Autoarbeiter reagieren weiterhin begeistert auf die Nominierung von Will Lehman, des Sozialisten und Arbeiters von Mack Trucks, zum Kandidaten für das Amt des Präsidenten der United Auto Workers (UAW). Er wurde am Mittwoch, dem zweiten Tag des dreitägigen UAW-Kongresses in Detroit, von zwei Delegierten zum Kandidaten nominiert.
Lehman veröffentlichte eine Erklärung, in der er den beiden Delegierten aus Florida und Michigan dankte, die ihn nominiert hatten. Ebenso bedankte er sich bei allen Delegierten, die zugesagt hatten, ihn zu nominieren, dies jedoch nicht tun konnten, weil das Regelwerk nur Nominierungen von höchstens zwei Personen zulässt.
In der Erklärung hieß es u.a.:
Ich möchte allen Arbeitern danken, die diese Nominierung möglich gemacht haben – allen Autoarbeitern, allen Arbeitern in der Zulieferindustrie, akademischen Beschäftigten, allen Beschäftigten des Gesundheitswesens, in den Casinos und allen Rentnern, die diese Kampagne geteilt und dazu beigetragen haben... Diese Kampagne richtet sich gegen den Apparat. Es geht um den Kampf, die Macht von der Bürokratie, die diese Gewerkschaft bisher beherrscht hat, auf die Basis zu übertragen – auf die Arbeiter in den Betrieben.
Dan Aguinaga, Arbeiter im Stellantis-Fertigungswerk in Jefferson North, der als Mitglied von Lehmans Oppositionsliste als Delegierter des UAW-Ortsverbands 7 kandidiert hatte, erklärte: „Es freut mich, zu hören, dass Will nominiert wurde. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, um die Gewerkschaft in eine Organisation zu verwandeln, die tatsächlich im Sinne der Arbeiter handelt, und um die UAW zu ihrer ursprünglichen Zielsetzung zurückzubringen.
Es ist traurig, wie die UAW von versteckten Motiven geleitet wird, wo wir die Probleme doch als Klassenfrage betrachten sollten. Sie versuchen, uns in Rechte und so genannte Linke zu spalten. Aber auch die Demokraten sind gegen uns: Obama hat mehr Menschen abgeschoben als irgendein Präsident vor ihm. Biden hat den Eisenbahnerstreik verboten. Es hat wirklich einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen, als Biden mit Fain beim Streik von 2023 an den Streikposten aufgetaucht ist.
Ich bin auf Wills Liste angetreten, weil ich wusste, dass es früher einmal eine andere Art von Gewerkschaft gab – nicht die, die wir schon seit geraumer Zeit haben. Was bei Nexteer passiert ist – ein Arbeiter wurde entlassen, weil er einem Vertreter der UAW International widersprochen hat – war unentschuldbar. Die Gewerkschaft ist an das Unternehmen herangetreten und hat dafür gesorgt, dass er gefeuert wird. Will wird für den Aufbau einer Bewegung kämpfen, mit der wir uns wehren können, sowohl gegen das Unternehmen als auch gegen den Gewerkschaftsapparat.“
Auch Arbeiter von Nexteer Automotive in Saginaw (Michigan) meldeten sich zu Wort; sie hatten drei von der UAW ausgehandelte Ausverkaufstarifverträge abgelehnt und sich mit überwältigender Mehrheit für einen Streik ausgesprochen, den die UAW International nicht bewilligte.
Ein Nexteer-Arbeiter mit 20 Jahren Betriebszugehörigkeit erklärte: „Ich freue mich, dass Will nominiert wurde! Die UAW-Funktionäre wollen nicht, dass sich jemand für die Arbeiter einsetzt. Sie sagen, sie unterstützen uns, aber tun es nicht. Ich bin nicht der Einzige, der das so sieht.“
„Für uns in der Zulieferindustrie hat Fain absolut nichts getan, und auch nicht für die Arbeiter in der Fertigung, obwohl er den ,Stand-Up-Streik‘ als Sieg für sie darstellt. Die UAW International und der Rest von ihnen bekommen zu viel Geld. Kein Funktionär sollte mehr verdienen als der bestbezahlte Arbeiter im Werk. Ich habe gehört, sie hätten beim Kongress dafür gestimmt, ihre Gehälter um 10.000 bis 30.000 Dollar zu erhöhen. Das ist eine Unverschämtheit. Wir verlieren mit jedem Tarifvertrag mehr, und alles wird uns weggenommen.
Die Gewerkschaft bei Nexteer hat mit dem Management zusammengearbeitet, um Antwiane Sanders zu feuern, weil er die mittlerweile vier vorläufigen Vereinbarungen ablehnt. Wir können noch nicht mal darüber abstimmen, weil die Gewerkschaft keinen Termin festsetzt. Ich unterstütze Wills Kampagne.“
Ein anderer Nexteer-Arbeiter erklärte: „Will hat recht! Uns steht ein großer Kampf bevor, um den Arbeitern in den Betrieben die Macht zu geben. Ich bete, dass wir Fain und seine Anhänger loswerden. Immer mehr Arbeiter sehen mittlerweile den großen Zusammenhang.“
Thomas Foster, ein langjähriger Nexteer-Arbeiter, der zum UAW-Kongress gekommen war, um Delegierte dafür zu gewinnen, Will zu nominieren, erklärte: „Eine Sache, die ich an Will mag, ist, dass er ein Außenseiter ist. Er sieht, was aus der Gewerkschaft geworden ist und versucht, sie zu ihren Wurzeln zurückzubringen – zu einer Organisation, von der die Arbeiter im Betrieb tatsächlich profitiert haben.
Beim Kongress haben sie die Schwelle, die die Streikkasse erreichen darf, bevor unsere Mitgliedsbeiträge gesenkt werden, von 850 Millionen auf 1,3 Milliarden Dollar angehoben. Es geht ihnen nur darum, die Einnahmen der UAW zu steigern. Sie halten unsere Löhne niedrig. Ich habe Kollegen, die so arm sind, dass sie sich nicht mal ein Auto leisten können.
Ich bin so froh, dass Will die Kandidatur geschafft hat, auf den Wahlzettel zu kommen. Das gibt Arbeitern wie mir, die bisher eher außen standen, Vertrauen, dass wir kämpfen können. Wir bekommen nicht mal so viel Lohn wie unsere Vorgänger vor 25 oder 30 Jahren. Also nochmals, Glückwunsch an Will, aber das ist erst der Anfang. Er hat die Tür aufgestoßen, und jetzt müssen wir diese Basis-Bewegung aufbauen, diese Aktionskomitees.
In unserem Fall kämpfen wir eher gegen die UAW-Bürokratie als gegen Nexteer, denn das Unternehmen kooperiert mit ihr bei dem, was sie machen. Sie haben Antwiane entlassen, um die Arbeiter einzuschüchtern, die Leute, die sie vertreten sollten. Die Gewerkschaftsfunktionäre versuchen, jede abweichende Meinung zum Schweigen zu bringen. Sie wollen nicht, dass jemand Unruhe stiftet. Sie wollen nicht, dass jemand die UAW-Hierarchie in Gefahr bringt. Sie betrachten die Mitglieder als Geldquelle und sonst nichts. Sie wollen nicht unsere Bedürfnisse und Wünsche erfüllen.“
In Bezug auf Wills Aufruf zum Aufbau von Aktionskomitees, um Arbeiter in den Betrieben die Macht zu geben, erklärte er: „Wir müssen täglich daran arbeiten, den Prozess auszuweiten, bis alle Abteilungen vertreten sind. Man darf nicht einfach in seinem kleinen Bereich bleiben. Man muss den Bereich vergrößern. Wir müssen Leute bekommen, die ihre Meinung gegen den Apparat aussprechen und sicherstellen, dass sie nicht entlassen werden, weil sie von ihrer Meinungsfreiheit Gebrauch machen. In den USA haben wir noch immer den 1. Verfassungszusatz, den hat Trump noch nicht abgeschafft, aber wenn unsere UAW seine Methoden übernimmt, ist sie nicht besser als die MAGA-Bewegung.“
Will erhielt auch Glückwünsche von Kamara Bond. Bond wurde schikaniert, weil sie sich über die Sicherheitsbedingungen in ihrem Werk geäußert hatte. Beim UAW-Kongress beteiligte sie sich an Lehmans Kampagne, allerdings wurde ihr der Zutritt verwehrt, weil UAW- Funktionäre behaupteten, sie sei kein unbescholtenes Mitglied.
Kamara schrieb: „Habe gerade gelesen, dass Will nominiert wurde. Ich bin völlig seiner Meinung. MAN KANN UNS NICHT AUFHALTEN. DIE REBELLION IST ECHT, und echte Leute erkennen einander. Will ist ein Echter.“
