Perspektive

Ontario, Bordeaux, Spokane – die sich verschärfende Klimakrise und der Kampf für Sozialismus

Abgebrannte Gebäude im Wohngebiet Westgate in Spokane, Washington, 3. August 2026 [AP Photo]

Mehr als 65.000 Menschen wurden aus Spokane im US-Bundesstaat Washington evakuiert, weil mehrere Waldbrände in den Arbeitervierteln wüten. Etwa jeder vierte Einwohner der Stadt ist zur Flucht gezwungen. Der Klimawandel, der vom Kapitalismus verursacht wird und unaufhörlich voranschreitet, hat nun zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen dazu geführt, dass eine Großstadt in Flammen aufzugehen droht.

Die weltweite Klimakrise spitzt sich immer mehr zu. Die Brände Anfang dieses Jahres in Kanada und im Norden von Minnesota, die Feuer, die derzeit in Afrika und im Nahen Osten wüten, sowie die Waldbrände in Europa, die Bordeaux zu verschlingen drohten, sind weitere Beispiele für moderne Extremwetterereignisse. Sie sind das Ergebnis der Anarchie der kapitalistischen Produktion, vor allem der fossilen Brennstoffindustrie, die in beispiellosem Ausmaß Treibhausgase in die Erdatmosphäre ausstößt.

Und die Erwärmung verschärft sich weiter. Eine aktuelle Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung ergab, dass die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Erde in den letzten zehn Jahren um etwa 0,35 Grad Celsius gestiegen ist, verglichen mit knapp 0,2 Grad pro Jahrzehnt im Zeitraum von 1970 bis 2015. Bei dieser Berechnung wurden die Auswirkungen des Klimaphänomens El Niño, Vulkanausbrüchen und den Veränderungen der Sonnenaktivität herausgerechnet. Das Ergebnis zeigt sich in fünf verschiedenen großen Datensätzen zur globalen Temperatur und ist mit einer statistischen Sicherheit von über 98 Prozent belegt.

Der Großbrand „Spokane Complex Fire“ setzt sich aus den Feuern Old Trails, Autumn Lane und Fairview zusammen, die am Nachmittag des 1. August ausbrachen. Angetrieben von Winden mit Geschwindigkeiten zwischen 56 und 72 Kilometern pro Stunde breiteten sie sich rasend schnell in der Stadt aus. Bis zum 3. August hatte der Großbrand eine Fläche von über 3000 Hektar verwüstet und war nirgendwo eingedämmt. Rund 700 Gebäude sind bereits zerstört. Einsatzleiter Tom Clemo erklärte gegenüber Spokesman-Review: „Wahrscheinlich ereignete sich gestern Nachmittag der größte und verheerendste Brand in der Geschichte Washingtons.“

In den am stärksten betroffenen Stadtteilen – Indian Trail, Balbo sowie Wohngebiete im Nordwesten und Norden von Spokane – leben überwiegend Arbeiter. Rund 5.000 Haushalte mussten evakuiert werden. Auch Patienten und Mitarbeiter des Mann-Grandstaff VA Medical Center wurden evakuiert und die Einrichtung geschlossen. Mehr als 400 Menschen suchten im Kongresszentrum Spokane Convention Center Zuflucht. Die Behörden warnen, dass die Zahl der zerstörten Gebäude noch steigen wird, sobald die Einsatzkräfte Zugang zu den verbrannten Gebieten erhalten.

Die Arbeiter sind mehr und mehr gesundheitsgefährdender Luft ausgesetzt. Der Luftqualitätsindex (Air Quality Index, AQI) von Spokane erreichte am Dienstag 218, was als „sehr ungesund“ gilt. Er wird am heutigen Mittwoch voraussichtlich 300 oder mehr erreichen, was als „gefährlich“ eingestuft wird. Bei diesen Werten birgt bereits das Verlassen des Hauses für alltägliche und routinemäßige Aktivitäten ein Risiko für Atembeschwerden und erhöht die Gefahr von Asthmaanfällen, Lungenerkrankungen, Herzerkrankungen und Schlaganfällen. Der Rauch hat sich über weite Teile Nordamerikas ausgebreitet und reicht im Süden bis nach Nevada, im Osten bis nach Minneapolis und weit hinein nach British Columbia und Alberta in Kanada. Tausende Feuerwehrleute aus dem ganzen Land sowie aus Australien sind in den Osten Washingtons gereist, um den Brand zu bekämpfen.

Gleichzeitig veröffentlichte der Gouverneur von Washington, Bob Ferguson von den Demokraten, eine unterwürfige Erklärung auf Social Media über ein Gespräch mit Präsident Donald Trump. Dieser habe staatliche Unterstützung zugesichert und „seine Sorge um die Menschen in Washington zum Ausdruck gebracht“. Ferguson vollendete seinen Kniefall mit den Worten, er „schätze es zutiefst, dass sich der Präsident die Zeit für dieses Gespräch genommen hat“.

In Wirklichkeit hat Trump jahrelang damit verbracht, selbst die geringsten Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels zu untergraben. In seiner ersten Amtszeit sorgte er für den Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen von 2015 und setzte sich konsequent dafür ein, dass die Kohlekraftwerke im ganzen Land wieder in Betrieb genommen werden. Er trieb außerdem die Aufhebung der Gefährdungsfeststellung der Umweltbehörde (EPA) zum Klimawandel voran und ebnete damit den Weg für den Abbau weiterer Umweltauflagen, die Unternehmen daran hindern sollen, die Atmosphäre zu verschmutzen und die Ökosysteme des Planeten zu schädigen.

Und während Trump Maßnahmen ergriffen hat, die den Klimawandel beschleunigen, entließ er genau jene Wissenschaftler, die vor den Folgen der globalen Erwärmung gewarnt haben. Dazu gehörte auch die Warnung, dass Rekordhitze, anhaltende Dürren und angesammeltes trockenes Brennmaterial in den Wäldern immer häufiger verheerende Waldbrände verursachen werden.

Der Bundesstaat Washington leidet nun schon zum vierten Mal in vier Jahren unter einer Dürre. Der Nationale Wetterdienst gab am Samstag erstmals eine Warnung der Stufe „besonders gefährliche Situation“ für Ost-Washington heraus. Mehr als 1.000 Brände haben in diesem Jahr bereits im ganzen Bundesstaat über 182.000 Hektar verwüstet – die schlimmste Waldbrandsaison seit 2021. Bis zum 3. August wüteten zwischen 15 und 17 Großbrände auf einer Fläche von bis zu 106.000 Hektar. Der Sinlahekin-Brand hat sich in seiner Ausdehnung verdreifacht, die Stromversorgung für etwa die Hälfte des Okanogan County unterbrochen und ist völlig außer Kontrolle.

Der Kaiser-Canyon-Brand im Reservat der Colville, einem Zusammenschluss von indigenen Völkern im US-Bundesstaat Washington, hat bereits mehr als 52.000 Hektar Land verwüstet. Dabei wurden Wohnhäuser, rund 120 archäologische Stätten sowie eine Shaker-Kirche zerstört – ein schwerer kultureller Verlust für die Colville-Stämme und für das kulturelle Erbe der Menschheit.

Während Arbeiterviertel und Wohngebiete der indigenen Stämme zerstört werden, häuft eine kleine Elite einen unfassbaren Reichtum an, der für die Bekämpfung der Brände und für Maßnahmen gegen den Klimawandel eingesetzt werden könnte. Amazon, Microsoft, Starbucks und Boeing haben ihren Hauptsitz oder ihren Ursprung in Washington. Oligarchen wie Bill Gates, Steve Ballmer und Jeff Bezos verfügen jeweils über ein Nettovermögen von mehr als 100 Milliarden Dollar. Das Vermögen der Milliardäre des Bundesstaates übersteigt bei Weitem die Kosten jeder denkbaren Katastrophenhilfe, des Ausbaus der Feuerwehrinfrastruktur und der Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Dennoch schlafen die Menschen in Spokane auf Feldbetten im Kongresszentrum und warten darauf, zu erfahren, ob ihre Häuser überhaupt noch stehen.

Auch sind die erforderlichen Summen für die Brandbekämpfung nichts im Vergleich zu Trumps beantragtem Militärbudget von 1,5 Billionen Dollar für den Krieg im Iran und weitere Kriege im Ausland. Noch mehr Billionen werden nach jedem größeren wirtschaftlichen Schock für die Rettung von Banken und Großkonzernen ausgegeben.

Die Kürzungen bei der Feuerwehr und die Untätigkeit im Kampf gegen den Klimawandel werden von beiden Parteien vorangetrieben. Waldbrände, Hurrikane und andere extreme Wetterereignisse nahmen unter der Obama-Regierung zu, die nicht die notwendigen Mittel für den Aufbau einer widerstandsfähigeren Infrastruktur bereitstellte. Biden unternahm nichts, um den reaktionären Kurs unter Trumps erster Amtszeit, der darauf abzielte, die Klimaforschung zu untergraben und notwendige Schutzmaßnahmen für Arbeiter abzubauen, wieder zurückzudrehen. Unter Biden wüteten 2023 Waldbrände, die New York in eine Rauchwolke hüllten – genauso wie es erst vor wenigen Wochen in Detroit und Chicago passiert ist.

Grundlegender ist jedoch der Widerspruch, der dem Kapitalismus selbst innewohnt. Der Klimawandel ist ein globales Phänomen und lässt sich nicht wirksam bekämpfen, solange konkurrierende Nationalstaaten um Märkte, Rohstoffe und Handelswege rivalisieren. Selbst vermeintliche Maßnahmen zum Klimaschutz, etwa in Form von CO₂-Zertifikaten, sind zu Finanzanlagen geworden, an denen sich die Oligarchie bereichert.

Nur die Arbeiterklasse kann diese Krise lösen. Sie ist die einzige internationale gesellschaftliche Kraft, die in der Lage ist, die eigentliche Ursache des Klimawandels – den Kapitalismus – zu beseitigen. Ihr Kampf muss sich auf ein internationales Programm stützen, das darauf ausgerichtet ist, das sozioökonomische System abzuschaffen, das den privaten Profit über alles stellt, und es durch ein System zu ersetzen, in dem der Reichtum, der durch die Arbeiterklasse geschaffen wird, für die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse eingesetzt wird.

Der enorme Reichtum der Bourgeoisie sowie der Banken und Großkonzerne muss enteignet und dafür eingesetzt werden, jede Familie, die ihr Zuhause oder ihren Besitz verloren hat, vollständig zu entschädigen – unabhängig davon, ob sie versichert war oder nicht. Außerdem müssen leerstehende Wohnungen und Häuser zur Unterbringung der Evakuierten beschlagnahmt und das Einkommen aller Beschäftigten gesichert werden, die wegen der Evakuierungen nicht arbeiten können. Es müssen unverzüglich alle verfügbaren Mittel zur Brandbekämpfung mobilisiert werden, ohne Rücksicht auf die Kosten. Die Brände, die heute wüten, sind das Produkt des Kapitalismus. Um sie dauerhaft zu löschen, braucht es den Sozialismus.

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