USA bombardieren Iran die 13. Nacht in Folge, Weißes Haus plant „massive“ Eskalation

Personen auf einer Brücke in der südiranischen Provinz Hormosgan, die bei einem Angriff zerstört wurde, 18. Juli 2026 [AP Photo/Amirhosein Khorgooi/Iranian Students' News Agency]

Mit Kampfflugzeugen und Raketen griffen die USA in der Nacht auf Freitag, den 24. Juli – der 13. Nacht in Folge – den Iran an. Dabei wurden Ziele in der Straße von Hormus bis zur Küste des Kaspischen Meeres getroffen.

Bei einem US-Angriff auf Ahwas wurden nach Berichten des staatlichen Senders IRIB vier Menschen getötet und fünf verwundet.

US-Präsident Donald Trump traf sich laut New York Times derweil am Freitag mit hochrangigen Beratern und Kabinettsmitgliedern, um über eine massive Ausweitung des Kriegs zu beraten. Dies berichtete die Zeitung am selben Tag unter Berufung auf vier über die Gespräche informierte Personen.

Am Freitagnachmittag erklärte Trump vor Reportern im Weißen Haus: „Sehen Sie, wir haben geladen und entsichert.“

Das Treffen bildete den Abschluss einer Woche öffentlicher Drohungen. Axios veröffentlichte am Donnerstag ein Interview mit Trump, in dem er ankündigte, er erwäge „einen massiven Angriff. Größer denn je zuvor“. Der Iran habe „noch nicht genug Schmerz zu spüren bekommen“.

Am Mittwoch drohte er damit, im Iran jedes Mal „EINE BRÜCKE ODER EIN KRAFTWERK“ zu bombardieren und zu zerstören, wenn eine iranische Waffe ein Schiff in der Straße von Hormus treffe.

Die für eine solche Eskalation notwendigen Streitkräfte sind bereits vor Ort. Das Wall Street Journal berichtete am Mittwoch über die Verlegung zusätzlicher Spezialeinheiten, Kampfflugzeugstaffeln und Sanitäter in die Region.

Die Times berichtete am Freitag:

Laut mehreren Vertretern des US-Militärs, die sich anonym zu operativen Fragen äußerten, sind in den letzten Tagen zusätzliche F-16-Kampfjets aus Deutschland und F-35-Tarnkappenjets aus Großbritannien im Nahen Osten eingetroffen. Sie ergänzen die bereits dort stationierten zahlreichen Kampfflugzeuge und Angriffsdrohnen, die auf Stützpunkten an Land oder auf zwei Flugzeugträgern bereitstehen.

Laut dem gleichen Bericht wurden in den USA die Besatzungen von B-2- und B-52-Bombern in Alarmbereitschaft versetzt, und eine Flotte von fast 20 Kriegsschiffen operiert im Arabischen Meer und dessen Umgebung. Etwa 50.000 US-Soldaten sind in der Region und in Europa für den Krieg vorgesehen.

Das Journal berichtete am Mittwoch außerdem, dass mehr als 150 zusätzliche Sanitäter in das US-Militärkrankenhaus in Landstuhl entsandt wurden. Dies dient der Vorbereitung auf amerikanische Verluste in einem in diesem Krieg bisher noch nicht dagewesenen Ausmaß.

Die Regierung bereitet aktiv eine Bodenoffensive vor. Am 15. Juli enthüllte das Wall Street Journal, dass Trumps Berater bei einem Treffen im Besprechungsraum des Weißen Hauses in Erwägung gezogen haben, US-Truppen am Ölterminal der Insel Charg an Land zu bringen.

Reuters schrieb am Freitag, Trump habe in den letzten Tagen u.a. damit gedroht, die Insel mit Bodentruppen einzunehmen und die unterirdischen Atomanlagen unter dem Berg Kuh-e Kolang Gaz La zu bombardieren.

Während die Regierung eine Ausweitung des Kriegs vorbereitet, verheimlicht sie die bisherigen Kosten des Kriegs. Am Freitag veröffentlichte das Pentagon die offizielle Zahl der amerikanischen Todesopfer, die von 18 auf 14 nach unten korrigiert war. Bei den vier gestrichenen Fällen handelt es sich um Soldaten, die Mitte Juli bei iranischen Angriffen in Jordanien und im Irak getötet wurden; Trump hat ihre sterblichen Überreste am Mittwoch auf dem Luftwaffenstützpunkt in Dover in Empfang genommen.

Drei Militärvertreter erklärten am Freitag gegenüber der New York Times, die vier seien von der Liste gestrichen worden, weil sie gestorben waren, nachdem Trump im April einen Waffenstillstand ausgerufen hatte. Pentagon-Sprecher Sean Parnell führte dies auf eine „vorübergehende Datenstörung“ zurück.

Laut dem pensionierten Generalmajor Paul Eaton ist die Korrektur ein statistischer „Taschenspielertrick“, der den Krieg weniger verlustreich erscheinen und seinen tatsächlichen Verlauf vor der Öffentlichkeit verschleiern soll. Der republikanische Abgeordnete Thomas Massie (Kentucky) wies die Erklärung des Pentagon als Täuschungsmanöver zurück und erklärte, Verteidigungsminister Pete Hegseth verstoße gegen das Gesetz, da er seit mehr als 90 Tagen ohne die Genehmigung des Kongresses Krieg führe.

In der gleichen Woche wurde die offizielle Zahl der Verwundeten kommentarlos von 482 auf 420 gesenkt. Vertreter des Pentagon erklärten gegenüber Reuters, die tatsächliche Zahl der Verwundeten läge bei über 500. Das Pentagon hatte die Presse zuletzt im Mai detailliert unterrichtet.

Im Iran steigt die Zahl der Todesopfer. Das iranische Gesundheitsministerium erklärte am Freitag, seit Trump Ende Juni die Luftangriffe wieder aufgenommen hat, seien 59 Menschen getötet und 666 verwundet worden – zusätzlich zu den tausenden Iranern, die bereits zuvor getötet worden waren.

Das US-Militär zerstört auch immer mehr von Zivilisten genutzte Eisenbahnbrücken. Wie die Times unter Berufung auf Militärvertreter erklärte, wurden im Verlauf der zweiwöchigen Eskalation mehr als 1.000 Ziele getroffen, darunter Radarstationen, Raketenrampen, Boote und Brücken – zusätzlich zu den rund 13.000 Standorten, die bereits während der ersten Angriffsphase zwischen dem 28. Februar und dem Waffenstillstand vom 8. April getroffen worden waren.

Der Iran reagierte am Freitag mit Raketen- und Drohnenangriffen in der gesamten Region. Nach Angaben des iranischen Militärs wurden u.a. amerikanische Depots in Camp Buehring sowie Stellungen bei Camp Arifjan und Camp Doha in Kuwait getroffen. Die Revolutionsgarde erklärte, sie habe einen Überwachungsturm der 5. US-Flotte in Bahrain sowie eine Kaserne, Kampfflugzeuge und Luftabwehrbatterien in Jordanien und im irakischen Kurdistan getroffen.

Jordanien gab bekannt, es habe sieben Raketen und sechs Drohnen abgeschossen. Die Revolutionsgarde warnte die Zivilbevölkerung der Golfstaaten, sie solle sich 500 Meter von allen Gebäuden fernhalten, die von US-Streitkräften genutzt werden.

Die Times berichtete am Freitag unter Berufung auf den Sprecher des US-Militärs, Captain Tim Hawkins, dass US-Truppen, welche die Seeblockade durchsetzen müssten, am gleichen Tag auf den Maschinenraum des Öltankers Lavine geschossen und ihn manövrierunfähig gemacht hätten. Seine Besatzung hatte versucht, die Blockade zu durchbrechen.

Der Krieg würgt die Weltwirtschaft ab. Nachdem die Huthi letzte Woche im Roten Meer saudische Tanker angegriffen hatten, stieg der Preis für Brent-Rohöl erstmals seit Mai auf über 100 Dollar pro Barrel, bevor er am Freitag auf etwa 96 Dollar sank.

Am Donnerstag passierte lediglich ein einziger Tanker die Straße von Hormus – die niedrigste Zahl seit dem 7. Mai. Für einige Reedereien haben sich die Kosten für Kriegs-Risikoversicherungen für das südliche Rote Meer verdoppelt, und der Umweg um Afrika herum verlängert die Fahrtzeit eines Tankers um mindestens vier Wochen.

Die Arbeiterklasse trägt die Kosten. In den USA lag der Benzinpreis am Freitag laut dem Automobilclub AAA bei durchschnittlich knapp über 4,10 Dollar pro Gallone. Der Chefökonom der Weltbank, Indermit Gill, erklärte letzte Woche gegenüber Reuters, der Krieg könnte das globale Wachstum von 2,9 Prozent im letzten Jahr auf bis zu 1,3 Prozent in diesem Jahr verringern.

Der Konflikt weitet sich zu einem regionalen Krieg aus. Das Wall Street Journal berichtete am Freitag, dass Bahrain und Kuwait Anfang Juli, unterstützt durch die Luftwaffe und den Geheimdienst der VAE, heimlich militärische Ziele im Inneren des Iran bombardierten. Diese Angriffe – ihre ersten direkten Schläge gegen das Land – trafen laut dem Journal Drohnen- und Raketenlager. Zuvor hatte der Iran seinen Beschuss wochenlang auf die beiden Staaten konzentriert, da sich dort US-Militärstützpunkte befinden.

Israel, das den Krieg im Februar gemeinsam mit Washington begonnen hatte, setzt seine Offensive in Gaza fort. Am Dienstag wurden nach Angaben von Sanitätern zwölf Menschen durch israelische Angriffe getötet, darunter ein Vater, seine Frau und ihre vier Kinder, deren Haus in Gaza-Stadt in Brand gesetzt wurde.

Loading