Perspektive

Flugzeugaffäre in Ankara offenbart Panik und Orientierungslosigkeit im Weißen Haus

Ein Catering-Lkw vor der Air Force One bei der Ankunft von US-Präsident Trump zum Rückflug vom NATO-Gipfel in Ankara, 8. Juli 2026. [AP Photo/Alex Brandon]

Ein Bericht der Washington Post hat in der US-Hauptstadt für einigen Aufruhr gesorgt. Denn darin wurde in allen Einzelheiten beschrieben, wie Präsident Donald Trump nach dem NATO-Gipfel in Ankara am 8. Juli klammheimlich das Flugzeug für seinen Rückflug wechselte.

Trump stieg zunächst in die Air Force One ein, verließ dann aber die Maschine heimlich mit einer Handvoll enger Vertrauter und wurde in einem Catering-Lkw zu einem militärischen C-32A-Jet gebracht. Angeblich wurde die ganze Aktion vom Secret Service vorgeschlagen, nachdem Geheimdienste vor einer Bedrohung durch eine iranische, von der Schulter abgefeuerte Boden-Luft-Rakete gewarnt hatten. In einem späteren Bericht der New York Times hieß es, iranische Agenten hätten herausgefunden, in welchem Gebäude Trump während des NATO-Treffens untergebracht war, einschließlich der genauen Etage.

Nichts von dem, was das Weiße Haus und das Pentagon veröffentlicht haben oder an die Mainstream-Medien „durchgesickert“ ist, darf für bare Münze genommen werden – schon gar nicht die Behauptung, der Iran habe versucht, die Air Force One abzuschießen.

Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass diese Anschuldigung auf das Netanjahu-Regime in Israel zurückgeht, das immer wieder von iranischen Attentatsplänen gegen Trump spricht, um die Wiederaufnahme umfassender Bombardements gegen den Iran zu rechtfertigen. Die Trump-Regierung könnte eine solche Anschuldigung als Vorwand für eine groß angelegte Invasion nehmen.

Doch der gesamte Ablauf offenbart in erster Linie die Panik und Hysterie, die die US-Regierung erfasst hat.

Angenommen, Trump hätte wirklich geglaubt hätte, sein Leben sei in Gefahr, wenn er mit der Air Force One aus Ankara abfliegen würde: Wie könnte man dann rechtfertigen, dass die zahlreichen Pressevertreter und hochrangigen Beamten in diesem Flugzeug einem solchen Risiko ausgesetzt wurden? Warum wurde der Flug nicht zugunsten sicherer Alternativen komplett gestrichen?

Stattdessen wurden nur Trump und ein paar persönliche Berater in Sicherheit gebracht: Natalie Harp, deren Aufgabe als Assistentin darin besteht, schmeichelhafte Pressekommentare für Trump auszudrucken, Walt Nauta, sein Kammerdiener, und Dan Scavino, stellvertretender Stabschef im Weißen Haus, der vor allem dafür da ist, Trumps Tiraden zu verfassen und auf Truth Social und X zu posten.

Mit Ausnahme von Kriegsminister Pete Hegseth, der Trump im Militärjet begleitete, hoben alle anderen Spitzenbeamten, die am NATO-Gipfel teilgenommen hatten, mit der Air Force One ab: Außenminister Marco Rubio und Finanzminister Scott Bessent sowie hochrangige Mitarbeiter des Weißen Hauses wie Stephen Miller, stellvertretender Stabschef und Leiter der Terrorismusbekämpfung, und Steven Cheung, der Kommunikationsdirektor.

Was den mitreisenden Pressetrupp samt Produzenten und Technikern angeht, so wurde ihr Leben mit blanker Verachtung behandelt. Die Passagiere an Bord der Air Force One wurden nicht einfach durch Nachlässigkeit einer Gefahr ausgesetzt. Ihnen wurde die militärische Funktion zugewiesen, als ahnungslose Köder feindliches Feuer auf sich zu ziehen und anstelle des Präsidenten zur Zielscheibe zu werden.

Was wäre geschehen, wenn das Flugzeug von einer Rakete getroffen und zerstört worden wäre? Mehr als hundert Menschen wären ums Leben gekommen, während Trump feige die Flucht ergriffen hätte. Die politischen Folgen für den Präsidenten – den Mann, der, wie es in den Medien heißt, „den Finger am Atomknopf“ hat – wären katastrophal gewesen. Selbst die unterwürfigen Politiker der Demokratischen Partei hätten ihn nicht mehr retten können.

Die ganze Episode ist eine politische Demütigung für den amerikanischen Imperialismus. Wenn die Presseberichte stimmen, musste sich der Präsident der Vereinigten Staaten wie ein Dieb nachts aus der Hauptstadt eines NATO-Landes davonschleichen. Jedenfalls beweist es, dass Trumps Behauptung, der Iran sei militärisch zerstört worden und bereit, zu den Bedingungen der USA zu verhandeln, nicht stimmen kann.

Was die zur Schau getragene Empörung über die angeblichen Morddrohungen des Iran gegen Trump angeht, sollte man sich erinnern, dass bei dem US-israelischen Überraschungsangriff auf den Iran als Erstes die oberste Führung der Islamischen Republik durch Bomben und Raketen ermordet wurde, darunter der Oberste Führer Ali Khamenei und der Großteil seiner Familie sowie Kinder und Enkel. Darauf folgte die gezielte Bombardierung einer Schule in der Nähe der Straße von Hormus, bei der mehr als 160 Schülerinnen und ihre Lehrerkräfte getötet wurden.

Doch der Iran hat sich nach diesen Terroranschlägen nicht ergeben, wie Trump es vorhergesagt hatte, und fand durch die Sperrung der Straße von Hormus einen wirtschaftlichen Druckhebel, den selbst die mächtigste imperialistische Regierung nicht ausgleichen konnte. Der Krieg zieht sich hin, mit zeitweiligen Waffenstillständen, damit die USA ihre Waffenlager auffüllen können. Die herrschende Elite der USA und die europäischen imperialistischen Mächte betrachten das Unterfangen zunehmend als gescheitert. Jüngste Presseberichte lassen die Sorge der Militärführung erkennen, dass die Vorräte an Raketenabwehrsystemen und anderen Waffen fast aufgebraucht sind, was die Fähigkeit der USA zu Kriegen gegen mächtigere Länder als den Iran, wie Russland und China, einschränkt.

Es geht nicht nur um Trumps persönliche Feigheit und Skrupellosigkeit, so widerwärtig diese auch sind. Der Vorfall verdeutlicht die Einstellung der gesamten herrschenden Klasse. Die Oligarchie, die Kriege anordnet, in denen Tausende getötet werden (mehr als 3.400 Iraner, darunter Hunderte von Kindern, mehr als 73.000 Palästinenser im Gazastreifen sowie 18 amerikanische Soldaten, deren Tod das Pentagon anschließend aus seinen Unterlagen zu tilgen versuchte) betrachtet menschliches Leben als einen Preis, den man zahlen muss. Was die Flugzeug-Episode eigentlich offenbart, ist das Verhältnis der parasitären Finanzaristokratie zum Rest der Bevölkerung: Ihre eigene Sicherheit ist oberstes Gebot und unantastbar; alle anderen sind entbehrlich.

Im Anschluss an die Berichte der Presse kehrte die Trump-Regierung zu der Politik der Lügen und Ausflüchte zurück, die auch in Ankara so grotesk zur Schau gestellt wurde. Der Secret Service verwies Fragen an das Weiße Haus und das Pentagon. Das Pentagon verwies Fragen an das Weiße Haus. Der Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses, Steven Cheung, verteidigte die ergriffenen Maßnahmen und schrieb: „Wie der Präsident kürzlich gesagt hat, gibt es viele Feinde Amerikas, die es auf ihn abgesehen haben, und wir nutzen jedes uns zur Verfügung stehende Mittel, um diesen Bedrohungen zu begegnen.“

Es sei auch daran erinnert, dass Trump am Tag nach seiner Rückkehr aus Ankara erklärte, er habe den Befehl erteilt, dass im Falle eines Attentats auf ihn der Iran durch Bombenangriffe in beispiellosem Ausmaß zerstört werden solle – eine kaum verhüllte Drohung mit dem Einsatz von Atomwaffen. Er behauptete, 1.000 Raketen seien „geladen, entsichert und auf die Islamische Republik Iran gerichtet, und Tausende [sic] weitere würden sofort folgen“.

Gleichzeitig verurteilte das Weiße Haus die New York Times dafür, dass sie über Probleme mit dem katarischen Jet berichtet hatte, der Trump als Präsidentenmaschine zur Verfügung gestellt worden war. Das FBI verschickte Vorladungen an alle beteiligten Reporter, schickte Agenten in deren Wohnungen und sprach sogar Familienangehörige an. Das Pentagon entzog zudem dem ehemaligen Luftwaffenminister Frank Kendall die Sicherheitsfreigabe, weil er angeblich Informationen über die Air Force One an die Medien weitergegeben hatte.

Was in Ankara wirklich passiert ist, bleibt unklar. Aber die Krise der Trump-Regierung und des amerikanischen Imperialismus insgesamt ist unverkennbar. Die herrschende Klasse der USA steht sowohl vor einem geopolitischen Debakel im Krieg mit dem Iran als auch vor einer eskalierenden sozialen Konfrontation mit der Arbeiterklasse im eigenen Land.

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