Auf der Betriebsversammlung im Bosch-Werk in Schwäbisch Gmünd am Montag hat der Betriebsratsvorsitzende Andreas Reimer den versammelten Arbeitern erklärt, jeder müsse nun hart arbeiten, wenn er nicht seinen Arbeitsplatz verlieren möchte. Das berichteten uns Beschäftigte.
Nachdem der Betriebsrat unter Claudio Bellomo, Reimers Vorgänger und Kompagnon, gemeinsam mit der Konzernspitze fast 1900 der 3450 Arbeitsplätze im Werk vernichtet hat, fordert er nun alle Verbliebenen auf, sich ihrem Schicksal zu fügen. Das sei der einzige Weg, um „wettbewerbsfähig“ zu bleiben und weitere Stellenstreichungen und die Verlagerung des Werks zu verhindern.
Es gibt ein Wort dafür: „Erpressung“. Der IG Metall-Apparat und sein Betriebsrat haben sich zur Hauptaufgabe gemacht, dafür zu sorgen, dass alle Angriffe auf die Beschäftigten durchgesetzt werden und die Belegschaft bis zum letzten Tropfen ausgepresst wird, um die Profitmarge von Bosch zu erhöhen.
Wir rufen alle Bosch-Beschäftigten eindringlich auf, nicht weiter zuzusehen, wie Reimer und Co. die Existenzgrundlage von Tausenden Arbeiterfamilien vernichten. Werdet jetzt aktiv, meldet euch bei uns via WhatsApp oder Signal unter der Rufnummer +491633378340 oder ruft einfach an. Wir garantieren euch absolute Anonymität.
Wir wissen, was auf dem Spiel steht. Der Betriebsrat agiert als der verlängerte Arm des Konzerns und übt gewaltigen Druck aus. Jeder der aufmuckt, drohen Reimer und Co., riskiert seine Abfindung. Wenn nicht jeder spurt und sich bis aufs Blut ausbeuten lässt, macht Bosch den Laden dicht. Einer nach dem anderen wird zermürbt und zur Aufgabe seines Jobs über Abfindung gezwungen. Dagegen muss und kann sich die Belegschaft nur kollektiv wehren. Und das ist möglich.
Reimer weiß das ganz genau. Deshalb beschworen er und Heike Madan, die 1. Bevollmächtigte der IG Metall Ostalb, sich nicht von „Presse und Flugblättern“ beeinflussen zu lassen. Er behauptete, die Berichterstattung der WSWS entspräche nicht der Wahrheit, sei auf „Bild-Niveau“ und sollte nicht weiter beachtet werden. Das ist natürlich eine Lüge. In Wirklichkeit ist er nicht damit einverstanden, dass die WSWS eine Perspektive bietet und konkrete Schritte vorschlägt, wie die Arbeiter ihre Arbeitsplätze, Löhne und das Werk selbst verteidigen können. Denn er hat sich zur Aufgabe gemacht, im Auftrag der Konzerneigner alle Angriffe gegen die Belegschaft durchzusetzen.
Wenn Reimer von „Wettbewerbsfähigkeit“ spricht, die es zu gewährleisten gelte, bedeutet das: Jobs weg, Löhne runter, Arbeitshetze rauf, Profit gesichert.
Noch nie haben Kürzungen bei den Arbeitern die Beschäftigung gesichert. Der Weg zu jeder Werksstillegung ist mit Zugeständnissen gepflastert, die Gewerkschafts- und Betriebsratsfunktionäre auf Kosten der Belegschaften unterschrieben haben. Das war bei Opel in Bochum so, bei Ford in Saarlouis und jetzt bei Bosch in Waiblingen.
Die zahllosen Zukunfts- und Beschäftigungssicherungsverträge hatten nie etwas mit Zukunft, Beschäftigungssicherung oder Wettbewerbsfähigkeit zu tun. Sie legten die Mechanismen fest, mit denen das Jobmassaker und die Werksschließung durchgesetzt werden – Abfindungen, Altersteilzeitregelungen, Transfergesellschaften, Sozialpläne.
Bei Bosch in Schwäbisch Gmünd werden seit Jahren schrittweise Lohnkürzungen durchgesetzt. Das Persönliche Übertarifliche Tarifentgelt (PÜT) ist mit jeder neuen Tariferhöhung gegengerechnet worden und dadurch genauso abgeschmolzen wie die Teamzulage, übertarifliche Zulagen für Wochenendarbeit, Überstunden usw. Nun sind auch Jubiläumsgelder gestrichen worden. Insgesamt hat ein Produktionsarbeiter bei Bosch in den letzten Jahren mindestens 1000 bis 1500 Euro brutto verloren.
Für Angestellte gelten Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnausgleich, von 40- auf 35- und von 35- auf 33,5-Stunden in der Woche.
Nun kündigt Betriebsratschef Reimer neue Angriffe an. Die Grundlage dafür ist gelegt. Der letzte „Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung“ (TV Besch) in Baden-Württemberg, abgeschlossen von der IG Metall und dem Arbeitgeberverband Südwestmetall am 12. November 2024, listet auf fast 30 Seiten auf, wie Löhne durch Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnausgleich gesenkt werden können.
Die IG Metall erlaubt den einzelnen Betrieben und Betriebsräten darüber hinaus, „von tariflichen Mindeststandards“ abzuweichen, „z. B. durch Kürzung von Sonderzahlungen, Stundung von Ansprüchen“. Auch die Arbeitszeit kann weiter auf bis zu 30 oder sogar 28 Stunden abgesenkt werden – bei „vorübergehenden Beschäftigungsproblemen“.
Das 2021 eingeführte Transformationsgeld – in Baden-Württemberg „Trafobaustein“ –, das einmal jährlich in Höhe von 18,4% eines Monatsverdienstes zur Auszahlung kommt, wird bei Bosch in Schwäbisch Gmünd noch bezahlt. Doch: „Liegt die Nettoumsatzrendite unter 2,3 % oder würde sie unter 2,3 % sinken, wenn der Trafobaustein ausgezahlt würde, kann der Arbeitgeber durch einfache Erklärung den Anspruch entfallen lassen“, hat die IG Metall bestimmt.
Einen solchen Angriff hecken Betriebsrat und Geschäftsleitung gerade aus. Denn nachdem Bosch den zukunftsträchtigen Auftrag von VW zur Entwicklung und dem Bau kabelloser Lenksysteme verloren hat, kann die Bosch-Geschäftsleitung jederzeit „vorübergehende Beschäftigungsprobleme“ anmelden – auch wenn Werkleiter Michael Zink und sein kaufmännischer Werkleiter Sascha Motz auf der Betriebsversammlung beschwichtigt und zukünftige Aufträge in Aussicht gestellt haben.
Alle diese Angriffe werden Reimer und Co. mit der Sicherung der „Wettbewerbsfähigkeit“ begründen. Doch was heißt es konkret, wenn die Belegschaft in Schwäbisch Gmünd „hart arbeitet“, um die Profite von Bosch zu sichern? Es heißt, dass die Belegschaften an anderen Standorten noch härter arbeiten müssen, um ihre „Wettbewerbsfähigkeit“ – sprich die Profite – zu sichern.
Der Betriebsrat in Feuerbach wird genauso argumentieren. So setzen die Betriebsräte eine Spirale von Arbeitsplatzabbau, Lohnsenkung und Arbeitshetze in Gang, die auf Seiten der Beschäftigten nur Verlierer kennt. Die Belegschaften werden gegeneinander ausgespielt, die Profiteure sind die Konzerneigner.
Gegen diese vom IGM- und Betriebsrat-Apparat organisierte Spaltung ist ein Kraut gewachsen: Solidarität, die Vereinigung der Belegschaften, nicht nur bei Bosch und nicht nur in Deutschland.
Es ist falsch zu hoffen, der Arbeitsplatz- und Sozialabbau, die Lohnsenkungen und Preissteigerungen würden irgendwann einfach ein Ende haben. Das eingeleitete Jobmassaker bei Bosch ist ein Ergebnis der weltweiten Krise des kapitalistischen Systems. Der erbitterte Kampf um Absatzmärkte und Rohstoffe hat, wie im Ersten und Zweiten Weltkrieg, wieder die Form gewaltsamer militärischer Auseinandersetzungen angenommen. Das ist der Grund für die Kriege, welche die USA und die europäischen Mächte gegen Russland und gegen den Iran führen, und ihrer Kriegsvorbereitungen gegen China.
Es geht dort nicht um „Freiheit“ oder „Demokratie“. Diese sind in den USA und Europa selbst zur Zielscheibe der jeweiligen Regierungen geworden. Es geht um die Neuaufteilung der Welt unter den Großmächten. Die Kosten dieses Wahnsinns sollen die Arbeiter und ihre Familien tragen.
Schon in zwei Monaten soll die nächste Betriebsversammlung stattfinden, das wäre dann schon die dritte in diesem Jahr. Die Belegschaft sollte dann gewappnet sein. Wenn sie sich jetzt nicht wehrt, wird der Standort über kurz oder lang geschlossen.
Nicht jeder wird dann die Möglichkeit haben, sich – wie Claudio Bellomo im Sommer – im Alter von gerade einmal 60 Jahren in den Ruhestand zu verabschieden. Dem ehemaligen und nun stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden wird mit einem „goldenen Handschlag“ der Lebensabend versüßt, während die Kolleginnen und Kollegen in Sorgen leben.
Um für ihre Interessen einzustehen, muss sich die Belegschaft unabhängig organisieren, ein Aktionskomitee aufbauen und mit den Bosch-Kollegen und Kolleginnen in Feuerbach, in Waiblingen, in Reutlingen, im türkischen Bursa sowie im ungarischen Maklár, in den USA und in China verbünden.
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