US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte am Freitag, die USA würden ihre Seeblockade gegen den Iran zu einer globalen Operation gegen den Schiffsverkehr in allen Ozeanen ausweiten. Stunden zuvor hatte das Finanzministerium Sanktionen gegen eine große chinesische Ölraffinerie und 40 Reedereien verhängt, weil sie iranisches Rohöl gekauft hatten.
Bei einer Pressekonferenz des Pentagon am 24. April erklärte Hegseth vor Journalisten: „Unsere Blockade wächst und wird global. Ohne die Erlaubnis der US-Marine kommt niemand aus der Straße von Hormus irgendwohin auf der Welt.“ Er erklärte weiter, seit Beginn der Blockade im April seien 34 Schiffe zurückgeschickt worden, und die US-Marine habe letzte Woche zwei iranische Schiffe im Indischen Ozean beschlagnahmt.
Die Blockade und die Sanktionen richten sich gegen China. Letzte Woche hatte die US-Marine im Golf von Bengalen zwischen Sri Lanka und der Straße von Malakka den Tanker M/T Tifani beschlagnahmt, der rund zwei Millionen Barrel iranisches Rohöl für chinesische Raffinerien geladen hatte. China ist der größte Abnehmer iranischen Öls und bezieht mehr als zehn Prozent seines Rohölbedarfs aus dem Iran.
Das Finanzministerium verhängte am Freitag sekundäre Sanktionen gegen Hengli Petrochemical, eine private Raffinerie in der chinesischen Hafenstadt Dalian, die etwa 400.000 Barrel Öl pro Tag verarbeiten kann. Ihr wurde der Kauf iranischen Öls vorgeworfen. Das Finanzministerium sanktionierte außerdem 40 Reedereien und Schiffe und fror Krypto-Wallets mit 344 Millionen US-Dollar ein, die von iranischen Zwischenhändlern genutzt wurden.
Ein Sprecher der chinesischen Botschaft in Washington erklärte am Freitag, die Sanktionen würden „die internationale Handelsordnung und Regeln“ untergraben und „die legitimen Rechte und Interessen chinesischer Unternehmen und Privatpersonen verletzen.“ Die Maßnahmen erfolgten am Vorabend eines geplanten Treffens zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping.
General Dan Caine, ein ranghoher US-Offizier, der neben Hegseth auftrat, erklärte an die Adresse der internationalen Reeder: „Wenn Sie sich nicht an diese Blockade halten, werden wir Gewalt anwenden. [US-Streitkräfte] sind weiterhin in Position und bereit, buchstäblich jederzeit wieder größere Kampfeinsätze aufzunehmen.“
Am gleichen Tag traf der Flugzeugträger USS George H.W. Bush in Begleitung von drei Lenkraketenzerstörern und 5.000 Matrosen im Kriegsgebiet im Nahen Osten ein. Es ist der dritte Flugzeugträger, den die Trump-Regierung in die Region verlegt hat. Die drei Flugzeugträgerverbände verfügen damit über mehr als 200 Kampfflugzeuge und 15.000 Matrosen und Marinesoldaten. Weitere 4.200 Marinesoldaten werden bis Ende April mit der Boxer Amphibious Ready Group eintreffen. Laut der Financial Times handelt es sich dabei um das größte US-Marineaufgebot im Nahen Osten seit 2004.
Bei der gleichen Pressekonferenz im Pentagon forderte Hegseth die europäischen Regierungen zur Teilnahme am Krieg auf und erklärte, sie sollten „anfangen weniger zu reden und weniger schicke Konferenzen in Europa abzuhalten, sondern lieber ins Boot einsteigen.“
Ein Memorandum des Pentagon, das vom Unterstaatssekretär für Verteidigungspolitik, Elbridge Colby, verfasst und am 24. April an Politico geleakt wurde, schlägt die formelle Bestrafung von NATO-Mitgliedern vor, die sich weigern, Kriegsschiffe zur Durchsetzung der Blockade zu schicken. Das Memorandum empfiehlt, Spanien von NATO-Planungstreffen auszuschließen, den britischen Anspruch auf die Falklandinseln erneut in Frage zu stellen, Frankreich den Zugang zu US-Geheimdienstinformationen zu entziehen und gemeinsame Übungen mit der deutschen Bundeswehr abzusagen. Diese Maßnahmen richten sich gegen Bündnispartner. Die USA haben den Irankrieg begonnen, ohne die NATO zu konsultieren oder die Genehmigung des UN-Sicherheitsrats einzuholen.
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz erklärte am Donnerstag, Israel bereite die Wiederaufnahme der Luftangriffe auf den Iran vor: „Wir warten auf grünes Licht aus den USA, vor allem um die Eliminierung der Chamenei-Dynastie zu vollenden ... und um den Iran darüber hinaus durch die Zerstörung wichtiger Energie- und Elektrizitätsanlagen sowie die Zerstörung seiner nationalen Wirtschaftsinfrastruktur ins Mittelalter oder die Steinzeit zurück zu versetzen.“ Er fügte hinzu, wenn die Angriffe wieder beginnen, würden sie „anders und tödlich sein und den empfindlichsten Stellen vernichtende Schläge zufügen.“
Laut dem Livetracker von Al Jazeera vom 25. April ist die Zahl der Todesopfer im Iran auf 3.375 gestiegen, darunter 376 Kinder und 496 Frauen, und mehr als 26.500 Menschen wurden verwundet. Laut dem iranischen Roten Halbmond wurden mehr als 125.000 zivile Gebäude beschädigt oder zerstört. Nach Angaben des iranischen Gewerkschaftsbunds wurden 1,3 Millionen Arbeitsplätze zerstört und 3,2 Millionen Menschen zu Binnenflüchtlingen.
Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Militär- und Polizeistaat nicht länger nur eine theoretische Möglichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.
Zu den Zielen, die in den letzten 48 Stunden angegriffen wurden, zählen: ein Wohnheim für Studenten der Universität von Teheran in Amirabad, wo laut der Human Rights Activists News Agency 14 Studenten getötet und weitere 31 verwundet wurden, ein Wohnblock in Bandar Abbas, den das US-Militär als „Ziel aus dem Bereich Marinelogistik“ bezeichnete, Menschen in Ahvaz, die laut Tasnim und HRANA um Brot anstanden und eine Triagestation des Roten Halbmonds in Chorramabad. Im Libanon meldete das Gesundheitsministerium 2.491 Tote und 7.719 Verwundete, darunter mindestens 177 Kinder und 91 Sanitäter. CNN berichtete unter Berufung auf Analysen von Satellitenbildern, dass im Südlibanon in den letzten drei Wochen 523 Gebäude zerstört wurden. Israelische Regierungsvertreter beschrieben diese Politik gegenüber Al Jazeera und Haaretz als „Gazaisierung“.
Während dieser Eskalation sind die Raketenbestände des Pentagon unter die Hälfte des Vorkriegsniveaus gesunken. Die Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS) berichtete letzte Woche, die USA hätten von den 2.330 Patriot-Abfangraketen, die sie vor Beginn des Kriegs besaßen, bereits 1.430 verbraucht, d.h. über 60 Prozent des Bestands. Jede dieser Raketen kostet fast vier Millionen Dollar. Weiter hieß es: „Ein Krieg gegen einen ebenbürtigen Gegner wie China würde viel mehr Munition verbrauchen als dieser Krieg. Die Vorkriegsbestände waren bereits unzureichend; und das heutige Niveau wird die US-Operationen im Falle eines zukünftigen Konflikts erheblich einschränken.“
Die wirtschaftlichen Kosten des Kriegs zahlt die arbeitende Bevölkerung auf der ganzen Welt. Der Preis für Rohöl der Marke Brent lag am Freitag mit 106 Dollar pro Barrel 60 Prozent über dem Vorkriegsniveau. Der Goldpreis stieg auf 4.697 Dollar pro Unze. Die Internationale Energieagentur (IEA) bezeichnete die Störungen für die globalen Energiemärkte als „die schwerste Energiekrise der Geschichte“ und gab 400 Millionen Barrel der Reserve frei – die größte koordinierte Freigabe aller Zeiten. JPMorgan prognostiziert einen Preis für Brent-Öl von 150 Dollar pro Barrel, wenn die Straße von Hormus bis Mitte Mai geschlossen bleibt.
Finanzminister Scott Bessent erklärte gegenüber der Associated Press, der Iran werde „in den nächsten zwei bis drei Tagen... anfangen müssen, die Produktion einzustellen, was sehr schlecht für ihre Ölquellen sein wird.“ Der republikanische Senator Roger Marshall (Kansas) erklärte am Mittwoch in einem Interview mit Newsmax über das Embargo: „Wir hungern sie buchstäblich aus, zum einen finanziell, und sie können sich auch nicht mehr selbst ernähren.“
Im gleichen Interview sprach sich Marshall für eine nukleare Eskalation aus. Auf die Frage, ob die USA „eingreifen und die Sache beenden“ müssten, falls Verhandlungen scheitern, antwortete er: „Ich denke, das ist richtig. Frühere Präsidenten hatten die gleichen Probleme, was sie tun sollten. Denken Sie an Präsident Trumans Entscheidung, die Atombombe abzuwerfen, und Präsident Eisenhowers Entscheidung zum D-Day.“ Truman hatte die Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki durch Atombomben angeordnet.
