Vier Tote bei US-Luftangriff auf Hochzeit im Iran und die Krise im US-Militär

Am Dienstag griff das US-Militär ein Haus in Kuhestak im Bezirk Sirik an der Südküste des Iran an, in dem gerade eine Hochzeit stattfand. Die iranischen Behörden erklärten am Mittwoch, bei dem Angriff seien mindestens vier Menschen getötet worden, darunter ein vierjähriges Kind. Dutzende weitere seien verletzt worden. Der iranische Rote Halbmond forderte eine Untersuchung durch den Internationalen Strafgerichtshof.

Das Büro des Gouverneurs der Provinz Hormosgan erklärte am Mittwoch bei den Toten handele es sich um Amir Ali Karimi (4), Mohammad Malahi (16) sowie Kolsoum Malahi und Zarkhatoun Taheri (beide 43). Press TV berichtete am gleichen Tag unter Berufung auf die iranischen Gesundheitsbehörden, dass 68 Hochzeitsgäste verletzt worden seien. Der Angriff war einer von Dutzenden, die das US-Militär nach eigenen Angaben am Dienstag entlang der Küste zwischen Chabahar und Bandar Abbas durchgeführt hat.

Al Jazeera zeigte am Mittwoch eine Stellungnahme des Sprechers des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, der erklärte: „Die Wahrheit über diesen rechtswidrigen Angriffskrieg – und das wahre Gesicht dieses Kriegsverbrechens – zeigt sich in Sirik, wo Amerika in dem verzweifelten Versuch, sein Versagen zu verbergen, eine Hochzeitsfeier brutal bombardiert hat.“

UN-Generalsektretär António Guterres ließ am Mittwoch durch seinen Sprecher ausrichten, er sei „zutiefst besorgt über Berichte über zivile Opfer, u. a. bei einen Angriff auf eine Hochzeitsfeier im Iran“ und forderte eine „sofortige Einstellung der Kampfhandlungen“.

Irans staatliche Nachrichtenagentur berichtete am Mittwoch, dass bei US-Raketenangriffen in der Provinz Chusistan am Dienstagabend sieben Menschen getötet worden seien. Laut eines Berichts der New York Times vom gleichen Tag seien zudem vier Mitglieder der Luft- und Raumfahrtstreitkräfte der Revolutionsgarde in Kermanshah getötet worden. Der Iran feuerte Raketen auf Jordanien und Drohnen auf Militärbasen in Kuwait und Bahrain ab. Die New York Times verwies auf einen Vertreter der US-Regierung, laut dem alle dort stationierten US-Soldaten am Leben seien.

US-Präsident Trump erklärte am Montag auf die Frage der NewsNation-Korrespondentin im Weißen Haus, Libbey Dean, ob er den Einsatz von Atomwaffen gegen den Iran ausschließe: „Ich würde das nie sagen, aber, ja, es gibt keinen Grund dafür... Also jetzt besiege ich sie, und jetzt sollte ich eine Atomwaffe gegen sie einsetzen?“ Sein Einwand war also lediglich, dass ein Angriff mit Atomwaffen unnötig sei, nicht jedoch dass er ein Verbrechen wäre.

Der Investigativjournalist Seymour Hersh berichtete am 10. Juni über ein „Geheimtreffen im Weißen Haus“, bei dem Trump, „wenn auch vage, eine nukleare Option in Erwägung zog, die den Krieg vielleicht schneller beenden könnte.“

Am Dienstag drohte Trump, dass ein noch größerer Angriff auf den Iran bevorstehe, nach dem „nur wenig von der Islamischen Republik Iran übrig sein wird.“ Was das bedeuten soll – abgesehen vom Einsatz von Atomwaffen – ließ er offen.

Seit die USA und Israel den Krieg am 28. Februar mit der Ermordung des iranischen Obersten Führers Ali Chamenei begannen, wurden im Iran laut einer Hochrechnung von Al Jazeera vom 28. August 3.527 Menschen getötet. Laut Zahlen des Pentagon wurden 18 US-Soldaten getötet und 758 verwundet.

Obwohl das US-Militär mit gewissen Unterbrechungen seit sechs Monaten Luft- und Raketenangriffe gegen den Iran durchgeführt hat, ist es ihm weder gelungen, die iranische Regierung zu Fall bringen, noch die angeblichen Kriegsziele der Trump-Regierung zu erfüllen, etwa die Zerstörung nuklearer Fähigkeiten des Iran sowie seiner Raketen und die Wiederöffnung der Straße von Hormus. Dieses Versagen hat eine rasch eskalierende Krise innerhalb des US-Militärs ausgelöst.

Am Montag trat Army Secretary Dan Driscoll zurück. Dabei handelte es sich um den Höhepunkt eines längeren politischen Konflikts mit Kriegsminister Pete Hegseth, der den Generalstabschef der Army, Randy George, am 2. April entlassen hatte. Diese Woche hatte Hegseth die Beförderung von sieben Army-Offizieren in den Rang des Generalmajors blockiert und sich damit einer Entscheidung der obersten Führung der US Army entgegengestellt. Die New York Times berichtete am Dienstag, Hegseth habe seit seiner Amtsübernahme mehr als 80 Generäle und Admiräle entweder entlassen oder deren Beförderungen abgeblockt.

Im Vorfeld von Driscolls Rücktritt hatte die Washington Post am Sonntag berichtet, dass der Oberbefehlshaber der Navy, Admiral Daryl Caudle, sowie die Kommandeure der US-Truppen in Europa, dem asiatischen Pazifik und Lateinamerika, am 14. August in geheimen Einsatzbefehlen formell dagegen protestiert hätten, Schiffe und Truppen noch bis nächstes Jahr im Irankrieg im Einsatz zu halten. Die Post schrieb, laut Caudles Einschätzung sei nur etwa einer von vier Zerstörern einsatzbereit. Bereits die Tatsache, dass eine solche geheime Einschätzung an die Presse geraten konnte, verdeutlicht die Intensität der Konflikte innerhalb des Pentagons.

Die Times schilderte am Dienstag das Ausmaß der Versorgungs- und Logistikkrise der US Navy. Die Zeitung berichtete, iranische Raketen könnten jeden Hafen im Nahen Osten erreichen, dessen Hafenbecken für einen Flugzeugträger tief genug seien. Am ersten Tag des Krieges zerstörte der Iran die Logistikbasis der Navy in Bahrain, die anderen Tiefwasserhäfen der Region seien mittlerweile von iranischen Raketen und Drohnen bedroht und „nicht zugänglich“. Versorgungsschiffe müssen daher über 3.500 Kilometer nach Diego Garcia oder fast 6.000 Kilometer nach Singapur fahren.

Etwa zwanzig Schiffe mit knapp 20.000 Marines und Seeleuten befinden sich noch immer vor der Küste des Iran. Ein Datum für ihre Rückkehr sei laut der Times nicht bekannt, was diese als „nicht tragbar“ bezeichnete.

Der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln erreichte am Mittwoch Laem Chabang in Thailand. Dies war der erste Stopp in einem Hafen seit November, nach 265 Tagen im Arabischen Meer. Familien berichteten von dem Versuch eines Matrosen, über Bord zu springen, von selbstmordgefährdeten Besatzungsmitgliedern, einem Mangel an Nahrungsmitteln und nicht funktionierenden Toiletten. Mit Blick auf Trumps Äußerung vom August, dass der Einsatz „nicht ansatzweise lange genug“, erklärte der Kapitän des Schiffs, Dan Keeler: „Der Präsident spricht für sich selbst. Das denke ich darüber.“

Flugdeck des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln am 28. Februar 2026 [AP Photo/U.S. Navy]

ABC News berichtete am Dienstag, Driscoll habe die Stabschefin des Weißen Hauses, Susie Wiles, wiederholt wegen Hegseths „umfangreicher und scheinbar wahlloser Entlassung hoher Offiziere“ gewarnt.

Senator Jack Reed, der ranghöchste Politiker der Demokraten im Streitkräfteausschuss, erklärte am Montag, durch Driscolls Ausscheiden sie die Army „ihrer obersten zivilen und uniformierten Führungskräfte beraubt. Die Führung der Teilstreitkraft wurde von Minister Hegseth ausgehöhlt.“ Reed forderte kein Ende des Krieges, sondern kritisierte nur, dass die Säuberung das Militär geschwächt habe.

Das US-Militär hat, laut einem Bericht von CNN vom 4. August, in dem Krieg fast vier Fünftel seiner THAAD-Abfangraketen verbraucht, und laut einer Schätzung des Center for Strategic and International Studies, auf die Defense News am 3. August verwies, außerdem zwei Drittel seiner Patriot-Abfangraketen.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gingen schwere Krisen im US-Militär oft mit der Absetzung seiner obersten Führung einher. Im November 1967, fast drei Jahre nach Beginn des Vietnamkriegs, trat Verteidigungsminister Robert McNamara zurück. Im November 2006 trat Donald Rumsfeld als Verteidigungsminister zurück, fast vier Jahre nach Beginn des Irakkriegs. In den sechs Monaten seit Beginn des Kriegs gegen den Iran ist der Army Secretary zurückgetreten, vier hohe Befehlshaber haben formell Protest eingereicht, und Hegseth führt eine Säuberung des Offizierskorps durch.

Am Dienstag verabschiedete das Repräsentantenhaus mit 370 zu 48 Stimmen ein provisorisches Ausgabengesetz, das die Regierung bis zum 11. Dezember mit Finanzmitteln versorgt, einschließlich des Verteidigungsministeriums, das bis dahin entsprechend seines Jahreshaushalts von 839 Milliarden Dollar finanziert wird. Der Gesetzesentwurf beinhaltet nicht den Nachtragshaushalt von 87,6 Milliarden Dollar, davon 67 Milliarden für das Pentagon, den die Regierung im Juni beantragt hatte.

Die 176 Demokraten, die für den Entwurf gestimmt haben, haben faktisch für die Finanzierung des Krieges gestimmt, wie sie es bereits vor dessen Beginn getan hatten. Am 22. Januar stimmten 149 Demokraten im Repräsentantenhaus für den Militäretat von 839 Milliarden Dollar. Am 2. Februar, 26 Tage vor Beginn des Angriffs auf den Iran, gaben 21 Demokraten im Repräsentantenhaus die nötigen Stimmen ab, um die Regierung liquide zu halten.

Die Demokraten unterstützten die Ermordung der iranischen Führung durch die Trump-Regierung zu Beginn des Krieges und haben deren Kriegsführung lediglich in taktischen Fragen kritisiert. Diese Kritik beläuft sich im Wesentlichen darauf, dass die Regierung die Interessen des US-Imperialismus im Nahen Osten nicht erfolgreich durchsetzen konnte. Alle Fraktionen des politischen Establishments der USA unterstützen das Ziel, den Iran der Herrschaft der USA zu unterwerfen.

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