Perspektive

US-Schulden bei 40 Billionen Dollar – Finanzkrise verschärft sich

Der am 19. August vom US-Finanzministerium bekannt gegebene Anstieg der amerikanischen Staatsverschuldung auf 40 Billionen Dollar markiert eine neue Phase in der sich zuspitzenden Wirtschafts- und Finanzkrise des US-Imperialismus. Die Reaktion der Vereinigten Staaten hierauf wird aus immer umfangreicheren militärischen Maßnahmen bestehen, um dem historischen Niedergang des US-Imperialismus entgegenzuwirken.

US-Finanzminister Scott Bessent am 6. Mai 2025 auf dem Capitol Hill in Washington [AP Photo/Jose Luis Magana]

Innerhalb eines Tages nach Erreichen dieses Meilensteins sah sich US-Finanzminister Scott Bessent gezwungen, selbst in den Markt für Staatsanleihen einzugreifen. Er kündigte am Mittwoch an, dass das Finanzministerium seine Rückkäufe langfristiger Anleihen verdoppeln werde, nachdem die Rendite der 30-jährigen Anleihe ihren höchsten Stand seit 2007 erreicht hat. Das Ministerium, das den vermeintlich sichersten Finanzwert der Welt emittiert, muss also nun eingreifen, um den Markt für seine eigenen Anleihen zu stützen. Hieran zeigt sich, wie weit sich die Krise bereits entwickelt hat.

Jeder Tag bringt neue Drohungen und neue Aktionen in der Ukraine und im Nahen Osten mit sich. Zuletzt sprach Trump die Drohung aus, Oman zu bombardieren, sollte das Land den US-Operationen in der Straße von Hormus im Wege stehen. Gleichzeitig treibt Washington die eigenen Vorbereitungen für einen Krieg gegen China voran. Wie Leo Trotzki vor fast einem Jahrhundert warnte, äußert sich der Ausbruch des amerikanischen Imperialismus unter den Bedingungen seines Niedergangs offen und gewalttätig.

Die finanziellen Indikatoren für diesen Niedergang – die eigentliche Triebkraft des sich entfaltenden globalen Krieges, den die USA führen – zeigen sich in der Eskalation der US-Schulden und den Turbulenzen, die diese in den letzten Tagen auf den globalen Anleihemärkten ausgelöst haben. Dabei sind die Renditen (Zinssätze) für US-amerikanische, deutsche, japanische und britische Anleihen auf Mehrjahreshochs gestiegen.

Das aufschlussreichste Merkmal der US-Schulden ist nicht nur ihre Höhe – so bedeutend diese auch ist – sondern die Geschwindigkeit, mit der sie erreicht wurde. Zur Jahrhundertwende belief sich die US-Staatsverschuldung auf weniger als 6 Billionen Dollar. In den letzten zehn Jahren hat sie sich mehr als verdoppelt und allein im vergangenen Jahr um 3 Billionen Dollar zugenommen.

Und nun wird eine neue Phase erreicht – der Beginn einer Schuldenspirale, in der immer mehr Geld aufgenommen werden muss, nur um die Zinszahlungen für frühere Kredite zu decken.

In diesem Jahr werden die USA voraussichtlich mindestens weitere 2 Billionen Dollar aufnehmen, um die gestiegenen Militärausgaben zu finanzieren – die Trump-Regierung will diese auf 1,5 Billionen Dollar anheben – und um die Einnahmeausfälle auszugleichen, die durch die Steuersenkungen für Reiche und Unternehmen im Rahmen des „One Big Beautiful Bill“ entstehen.

Doch mindestens die Hälfte dieses Schuldenanstiegs wird allein benötigt, um die Zinslast zu decken, die mittlerweile bei über 1 Billion Dollar pro Jahr liegt – mehr als das aktuelle Militärbudget. Schätzungen zufolge fließt fast jeder fünfte Dollar der US-Staatseinnahmen in die Zinszahlungen für Staatsanleihen.

Marc Goldwein, Senior Policy Director beim „Committee for a Responsible Federal Budget“, kommentierte dies wie folgt: „Das Beängstigendste daran ist, dass wir nun mit ansehen müssen, wie die Schuldenspirale in Gang kommt.“

Ähnliche Äußerungen machte Matt Egan, Portfoliomanager beim globalen Aktienfonds Loomis Sayles, gegenüber der New York Times als Reaktion auf den Anstieg der Rendite 30-jähriger Staatsanleihen auf 5,3 Prozent Anfang dieser Woche – den höchsten Stand seit 2007.

Er wies darauf hin, dass „jeder weiß“, dass der Anstieg der Verschuldung nicht tragbar ist, und fuhr fort: „Man sitzt in einem Bus namens ‚30-jährige Anleihe‘, und vor einem liegt eine Klippe, aber man weiß nicht, ob sie 100 Meter oder 100 Meilen entfernt ist. Man hofft, aus dem Bus aussteigen zu können, bevor er abstürzt. Das ist das Dilemma, vor dem wir stehen.“

Da das US-Finanzsystem in den vergangenen 18 Jahren zwei beinahe tödliche Herzinfarkte erlitten hat – die globale Finanzkrise von 2008 und das Einfrieren des US-Staatsanleihemarktes im März 2020 – dürfte es eher früher als später zu einem weiteren Crash kommen.

Die zunehmend hektischen Maßnahmen von US-Finanzminister Bessent deuten zweifellos in diese Richtung.

Ende letzten Monats organisierte er eine außerordentliche gemeinsame Intervention mit dem japanischen Finanzministerium, um den Wert des Yen zu stützen. Dies wurde als „Hilfe“ für einen Freund dargestellt. Tatsächlich war dies jedoch von der Befürchtung motiviert, dass es zu einer Krise auf dem Markt für US-Staatsanleihen kommen könnte, sollte Japan – größter ausländischer Halter von US-Staatsanleihen – Anleihen verkaufen, um die eigene Währung zu stützen.

Diese Bedenken spiegelten sich in der Art und Weise wider, wie die Intervention organisiert wurde. Die USA aktivierten einen selten genutzten Mechanismus, bei dem Japans US-Anleihen als Sicherheit dienten, um dem Land Dollar zu leihen, wodurch es nicht notwendig wurde, diese zu verkaufen. Anschließend organisierten sie ihre eigene Intervention nicht durch den Einsatz von Dollar, sondern durch den Verkauf von Euro, ohne die Europäische Zentralbank darüber zu informieren.

In einem Kommentar zu dieser Maßnahme stellte Ambrose Evans-Pritchard, Wirtschaftskolumnist der britischen Zeitung Telegraph, pointiert fest: „All dies schreit geradezu nach Verzweiflung.“

Es gibt noch weitere verzweifelte Maßnahmen. Eine davon ist der Versuch, Schulden am kurzen Ende des Marktes aufzunehmen, da der Zinssatz dort niedriger ist. Dies bedeutet jedoch, dass die Schulden immer häufiger refinanziert werden müssen – und das unter Bedingungen, unter denen sich die Natur des US-Treasury-Marktes in jüngster Zeit grundlegend gewandelt hat. Früher wurde er von langfristigen Anlegern dominiert.

In den letzten Jahren hat jedoch die Beteiligung von Hedgefonds, die ihn als Spekulationsinstrument nutzen, rapide zugenommen.

Der Financial Times-Journalist Robin Wigglesworth schrieb Anfang dieses Monats über diese Entwicklung und merkte an, dass der Markt für US-Staatsanleihen, der eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung der Entwicklung der US-Wirtschaft gespielt hatte, „jetzt wohl eine Gefahrenquelle darstellt – eine, die über die bloße Höhe der Schuldenlast hinausgeht“.

Laut einer Analyse der Federal Reserve von Anfang dieses Jahres haben Hedgefonds ihr Engagement in US-Staatsanleihen zwischen 2023 und 2025 verdoppelt und kontrollieren nun rund 8,5 Prozent des Marktes, womit sie größere Inhaber von Staatsanleihen sind als Japan, China und Saudi-Arabien zusammen.

Hedgefonds sind keine langfristigen Investoren, und eine ihrer Hauptaktivitäten ist der sogenannte Basis-Trade, bei dem sie die Differenz zwischen Treasury-Futures und dem aktuellen Kurs ausnutzen, um Gewinne zu erzielen. Da diese Differenz jedoch so gering ist, müssen große Geldsummen aufgenommen werden, um das Geschäft rentabel zu machen.

Das bedeutet, dass sie extrem anfällig für einen Zinsanstieg sind – so sehr, dass zumindest ein Analyst, Steven Blitz, Chefökonom für die USA bei dem in Großbritannien ansässigen globalen Wirtschaftsforschungsunternehmen TS Lombard, zu dem Schluss kommt, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen nicht anheben kann, um die Inflation zu bekämpfen. Denn jede drastische Straffung würde eine Kettenreaktion auslösen und die Finanzierungskosten „explodieren“ lassen.

Die Auswirkungen der Hedgefonds-Aktivitäten zeigten sich bereits im März 2020 in dem „Ansturm auf Bargeld“, der zu einem Einfrieren des Marktes für US-Staatsanleihen führte – tagelang gab es keine Käufer für US-Staatsanleihen. Dies erforderte eine Intervention der Fed in Höhe von mehreren Billionen Dollar, um einen Zusammenbruch des US-amerikanischen und globalen Finanzsystems zu verhindern. Ihr Engagement und das Ausmaß der Spekulationen haben in den sechs Jahren seitdem sprunghaft zugenommen.

In seinem jüngsten Versuch, die Turbulenzen am Anleihemarkt zu beruhigen, hat Bessent angekündigt, dass das Finanzministerium seine Rückkäufe am Sekundärmarkt für Staatsanleihen, auf dem bereits emittierte Anleihen gehandelt werden, von 2 Milliarden Dollar auf 4 Milliarden Dollar erhöhen wird, um die langfristigen Kreditkosten zu senken.

Doch statt eine Lösung für die sich verschärfende Krise zu bieten, ähneln Bessents Maßnahmen zunehmend dem sagenumwobenen holländischen Jungen, der eilig ein Loch nach dem anderen im Deich stopft. Doch im Gegensatz zu dem Jungen in der Geschichte, der letztlich eine Stadt rettete, verschlimmern Bessents verzweifelte Maßnahmen die Situation nur noch.

Und dies ist Teil einer umfassenderen Entwicklung, die mindestens 40 Jahre zurückreicht. Im Jahr 1987 griff Fed-Chef Alan Greenspan ein, um nach dem größten eintägigen Börsencrash in der Geschichte der Wall Street für Liquidität zu sorgen.

Der sogenannte „Greenspan-Put“ stützte die Explosion der Finanzspekulationen in den 1990er-Jahren und Anfang der 2000er-Jahre und führte schließlich zur globalen Finanzkrise von 2008.

Sie wurde durch massive staatliche Rettungsmaßnahmen und das Eingreifen der Fed mittels „quantitativer Lockerung“ weiter angeheizt, vorgeblich um das Finanzsystem zu retten. Ihre Hauptwirkung bestand jedoch darin, eine neue Spekulationswelle zu finanzieren, die sich nach der Intervention im März 2020 noch weiter beschleunigte. Regulierungsmaßnahmen, die eingeführt wurden, um die Banken zu kontrollieren, führten lediglich zu einem Anstieg der privaten Kreditvergabe und der Aktivitäten von Hedgefonds, die nun im Zentrum einer neuen und sich rasch entwickelnden Krise stehen.

Es gibt keine wirtschaftlichen oder finanziellen Lösungen zur Hand. Der US-Imperialismus versucht, diese Krise durch Krieg zu lösen, während er gleichzeitig immer tiefgreifendere Angriffe auf die Arbeiterklasse im eigenen Land einleitet. Die Arbeiterklasse kann die Krise nur durch den Kampf um die politische Macht lösen, basierend auf dem Sturz der irrationalen und zerstörerischen kapitalistischen Ordnung und ihrer Oligarchen sowie dem Wiederaufbau der Gesellschaft auf sozialistischen Grundlagen.

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