Christa Pike nach gescheiterter Hinrichtung in kritischem Zustand in einem Krankenhaus in Nashville

Medienzeugen schildern die Momente, bevor die Hinrichtung von Christa Pike am Mittwoch, dem 30. September, in Nashville (Tennessee) abgebrochen wurde [AP Photo/George Walker IV]

Christa Gail Pike befindet sich nach dem grauenhaften, gescheiterten Hinrichtungsversuch durch den Bundesstaat Tennessee am 30. September weiterhin in kritischem Zustand in einem Krankenhaus in Nashville, wo sie lebensrettende medizinische Versorgung erhält. Laut einem Dringlichkeitsantrag, den ihre Anwälte am 2. Oktober am Chancery Court von Davidson County eingereicht haben, ist Pike bewusstlos, intubiert und an ein Beatmungsgerät angeschlossen, beide Arme sind zudem geschwollen und mit Verätzungen und Brandblasen übersät. Weiter heißt es: „Das Klinikpersonal ist dabei, Miss Pikes Leben zu retten und das Pentobarbital aus ihrem Körper zu entfernen.“

Die 50-jährige Pike wurde 1996 schuldig gesprochen, im Januar 1995 die 19-jährige Colleen Slemmer, eine Mitschülerin am Job Corps von Knoxville, ermordet zu haben. Sie und ihr 17-jähriger Freund Tadaryl Shipp hatten Slemmer in einen Park gelockt und dort gefoltert und totgeschlagen. Pike war damals 18 Jahre alt. Schipp erhielt eine lebenslange Freiheitsstrafe, da er zu jung für die Todesstrafe war. Pike verbrachte 30 Jahre im Gefängnis, mehr als ein Vierteljahrhundert davon praktisch in Einzelhaft, da sie die einzige Frau im Todestrakt von Tennessee war.

Pikes Fall hat internationale Aufmerksamkeit erregt, weil sie als Kind unter schrecklichem Missbrauch zu leiden hatte. Der Freund ihrer Großmutter hatte sie zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr sexuell missbraucht, mit elf Jahren wurde sie von einem 37-jährigen Nachbarn vergewaltigt und später, mit 17 Jahren, erneut von einem Unbekannten. Erst nach ihrer Verurteilung zum Tode wurden bei ihr eine bipolare Störung und eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) diagnostiziert. Den Geschworenen war keiner dieser Fakten vorgelegt worden. Pike war zur Gewalttäterin geworden, nachdem sie jahrelang Brutalität am eignen Leib erfahren hatte, und schließlich wurde sie ein Opfer des Staats.

Der republikanische Gouverneur Bill Lee bezeichnete die gescheiterte Hinrichtung als „zutiefst verstörend“ und als „Tragödie“. Er ordnete eine externe Überprüfung an und setzte die letzte für dieses Jahr in Tennessee geplante Hinrichtung von Gary Wayne Sutton aus, die am 3. Dezember stattfinden sollte. Doch noch zwei Tage vor der Hinrichtung hatte er Pikes Gnadengesuch verweigert und am Donnerstag betont: „Die Bevölkerung von Tennessee hat entschieden, dass die Todesstrafe die angemessene Strafe für die schrecklichsten Verbrechen in diesem Bundesstaat ist.“ Auf die Forderungen von Pikes Anwälten, die Strafe herabzusetzen, reagierte er nicht.

Die Verantwortung dafür, was in der Hinrichtungskammer geschehen ist, liegt beim Obersten Gerichtshof der USA, der an der Spitze eines Justizsystems steht, das Pike im Stich gelassen hat. Noch am 29. September verweigerten die Richter einstimmig Pikes Antrag auf Vollstreckungsaufschub.

Am nächsten Morgen ordnete das Berufungsgericht des sechsten Gerichtsbezirks zunächst an, die Hinrichtung auszusetzen, um eine bestimmte Frage zu klären: Nachdem jahrelang behauptet worden war, Pike habe über ihre Misshandlungen gelogen, gab der Bundesstaat im August zu, dass er „nicht abstreitet, dass sie Schreckliches erlitten“ habe. Doch nur wenige Stunden später erklärte die rechte Mehrheit des Obersten Gerichtshofs den Aufschub mit 6 zu 3 Stimmen für ungültig. Tennessee konnte die Hinrichtung vollziehen, noch ehe der Hinrichtungsbefehl um Mitternacht ausgelaufen wäre.

Einige Monate zuvor hatten Pikes Anwälte gewarnt, dass eine Blutkrankheit, Thrombozytose, sowie ihre kleinen, brüchigen Venen den intravenösen Zugang erschweren und die Hinrichtung in eine Folter verwandeln könnten. Ein vom Gericht bestellter Gutachter wies diese Bedenken zurück. Im Antrag vom Freitag hieß es: „Ihre Bedenken wurden als ,Spekulation‘ bezeichnet, lächerlich gemacht und zurückgewiesen.“

Darauf folgte eine schreckliche Prozedur: der intravenöse Zugang versagte, es kam zu chemischen Verätzungen und schweren medizinischen Komplikationen. Das Hinrichtungsteam mühte sich eine Stunde lang ab, um überhaupt zwei intravenöse Zugänge zu legen. Anwalt Randy Spivey schilderte: „Alleine in ihrem linken Arm wurden sieben Nadeln verwendet. Eine wirkte beim Herausziehen verbogen.“ Nach der ersten Dosis Pentobarbital teilte Pike ihrem geistlichen Beistand mit, ihr Arm fühle sich an, als wäre er kurz vor dem Aufplatzen, und fragte die herumstehenden Beamten, ob sich das so anfühlen solle. Sie bat sie: „Bitte versuchen Sie es weiter oben an der Schulter.“ Es wurde eine zweite Dosis verabreicht. Laut Spivey verfärbte sich ihr rechter Arm lila, und es entstanden Brandblasen.

Der Antrag macht geltend, dass zumindest Teile des tödlichen Medikaments nie in ihren Blutkreislauf kamen. „Offenbar hat kein Mitglied des Hinrichtungsteams zu irgendeinem Zeitpunkt gemerkt, dass die intravenösen Zugänge nicht korrekt gelegt waren oder dass die Venen geplatzt und das Pentobarbital gänzlich oder teilweise in Miss Pikes Körper eindrang. Statt dieses Versagen zu korrigieren, entschied sich der TDOC dafür, Ersatzspritzen vorzubereiten (...) und verabreichte daraufhin eine weitere tödliche Dosis Pentobarbital.“ Der Antrag bekräftigt die Absicht, alle Beweise im Zusammenhang mit der Hinrichtung aufzubewahren, und bezeichnet das Vorgehen des Bundesstaats als „rücksichtslos“ und „inkompetent“.

Ein Großteil der Ereignisse fand hinter einem verschlossenen Vorhang statt. Medienzeugen hörten, wie Pike bis 20:53 Uhr schnarchte, danach wurden die Mikrofone abgestellt und die Zeugen hinausgeschickt. Um etwa 21:15 Uhr, als die Medienzeugen draußen gerade mit Reportern sprachen, trafen ein Krankenwagen und ein Feuerwehrfahrzeug mit eingeschaltetem Blaulicht in der Riverbend Maximum Security Institution ein. Pikes Anwälte erklärten, sie hätten sie seither nicht mehr gesehen.

Gouverneur Bill Lee hat mehrere Gegenkandidaten, die möglicherweise seine Nachfolge antreten könnten. Sie haben mit Opportunismus oder offener Brutalität reagiert. Die republikanische Senatorin Marsha Blackburn, die als Favoritin bei der Zwischenwahl am 3. November gilt, forderte den Bundesstaat auf, „den elektrischen Stuhl wieder einzuführen“. Die Demokratin Jerri Green, eine Pflichtverteidigerin, bezeichnete die Todesstrafe als „unmenschlich, teuer und voreingenommen“ und kündigte ein Moratorium an. Am Freitag forderte Green den Rücktritt des Leiters der Strafvollzugsbehörde, Frank Strada. Auch Blackburns und zwei unabhängige Kandidaten erklärten, sie würden ihn nicht im Amt belassen. Damit stellen sie die Angelegenheit als Personalfrage und nicht als Frage staatlicher Tötung dar.

Die gescheiterte Hinrichtung hat die Debatte über die Todesstrafe neu entfacht. Robin Maher, die geschäftsführende Direktorin des Death Penalty Information Center (DPIC), erklärte: „Dieser gescheiterte Hinrichtungsversuch ist der schlimmste, den wir je erlebt haben, und unterscheidet sich von allen anderen missglückten Hinrichtungen der Neuzeit.“ Amnesty International USA nannte ihn eine „extreme Zurschaustellung von Grausamkeit und die jüngste Mahnung, dass die Todesstrafe die ultimative grausame, unmenschliche und erniedrigende Strafe ist“.

Pikes Anwälte, Amnesty und das DPIC forderten Lee auf, Pikes Todesstrafe in lebenslange Haft umzuwandeln. Spivey erklärte, Pike habe „eine schwerere Strafe erlitten als irgendeine andere Person in der Geschichte der amerikanischen Todesstrafe“. Pikes Anwälte erklären, dass sie abwarten wollten, ob ihre Mandantin sich weit genug erhole, sodass man sie nach ihren eigenen Wünschen für das weitere Vorgehen fragen könne.

Landesweit sitzen in den USA noch immer mehr als 2.000 Menschen in Todestrakten. Letztes Jahr wurden 47 Menschen hingerichtet, so viele wie zuletzt im Jahr 2009. Im Jahr 2026 wurden bisher 29 Hinrichtungen durchgeführt, mehr als die Hälfte davon in Florida (16), gefolgt von Texas (6), Oklahoma (3), Alabama (2), Arizona und Tennessee (jeweils eine).

Die Folterung von Christa Pike verdeutlicht den Charakter der Todesstrafe in Amerika als rachsüchtiges Instrument der Klassenherrschaft, mit dem die herrschende Klasse die Bevölkerung terrorisiert. Der Rückhalt in der Bevölkerung für die Todesstrafe liegt mittlerweile auf dem niedrigsten Stand seit einem halben Jahrhundert: Laut einer Gallup-Umfrage von 2025 befürworten sie 52 Prozent der Befragten. Das politische Establishment, Republikaner wie Demokraten, reagiert jedoch nicht auf diese Stimmung, sondern setzt sich darüber hinweg und debattiert lediglich über die „wirkungsvollste“ Tötungsart.

Der Kampf für die Abschaffung der Todesstrafe darf nicht den Gouverneuren, den Gerichten oder den Parteien des Großkapitals überlassen werden. Er ist Teil des Kampfs der Arbeiterklasse gegen das kapitalistische System, das Armut, Misshandlung und Gewalt hervorbringt und darauf mit dem Henker antwortet.

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