Perspektive

Hinter der geheimen Russlandreise von CIA-Direktor Ratcliffe: Der Krieg in der Ukraine gerät außer Kontrolle

Nach einem russischen Drohnenangriff am Stadtrand von Kiew am 27. August 2026 steigt Rauch aus einem zerstörten Lagerhaus auf. [AP Photo/Francisco Seco]

Vergangene Woche unternahm CIA-Direktor John Ratcliffe eine zunächst geheim gehaltene Reise nach Moskau – der erste bekannt gewordene Besuch eines CIA-Direktors in Russland seit dem Vorabend des Ukraine-Kriegs.

Der Nachrichtensender CNN berichtete vergangenen Donnerstag (27.8.2026), Ratcliffe habe „Russland die Warnung überbracht, keinen Angriff auf NATO-Gebiet zu starten“. Washington geht folglich von der unmittelbaren Möglichkeit eines offenen Krieges zwischen der NATO und Russland aus.

Die Voraussetzungen für eine solche katastrophale Eskalation wurden durch eine Reihe ukrainischer Angriffe tief im Inneren Russlands geschaffen, die von den USA und den großen europäischen NATO-Mächten finanziert und bewaffnet wurden. Bei einem der schwersten Luftangriffe des Krieges schickte die Ukraine in der Nacht vom 15. auf den 16. August rund 600 Drohnen über die Region Moskau. In dieser Nacht kamen in ganz Russland mindestens sechs Menschen ums Leben.

In der vergangenen Woche führte die Ukraine Drohnenangriffe durch, die die Lukoil-Raffinerie in Kstowo, rund 800 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, in Brand setzten. Diese Raffinerie produziert bis zu 11 Prozent des Kraftstoffs des Landes. Gleichzeitig wurde ein Logistikzentrum des Versandunternehmens Wildberries im Verwaltungsbezirk Tambow vollständig niedergebrannt. Die Ukraine beschießt diese Logistikzentren seit Längeren mit der Begründung, sie würden Kriegsgüter versenden. Die wiederholten Angriffe auf die Raffinerie in Kstowo, so berichtete die Financial Times im Juli, basieren auf amerikanischen und französischen Zielkoordinaten.

Mittlerweile machen sich die europäischen NATO-Streitkräfte, angeführt von Großbritannien, Frankreich und Deutschland, kaum noch die Mühe, ihre direkte Beteiligung an Militäroperationen gegen Russland zu verbergen.

  • Am 24. August übergab der britische Premierminister Andy Burnham in Kiew der Ukraine die geheimen Spezifikationen für die britischen Bauteile des „Storm Shadow“ – einer Langstreckenrakete, die die Ukraine bereits auf Russland abgefeuert hat –, damit die Ukraine und Frankreich vor Ort eine Produktionsstätte aufbauen können.
  • Am selben Tag unterzeichneten Burnham und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ein Abkommen, durch das Großbritannien als erstes ausländisches Land Zugang zu den Kampffelddaten erhält, mit denen die künstliche Intelligenz für die Zielsteuerung der ukrainischen Angriffswaffen trainiert wird, wie die Financial Times Anfang vergangener Woche berichtete.
  • Ebenfalls am 24. August genehmigte die Europäische Kommission 6,1 Milliarden Euro für den Kauf von Raketen und Luftabwehrsystemen durch die Ukraine – eine Tranche des im Dezember vereinbarten Kriegskredits in Höhe von 90 Milliarden Euro.
  • Diese Transferzahlungen folgen auf die Entscheidung von Bundeskanzler Friedrich Merz im Mai 2025, alle Reichweitenbeschränkungen für deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine aufzuheben. Deutschland, das bei der Finanzierung des Krieges an zweiter Stelle hinter den Vereinigten Staaten steht, hat fast 100 Milliarden Euro an Hilfe bereitgestellt, mehr als 27.000 ukrainische Soldaten auf deutschem Boden ausgebildet und, wie die deutsche Wochenzeitung Die Zeit berichtete, Kiew mit Satellitenbildern und abgefangenen Nachrichten versorgt, die russische Truppen, Depots und Flugplätze lokalisieren.
  • Schweden, die Niederlande, Spanien und Polen haben die Europäische Kommission aufgefordert, die Debatte zur Verwendung von rund 200 Milliarden Euro an eingefrorenen Vermögenswerten der russischen Zentralbank, die großteils bei der Euroclear-Depotstelle in Brüssel verwahrt werden, zur Finanzierung des Krieges wieder aufzunehmen.

Über die letztgenannte Maßnahme gibt es unter den europäischen Mächten erhebliche Meinungsverschiedenheiten. Im Januar hatte Belgien die Verwendung der Gelder blockiert. Der belgische Ministerpräsident Bart De Wever erklärte im Januar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos: „Man kann das Geld nicht einfach beschlagnahmen. Das ist eine Kriegshandlung.“ Diese Aussage spiegelt Bedenken nicht nur hinsichtlich des massiv provokativen Charakters dieser Maßnahme wider, sondern auch hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf das globale Finanzsystem.

Die schwedische Außenministerin Maria Malmer Stenergard hingegen bezeichnete vergangene Woche die Beschlagnahmung der russischen Vermögenswerte als „Weg, um sicherzustellen, dass sich die Ukraine und ganz Europa verteidigen können“.

Die Behauptung, die zunehmend provokativen Eskalationen der NATO-Mächte hätten „defensiven“ Charakter, ist absurd. Russland, das seit viereinhalb Jahren in der Ostukraine feststeckt, ist nicht in der Lage, Osteuropa zu überrennen, geschweige denn Deutschland, Frankreich oder Großbritannien.

In seiner ersten Rede vor dem Bundestag als Kanzler im Mai 2025 versprach Friedrich Merz, „die stärkste konventionelle Armee Europas“ aufzubauen, und Berlin hat Militärausgaben von mehr als 1 Prozent der Wirtschaftsleistung von der verfassungsmäßigen Schuldenbremse ausgenommen.

Zweimal im 20. Jahrhundert, im Ersten Weltkrieg und erneut 1941, drang der deutsche Imperialismus nach Osten vor, um sich die Ressourcen Russlands und der Ukraine anzueignen. Beide Vorstöße erfolgte zu einer Zeit, als die damalige Weltordnung auseinanderbrach. 1918 besetzte Deutschland die Ukraine und nutzte sie als Kornkammer und Stützpunkt gegen die junge Sowjetrepublik.

Die Regierungen Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens arbeiten seit Jahren gemeinsam mit den Vereinigten Staaten daran, einen Konflikt mit Russland anzuzetteln und zu eskalieren. Der Maidan-Putsch vom Februar 2014, bei dem der gewählte Präsident der Ukraine mit Unterstützung Washingtons und Berlins gestürzt wurde, lässt sich nur als Versuch deuten, die Ukraine in eine feindliche Operation gegen Russland zu integrieren. Der Einmarsch Russlands in die Ukraine war ein riskantes und reaktionäres Manöver des russischen Präsidenten Wladimir Putin, mit dem er seine „westlichen Partner“ zu einer Verhandlungslösung für den 2014 angezettelten Krieg in Ostukraine zwingen wollte.

Bei der Beurteilung der russischen Politik muss man verstehen, dass ein wesentlicher Faktor für Putins Interpretation der Ereignisse in seinem Hass auf die bolschewistische Revolution von 1917 besteht – und auf alles, was deren Politik legitimieren könnte, besteht. Den Begriff „Imperialismus“ für die Westmächte kann er weder ideologisch noch politisch akzeptieren, da dies die Legitimität des gesamten postsowjetischen Projekts untergraben würde.

Leon Trotzki schrieb 1938, am Vorabend des Zweiten Weltkriegs, dass die Bourgeoisie mit geschlossenen Augen auf eine wirtschaftliche und militärische Katastrophe zusteuert“. Das gilt auch heute wieder. Angesichts zunehmender sozialer, politischer und wirtschaftlicher Krisen im eigenen Land sehen die europäischen Regierungen im Krieg den einzigen Ausweg. Alle Beziehungen und Mechanismen, die bisher einen Krieg verhindert haben, brechen zusammen, und inmitten zunehmender Verzweiflung und Skrupellosigkeit könnte jeder Vorfall einen umfassenden Krieg oder sogar einen Atomkrieg auslösen.

Nur ein gemeinsamer Kampf der Arbeiterklasse in ganz Europa und weltweit kann eine solche Entwicklung verhindern.

Vor mehr als drei Jahren wandte sich der ukrainische Trotzkist Bogdan Syrotjuk, der heute 27 Jahre alt ist und im Gefängnis sitzt, auf der Online-Maikundgebung des Internationalen Komitees der Vierten Internationale mit folgenden Worten an die Teilnehmer: „Dieser Krieg wurde vom US-Imperialismus, der Nato und dem Putin-Regime entfesselt. Es ist ein imperialistischer Krieg, und er wird nicht im Interesse des russischen, ukrainischen oder amerikanischen Proletariats geführt, sondern im Interesse des Kapitals dieser jeweiligen Länder.“

Er fuhr fort: „Stimmt es, dass alle Menschen in der Ukraine diesen Krieg unterstützen? Meine Antwort lautet: Nein! Die Behauptung, dass alle Ukrainer diesen Krieg unterstützen, ist eine dreiste Lüge. Die Hauptstützen für diesen Krieg sind nicht das Proletariat und die ukrainische Bevölkerung, deren Lage entsetzlich ist. Die Hauptstützen für diesen Krieg sind die ukrainischen bürgerlichen Nationalisten und diejenigen, denen sie dienen.“

„Die Arbeiterklasse und die revolutionäre Jugend“, schloss Bogdan, „können den drohenden imperialistischen Krieg nur durch internationale Einheit und Zusammenhalt aufhalten.“

Am 10. August wurde Bogdan zu 15 Jahren Haft verurteilt. Die hier zitierte Rede wurde als Beweis dafür angeführt wurde, dass er „Hochverrat“ begangen habe. In Wirklichkeit stellt das von Bogdan formulierte Programm die einzige fortschrittliche Antwort auf den sich immer weiter ausbreitenden Krieg dar. In einer Erklärung, die er Tage vor seiner Verhaftung verfasste und nie vortragen konnte, rief er auf zur „Vereinigung des ukrainischen und russischen Proletariats mit dem Proletariat der imperialistischen Länder auf, um diesen Krieg zu beenden!“

Seit seiner Verhaftung im April 2024 hat Bogdan weltweit Unterstützung gewonnen. Die Petition für seine Freilassung trägt mittlerweile mehr als 6700 Unterschriften. Seit Erlass des Urteils gegen ihn haben Menschen aus 65 Ländern unterschrieben, vor allem auch aus Russland selbst. Ein Bericht über seinen Fall wurde an die 30.500 Abonnenten eines Telegram-Kanals weitergeleitet, der von und für ukrainische Wehrdienstverweigerer betrieben wird. Denn es gibt zunehmend Widerstand gegen die Zwangsrekrutierung ukrainischer Jugendlicher als Kanonenfutter für die imperialistischen Mächte. In Ternopil und Luzk haben Menschenmengen in den letzten Tagen gegen die Rekrutierungstrupps gekämpft, die Männer von der Straße wegschleppen und per Bus an die Front bringen. In beiden Städten wurden Rekrutierungsfahrzeuge zerstört.

Der wachsende Widerstand gegen den Krieg in der Ukraine, in Russland, in Europa und auf der ganzen Welt muss mit dem Programm des internationalen Sozialismus untermauert werden. Das Internationale Komitee der Vierten Internationale und die ihm angeschlossenen Sozialistischen Gleichheitsparteien rufen Arbeiter und junge Menschen überall dazu auf, die Kampagne für Bogdans Freiheit auszuweiten, die als notwendiger und integraler Bestandteil einer Massenbewegung der Arbeiterklasse gegen den imperialistischen Krieg entwickelt werden muss.

Unterzeichnet die Petition unter wsws.org/freebogdan und schickt Briefe, in denen ihr Bogdans Freilassung fordert, an das Bezirksgericht Perwomaisk (inbox@pm.mk.court.gov.ua) und das Berufungsgericht Nikolajew (inbox@mka.court.gov.ua), mit Kopie an freebogdan@wsws.org.

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