapo, die Leute verprügelt und manchmal erschießt.
Ich glaube, Trump wird versuchen, die Wahl auszusetzen, und er wird versuchen, die Wähler einzuschüchtern. [Aber sogar] die Republikaner, die ich kenne, hassen Trump.
Ich habe in den letzten sechs Monaten über die Geschichte der Gründerväter und die Ursprünge unseres Landes gelesen, über die Idee der Demokratie, die Vorstellung, dass es dabei um diese Ideen und Gleichberechtigung ging, nicht wahr? Wir haben das so sehr aus den Augen verloren, und das macht es für mich so schwierig.“
Er fügte hinzu: „Trump kann sich zwar mit Milliardären umgeben, aber das wird nicht gut ausgehen. Man kann die Bevölkerung nicht so niederhalten und denken, dass es so weitergeht. Das wird sich zuspitzen.“
Ein Arbeiter im General-Motors-Lastwagenwerk in Flint: „Vor meiner achtstündigen Schicht habe ich erfahren, dass Trump gesagt hat: ,Heute Nacht wird eine ganze Zivilisation sterben‘, und die Vorstellung, dass Millionen von Menschen, ,ein ganzes Volk‘ noch vor Ende meiner Schicht sterben könnte, drehte mir den Magen um.
Die Demokraten und der Präsident der United Auto Workers, Shawn Fain, haben keine Erklärungen abgegeben, um sich dieser äußerst alarmierenden Situation entgegenzustellen. Sie haben nichts vorgeschlagen, um das aufzuhalten. Das zeigt, dass ihnen die Interessen der Arbeiterklasse im Iran, hier oder anderswo, egal sind. Wenn sie diese Drohung mit einem Massaker wahrmachen, wer weiß, was dann als nächstes kommt. Sie haben im Gazastreifen über mehrere Jahre Zehntausende ermordet, jetzt drohen sie, ein ganzes Land innerhalb weniger Stunden, Tage oder Wochen auszulöschen. Das ist Völkermord.
Ich kann mir nicht vorstellen, wie sich die unschuldigen Menschen im Iran fühlen, wenn sie vielleicht noch Stunden zu leben haben. Die Arbeiterklasse in den USA kann nicht einfach so wie bisher weitermachen. Wir müssen diese Kriegsverbrechen stoppen. Wir haben die Macht dazu; wir erarbeiten die Gewinne für diejenigen, die diese Vernichtung befehlen. Der Elite geht es nur um Geld. Wir müssten mindestens der Arbeit fernbleiben und die Produktion zum Erliegen bringen. Wir sollten auf die Straße gehen. Ich habe mit den Menschen im Iran viel mehr gemeinsam als mit dem Präsidenten der UAW oder der USA.“
