Die Entlassung des „60 Minutes“-Journalisten Scott Pelley durch CBS News ist der deutlichste Beweis dafür, dass die Leitmedien mittlerweile nichts anderes mehr sind als eine Propaganda-Agentur für die faschistische Clique im Weißen Haus.
Die Entlassung von Pelley ist der jüngste Schritt im Rahmen der Umstrukturierung von CBS nach der Übernahme im August durch David Ellison, den Sohn des Multimilliardärs Larry Ellison, Gründer von Oracle, einem der größten Anbieter von Datenbank- und Unternehmenssoftware. Larry Ellison ist ein glühender Unterstützer von Donald Trump und der Republikanischen Partei.
Der Ellison-Nachwuchs holte die rechtsgerichtete Zionistin Bari Weiss als Chefredakteurin von CBS News an Bord. Weiss ist eine ehemalige Leitartiklerin der New York Times, die die Zeitung verlassen hatte, weil sie deren gelegentliche (sehr verhaltene) Kritik an Israel ablehnte. Weiss hatte keine Erfahrung im Fernsehjournalismus, leitete jedoch rasch die Säuberung der Nachrichtenredaktion ein, insbesondere bei „60 Minutes“, der quotenstärksten Nachrichtensendung im frei empfangbaren Fernsehen.
Pelley wurde nach einer Mitarbeiterversammlung mit dem neuen Leiter von „60 Minutes“, Nick Bilton, entlassen. Weiss hatte Bilton eingesetzt, nachdem sie die ausführende Produzentin Tanya Simon sowie die Korrespondentinnen Sharyn Alfonsi und Cecilia Vega entlassen hatte. Alfonsi war die Korrespondentin für den „60 Minutes“-Beitrag, der über das Foltergefängnis CECOT in El Salvador berichtete, wohin die Trump-Regierung rechtswidrig Zugewanderte aus Venezuela deportiert hat. Weiss hatte die Ausstrahlung dieses Beitrags im Dezember zunächst blockiert, dann aber im Januar vor einem deutlich kleineren Publikum zugelassen.
Verärgert über die Entlassungen – sowie über den Rücktritt des Korrespondenten Anderson Cooper – erklärte Pelley, Weiss verübe einen „Mord“ an der traditionsreichen CBS-Sendung, in der einst Journalisten wie Mike Wallace, Harry Reasoner, Ed Bradley, Dan Rather und Morley Safer auftraten. Er kritisierte sowohl Bilton als auch Weiss als inkompetent und unerfahren. In einem nach seiner Entlassung veröffentlichten Brief schrieb Pelley, dass die „neue Geschäftsführung mich angewiesen hatte, Unwahrheiten und Voreingenommenheit in eine politisch heikle Geschichte einzubauen.“
Pelley ist kein Gegner des politischen Establishments. Dies wird durch seine eigene Darstellung der umstrittenen Geschichte unterstrichen. Die „politisch heikle Geschichte“, die im Mittelpunkt seiner Entlassung stand, war ein Beitrag der Sendung „60 Minutes“ vom Februar über die Pro-Migranten-Proteste in Minneapolis, die ausgebrochen waren, nachdem ICE-Einsatzkräfte Renée Good und Alex Pretti ermordet hatten – Proteste, die zu Massendemonstrationen und Aufrufen zu einem Generalstreik führten. Der Beitrag sollte „ausgewogen“ sein und die ermordeten Demonstranten als gewalttätig darstellen. Pelley räumte ein, dass
ich meine Produzenten angewiesen habe, Bilder zu finden, auf denen die Demonstranten aggressiv agieren. … Wir haben auch ein Bild von Alex Pretti eingebaut, auf dem er, bevor er getötet wurde, das Rücklicht eines Polizeiautos eintritt, und ausdrücklich darauf hingewiesen: Das ist Alex Pretti, und das hat er getan.
Doch selbst diese Bemühungen, die Morde der ICE in gewissem Maße zu rechtfertigen, gingen Weiss nicht weit genug. Sie wollte, dass Pelley eine falsche Darstellung erfindet.
Pelley weiter:
Bari Weiss schickt eine E-Mail an meine Chefin, Tanya Simon. Zwei der Punkte in der E-Mail lauten: Können wir die Demonstranten gewalttätiger darstellen? Nun, ich paraphrasiere. Ich habe das Zitat nicht, aber das wurde mir so mitgeteilt. Und der andere Punkt: Renée Goods Auto. Sie müssen beschreiben, dass sie auf den Beamten zufährt.
Pelley merkte im Interview an, dass diese Forderung im Widerspruch zu dem stand, was das Video selbst eindeutig zeigte, nämlich dass „Frau Goods Räder so weit wie möglich weg vom Polizisten gedreht waren“.
Diese Änderungen hätten dazu geführt, die „60 Minutes“-Sendung mit den Aussagen von Präsident Trump und anderen Spitzenberatern in Einklang zu bringen, die Good und Pretti als „Terroristen“ brandmarkten und behaupteten, sie hätten die Einsatzkräfte angegriffen. Pelleys Weigerung, die Änderungen vorzunehmen, führte zu seiner Entlassung.
Pelleys Enthüllung der pro-Trump-Manipulation der Nachrichten ist umso überzeugender, als er mit 37 Jahren bei CBS News eine durch und durch etablierte Persönlichkeit ist. Tatsächlich versuchten sowohl Pelley als auch seine Times-Interviewerin, Lulu Garcia-Navarro, die Rolle der milliardenschweren Oligarchen – von Trump und den beiden Ellisons – bei der Säuberungsaktion bei CBS herunterzuspielen. Es erfolgte kein Hinweis darauf, dass Trump direkten Druck auf den Sender ausgeübt hätte, um „60 Minutes“ zu säubern, und Larry Ellison wurde überhaupt nicht erwähnt.
Doch nur drei Tage nach Pelleys Entlassung stürmte Trump aus einem Interview mit Kristen Welker, der Moderatorin von NBCs „Meet the Press“. Trump empörte sich dabei über Welkers Bemerkung, er habe keine Beweise, um seine Behauptungen über Wahlbetrug zu untermauern, weder im Jahr 2020 noch heute. Im Interview kam es zu folgendem Wortwechsel:
TRUMP: Unsere Wahlen sind manipuliert, und Sie sind manipuliert, und „Meet the Press“ ist manipuliert.
WELKER: Aber Herr Präsident –
TRUMP: Und ABC und CBS und CNN sind es auch.
Pelley und „60 Minutes“ sind, ebenso wie „Meet the Press“, keine Vorbilder für unabhängigen Journalismus. Sie fungieren seit Jahrzehnten als feste Größen der herrschenden Klasse und ihres politischen Establishments. Eine wichtige Funktion der bürgerlichen Medien darin besteht, Informationen zu vermitteln, die die herrschende Klasse benötigt. Zudem stellen sie selbst einen Mechanismus dar, durch den Konflikte innerhalb der herrschenden Klasse ausgetragen und vermittelt werden. Diese bedeutenden Rollen haben „60 Minutes“ und „Meet the Press“ immer zuverlässig eingenommen.
Innerhalb dieser Grenzen hat „60 Minutes“ zeitweise Themen aufgegriffen, die Fehlverhalten der Regierung aufdeckten – etwa die Folter von Gefangenen in Abu Ghraib und in jüngerer Zeit das CECOT-Foltergefängnis. Dabei erhöhte diese Berichterstattung auch insgesamt die Glaubwürdigkeit der Leitmedien, was einen nicht unerwünschten Nebeneffekt darstellte.
Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Militär- und Polizeistaat nicht länger nur eine theoretische Möglichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.
Das Ausmaß der Kriminalität der Regierung hat mittlerweile jedoch einen solchen Punkt erreicht, dass selbst dieser Rahmen medialer „Unabhängigkeit“ von ihr nicht länger zu ertragen ist.
In den ersten beiden Jahren von Trumps zweiter Amtszeit kam es zu einem Frontalangriff des faschistischen Präsidenten auf die Leitmedien. ABC und CBS gaben nach und zahlten jeweils 16 Millionen Dollar, um milliardenschwere Klagen Trumps wegen angeblich unfairer Berichterstattung beizulegen. Trump reichte ähnliche Klagen gegen die New York Times, das Wall Street Journal und BBC News in Großbritannien ein, die alle noch anhängig sind. Er verweigerte zudem der Associated Press die Zulassung zu Pressekonferenzen, da die Agentur den Golf von Mexiko weiterhin unter seinem historischen Namen bezeichnete, obwohl Trump die Umbenennung in „Golf von Amerika“ angeordnet hatte.
Ein paralleler Prozess hat sich an den Universitäten vollzogen. Dies betrifft auch Einrichtungen wie Harvard, die das Trump-Regime nach einer modernen Version des Nazi-Prinzips der Gleichschaltung disziplinieren will. Es kommt zu einer aggressiven Nötigung von Bildungs- und Kultureinrichtungen im Sinne einer strikten Anpassung an die Ideologie von Staat und Konzernen.
Praktisch die gesamten amerikanischen Medien liegen nun in den Händen einiger weniger, von Milliardären kontrollierter Monopole – Ellisons Paramount hat CBS, CNN und Warner Bros. Geschluckt, Murdoch besitzt Fox und das Wall Street Journal, NBC ist bei Comcast, Disney besitzt ABC und schließlich befindet sich die Washington Post im Eigentum des Multimilliardärs Jeff Bezos und durchläuft seitdem eine beschleunigte rechtsgerichtete Umgestaltung. Was die „liberalen“, der Demokratischen Partei nahestehenden Medien betrifft, so dient deren Flaggschiff, die New York Times, in erster Linie als Sprachrohr für das Militär und die Geheimdienste.
Unter diesen Umständen ist die Rolle der World Socialist Web Site unverzichtbar. Die WSWS ist das Organ der internationalen Arbeiterklasse – politisch und finanziell unabhängig von den Konzernen und dem Staat, keinem Oligarchen verpflichtet.
David North, Vorsitzender des Internationalen Redaktionsbeirats der World Socialist Web Site, veröffentlichte jüngst eine Erklärung, in der er alle Leser aufrief, für die WSWS zu spenden. Die Krise des Kapitalismus, so North, ist eine tägliche Realität für die amerikanische und internationale Arbeiterklasse. „Und die einzig ehrliche und politisch realistische Antwort lautet: Eine sozialistische Massenbewegung der Arbeiterklasse aufbauen, um dem kapitalistischen System ein Ende zu setzen.“
Während sich die Leitmedien immer offener zum Propagandainstrument der Wall Street und des Militär- und Geheimdienstapparats entwickeln, ist die WSWS „die unverzichtbare Online-Publikation, an die sich arbeitende Menschen und Jugendliche auf der ganzen Welt nun jeden Tag wenden, um eine genaue Darstellung und wissenschaftliche Analyse der Weltgeschehnisse zu erhalten. Aber die WSWS kommentiert nicht nur Ereignisse. Sie ist eine Waffe im Klassenkampf.“
Wir rufen alle Leser auf, noch heute für die WSWS zu spenden und dabei zu helfen, eine sozialistische Bewegung der Arbeiterklasse in den USA und auf der ganzen Welt aufzubauen.
