Am frühen Sonntagmorgen, den 30. August, haben US-Streitkräfte erstmals seit einem Monat wieder iranisches Gebiet bombardiert und dabei zwei Raketenwerfer auf der iranischen Insel Larak in der Straße von Hormus getroffen. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten am Sonntag, bei den Angriffen seien mehrere Soldaten und Zivilisten getötet oder verwundet worden, und der Sprecher der Revolutionsgarde Hossein Mohebi nannte die Angriffe einen „strategischen und fatalen Fehler“ und kündigte Vergeltungsschläge an.
Der Krieg gegen den Iran, den die USA und Israel am 28. Februar begonnen haben, dauert nun schon ein halbes Jahr. Unter seinen ersten Opfern war auch der Oberste Führer Ali Chamenei. Im März hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, der Krieg wäre in „vier bis fünf Wochen“ beendet.
Die iranische Regierung ist weiterhin an der Macht, und die Straße von Hormus, durch die vor dem Krieg ein Fünftel des weltweiten Erdöls transportiert wurde, ist für die meisten Schiffe noch immer nicht befahrbar. Laut Zahlen des iranischen Gesundheitsministeriums vom 10. Juni wurden mindestens 3.468 Menschen getötet und mehr als 26.500 verwundet. Seither wurden keine neuen Daten veröffentlicht.
Die Trump-Regierung begann den Krieg, um die Kontrolle über diese Engstelle zu erobern und damit die Energieversorgung Chinas, das mehr als 80 Prozent des exportierten iranischen Öls kauft, abzudrosseln. Während der mehr als einmonatigen Pause, die der Angriff am Sonntag beendet hat, verschärfte die US-Regierung ihre Seeblockade der iranischen Häfen und weitete ihren Wirtschaftskrieg aus, der sich hauptsächlich gegen Peking richtet.
Der Krieg hat zu einem sprunghaften Anstieg der Lebensmittel- und Treibstoffpreise geführt. Er hat die Krise der Bezahlbarkeit verschärft, mit der Arbeiter in den USA und auf der ganzen Welt konfrontiert sind. Der Benzinpreis lag in den USA am Freitag mit 4,09 Dollar pro Gallone 88 Cent höher als vor einem Jahr. Die Verbraucherpreise stiegen in den zwölf Monaten bis Juli um 3,4 Prozent, am stärksten die Lebensmittel- und Energiepreise. In den USA lehnt die große Mehrheit der Bevölkerung den Krieg ab: Laut einer Umfrage von CBS, die am Sonntag in Face the Nation zitiert wurde, sind 61 Prozent gegen den Krieg.
Am Mittwoch postete Trump auf Truth Social ein KI-generiertes Bild, das ihn vor einem Hintergrund von Rauch und Kampfflugzeugen zeigt, daneben ein Bild des ermordeten Chamenei mit der Aufschrift „MISSION ACCOMPLISHED 2026“ und ein Foto von George W. Bush mit dem Titel „MISSION NOT ACCOMPLISHED 2001-2021.“
Bush hatte im Mai 2003, sechs Wochen nach Beginn des Irakkrieges, an Bord der USS Abraham Lincoln eine Rede unter einem Transparent mit der Aufschrift „Mission Accomplished“ gehalten. Der gleiche Flugzeugträger hat diesen August den Nahen Osten nach fast neun Monaten Einsatz verlassen.
Der republikanische Senator Ted Cruz bekräftigte am Sonntag in der NBC-Sendung Meet the Press seinen Aufruf zu einem Regimewechsel: „Ich habe Präsident Trump und die Trump-Regierung dazu gedrängt, die Demonstranten, die Bevölkerung des Iran und die Kurden zu bewaffnen und sie dieses Regime entmachten zu lassen.“
Wie The Intercept am Dienstag berichtete, wurden laut Daten des US-Verteidigungsministeriums seit dem 28. Februar achtzehn US-Soldaten getötet und 758 verwundet. Am 4. August veröffentlichte das Magazin eine vollständigere Zählung, laut der mehr als 900 Soldaten getötet oder verwundet wurden.
Am Montag, den 24. August gab Finanzminister Scott Bessent eine Sanktionskampagne gegen den Iran bekannt, die er als „wirtschaftlichen D-Day“ bezeichnete. Er setzte fast 60 Unternehmen, Schiffe und Personen auf die schwarze Liste und kündigte an, noch in derselben Woche Sanktionen gegen ein großes Finanzinstitut zu verhängen. Am Freitag gab das Finanzministerium schließlich bekannt, dass die emiratische Niederlassung der Banque Misr, der zweitgrößten Bank Ägyptens, aus dem Dollar-System ausgeschlossen werde, nannte aber keine chinesische Bank.
Gegenüber Associated Press erklärte Bessent in einem am Sonntag veröffentlichten Interview, diese Woche könnte eine weitere Bank sanktioniert werden: „Wir werden notfalls finanzielle Gewalt anwenden“. Er fügte hinzu, man halte sich gegen China „alle Optionen offen“.
Die Kampagne gleicht der Belagerung eines Landes mit 90 Millionen Einwohnern: Zu einer Seeblockade kommt die Drohung mit wirtschaftlichem Ruin hinzu, die sich gegen jede Bank, jedes Unternehmen und jede Regierung richtet, die Handel mit Teheran betreibt. Die Logik dahinter weist jedoch nach Peking, und um den noch verbliebenen Außenhandel des Irans abzuriegeln, von dem ein Großteil an China geht, müsste Washington einen Finanzkrieg gegen eine Atommacht führen.
Die Demokraten kritisieren Trump, wenn überhaupt, von rechts. Sie werfen ihm vor, den Krieg nicht zu Washingtons Bedingungen beenden zu können.
Seit dem ersten Golfkrieg 1990–1991 führen die Vereinigten Staaten ununterbrochen Krieg. Gestützt auf ein marxistisches Verständnis der Widersprüche des US- und des Weltimperialismus analysiert David North die Militärinterventionen und geopolitischen Krisen der letzten 30 Jahre.
Bei einer Anhörung des Haushaltsausschusses des Senats am 22. Juli erklärte der demokratische Senator Gary Peters (Michigan) an die Adresse von Verteidigungsminister Pete Hegseth, der seinen Antrag auf Finanzmittel für den Krieg in Höhe von 67 Milliarden Dollar verteidigte: „Sie haben keine Strategie. Sie haben keinen langfristigen Plan, diesen Krieg tatsächlich zu gewinnen.“ Peters bezeichnete die Bilanz der Regierung als „völliges und vollständiges Versagen, den Krieg an diesem Punkt zu gewinnen“ und warf Hegseth vor: „Sie, Sir, sind der Versager.“
Das Geld für den anhaltenden Krieg gegen den Iran wurde von beiden Parteien bewilligt. Im letzten Dezember stimmten 115 Demokraten im Repräsentantenhaus, darunter Minderheitsführer Hakeem Jeffries, für den National Defense Authorization Act; Charles Schumer, Richard Durbin und 21 weitere demokratische Senatoren brachten ihn durch den Senat. Im Januar bewilligten 149 Demokraten im Repräsentantenhaus den Militäretat von 839 Milliarden Dollar, und fünf Wochen später begannen die Angriffe auf den Iran.
Die jüngste Abstimmung fand in der ersten Augustwoche statt; darin bewilligte der Senat mit 86 zu 11 Stimmen einen Gesetzesentwurf, der die Sanktionen gegen den Iran verlängert, neue Sanktionen gegen Russland verhängt und Zölle von bis zu 100 Prozent gegen die größten Käufer von russischem Öl und Gas, darunter China und Indien, vorsieht. Die Demokraten unterstützten ihn mit 37 zu 10 Stimmen. Der demokratische Senator Richard Blumenthal (Connecticut), der wichtigste demokratische Unterstützer des Gesetzesentwurfs, wandte sich direkt an den russischen Präsidenten Wladimir Putin: „Ihre Wirtschaft, die ohnehin schon in den Seilen hängt, wird gedrosselt, ja sogar stark geschwächt.“ Schumer erklärte, der Gesetzesentwurf vermittle eine „unmissverständliche Botschaft an Moskau: Amerika wird die Ukraine bis zum Schluss unterstützen.“
Die Wirtschaftsblockade des Iran ist Teil einer ausufernden imperialistischen Kriegsführung, die auch die Eskalation des Krieges gegen Russland umfasst. Am Dienstag war CIA-Direktor John Ratcliffe heimlich nach Moskau gereist – offiziell als erster CIA-Direktor seit Beginn des Ukrainekrieges. CNN berichtete am Donnerstag, Ratcliffe habe Russland „eine Warnung überbracht, keinen Angriff auf Nato-Territorium durchzuführen“. Dies verdeutlicht, dass selbst Washington einen offenen Krieg zwischen der Nato und Russland als akute Gefahr betrachtet.
Der Kontext von Ratcliffes Besuch war eine Reihe von provokanten Aktionen der Nato-Mächte. Am 24. August hatte der britische Premierminister Andy Burnham der Ukraine bei einem Besuch in Kiew geheime Designdaten für die britischen Teile der Storm Shadow-Marschflugkörper überreicht, damit die Ukraine und Frankreich sie produzieren können. Die Europäische Kommission bewilligte weitere 6,1 Milliarden Euro für Raketen und Luftabwehr. Ukrainische Drohnen haben Raffinerien hunderte von Kilometern im Inneren Russland angegriffen, wobei sie laut einem Bericht der Financial Times vom Juli Zieldaten der amerikanischen und französischen Geheimdienste nutzen.
Israel setzte seine Angriffe auf die Palästinenser während der letzten Woche fort. Bei israelischen Angriffen im Gazastreifen wurden am 24. August mindestens sieben Menschen getötet, darunter ein vierjähriger Junge in Bureij, daneben wurden laut Al Jazeera eine Moschee, eine Entsalzungsanlage und ein Lagerhaus für Hilfsgüter getroffen. Das Gesundheitsministerium von Gaza bezifferte die Zahl der Toten bis zum 24. August auf 73.422, darunter 1.288 Tote seit Inkrafttreten des Waffenstillstandes am 10. Oktober. Am Freitag wurden bei einem israelischen Angriff auf Dschenin im besetzten Westjordanland drei Palästinenser getötet, am Sonntag attackierten Dutzende von Siedlern das Dorf Qusrah.
Am Samstag überfielen maskierte israelische Siedler in Jalud, einem Dorf im Westjordanland bei Nablus, ein Team von NBC News, verprügelten den Korrespondenten Matt Bradley, seinen Kameramann Khaldoon Eid und den Produzenten Lahawez Jabari mit Stöcken. Ebenfalls verletzt wurde die Palästinenserin Aida Ahmed Abdullah, die das Team interviewt hatte, nachdem sie aus ihrem Haus vertrieben worden war. Bradley erklärte: „Sie sprangen aus dem Auto, schlugen auf uns ein und verschwanden dann wieder im Auto.“ Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu machte „eine Handvoll Randalierer“ für den Angriff verantwortlich.
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