Griechenland als Washingtons Bollwerk im östlichen Mittelmeer

In der zweiten Maiwoche nahmen die griechischen Streitkräfte an der NATO-Übung „Trojan Footprint 2026“ teil, die das Militärbündnis als „wichtigste und größte Übung der Spezialeinheiten im europäischen Raum“ bezeichnete.

Die Übung unter Leitung der USA fand in zehn Ländern am Mittelmeer, der Ostsee und dem Schwarzen Meer statt, wobei Griechenland als zentraler operativer Knotenpunkt im östlichen Mittelmeerraum fungierte. Beteiligt waren etwa 1.000 Angehörige der US-Spezialeinheiten sowie 2.000 Soldaten von NATO-Verbündeten und Partnern.

Übung „Trojan Footprint 2026“: Green Berets der 20. Special Forces Group (Airborne) der US-Armee im Einsatz mit griechischen und nordmazedonischen Spezialeinheiten im Golf von Elefsina, Griechenland, 13. Mai 2026 [Photo: SHAPE Public Affairs Office/1st Sgt. HollyAnn Nicom]

Die Übung wurde im Rahmen des Kriegs der USA gegen den Iran und des NATO-Kriegs in der Ukraine gegen Russland abgehalten und als Generalprobe für eine Eskalation dieser Konflikte präsentiert. Sky News berichtete, die Übung sei „darauf ausgelegt, zu testen, wie man darauf reagiert, wenn ein nicht namentlich genannter Feind – höchstwahrscheinlich Russland – versucht, in NATO-Gebiet einzudringen und Sabotage-, Cyber- und andere Angriffe unterhalb der Schwelle eines totalen Krieges zu starten“.

Die Übung war von der Zerrüttung der transatlantischen Beziehungen überschattet. Die aggressive Politik des US-Imperialismus für seine geopolitischen Interessen kollidiert mit den Interessen der europäischen imperialistischen Mächte. Das zeigt sich auch darin, dass Trump 5.000 US-Soldaten aus Deutschland abzieht und die dort geplante Stationierung von US-Mittelstreckenwaffen aussetzt.

Am 26. Mai berichtete Politico, Washington habe „den Verbündeten [bei einem Treffen der politischen Direktoren der NATO hinter verschlossenen Türen am 22. Mai] mitgeteilt, dass es die Zahl der für die NATO bereitgestellten strategischen Bomber, Kampfflugzeuge, Drohnen, U-Boote und Kriegsschiffe schrittweise reduzieren werde, während es weiterhin Druck auf Europa ausübt, mehr für seine eigene Verteidigung zu tun“.

Angesichts dieser Spannungen beweist die Beteiligung einer beträchtlichen Anzahl amerikanischer Soldaten an der Übung, auch in Griechenland, dass der östliche Mittelmeerraum für die USA einen hohen strategischen Stellenwert hat. Im Jahr 2019 wurde unter der ersten Trump-Regierung ein Abkommen über die Verteidigungszusammenarbeit zwischen den USA und Griechenland unterzeichnet. In der Folge wurden der Marinestützpunkt der 6. US-Flotte in der Bucht von Souda auf Kreta erweitert, Drohnenstützpunkte in Zentralgriechenland aufgebaut und eine Militärbasis und Erdgasanlage in Alexandroupoli im Nordosten Griechenlands eingerichtet.

Geoffrey Pyatt, der damalige US-Botschafter in Griechenland, hatte vor der Unterzeichnung des Abkommens erklärt: „In einer Zeit erneuter Großmachtkonkurrenz und der größten Funde von Kohlenwasserstoffen des letzten Jahrzehnts ist dieser globale Knotenpunkt zwischen Europa, Asien und Afrika wieder in den Vordergrund des strategischen Denkens der USA gerückt. Nachdem die Vereinigten Staaten das östliche Mittelmeer jahrelang als selbstverständlich betrachtet hatten, haben sie innegehalten, um mit einem überlegten, gesamtstaatlichen Ansatz zu prüfen, wie wir die Interessen der USA vorantreiben können.“

Nach dem völkerrechtswidrigen Angriff Washingtons auf den Iran wurde deutlich, wie weit Griechenland auf Linie der geostrategischen Ziele der USA in der Region ist. Nur wenige Tage, nachdem US-amerikanische und israelische Streitkräfte mit der Bombardierung des Iran begonnen hatten, reagierte Griechenland als erstes auf den Drohnenangriff auf die britische Hoheitsbasis Akrotiri am 2. März, der trotz fehlender Beweise Teheran oder dessen Verbündeten zugeschrieben wurde. Athen entsandte Fregatten mit Anti-Drohnen-Systemen sowie F-16-Kampfflugzeuge nach Zypern, noch bevor Großbritannien den Einsatz eines eigenen Kriegsschiffs in der Region angekündigt hatte. Eine in Saudi-Arabien stationierte griechische Flugabwehrbatterie schoss am 19. März zwei iranische ballistische Raketen ab.

Die Souda-Basis auf Kreta hat der US-Armee während ihres gesamten Einsatzes im Nahen Osten entscheidende logistische Unterstützung geleistet. Die USA unterhalten in Griechenland eine ständige Truppenpräsenz von rund 400 hauptsächlich Marineangehörigen, größtenteils in der Bucht von Souda.

Die Einbindung Griechenlands in die Kriegspolitik des US-Imperialismus ist der vorläufige Höhepunkt der langjährigen Rolle als Klientelstaat Washingtons. Griechenland gehörte immer zu den Ländern mit den höchsten Verteidigungsausgaben in der NATO und hat das festgelegte Ziel von 2 Prozent des BIP stets deutlich übertroffen. Das galt auch für die Jahre der Finanzkrise, als das Gesundheitswesen, die Renten und andere Sozialleistungen auf Geheiß der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds ausgehöhlt wurden.

In der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts beliefen sich die Verteidigungsausgaben Griechenlands auf durchschnittlich 3,33 Prozent des BIP – in den Jahren 2021 und 2022 sogar knapp 4 Prozent. In den nächsten zehn Jahren führt Griechenland die größte Modernisierungskampagne seines Militärs in der Geschichte durch und plant Ausgaben in Höhe von 25 Milliarden Euro, unter anderem für neue U-Boote, Luft-, See- und Unterwasserdrohnen sowie einen Kommunikationssatelliten. Im Mittelpunkt der Pläne steht das „Achilles Shield“, ein gemeinsam mit Israel entwickelter Schutzschild gegen Flugzeuge und Drohnen.

Zwar erreicht dies noch nicht das neue NATO-Ziel von 3,5 Prozent des BIP für Kernverteidigung und 1,5 Prozent für sicherheitsbezogene Ausgaben. Trotzdem werden erschreckend hohe Summen für die Aufrüstung verschwendet, die etwa 2.500 Euro pro Kopf der rund 10 Millionen Einwohner Griechenlands entsprechen. Würde sich Großbritannien zu solchen Militärausgaben verpflichten, müsste die Labour-Regierung rund 174,8 Milliarden Euro (149 Milliarden Pfund) an die Armee abführen.

Trump hat Griechenland immer wieder lobend hervorgehoben – im Gegensatz zu seiner schroffen Haltung gegenüber führenden europäischen Verbündeten Washingtons, die sich geweigert haben, ihre Streitkräfte für US-Angriffe auf den Iran bereitzustellen. Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus im April erklärte Trump: „Griechenland war tatsächlich sehr unterstützend. Griechenland war großartig. [Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis] ist ein großartiger Kerl, weil er versteht, wie wichtig das ist.“

Griechenlands noch stärkere Anbindung an die USA in den letzten Jahren vollzog sich unter anderem über engere militärische Beziehungen zu Israel. Der Schwerpunkt liegt auf der Kontrolle der enormen Erdgasvorkommen im östlichen Mittelmeer, die 2010 von der US Geological Survey, einer wissenschaftlichen Behörde in den USA, entdeckt worden waren.

Anfang 2016 unterzeichnete die pseudolinke Syriza-Regierung (Koalition der Radikalen Linken) ein trilaterales Abkommen mit Israel und Zypern über Energiekooperation, Terrorismusbekämpfung und militärische Zusammenarbeit. Syriza hatte vor ihrer Wahl 2015 noch versprochen, die militärischen Beziehungen zu Israel zu beenden.

Im vergangenen Dezember fand in Jerusalem ein Gipfeltreffen der drei Regierungschefs Israels, Griechenlands und Zyperns statt, auf dem sie vereinbarten, die Zusammenarbeit in „Sicherheits-, Verteidigungs- und Militärangelegenheiten“ zu vertiefen, um „kritische regionale Infrastruktur“ im Mittelmeerraum zu schützen.

Die Militarisierung der östlichen Mittelmeerregion hat dazu beigetragen, die historischen Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei zu verschärfen. Die Türkei ist ebenfalls NATO-Mitglied und als Verbündeter der USA nicht weniger in Washingtons Kriegskurs in der Region eingebunden – ungeachtet der bisweilen antiimperialistischen Rhetorik von Präsident Erdoğan.

Im Mittelpunkt stehen der festgefahrene Konflikt auf Zypern und Rivalitäten um die Kontrolle über die Ägäis, die sich seit der Entdeckung von Gasvorkommen in der Region verschärft haben. Griechenlands engeres Bündnis mit Israel gießt Öl ins Feuer angesichts der Rivalität der Türkei mit Israel. Im Sommer 2020 standen Griechenland und die Türkei kurz vor einem Krieg. Die Türkei hatte ein Forschungsschiff in eine von Griechenland und Zypern beanspruchte Wirtschaftszone entsandt, um dort die Gasvorkommen zu erkunden, was zu einer Konfrontation zwischen griechischen und türkischen Kriegsschiffen führte.

Seitdem tritt Griechenland in der Region zunehmend selbstbewusst auf. 2021 stimmte das griechische Parlament für die Erweiterung der Hoheitsgewässer im Ionischen Meer von sechs auf zwölf Seemeilen – die erste derartige Ausweitung seit 1947. Dieser Schritt wird weithin als Präzedenzfall für eine künftige Ausweitung in der Ägäis angesehen, die die Bewegungsfreiheit der türkischen Marine effektiv einschränken würde.

Im Jahr 2024 kündigte Griechenland Pläne für einen Meerespark in der Ägäis an. Die Türkei lehnte diesen Schritt ab und erklärte, sie werde keine „vollendeten Tatsachen“ in umstrittenen Gebieten akzeptieren. Der griechische Außenminister Giorgos Gerapetritis bekräftigte, dass die Ausweitung der Hoheitsgewässer auf 12 Seemeilen ein Hoheitsrecht sei, das Griechenland ausüben werde, wann immer es wolle.

Als Reaktion darauf hat die Türkei ihre Doktrin „Blaue Heimat“ gesetzlich verankert und maritime Ansprüche im Schwarzen Meer und im Mittelmeer geltend gemacht. Türkische Regierungsvertreter bezeichnen dies als Verteidigung nationaler Rechte gegen Druck von außen.

Hinter diesen Rivalitäten verbergen sich tiefe interne Krisen. In der Türkei liegt die Inflation offiziell bei 32 Prozent (55 Prozent laut der unabhängigen Organisation ENAG). Die wachsenden Unruhen in der Arbeiterklasse sind eine große Bedrohung für die Erdoğan-Regierung. In Griechenland hat die langjährige Sparpolitik mehrere Streikwellen für höhere Löhne und bessere Lebensbedingungen ausgelöst, angeheizt von der Massenbewegung nach dem Tempi-Zugunglück. In Protesten und Streiks kommt auch die Antikriegsstimmung zum Ausdruck. Arbeiter fordern mehr Geld für Sozialausgaben, Gesundheit, Bildung und Wohnen statt für das Militär. Dieser Widerstand wird nur noch zunehmen, da die griechische Staatskasse für die steigenden Militärausgaben geplündert wird.

Die griechische Regierung beschwört Nationalismus und Militarismus, um diese sozialen Spannungen nach außen zu lenken und gleichzeitig die räuberischen Interessen der griechischen Bourgeoisie im östlichen Mittelmeerraum voranzutreiben. Wie die WSWS im Jahr 2022 feststellte, sind Erdoğan und Mitsotakis „sich einig in dem Versuch, Militarismus und Nationalismus zu nutzen, um die Arbeiterklasse zu spalten und die wachsenden Kämpfe auf beiden Seiten der Ägäis zu unterdrücken“. Die Antwort liegt in der unabhängigen politischen Mobilisierung der griechischen und türkischen Arbeiter und ihrer internationalen Vereinigung gegen den Kapitalismus und den Kriegskurs ihrer Länder.

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