Jason Arday: Erfundene biografische Angaben und institutionelles Versagen begünstigen brutale Kampagne der Rechten

Jason Arday [Photo by ConiferousForest19 / Wikimedia Commons / CC BY 4.0]

Am 5. August trat Jason Arday von seinem Amt als Soziologie-Professor an der Universität Cambridge zurück, nachdem rechtsextreme Kräfte eine Hetzjagd gegen ihn entfesselt hatten. Er sagte zu Freunden und Kollegen, sein Leben sei ruiniert und er sehe keinen Ausweg.

Sein Rücktritt konnte die mediale Hexenjagd gegen ihn nicht stoppen. Neun Tage später nahm er sich das Leben. Seither wurden hunderte von Berichten über Arday aus dem Netz genommen, darunter viele der fast 200 Beiträge, die in den Tagen nach seinem Rücktritt bis zu seinem Todestag veröffentlicht worden waren.

Über die Art und Weise, wie man mit ihm umgegangen war, empörten sich Millionen Menschen, und sie waren tief traurig über sein tragisches Ende. An einer Mahnwache der Organisation „Stand Up To Racism“, die am 17. August auf dem Trafalgar Square in London stattfand, nahmen Zehntausende teil.

Es gab und gibt auch weiterhin Kritik an den Medien und an den eindeutig rassistischen Hintergründen der Kampagne gegen den jüngsten schwarzen Professor, der jemals von Cambridge berufen wurde. Das schiere Ausmaß der Hetze widerlegt alle Behauptungen, es ginge um die Verteidigung akademischer Integrität, und die Art und Weise, wie man gegen ihn vorging, unterscheidet sich krass vom Umgang mit anderen (nachgewiesenen, nicht nur angeblichen) Plagiatsvorwürfen gegen weiße Wissenschaftler.

Viele sehen in dem Fall ein Beispiel für den von der Rechten ausgelösten „Kulturkrieg“ gegen eine vermeintliche „Woke-Bedrohung“, um „traditionelle“, „westliche“ Normen und Werte zu verteidigen.

Doch eine Bedrohung zu erkennen ist nicht dasselbe, wie sie wirkungsvoll zu bekämpfen. Dazu bedarf es eines nüchternen Blicks auf Arday als Person und auf die politische Strömung, mit der er in Verbindung stand.

Die Liverpool John Moores University bestätigte den Plagiatsvorwurf im Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit nicht und führte die von ihr festgestellten Probleme auf einen ehrlichen und nachvollziehbaren Fehler zurück. Andere veröffentlichte Arbeiten warfen jedoch separate und bislang ungeklärte Fragen auf. Obwohl weitere Plagiatsvorwürfe erhoben wurden, richtete sich die Aufmerksamkeit vor allem auf Behauptungen, er habe über seine Kindheit und über frühere Aktivitäten gelogen, bei denen er sich vorwiegend, wenn auch nicht ausschließlich, außerhalb des Bildungsbereichs betätigt habe.

Arday hatte eine dokumentierte Vorgeschichte schwerwiegender Entwicklungsprobleme und sagte, bei ihm seien in der Kindheit Autismus und eine globale Entwicklungsverzögerung diagnostiziert worden; außerdem wurde berichtet, dass er an Dyslexie litt. Es ist auch wahr, dass vieles, was er über sein Leben behauptet hat, einschließlich der für seine spektakuläre akademische Karriere relevanten Qualifikationen, abwegig und offenkundig falsch war.

So war es nicht unberechtigt, Ardays Berufung nach Cambridge und den ihm von der akademischen Welt und den Medien zuteil gewordenen Prominentenstatus in Frage zu stellen.

Die ersten internen Versuche, Ardays Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen, erfolgten unmittelbar nach seiner Ernennung in Cambridge im Mai 2023. Damals warf David Harris, ein emeritierter Professor an der Plymouth Marjon University, Arday Plagiate in einem Artikel vor. Prof. Harris, ein prominenter Gegner der Kritischen Rassetheorie (Critical Race Theory, CRT), bat den Soziologen Martyn Hammersley, der seine Kritik teilte, um Unterstützung.

Die ersten Vorwürfe außerhalb der akademischen Welt kamen von Jack Grove, einem Reporter bei Times Higher Education, doch Groves Artikel wurden fallen gelassen, nachdem Arday ihn der Belästigung bezichtigt hatte und mit rechtlichen Schritten durch die führende britische Kanzlei für Verleumdungsklagen Carter-Ruck drohte.

Arday sprach im April dieses Jahres auf der Konferenz zum 75-jährigen Jubiläum der British Sociological Association öffentlich, wenn auch indirekt, über ein „Drehbuch“, das die Rechten dazu benutzten, schwarze Wissenschaftler durch Plagiatsvorwürfe zu diskreditieren, und das aus der akademischen Welt verbannt werden müsse.

Genau eine solche Kampagne war zu dem Zeitpunkt schon in vollem Gange gegen ihn. Angeführt wurde sie von Nathan Cofnas, der im Juli auf seinem Substack-Account umfassendere Plagiatsvorwürfe gegen Arday erhob.

Der amerikanische Zionist Nathan Cofnas, der seine Karriere auf der Behauptung aufgebaut hat, die Rasse bestimme die Intelligenz, wurde 2024 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Emmanuel College in Cambridge entlassen. Er hatte in einem Blogbeitrag behauptet, dass in einer Leistungsgesellschaft die Zahl der schwarzen Professoren an der Harvard-Universität „nahezu null Prozent betragen würde“, und dass Schwarze „aus fast allen hochrangigen Positionen außerhalb von Sport und Unterhaltung verschwinden würden“.

Seine Anstellung endete erst, als Emmanuel-Studierende dies in einer Kampagne gefordert hatten.

In einem Online-Video vom 9. August sprach Cofnas mit dem rechtsgerichteten Historiker David Starkey. Auch dieser war im Juni 2020 ebenfalls von verschiedenen Posten in Cambridge zurückgetreten oder entlassen worden, nachdem er erklärt hatte: „Sklaverei war kein Völkermord, sonst gäbe es doch nicht so verdammt viele Schwarze in Afrika oder in Großbritannien, oder? Eine ganze Menge von ihnen hat überlebt.“

Starkey prahlte damit, dass Cofnas Ardays Rücktritt erzwungen habe, und erklärte: „Das ist Rache. Gute alte christliche Rache. Das ist der Grund, warum wir grinsen.“

Auf Cofnas’ Anschuldigungen folgten Berichte von The Telegraph, die die darauf folgende Hexenjagd auslösten.

Alle bekannten Initiatoren der Hexenjagd auf Arday sind Teil einer organisierten und gut finanzierten Seilschaft oder werden von ihr unterstützt, deren Funktion es ist, die ideologischen Grundlagen für eine rechtsextreme Bewegung zu liefern.

Dies reicht von Toby Youngs Free Speech Union, die Nathan Cofnas und andere Genannte verteidigt, bis hin zu Peter Thiel, dem milliardenschweren Chef des Datenanalyse- und Überwachungskonzerns Palantir Technologies. Thiel unterstützt James Orr, den politischen Leiter von Nigel Farages „Reform UK“, in seinem Ziel, die Universität Cambridge als Rekrutierungsfeld für die extreme Rechte ins Visier zu nehmen.

Zum Zeitpunkt seines Rücktritts war Arday der Ansicht, er habe keinen Ausweg mehr. Und auch die größten Bemühungen seiner Verteidiger änderten für ihn nichts. Eine vom Good Law Project organisierte Petition, die die Plagiatsvorwürfe als „völlig falsch“ anprangerte, erhielt 10.000 Unterschriften, darunter vom Vorsitzenden der Grünen, Zack Polanski, dem Labour-Linken John McDonnell und weiteren bekannten Persönlichkeiten. Doch einige hatten bereits begonnen, ihre Unterstützung zurückzuziehen, darunter Daniel Kebede, Generalsekretär der National Education Union.

Die Universität Cambridge, das Jesus College, die Queen’s University Belfast und die Durham University hatten Untersuchungen angekündigt. In den Vereinigten Staaten stieß die Veröffentlichung von Ardays Memoiren, Great and Unfortunate Things, auf vernichtende Kritik. Inzwischen befand sich die Rechte im Zustand schadenfroher Euphorie, und sie setzte ihre Vendetta fort.

Arday starb am 14. August in seinem Haus in Battersea im Alter von nur 41 Jahren.

Der neue Premierminister Andy Burnham, vor allem um die eigene Inszenierung bemüht, hat Ardays Tod einen Anlass zur „Besinnung“ genannt. Ihm schlossen sich seine Bildungsministerin Lucy Powell und der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan an, um Krokodilstränen zu vergießen. Es wurden Forderungen nach einer öffentlichen Untersuchung erhoben – einer Sackgasse – sowie danach, die Medien an die Kandare zu nehmen.

All dies wird keinerlei nachhaltige Auswirkungen haben.

Die Offensive an den Hochschulen wird zügig voranschreiten, ebenso wie der Angriff auf Migranten und Asylsuchende. Sie sind die Speerspitze im Aufbau einer rechtsextremen Bewegung, die sich unter Bedingungen eskalierender Kriege und brutaler Sparmaßnahmen gegen die Arbeiterklasse richtet. Auch Burnhams Labour-Regierung wird weiterhin ihre eigenen ausländerfeindlichen Maßnahmen gegen diejenigen der Reform UK ausspielen und zur Tarnung im Falle Arday einen mitleidigen Ton anschlagen.

Ardays Tod ist eine Tragödie. Doch es wird noch mehr und weitaus Schlimmeres kommen.

Die Rechte fühlt sich ermutigt, sie wird weiter vorpreschen. The Daily Telegraph beklagte im Zusammenhang mit dem Fall Arday „institutionelle Heuchelei“, und ihr Chefredakteur Charles Moore prahlte: „Die Presse hat erhebliche Unwahrheiten aufgedeckt, die dem Ruf einer unserer beiden größten Universitäten ernsthaft schaden, und hat darüber berichtet.“ The Spectator schrieb: „Jason Arday ist nicht das Opfer einer ‚rassistischen Hexenjagd‘“ und wetterte dann gegen „(ausnahmslos weiße) linke Liberale in der Wissenschaft“ und „progressive Aktivisten“.

Arday, DEI und die Kritische Rassentheorie

Der Erfolg dieser reaktionären Kampagne entlarvt die politisch bankrotte kleinbürgerliche Protestpolitik, insbesondere die Initiativen Diversität, Gerechtigkeit und Inklusion (Diversity, Equity, Inclusion, DEI) sowie die Glaubenssätze der Kritischen Rassentheorie (CRT), denen Arday anhing. Auf ihrer Grundlage kann die rechte Offensive an den Universitäten nicht besiegt werden, sondern wird dadurch vielmehr gestärkt.

Die gegenwärtigen rassistischen Vorurteile und die Last historischer Unterdrückung spiegeln sich deutlich in der akademischen Welt wider, insbesondere in einer Eliteeinrichtung wie Cambridge. Im Jahr 2025 waren an dieser Universität nur 0,4 Prozent der Professoren schwarz, was noch schlechter ist als der britische Universitätsdurchschnitt von etwa 1 Prozent. Zwölf Prozent der Lehrkräfte in Cambridge haben einen Migrationshintergrund; bei den Studierenden ist es ein Drittel.

Doch der Kampf gegen solche Diskriminierung kann nicht auf der Grundlage einer Strategie geführt werden, die an die herrschende Elite appelliert, um eine ethnisch gerechtere Verteilung der Privilegien zu erreichen. Universitätsverwaltungen pflegen solche Maßnahmen für ihre eigenen Zwecke zu nutzen, und nur eine schmale, obere Schicht der schwarzen und ethnischen Minderheiten profitiert davon. Während der Großteil der schwarzen und asiatischen Arbeiterklasse außen vor bleibt, begünstigt eine solche Maßnahme die rechte Offensive.

Cambridge spielt in dieser Angelegenheit eine besonders üble Rolle. Die Universität hat Ardays Berufung zynisch ausgenutzt, um ihre Funktion als Bastion sozialer Privilegien zu verschleiern. Angesichts der Kritik an der mangelnden Vielfalt ihres Personals stürzte sich die Universität auf seine schillernde Biografie, seine Herkunft aus der Arbeiterklasse, seine Medienpräsenz und seine sympathische Persönlichkeit. Bei seiner Ernennung betonte ein Universitätssprecher, dies werde dazu beitragen, „die Unterrepräsentation von Menschen aus sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen, insbesondere aus schwarzen, asiatischen und anderen ethnischen Minderheiten“, zu beheben.

Eine bestimmte Fraktion in Cambridge, die jedem schwarzen (insbesondere aus der Arbeiterklasse stammenden) Akademiker mit Herablassung begegnet, hatte kein wirkliches Interesse daran, Ardays Qualifikationen ernstlich zu prüfen. Für sie war er die dringend benötigte prominente Verstärkung. Für eine andere Fraktion reichte es schlichtweg aus, dass er Mitherausgeber von Schriften zu Rassismus und Eurozentrismus war, wie zum Beispiel Dismantling Race in Higher Education: Racism, Whiteness and Decolonising the Academy. Er passte zu ihrer politischen Agenda.

Das Ergebnis war eine Berufung, die einen offensichtlich ziemlich verletzlichen Mann zum Zielobjekt machte, der mit der Situation überfordert und nicht in der Lage war, sich gegen seine Kritiker und politischen Gegner zu wehren.

Darauf haben andere Akademiker, darunter viele von Ardays Mitstreitern sowie Wissenschaftler mit schwarzem und asiatischem Hintergrund, hingewiesen, und nach Ardays Rücktritt kursierte in Cambridge ein gemeinsamer Brief, in dem eine unabhängige Untersuchung der Umstände seiner Ernennung gefordert wurde.

Eine der 100 unterzeichnenden Akademiker und Akademikerinnen, Priyamvada Gopal, Professorin für postkoloniale Studien am Fachbereich Anglistik in Cambridge, sagte: „Eine unabhängige Untersuchung muss genau prüfen, wie es zu einer solchen Ernennung eines Berufsanfängers auf einen sehr hochrangigen und prestigeträchtigen Lehrstuhl gekommen ist, und was sowohl die pädagogische Fakultät als auch die Universitätsleitung möglicherweise gravierend falsch gemacht haben.“ Damit habe man „grotesken Rassismus“ entfesselt und „der Person in der Schusslinie, schwarzen Akademikern als Gruppe und dem breiteren Feld der Critical Race Studies geschadet“.

Der liberale Guardian schrieb am 7. August in einem Leitartikel: „Indem die Universität es versäumt hat, Herrn Arday einer sorgfältigen Überprüfung zu unterziehen, bevor sie ihn mit großem Tamtam als den jüngsten schwarzen Professor, den Cambridge je hatte, vorstellte, und durch ihre unzureichende Reaktion auf spätere Kritik, hat sie schwarzen und neurodivergenten Wissenschaftlern im weiteren Sinne einen schweren Bärendienst erwiesen. Sie hat zudem die Bemühungen all jener Menschen und Gruppen zurückgeworfen, die seit vielen Jahren in gutem Glauben daran arbeiten, die Präsenz unterrepräsentierter Gruppen in einflussreichen Positionen zu stärken.“

Aber all diese Kommentare entspringen demselben Standpunkt des moralischen Drucks und der Berufung auf Autorität, der die Arday-Tragödie hervorgebracht hat. Sie verteidigen die Politik der Kritischen Rassentheorie, die ihr zugrunde liegt. Mittlerweile müsste außer Frage stehen, dass man den Aufstieg der extremen Rechten nicht mit einer Weltanschauung stoppen kann, die den nationalen und rassistischen Ansatz der Rechten widerspiegelt.

Die wesentliche politische Lüge der Kritischen Rassentheorie ist ihre Behauptung, dass die grundlegende Spaltung der modernen Gesellschaft die Rasse sei und nicht die Klasse. Dies bestimmt ihren reaktionären Charakter und dient dazu, die Arbeiterklasse in ihren Kämpfen gegen die Kapitalistenklasse zu spalten. Weiße Arbeiter werden sogar als Nutznießer eines auf „weißer Vorherrschaft“ basierenden Systems bezeichnet, was die eigentliche Ursache von Ungleichheit und Unterdrückung verschleiert.

Für die systemische Ungleichheit wird die Arbeiterklasse verantwortlich gemacht, anstatt das Privateigentum der Bourgeoisie an den Produktionsmitteln innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise.

Dies wiederum bildet die Grundlage dafür, dass sich eine schmale Schicht der schwarzen Kleinbourgeoisie auf Forderungen nach ihrem eigenen sozialen Aufstieg im Kapitalismus konzentriert. Genau diesem Ziel dienen DEI-basierte Initiativen. Sie tragen nichts dazu bei, das Profitsystem oder dessen Prätorianergarde in der Wissenschaft und anderen Bereichen der Gesellschaft grundlegend in Frage zu stellen.

Dem Angriff der Rechten auf schwarze Professoren und Studierende kann nur durch einen Bruch mit den Dogmen von DEI und CRT entgegengetreten werden. Dies muss auf der Grundlage der Mobilisierung der Arbeiterklasse geschehen: Unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit muss sie ihre kollektiven sozialen Interessen und demokratischen Rechte verteidigen. Ihr Ziel muss es sein, allen Menschen einen menschenwürdigen, gut bezahlten Arbeitsplatz, eine Wohnung, eine hochwertige Gesundheitsversorgung und einen kostenlosen Zugang zu Bildung zu verschaffen – statt einer „vielfältigeren“ Verteilung von Reichtum und Privilegien innerhalb  der obersten Gesellschaftsschicht.

Die politische Rechte freut sich am meisten, wenn gesellschaftliche Themen unter rassistischen Gesichtspunkten behandelt werden. So kann sie eine Gegenreaktion gegen diejenigen provozieren, die angeblich Sonderprivilegien für sich beanspruchen. Deshalb hat sie so viel Energie in die Förderung ihrer rassistischen Agenda an den Hochschulen investiert, um gesellschaftliche Unzufriedenheit auszubeuten – insbesondere innerhalb der oberen Mittelschicht, die ihre eigenen Privilegien gegen die „Unberechtigten“ verteidigt und die Rasse als Hebel nutzt, um ihren eigenen „Platz an der Sonne“ zu erlangen.

Aus einem solchen Konflikt kann nichts Progressives entstehen. Er ist Wasser auf die Mühle der politischen Reaktion.

Im Dezember 2018 wurde der Pseudowissenschaftler der Rasse, Noah Carl, für ein dreijähriges Forschungsstipendium am St. Edmund’s College berufen, bevor Proteste von mehr als 500 Wissenschaftlern und Studierenden seine Entlassung erzwangen. Anschließend leitete Carl rechtliche Schritte ein und einigte sich schließlich auf eine finanzielle Entschädigung in unbekannter Höhe. Er wandte sich einer anderen Karriere zu und verbreitete seinen „wissenschaftlichen Rassismus“ fortan in rechtsgerichteten Zeitschriften.

Die WSWS schrieb im Oktober 2019 abschließend zum Fall Noah Carl (aus dem Englischen):

Netzwerke aus Professoren und Politikern auf der ganzen Welt sind bestrebt, zu „beweisen“, dass der deutsche Faschismus gerechtfertigt war, dass Rasse als aussagekräftige wissenschaftliche Kategorie existiert und dass die Eugeniker Recht haben.

Im Widerstand gegen diese Kampagne können Appelle an die wissenschaftliche Vernunft nur dann eine nachhaltige Wirkung entfalten, wenn sie mit einem fortschrittlichen, sozialistischen politischen Programm verbunden sind. Fälschungen und Pseudowissenschaft gewinnen trotz ihrer Unwahrheit an Macht, weil sie von reaktionären gesellschaftlichen Kräften, die unter Bedingungen einer globalen kapitalistischen Krise täglich an Stärke gewinnen, beflügelt und gefördert werden.

Die faschistischen und faschistoiden Bewegungen, in denen diese Ideen eine Heimat finden, werden gepflegt, um ein explosives Ausmaß an sozialer Ungleichheit und imperialistischer Gewalt zu verteidigen und durchzusetzen. Um sie zu besiegen, bedarf es daher einer Verteidigung der historischen und wissenschaftlichen Wahrheit, die auf einer Hinwendung zu einer weitaus mächtigeren Kraft mit diametral entgegengesetzten sozialen Interessen beruht – der internationalen Arbeiterklasse, die sich in Massenkämpfen gegen Ungleichheit, Krieg und Diktatur zu Wort meldet.

Dies ist die Achse des Kampfs, die auf dem Campus geführt werden muss. Es bedeutet vor allem den Aufbau der International Youth and Students for Social Equality (IYSSE), um den sozialistischen Widerstand aufzubauen. Er muss sich auf die unabhängige politische Mobilisierung der Arbeiterklasse ausrichten, aber nicht auf Appelle an das „Gewissen“ und die tiefen Taschen der herrschenden Elite.

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