Der Fotograf, Filmemacher und Übersetzer Eugene Ulman fordert Bogdan Syrotjuks sofortige Freilassung

Eugene Ulman [Photo by eugeneulman.art]

Die Kampagne der World Socialist Web Site für Bogdan Syrotjuks sofortige Freilassung und die Einstellung aller Verfahren gegen den 27-jährigen Sozialisten und Antikriegsaktivisten gewinnt auf der ganzen Welt große Unterstützung.

Syrotjuk, ein sozialistischer Gegner des Selenskyj- und des Putin-Regimes, wurde im April 2024 unter dem fingierten Vorwurf des Hochverrats vom Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) verhaftet und am 10. August dieses Jahres zu 15 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht ordnete auch die Beschlagnahme seines Eigentums und die Zerstörung der Bücher und Schriften seiner Organisation, der Jungen Garde der Bolschewiki-Leninisten, an.

Arbeiter, Jugendliche, Künstler, Intellektuelle und andere Verteidiger demokratischer Rechte auf der ganzen Welt haben die Petition für Bogdan Syrotjuks Freilassung unterzeichnet oder Protestschreiben an das Bezirksgericht von Perwomajsk geschickt, welches das Urteil gefällt hat. Diese Kampagne braucht dringend eure Unterstützung.

Die folgende Stellungnahme erhielt die australische Socialist Equality Party von Eugene Ulman, einem in Südafrika ansässigen Autor, Fotografen, Dokumentarfilmer und Übersetzer.

Ulman wurde in der ehemaligen Sowjetunion geboren und wuchs in Australien auf, wo er Film und Medien an der Universität von New South Wales in Sydney studierte. Später setzte er sein Studium an der University of California in Los Angeles fort.

Im Dezember 1989 arbeitete Ulman als Dolmetscher und Übersetzer für Russisch bei der australischen Special Investigations Unit (SIU). Er gehörte zu einer fünfköpfigen Delegation, die nach Moskau und Rowno (Ukraine) reiste, um Beweise für die Strafverfolgung mutmaßlicher NS-Kriegsverbrecher zu sammeln, die seinerzeit in Australien lebten.

Im Jahr 1998 nahm Ulman an der internationalen Sommerschule der Socialist Equality Party in Sydney teil und arbeitete dort als Übersetzer für den russischen Historiker Wadim Rogowin.

Als Filmemacher war Ulman u.a. für die BBC, Al Jazeera und SBS tätig. Seine Arbeiten wurden im Sydney Morning Herald, Contemporary Art Tasmani, im Tablet Magazine, dem Sufi Journal sowie bei BBC Online veröffentlicht. Seine Fotoarbeiten erschienen in zahlreichen Magazinen und wurden 2020 in Simbabwe auf der ArtHarare sowie bei Right Turn Left ausgestellt, einer aktuellen gemeinsamen Ausstellung mit Rodney Badza. Derzeit dreht er seinen ersten Dokumentarfilm in Spielfilmlänge: „Positive Anomaly: Making History Johannesburg“.

* * *

Der tragische und sinnlose Krieg zwischen Russland und der Ukraine zieht sich immer mehr und scheinbar endlos in die Länge und zerstört das Leben von Millionen Menschen. In dieser Situation müssen wir die Verfolgung des 27-jährigen Journalisten Bogdan Syrotjuk auf das Schärfste verurteilen. Er wurde am 10. August 2026 von einem ukrainischen Gericht wegen Hochverrats zu 15 Jahren Haft verurteilt – hauptsächlich aufgrund von sechs von ihm verfassten Artikeln, in denen er zur Solidarität zwischen ukrainischen und russischen Arbeitern und Jugendlichen gegen den Krieg aufrief.

In seinen Artikeln findet sich nicht ein Wort, das das russische Regime, Putin oder den russischen Einmarsch in die Ukraine unterstützen würde. Tatsächlich wurden gegen ihn nicht einmal Anschuldigungen wegen Spionage, Sabotage oder Zusammenarbeit mit dem russischen Militär erhoben.

Als Sozialist hat Syrotjuk jede Art von nationalistischer Position konsequent abgelehnt. Viele haben argumentiert, Kritik an oder Opposition gegen die ukrainische Regierung sollte für die Dauer des Kriegs ausgesetzt werden, da die Ukraine Opfer einer Invasion sei. Doch wer Freiheit und Menschenrechte wirklich wertschätzt, muss diese Position als unlogisch erkennen.

Natürlich sollte es niemanden überraschen, dass ein Land im Krieg Treue und Loyalität seiner Bürger einfordert. Doch unabhängig davon, wie viel Sympathie wir für das Leid der ukrainischen Bevölkerung haben, dürfen wir Verletzungen des Rechts auf Meinungs- und Pressefreiheit nicht ignorieren, entschuldigen oder herunterspielen.

Unabhängig davon, was man von Syrotjuks politischen Ansichten hält: Jemanden für die Äußerung politischer Ansichten für 15 Jahre zu inhaftieren, ist mit jeder ernstzunehmenden Vorstellung demokratischer Rechte grundsätzlich unvereinbar.

Dieser Fall muss jeden, der von sich behauptet, den Autoritarismus abzulehnen und die Freiheit zu verteidigen, direkt angehen.

Opposition gegen eine Regierung, Kritik an ihren historischen Narrativen und das Eintreten für eine alternative politische Position werden nicht einfach deshalb zum „Hochverrat“, weil sich ein Land im Krieg befindet. Die ukrainische Regierung kann sich nicht glaubhaft auf die Demokratie als Rechtfertigung für ihren Kampf gegen Russland berufen, wenn sie gleichzeitig ein solches Urteil gegen einen jungen Journalisten verhängt, der nur seine Arbeit macht.

Syrotjuks Schriften mögen bei manchen Unbehagen hervorrufen, aber genau das ist der Punkt. Rechte sind manchmal unbequem, und das ist umso mehr ein Grund, sie zu verteidigen. Wenn Opposition gegen die Regierung, Widerstand gegen den Krieg und Solidarität mit Mitmenschen auf der anderen Seite einer Landesgrenze zu Hochverrat umgedeutet werden können, dann wird die Bedeutung von demokratischer Freiheit tatsächlich stark eingeengt.

Wenn die ukrainische Regierung will, dass wir glauben, sie lege überhaupt Wert auf demokratische Prinzipien, dann ist dies eine perfekte Gelegenheit für sie, das zu demonstrieren. Das grotesk unverhältnismäßige Urteil sollte aufgehoben werden, und wir müssen Syrotjuks sofortige und bedingungslose Freilassung fordern.

* * *

Die World Socialist Web Site ruft ihre Leser auf: Unterschreibt die Petition für Bogdans Freilassung. Schreibt an das Bezirksgericht von Perwomajsk unter inbox@pm.mk.court.gov.ua und an das Berufungsgericht von Nikolajew unter inbox.mka.court.gov.ua, mit Kopie an freebogdan@wsws.org, und fordert die Aufhebung des Urteils und Bogdans sofortige Freilassung.

Loading