Sechs Jahre, nachdem die breite Öffentlichkeit durch den schrecklichen Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ auf die Corona-Pandemie aufmerksam wurde, hat sich nun an Bord eines anderen Kreuzfahrtschiffes ein Ausbruch eines weitaus tödlicheren Erregers ereignet. Und wieder einmal besteht die Reaktion aller zuständigen Behörden darin, zu betonen, dass die Öffentlichkeit nichts zu befürchten habe.
Acht Fälle des Andes-Hantavirus und drei Todesfälle wurden an Bord der unter niederländischer Flagge fahrenden MV Hondius bestätigt – der erste jemals registrierte Ausbruch des Virus auf einem Schiff. Dreißig Passagiere sind bereits auf vier Kontinenten von Bord gegangen – zweifellos ohne Maske auf Passagierflügen –, bevor die Behörden von dem Ausbruch wussten. Am Donnerstag wurde bekannt, dass eine Flugbegleiterin der KLM, die kurzen Kontakt zu einem der sterbenden Passagiere hatte, mit leichten Symptomen in Amsterdam ins Krankenhaus eingeliefert wurde – der erste potenzielle Sekundärfall außerhalb des Schiffes.
Dieser Hantavirus-Stamm weist eine Sterblichkeitsrate von 38–40 Prozent auf, was etwa dem 40-Fachen der Sterblichkeitsrate von COVID-19 entspricht. Es gibt keinen von der FDA zugelassenen Impfstoff, keine spezifische antivirale Behandlung und eine Inkubationszeit, die bis zu acht Wochen betragen kann, bevor Symptome auftreten. Niemand weiß, wie viele Infektionen dieser Cluster bereits verursacht hat.
Zwar ist Panik in dieser Situation natürlich nicht hilfreich. Doch die bisher bekannt gewordenen Fakten sind äußerst beunruhigend und müssen der Öffentlichkeit in klaren Worten umfassend vermittelt werden, wobei alle notwendigen Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit umgesetzt werden müssen. Aber inmitten dieser sich verschärfenden Krise besteht das vorrangige Anliegen der Behörden nicht darin, die Öffentlichkeit zu informieren, sondern Informationen zu unterdrücken.
Bei einer Dringlichkeitssitzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 7. Mai bestätigte die amtierende Direktorin für Epidemie- und Pandemiemanagement, Maria van Kerkhove, die Übertragung von Mensch zu Mensch an Bord der Hondius „zwischen dem Paar, dem ersten und dem zweiten Fall, sowie einem behandelnden Arzt“ und fügte hinzu: „Dies ist kein SARS-CoV-2. Dies ist nicht der Beginn einer Corona-Pandemie. Dies ist ein Ausbruch, den wir auf einem Schiff beobachten.“
In einer gemeinsamen Erklärung der US-Gesundheitsbehörde (Center for Disease Control and Prevention, CDC) und des US-Außenministeriums vom 6. Mai wurde das Risiko für die amerikanische Öffentlichkeit als „extrem gering“ eingestuft. Der Direktor der nationalen Gesundheitsinstitute (National Institutes of Health, NIH) und amtierende CDC-Direktor Jay Bhattacharya, Mitautor der Great Barrington Declaration vom Oktober 2020 – dem Grundlagendokument der kriminellen Durchseuchungspolitik – hat keine Pressekonferenz abgehalten. Die prominenteste Persönlichkeit des US-Gesundheitswesens, die sich zu dem Ausbruch äußerte, war Ashish Jha, Bidens ehemaliger COVID-Koordinator im Weißen Haus, der gegenüber NBC sagte: „Für die breite Öffentlichkeit ist dies kein großes Problem … Das ist nicht wie COVID oder die Grippe, das wird kein großer globaler Ausbruch werden.“
Das Déjà-vu-Gefühl ist greifbar. Wie zu Beginn der Corona-Pandemie ist jede offizielle Stellungnahme einschläfernd, und es wird nichts unternommen, um die Öffentlichkeit vor den potenziellen Gefahren zu warnen.
Eine Untersuchung der Abfolge der Ereignisse, die zu dieser Krise geführt haben, offenbart die katastrophale Untergrabung der öffentlichen Gesundheit und der wissenschaftlichen Infrastruktur, die während der Pandemie stattgefunden hat. Die kapitalistische Gesellschaft ist heute noch weniger vorbereitet als im Jahr 2020.
Die 24-tägige Kreuzfahrt unter dem Titel „Atlantic Odyssey“ begann am 1. April in Ushuaia, Argentinien. Die Hondius – betrieben von Oceanwide Expeditions mit Kabinenpreisen zwischen 11.000 und 17.000 US-Dollar pro Person –, beförderte die 114 Gäste durch die Antarktis in Richtung Kap Verde.
Der Indexfall (der erste Fall), ein Niederländer über siebzig, entwickelte am 6. April Fieber und starb in der Nacht vom 11. April an Bord des Schiffes.
Der Schiffsarzt nahm keine Proben und ordnete keine Isolierung an. Der Kapitän teilte den Passagieren am nächsten Morgen mit: „Was auch immer für gesundheitliche Probleme er hatte, so wurde mir vom Arzt gesagt, war er nicht ansteckend, das Schiff ist also in dieser Hinsicht sicher. Das Schiff ist sicher.“ Die Leiche blieb dreizehn Tage lang an Bord, während die Reise fortgesetzt wurde. „Wir haben wieder alle gemeinsam gegessen“, berichtete ein Passagier später gegenüber AFP, „und wir haben keine Masken getragen.“
Am 24. April legte die Hondius auf St. Helena an, dem Ort von Napoleons Exil. Die Ehefrau des Indexfalls ging von Bord, wurde im Rollstuhl geschoben und bestieg einen Flug nach Johannesburg. Ihr Zustand verschlechterte sich während des Fluges und sie starb am 26. April in Johannesburg. Das südafrikanische Nationale Institut für übertragbare Krankheiten bestätigte am 27. April, sechzehn Tage nach dem ersten Todesfall, das Vorliegen des Hantavirus. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich dreißig von Bord gegangene Passagiere mit Linienflügen in zwölf Länder verstreut, ohne Tests, ohne Quarantäne und ohne Meldung.
Eine Frau aus Deutschland starb am 2. Mai an Bord der Hondius. Ein britischer Arzt, der einen der Erkrankten betreute, liegt auf der Intensivstation. Ein Schweizer Passagier tauchte zwölf Tage nach dem Aussteigen in Zürich auf; er wurde nur identifiziert, weil Oceanwide schließlich eine E-Mail an die ausgeschifften Passagiere verschickt hatte. Die WHO wurde erst am 2. Mai gemäß den Internationalen Gesundheitsvorschriften informiert – drei Wochen nach dem ersten Todesfall und sechs Tage nach dem zweiten. Zurückkehrende Passagiere erhielten keine Anweisungen zur Isolation. Wie weit sich das Virus bereits ausgebreitet hat, weiß niemand.
Diese Katastrophe ist nicht auf die Nachlässigkeit einzelner Schiffsoffiziere oder Hafenbehörden zurückzuführen. Sie ist das Ergebnis von sechs Jahren gezielter Aushöhlung des öffentlichen Gesundheitswesens als Reaktion auf die Corona-Pandemie – ein massives und andauerndes soziales Verbrechen gegen die internationale Arbeiterklasse.
Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Militär- und Polizeistaat nicht länger nur eine theoretische Möglichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.
Regierungen weltweit, die im Auftrag der Finanzoligarchie handelten, lehnten die von führenden Wissenschaftlern befürwortete Eliminierungsstrategie ab und setzten stattdessen eine Politik der Masseninfektion um. Die parteiübergreifende Kampagne, die Pandemie für „beendet“ zu erklären – durchgeführt, während Infektionen, Todesfälle und Long-Covid-Erkrankungen in die Hunderte von Millionen stiegen –, ist die Konditionierung, die die Reaktion auf den Ausbruch auf der Hondius ermöglicht hat.
Seit ihrem Amtsantritt hat die Trump-Regierung diesen Angriff zum konzentriertesten Angriff auf die wissenschaftliche und gesundheitspolitische Infrastruktur in der Geschichte der USA beschleunigt. Seit Februar wurden im gesamten Ministerium für Gesundheit und Soziales mehr als 20.000 Beschäftigte entlassen. Das Budget der NIH wurde von 47 Milliarden Dollar auf 27 Milliarden Dollar gekürzt. Das Stop-Spillover-Programm, das zur Überwachung zoonotischer Bedrohungen eingerichtet wurde – wofür der Hondius-Cluster ein Musterbeispiel ist –, wurde per Durchführungsverordnung abgeschafft. Das Vessel Sanitation Program der CDC, die einzige US-Gesundheitsbehörde, die sich auf Kreuzfahrtschiffe spezialisiert hat, wurde im April abgeschafft. Die Vereinigten Staaten traten im Januar aus der WHO aus und unterbrachen damit die formellen IHR-Meldewege für genau diese Art von Ausbrüchen. Robert F. Kennedy Jr., ein Impfgegner und Quacksalber, der im HHS eingesetzt wurde, um einen offenen Krieg gegen die moderne Medizin zu führen, erklärte kürzlich, dass Corona nur kranke Menschen töte.
Der gleiche faschistische Krieg gegen die Wissenschaft spielt sich international ab – Milei in Argentinien, wo dieses Hantavirus auftrat und wo das CONICET (Nationaler Rat für Technische und Wissenschaftliche Forschungen) ausgehöhlt wurde; Meloni in Italien, die AfD in Deutschland. Nichts davon begann mit Trumps zweiter Amtszeit. Die Demokratische Partei, die Labour-Regierung in Großbritannien und sozialdemokratische Parteien in ganz Europa sind seit sechs Jahren Juniorpartner bei diesem Angriff auf die öffentliche Gesundheit.
Was muss jetzt getan werden? An jedem Arbeitsplatz, in jeder Schule, jedem Krankenhaus, jedem Hafen und auf jedem Schiff muss die Arbeiterklasse eigenständig handeln und folgende Forderungen stellen:
- Sofortige PCR- und Serologietests für jeden Passagier, jedes Besatzungsmitglied, jeden von St. Helena Ankommenden und jeden Flugkontakt, mit vollständiger Veröffentlichung der Genomsequenzierung.
- Pädagogen, Gesundheitspersonal und Beschäftigte im öffentlichen Nahverkehr müssen den sicheren Einsatz von HEPA-Filtern und Far-UVC-Luftdesinfektion (222 nm) in allen öffentlichen Innenräumen fordern.
- Jede Entlassung bei CDC, NIH und HHS muss rückgängig gemacht werden; Kreuzfahrtinspektionen, die Überwachung von Zoonosen (Übergänge von Krankheiten bei Tieren auf den Menschen) und die Pandemievorsorge müssen auf Notfallbasis wiederhergestellt werden.
- Die kriminelle Durchseuchungspolitik muss beendet werden, und die Ausrottung von COVID-19, Influenza und anderen durch die Luft übertragbaren Krankheitserregern muss als Forderung der Arbeiterklasse gegen die herrschende Klasse, die dies abgelehnt hat, aufgegriffen werden.
- Es müssen Sofortmaßnahmen gegen den Klimawandel gegen die Finanzoligarchie durchgesetzt werden, deren Investitionen den beschleunigten Übergang von Zoonosen vorantreiben.
Dies ist kein Aufruf zur Panik. Es ist ein Aufruf an die Öffentlichkeit, in Erfahrung zu bringen, was geschieht, und an die Arbeiterklasse, das zu tun, was ihre Regierungen nicht tun. Ob der Hondius-Cluster zur nächsten Pandemie wird, lässt sich noch nicht sagen. Sicher ist jedoch, dass die herrschende Klasse seit über sechs Jahren und bis heute gezeigt hat, dass sie strukturell unfähig ist, Pandemien zu verhindern, den Klimawandel aufzuhalten, der die Gefahr von Zoonosen erhöht, oder die Arbeiterklasse vor den Folgen beider zu schützen.
Das öffentliche Gesundheitswesen muss auf sozialistischer Grundlage neu organisiert werden – international koordiniert, demokratisch geplant und auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet statt auf die Profite der Finanzoligarchie. Das ist die Perspektive des Internationalen Komitees der Vierten Internationale und der Socialist Equality Party. Die Alternative ist die Barbarei.
