Alan Thornett starb am 9. Oktober 2026 im Alter von 89 Jahren. Er beendete seine Tage als Anführer der „Anti-Capitalist Resistance“, der britischen Sektion des pablistischen Vereinigten Sekretariats der Vierten Internationale, und als erbitterter Gegner des Trotzkismus.
In den 1960er und frühen 1970er Jahren war Thornett jedoch in der Automobilindustrie ein bekannter Aktivist, und er wurde von der stalinistischen Kommunistischen Partei Großbritanniens für die Socialist Labour League (SLL) gewonnen, damals die britische Sektion des Internationalen Komitees der Vierten Internationale (IKVI).
Unter Leitung der SLL und ihres Führers Gerry Healy leistete Thornett historisch wichtige Arbeit im British-Leyland-Werk in Cowley (Oxfordshire), deren Schwerpunkt der prinzipielle Kampf war, die einfachen Arbeiter gegen die Gewerkschaftsbürokratie der Transport and General Workers Union (TGWU) zu mobilisieren.
Thornetts spätere Trennung von der Nachfolgeorganisation der SLL, der Workers Revolutionary Party (WRP), kann nicht ohne den Kontext der Geschichte der britischen IKVI-Sektion und der Auswirkungen ihrer politischen Anpassung an die Labour Party und die Gewerkschaftsbürokratie in den frühen 1970er Jahren verstanden werden, die auf eine überstürzte und politisch ungeklärte Spaltung von der Organisation Communiste Internationaliste (OCI), der damaligen französischen Sektion, folgten.
Eine objektive Darstellung von Thornetts Jahren in der SLL ist wichtig, denn sie umfassen die bedeutendste Intervention der Partei unter einer wichtigen Arbeiterschicht an einem kritischen Wendepunkt im Kampf der britischen Arbeiterklasse. Daraus sind wichtige Lehren für die Gegenwart zu ziehen: wie in der Arbeiterklasse eine revolutionäre Führung aufgebaut wird, welchem politischen Druck die revolutionäre Partei ausgesetzt ist, und was für einen hohen Preis es kostet, wenn man es versäumt, diesen Druck zu bekämpfen.
Thornett nahm im Jahr 1959 die Arbeit im Werk Morris Motors auf, neun Jahre bevor es zu British Leyland wurde. Kurz darauf trat er der Kommunistischen Partei Großbritanniens (CPGB) bei.
Sein Bruch mit der CPGB Mitte der 1960er Jahre und sein Beitritt zur SLL im Jahr 1966, zusammen mit anderen Vertrauensleuten aus Cowley, waren ein wichtiger Gewinn für die trotzkistische Bewegung, ein Ergebnis ihres konsequenten Kampfs gegen den Stalinismus und ein Maß für die wachsende politische Autorität der SLL.
Thornett gehörte zu einer bedeutenden Schicht militanter Arbeiter, die die SLL durch ihren kompromisslosen Kampf gegen die Labour- und Gewerkschaftsbürokratie für sich gewinnen konnte. Die SLL verstand, dass der Aufbau der revolutionären Partei die Hinwendung zu einer wichtigen linken Strömung innerhalb der Labour Party und der Gewerkschaften erforderte, denn diese genossen zu jener Zeit die Loyalität von Millionen von Arbeitern, von denen viele diese Organisationen für sozialistisch hielten.
Die Aufgabe der SLL bestand darin, das pseudosozialistische Gehabe der damaligen Labour- und Gewerkschaftsführer, insbesondere ihrer linken Vertreter, systematisch zu entlarven und die politisch fortschrittlichsten Arbeiter ihrem Einfluss zu entziehen.
Unter der Anleitung wöchentlicher Treffen mit Healy führten Thornett und die Gewerkschaftsmitglieder der SLL einen entschlossenen Kampf gegen den Lohnstopp der Labour-Regierung unter Wilson im Jahr 1966, wie in Healys Broschüre The Alternative to Wilson (1967) dargelegt, und sie forderten: „Zwingt die linken Abgeordneten zu kämpfen!“
Thornett wurde Vorsitzender der Ortsgruppe 5/55 der Transport and General Workers’ Union sowie des Joint Shop Stewards’ Committee (Vertrauensleuteausschuss) von Cowley. Er stand an der Spitze zahlreicher Kämpfe im British-Leyland-Werk. Er wurde zum Sekretär des SLL-Gewerkschaftsflügels All Trades Unions Alliance (ATUA) gewählt und leitete die Westregion der WRP, welche Oxford, Reading und Swindon umfasste.
Auch nachdem er sich von der WRP getrennt hatte, sprach Thornett noch mit Hochachtung vom Trotzkismus: „Trotzkist zu sein, bedeutete damals aufgrund ihrer Größe und ihres Einflusses meist, SLL-Mitglied zu sein …“, räumte er ein. Ihm zufolge lieferte der Trotzkismus „eine Analyse nicht nur des Kapitalismus, sondern auch der Gewerkschaftsführer, ihrer Rolle in der Gesellschaft und ihrer Beziehung zu den Arbeitgebern“.
Dieser Einfluss zeigte sich in der Fähigkeit der ATUA, die militantesten Arbeiter in der Automobilindustrie, in den Häfen und im Baugewerbe für sich zu gewinnen. Die Gewerkschaftsarbeit der Partei führte 1972 zu einer Kundgebung mit 4.000 Teilnehmern in Manchester und 1973 zu einer Versammlung mit 10.000 Teilnehmern im Empire Pool in Wembley. Dies hatte zur Folge, dass Thornett 1974 zur Zielscheibe von Schikanen wurde, was die WRP aufgriff und energisch bekämpfte.
Hintergrund für Thornetts Spaltung war das Versäumnis der SLL, konsequent gegen die zentristische Abkehr der OCI vom Trotzkismus zu kämpfen. Diese Abkehr gipfelte im Jahr 1966 in der Behauptung der OCI, die Vierte Internationale sei durch den pablistischen Liquidationismus zerstört worden und müsse „wiederaufgebaut“ werden. Das lieferte den politischen Mechanismus für die Anpassung der Partei an zentristische und stalinistische Tendenzen in Frankreich zu einer Zeit, als ihre Mitgliederzahl im Zuge des Generalstreiks von Mai-Juni 1968 rasch anstieg.
Die SLL erklärte am 24. November 1971 öffentlich den Bruch mit der OCI, noch ehe versucht worden war, die Kader der französischen Sektion oder die internationale Bewegung über die Auswirkungen der zentristischen Position der OCI-Führung aufzuklären. Dies spiegelte die eigene Anpassung der britischen Sektion an denselben Druck wider, die sich in ihrer Kampagne gegen die Heath-Regierung äußerte.
Als nämlich die SLL im Jahr 1973, auf dem Höhepunkt der Massenbewegung der Arbeiterklasse gegen die Tories (die Konservativen), die Workers Revolutionary Party (WRP) gründete, geschah dies mit dem erklärten Ziel, die Heath-Regierung zu stürzen und durch eine Labour-Regierung zu ersetzen. Dies wurde im Wesentlichen als wahlpolitisches Programm von „Grundrechten“ (Arbeitsplätze, Lebensstandard, Wohnraum, ein nicht näher bezeichneter „Systemwechsel“) präsentiert, wobei der trotzkistische Charakter der Partei und die internationale Perspektive des IKVI nur am Rande erwähnt wurden.
Die WRP ging davon aus, dass die Rückkehr einer Labour-Regierung im Jahr 1974 die Arbeiter rasch in einen Konflikt mit dieser Regierung treiben würde. Doch zumindest anfänglich verstärkten sich noch die Illusionen in die Labour Party – zumal die Regierung den Arbeitern zunächst erhebliche Zugeständnisse machte.
Um solchen Illusionen entgegenzuwirken, betonte die WRP erneut ihre trotzkistische Identität und verschärfte ihre Opposition gegen die Labour- und Gewerkschaftsbürokratie. Doch die Zugeständnisse, die sie in den vorangegangenen zwei Jahren an den Zentrismus gemacht hatte, führten dazu, dass sie diese Neuausrichtung nicht ohne Spannungen innerhalb der Parteiführung durchsetzen konnte. Thornett trat als Wortführer der Gegner dieses Linksschwenks in Erscheinung. Er argumentierte gegen das, was er als Rückkehr zum „Sektierertum“ bezeichnete.
Seine Meinungsverschiedenheiten spiegelten den Druck jener Arbeiter wider, die der Partei aufgrund ihrer Anti-Tory-Linie beigetreten waren, und die noch nicht für revolutionäre Politik gewonnen worden waren. Es handelte sich um eine relativ große Gruppe von Arbeitern innerhalb der Partei, für deren Verwirrung die WRP verantwortlich war, und die politisch aufgeklärt und für den Trotzkismus gewonnen werden mussten.
Thornett reagierte prinzipienlos, indem er im August 1974 heimlich Kontakt zu Vertretern der OCI in Großbritannien aufnahm, um eine fraktionelle Kritik an der WRP zu formulieren, mit dem Ziel, Healy als Parteivorsitzenden abzusetzen.
Anstatt Thornetts Positionen politisch zu bekämpfen – was eine erneute Auseinandersetzung mit dem OCI-Konflikt und eine Verstärkung des Kampfs des IKVI gegen Revisionismus auf einer höheren Ebene erfordert hätte –, beschlossen Healy und die WRP-Führung schon im selben Herbst, Thornett auszuschließen.
Durch den Rückgriff der WRP auf organisatorische Maßnahmen verlor die Partei mehrere hundert Mitglieder und ihre wichtigste Industriefraktion. Gleichzeitig blieben die entscheidenden Fragen im Kampf gegen die Sozialdemokratie ungeklärt, und die zentristische Anpassung an die Arbeiter- und Gewerkschaftsbürokratie wurde im Unklaren belassen.
Die WRP zahlte dafür rasch einen hohen Preis, denn die soziale Basis der Partei verschob sich nun in Richtung Mittelschicht. Figuren wie die Schauspielerin Vanessa Redgrave und der ehemalige Sunday Times-Journalist Alex Mitchell gewannen an Bedeutung und begünstigten eine anhaltende politische Desorientierung.
Die Spaltung ermöglichte es Thornett, seine eigene syndikalistische und zentristische Ausrichtung weiterzuverfolgen. Er engagierte sich innerhalb der Labour Party, im Umfeld von Tony Benn, und bemühte sich, Splittergruppen des IKVI umzugruppieren. Seine „International Socialist Group“ wurde 1991 als sympathisierende Sektion des Vereinigten Sekretariats anerkannt und wurde 1995 zu dessen britischer Sektion.
Bereits 1990 bezeichnete er Healy als „entartetes politisches Monster“ und als „Ceaușescu der britischen trotzkistischen Bewegung“ und das IKVI als Betrug.
Er setzte sich für eine Reihe opportunistischer Initiativen zur Gründung einer „linken Massenpartei“ ein, wie zum Beispiel „Respect“ und „Respect Renewal“ an der Seite von George Galloway, später „Left Unity“ und schließlich Jeremy Corbyns „Your Party“.
Doch seine spätere Entwicklung ändert nichts an der Tatsache, dass sein Beitritt zur Partei, seine Rolle in der ATUA-Führung und seine Arbeit in Cowley wichtige Errungenschaften im Kampf der SLL für den Trotzkismus in der Arbeiterklasse waren. Die spätere Degeneration der WRP-Führung untergrub genau diese Errungenschaften.
Die World Socialist Web Site wird eine ausführlichere Bewertung von Thornett und den zentralen Fragen veröffentlichen, die sich aus seiner Rolle in der SLL und seinem anschließenden Bruch mit der WRP ergeben, um die Partei für den anhaltenden Kampf zum Aufbau einer revolutionären Führung in der Arbeiterklasse zu wappnen.
