Wohnungslosigkeit unter Jugendlichen seit 2022 fast verdreifacht

In Deutschland ist die Zahl der wohnungslosen Menschen auf ein Rekordhoch gestiegen. Laut der Hochrechnung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) Ende letzten Jahres waren 2024 mehr als eine Millionen Menschen wohnungslos, also ohne festes Mietverhältnis.

Die Wohnungskrise zerstört das Leben zehntausender Kinder und Jugendlicher: Die Zahl wohnungsloser Minderjähriger hat sich bundesweit zwischen Anfang 2022 und Anfang 2025 fast verdreifacht – von rund 47.200 auf über 137.000. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linkspartei hervor.

Obdachlose unter einer Brücke im Zentrum Berlins

Rechnet man die jungen Erwachsenen hinzu, leben inzwischen weit über 190.000 Menschen unter 26 Jahren ohne eigene Wohnung in Notunterkünften, bei Bekannten oder direkt auf der Straße. Konkret hat sich die Zahl der wohnungslosen jungen Erwachsenen innerhalb von drei Jahren von 18.800 auf 55.700 erhöht.

Auf das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen entfallen mit insgesamt 31.700 die meisten wohnungslosen Jugendlichen, dicht gefolgt von Baden-Württemberg mit 29.500 und Berlin mit 15.700.

Unter den wohnungslosen jungen Erwachsenen sind sehr oft ehemalige Jugendhilfeempfänger, die mit 18 Jahren oder kurz danach aus den Wohneinrichtungen ausziehen müssen und oftmals in die Wohnungslosigkeit abrutschen. Diese jungen Menschen, die vielfach aus zerrütteten Familien kommen, werden in der Wohnungslosigkeit einem massiven, dauerhaften Stress ausgesetzt. Sie sind meist sozial isoliert und nicht mehr in der Lage, die schulische oder berufliche Ausbildung fortzusetzten.

Seit 2008 steigt die Zahl der Wohnungslosen immer stärker an. Allerdings gibt es eine sehr hohe Dunkelziffer aufgrund der „verdeckten Wohnungslosigkeit“, wenn sich Menschen bei Freunden und Bekannten bzw. in Notunterkünften aufhalten. In den letzten Jahren trifft Obdach- und Wohnungslosigkeit überdurchschnittlich viele Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine und dem Nahen Osten, deren Heimatländer durch die NATO-Kriege in Schutt und Asche gelegt wurden.

Die Vorsitzende der BAG W Susanne Hahmann erklärte in einer Pressemitteilung vom November über die rasant steigende Wohnungslosigkeit: „Die Ursachen sind bekannt: zu wenig bezahlbarer Wohnraum, Armut und drohende Kürzungen im sozialen Sicherungssystem.“

Viele Menschen können sich die explodierenden Mietpreise nicht mehr leisten. So stiegen laut Statista die Wohnungsmieten in den letzten fünf Jahren um beinahe zehn Prozent an, während Konzerne wie Vonovia und Deutsche Wohnen (der mittlerweile Teil von Vonovia ist) Zehntausende Wohnungen horten und Milliardenprofite einfahren. So konnte Vonovia 2025 einen Jahresüberschuss von rund 4,19 Milliarden Euro ausweisen und seine Gewinne im Vergleich zu den 2,46 Milliarden Euro aus dem Jahr 2020 beinahe verdoppeln. Auch TAG Immobilien konnte 2025 rund 26,2 Millionen Euro einnehmen.

Die Krise auf dem Wohnungsmarkt zeigt sich deutlich, wenn man den enormen Mangel an Sozialwohnungen betrachtet. Der Bestand der Sozialwohnungen hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als halbiert, Tendenz weiter sinkend. Besonders in den 1990er und frühen 2000er Jahren wurden die Bundesmittel für den sozialen Wohnungsbau massiv gekürzt, viele Wohnungen privatisiert und alte Bindungen sind massenhaft ausgelaufen.

So sank die Zahl von Sozialwohnungen von 3,9 Millionen 1987 auf 1,6 Millionen 2010. Laut Experten benötigt Deutschland eine Million zusätzliche Sozialwohnungen, um den Bedarf halbwegs zu decken, und 5 bis 6 Millionen, um alle Anspruchsberechtigten abzudecken. Das erfordert hunderttausende Neubauten pro Jahr. In der Realität wurden zuletzt jedoch nur zwischen 20.000 und 30.000 neue Wohnungen gebaut.

Während in den letzten Jahren die gesellschaftliche Krise und fehlender bezahlbarer Wohnraum die Wohnungslosigkeit enorm verstärkt haben, ist klar, dass sich diese Entwicklung noch weiter fortsetzen und verschärfen wird. Deutschland befindet sich de facto wieder im Krieg mit Russland und eskaliert den Krieg immer weiter, während die alte Nachkriegsordnung wie ein Kartenhaus in sich zusammenbricht.

Der deutsche Imperialismus rüstet wieder in einem Maße auf, wie seit dem Nationalsozialismus nicht mehr. Deutschland soll „kriegstüchtig“ werden und sich zunehmend auch gegen ehemalige Verbündete wie die USA militärisch behaupten können. Um diese größenwahnsinnigen Ziele zu erreichen, muss jeder Cent in die Aufrüstung fließen.

Während die Bundesregierung das Geld für Krieg ausgibt, ist es die Aufgabe der Länder und Kommunen, diese Gelder durch massive Sozialkürzungen zur Verfügung zu stellen. Sie plant bereits gewaltige Kürzungen bei Gesundheit, Renten und Sozialleistungen.

Die Sparmaßnahmen werden wiederum die Wohnungsnot vorantreiben. Die Abschaffung des Bürgergelds verschärft den Druck auf Arbeitslose, denen in letzter Konsequenz alle Leistungen gestrichen werden können – einschließlich der Kosten für die Unterkunft. Noch mehr Menschen werden auf der Straße landen.

Die BAG W hat in einer Umfrage Ende letzten Jahres herausgefunden, dass 17 Prozent aller Einrichtungen und Dienste der Wohnungsnotfallhilfe von finanziellen Kürzungen bedroht oder bereits betroffen sind. Darunter fallen sowohl Notversorgung als auch präventive Hilfen.

Besonders in Berlin ist die Lage zugespitzt. Die Leiterin der Zentralen Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot Berlin, Elfriede Brüning, warnt: „Schon jetzt fehlen uns zwei Beratungskräfte, sodass in der Sprechzeit nicht alle Anfragen bedient werden können. Vermittlungen in andere Einrichtungen sind kaum möglich. Auch sie arbeiten längst am Rande der Kapazitäten. Teilweise wird sogar eher noch zu uns vermittelt, beispielsweise aus der gekürzten Jugendhilfe oder aus Behörden mit zu wenig Personal.“

In der Hauptstadt zeigt sich die verheerende Rolle der Linkspartei. Sie hat überall dort, wo sie in den letzten Jahrzehnten mitregiert hat, die rechte Sparpolitik mitgetragen, forciert und durchgesetzt. In Berlin bildete sie 2002 bis 2011 eine Koalition mit der SPD und 2016 bis 2023 mit der SPD und den Grünen.

In der Zeit zwischen 2016 und 2024 stieg die Zahl der wohnungslosen Menschen in Berlin um ca. 85 Prozent von 30.000 auf über 55.000. Auch wenn sich die Erhebungsmethoden in dem Zeitraum verändert haben, ist die Zunahme dramatisch. Die Senatsverwaltung rechnet mit einem Anstieg auf bis zu 85.600 Wohnungslose bis 2030 – allein in Berlin.

Diese Entwicklungen können nicht im Kapitalismus gestoppt werden. Dieses System, das auf Weltkrieg und Faschismus zusteuert, hat Arbeitern und Jugendlichen nichts Fortschrittliches zu bieten. Es ist notwendig, den Kapitalismus abzuschaffen und durch ein sozialistisches System zu ersetzten, indem nicht mehr die Profite einer kleinen Minderheit an der Spitze der Gesellschaft, sondern die Bedürfnisse der großen Masse der Bevölkerung im Mittelpunkt stehen.

Um dafür zu kämpfen, müssen Arbeiter und Jugendliche Aktionskomitees in jeder Schule, jedem Betrieb und jedem Stadtviertel gründen. Die Aktionskomitees müssen politisch unabhängig von den bürgerlichen Parteien und den Gewerkschaften sein, um den Widerstand gegen die Aufrüstung und den Sozialkahlschlag zu organisieren. Dieses Programm vertreten die Sozialistische Gleichheitspartei (SGP) und ihre Jugendorganisation IYSSE.

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