Perspektive

Die Überschwemmungen in Nepal und China, der Klimawandel und der Kampf für Sozialismus

Am Mittwochmorgen kam es in Nepal und im äußersten Südwesten Chinas zu einer tödlichen Flutkatastrophe. Innerhalb weniger Stunden fegte eine Flutwelle aus Wasser und Geröll entlang eines 72 Kilometer langen Abschnitts der Flüsse Trishuli und Bhote Koshi durch Nepal und löste eine Sturzflut aus, die Dutzende von Ortschaften in den nepalesischen Distrikten Rasuwa und Nuwakot zerstörte oder schwer beschädigte. Der Grenzübergang Gyirong Port zwischen Nepal und Tibet, einst der wichtigste Handels- und Tourismusknotenpunkt der Region, ist vollständig zerstört worden.

Die Behörden haben mindestens 584 Tote in Nepal und fünf in China bestätigt; zudem werden mehr als 2.000 Personen vermisst. In den sozialen Medien sind zahlreiche erschütternde Videos aufgetaucht, die Menschen bei dem Versuch zeigen, vor der Flutwelle zu fliehen, wobei viele auf tragische Weise ums Leben kamen. Hydrologen beschrieben die Welle als „flüssigen Beton“.

„Bis heute früh war es hier noch sehr malerisch … Es gab ein Wasserkraftwerk und eine Anlage. Alles wurde weggespült“, berichtete Rajendra Poudel, ein Arbeiter des Gesundheitswesens in der Stadt Betrawati, am Donnerstag gegenüber Al Jazeera. „Das ist herzzerreißend, mir fehlen die Worte.“

Rettungskräfte bringen am Mittwoch, dem 26. August 2026, am Trishuli-Fluss im nepalesischen Distrikt Nuwakot ein Opfer der Sturzflut mit einem Bagger in Sicherheit. [AP Photo/Niranjan Shrestha]

Die Flut hat viele Menschen in den Dörfern Timure und Syapru Besi in Rasuwa sowie Betrawati in Nuwakot verschüttet und mindestens 19 Brücken sowie rund 40 Kilometer Straßen zerstört. Die nepalesische Strombehörde schätzte, dass 430 Megawatt Erzeugungskapazität ausgefallen sind. Am Donnerstag warnten chinesische Behörden, dass ein neuer See, der sich hinter den Geröllmassen des Erdrutsches gebildet hat, durchbrechen und eine zweite Flutwelle durch dieselben Täler schicken könnte.

Satellitenbilder deuten darauf hin, dass die unmittelbare Ursache der Katastrophe eine Masse aus Eis und Gestein ist, die von einem gletscherbedeckten Hang in Tibet abgebrochen ist und eine Lawine ausgelöst hat. Sie war so groß, dass sie in Deutschland und vom United States Geological Survey als seismisches Ereignis der Stärke 5,2 registriert wurde. Doch die daraus resultierende soziale Katastrophe ist die jüngste Folge der Weigerung der kapitalistischen Regierungen weltweit, den Klimawandel zu stoppen oder ihre Bevölkerung auf die unvermeidlichen tödlichen Folgen vorzubereiten.

Studien zu hochgelegenen Regionen wie dem Himalaya, einschließlich des überschwemmten Grenzgebiets zwischen Nepal und Tibet, zeigen seit Jahren, dass solche Gebiete besonders anfällig für die globale Erwärmung sind. Schon geringe Erwärmungen lassen Schnee schmelzen; das freigelegte Gestein absorbiert dann mehr Sonnenlicht, was zu weiterer Erwärmung führt, wodurch wiederum mehr Schnee schmilzt – ein sich selbst verstärkender Kreislauf.

Das Internationale Zentrum für integrierte Bergentwicklung (ICIMOD), eine zwischenstaatliche wissenschaftliche Einrichtung, berichtete im Jahr 2023, dass die Gletscher im Himalaya im Zeitraum 2011–2020 um 65 Prozent schneller geschmolzen sind als im vorangegangenen Jahrzehnt. Eine ähnliche Studie des ICIMOD vom März dieses Jahres kam zu dem Schluss, dass die Gletscher im Himalaya eine doppelt so hohe Eisschmelzrate aufweisen wie noch im Jahr 2000. Der Bericht warnte bereits vor fünf Monaten: „Dies ist kein fernes Problem; es ist eine Krise, die sich in Echtzeit entfaltet, mit neuen Katastrophen jeden Sommer und zu jedem Monsun.“

Die Reaktion der Regierungen weltweit auf diesen speziellen Aspekt der Klimakrise war bisher dürftig. Im Juli 2025 genehmigte der Grüne Klimafonds (GCF) der Vereinten Nationen ein Programm zum Schutz von 2,4 Millionen Nepalesen vor Gletscherhochwasser. Es sieht unter anderem die Entwässerung von vier hochgefährdeten Seen und den Aufbau von Frühwarnsystemen vor. Das Budget für dieses Projekt beläuft sich auf 49,9 Millionen US-Dollar über sieben Jahre – dasselbe Geld wird umgerechnet etwa alle 30 Minuten für die US-Militärausgaben fällig, gemessen an dem im Januar vom Repräsentantenhaus verabschiedeten Haushaltsgesetz in Höhe von 839 Milliarden US-Dollar.

Jede andere Initiative zur Bekämpfung des Klimawandels ist ebenso wirkungslos, weil sie dem Streben nach Unternehmensgewinnen und den eskalierenden, für Kriegszwecke umgeleiteten Ressourcen untergeordnet ist. Die Trump-Regierung ist am 27. Januar aus dem Pariser Abkommen ausgetreten und hat am 12. Februar die Verordnung der Umweltschutzbehörde (EPA) zu Treibhausgasen aufgehoben, wobei sie mit „der größten einzelnen Deregulierungsmaßnahme in der Geschichte der USA“ prahlte.

Die USA haben nicht einmal am Klimagipfel der Vereinten Nationen (COP30) im vergangenen November in Belém, Brasilien, teilgenommen, und der Vorschlag für einen Fahrplan zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und zur Begrenzung der CO₂-Emissionen wurde von China, Indien, Saudi-Arabien und Russland blockiert. In Europa werden Klimaversprechen pauschal aufgegeben, während die imperialistischen Mächte in Vorbereitung auf eine direkte Konfrontation mit Russland weiter aufrüsten.

Die Erwärmung des Himalaya verläuft im Einklang mit den allgemeinen globalen Temperaturtrends, die allesamt nach oben zeigen. Am 22. August, vier Tage vor der Überschwemmung, verzeichnete der Copernicus-Klimawandeldienst der Europäischen Union die höchste jemals gemessene tägliche globale Meeresoberflächentemperatur von 21,1 Grad Celsius und übertraf damit den im März 2024 aufgestellten Rekord. Bedeutsam ist auch, dass dieser Messwert Ende August auftrat, wenn sich die Ozeane normalerweise abkühlen.

Anfang dieses Jahres, im Juli, verzeichnete Westeuropa Durchschnittstemperaturen, die 2,79 Grad Celsius über dem historischen Durchschnitt lagen. Die Hitze führte zu Waldbränden, durch die mehr als 375.000 Menschen in Frankreich und Spanien aus ihren Häusern vertrieben wurden. Im selben Monat hüllten Waldbrände in Kanada und im Mittleren Westen der USA einen Großteil der Osthälfte Nordamerikas in giftigen Rauch, wobei der Luftqualitätsindex in Duluth (Minnesota) über 900 und in großen Ballungsräumen wie Detroit über 500 lag. Ein guter Luftqualitätsindex liegt zwischen 0 und 50.

Und am 13. August berichtete die Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA) in den USA, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sich in diesem Herbst und Winter ein sehr starkes El-Niño-Phänomen entwickelt, bei über 90 Prozent liege. Die Wahrscheinlichkeit, dass es das stärkste seit Beginn der Aufzeichnungen sein werde, liege bei 69 Prozent, was zu einem noch stärkeren Anstieg der globalen Erwärmung führen würde.

Dass so viele Katastrophen eingetreten sind und weiterhin eintreten werden, ist ein Armutszeugnis für das kapitalistische System. Eine der frühesten bekannten Warnungen vor den Gefahren der globalen Erwärmung sprach der verstorbene Astronom Carl Sagan aus, der bereits 1985 warnte, dass die „Zeichen an der Wand“ bereits zu sehen seien und dass eine umfassende internationale Mobilisierung erforderlich sei, um die schlimmsten Auswirkungen zu verhindern.

Die Menschheit lebt heute in einer Welt, in der diese Warnungen – ebenso wie die der überwiegenden Mehrheit der Wissenschaftler auf diesem Planeten – aktiv ignoriert wurden. Arbeiter sind täglich mit verheerenderen Stürmen, längeren Hitzewellen, ausgeprägteren Dürren und scheinbar endlosen Waldbränden konfrontiert. Korallenriffe sterben ab und bedrohen damit wesentliche Teile der Nahrungskette auf der Erde. Das Abschmelzen der Gletscher und der Anstieg des Meeresspiegels überschwemmen langsam jede Küstenstadt auf dem Planeten und könnten ein Drittel der Weltbevölkerung zur Flucht zwingen.

Die letzten 41 Jahre haben zudem gezeigt, dass die Menschheit noch nie über größere Fähigkeiten verfügt hat, diese natürlichen Prozesse zu verstehen und zu beherrschen. Satelliten kartieren jeden Gletscher im Himalaya und auf der ganzen Welt; KI und Supercomputer modellieren das Klima Jahrzehnte im Voraus; enorme Fortschritte bei Solar-, Wind-, Wasserkraft, Geothermie und anderen alternativen Energieformen haben den Bedarf an Kohle, Öl und Erdgas theoretisch überflüssig gemacht; Entwicklungen bei neuen supraleitenden Materialien sind im Begriff, den Bedarf an der Erzeugung großer Strommengen von vornherein drastisch zu reduzieren.

Doch die Anwendung dieser Fähigkeiten und die Neugestaltung des sozialen und wirtschaftlichen Lebens auf internationaler Ebene werden auf Schritt und Tritt durch private Profitgier und die Aufteilung der Welt in rivalisierende Nationalstaaten blockiert. Daher ist die Lösung des Klimawandels keine wissenschaftliche oder technische Frage, sondern eine politische und zutiefst revolutionäre Frage.

Friedrich Engels schrieb in seinem Werk Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen, „für jeden solchen Sieg“ über die Natur „rächt sie sich an uns“. Zur Beherrschung der Folgen der Produktion „gehört mehr als die bloße Erkenntnis. Dazu gehört eine vollständige Umwälzung unsrer bisherigen Produktionsweise und mit ihr unsrer jetzigen gesamten gesellschaftlichen Ordnung.“

Das Gleiche lässt sich heute mit noch größerer Nachdrücklichkeit sagen. Keine kapitalistische Regierung schlägt eine ernsthafte Lösung für den Klimawandel vor, weil dies nicht möglich ist, solange das Wirtschaftsleben den materiellen Interessen der Finanzoligarchie untergeordnet ist. Auch in die Programme der Grünen und pseudolinken Organisationen kann kein Vertrauen gesetzt werden, da sie alle die gegenwärtige Gesellschaftsordnung als eine Ordnung akzeptieren, die lediglich reformiert werden muss.

Daher besteht die Lösung für den Klimawandel im revolutionären Sturz des Kapitalismus selbst. Diese Aufgabe muss von der Arbeiterklasse umgesetzt werden, die als einzige soziale Kraft eine internationale Kraft und somit in der Lage ist, die notwendigen Umgestaltungen in den Bereichen Energie, Landwirtschaft und Logistik vorzunehmen, um den Klimawandel einzudämmen, umzukehren und unter Kontrolle zu bringen.

Das Internationale Komitee der Vierten Internationale, die Sozialistische Gleichheitspartei und die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC) kämpfen dafür, die Arbeiter auf dieser Grundlage zu mobilisieren sowie für die Enteignung der Finanzoligarchie und die Neuordnung der Weltwirtschaft auf sozialistischer Grundlage.

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