David North setzt Herbst-Vortragsreihe an der George Mason University fort

David North spricht an der George Mason University

Am Mittwochabend organisierten die International Youth and Students for Social Equality (IYSSE) an der George Mason University in Fairfax (US-Bundesstaat Virginia) die dritte Veranstaltung in ihrer Vortragsreihe mit David North, die an insgesamt fünf Universitäten stattfindet. North, Chefredakteur der World Socialist Web Site und Vorsitzender der Socialist Equality Party (USA), hielt den Vortrag „Kapitalistische Krise, imperialistischer Krieg und die sozialistische Weltrevolution“, der in der letzten Woche den Auftakt zu der Reihe an den Universitäten Wayne State und Michigan State bildete.

Etwa 80 Personen nahmen teil, überwiegend Studierende und Arbeiter. Nach der Veranstaltung kauften sie Literatur im Wert von mehreren hundert Dollar.

Eingangs betonte North die Bedeutung von historischem Wissen für alle, die für Sozialismus kämpfen wollen. Jahrzehntelange politische Reaktion, vor allem nach der Auflösung der Sowjetunion 1991, haben eine ganze Generation von den Erfahrungen der Klassenkämpfe des 20. Jahrhunderts abgeschnitten.

David North spricht an der George Mason University

Kaum eine Woche vor den US-Zwischenwahlen beleuchtete North die Bilanz der Demokratischen Partei als wichtigster Partei des amerikanischen Imperialismus und unverzichtbaren Partners der Republikaner im kapitalistischen Zweiparteiensystem der Vereinigten Staaten.

Anschließend stellte North den Ausbruch von Massenprotesten und Streiks in Frankreich und ganz Europa in den Kontext der globalen Krise des Kapitalismus, welche die herrschenden Klassen zu Krieg und Diktatur treibt. Er erklärte, die Gleichzeitigkeit dieser Kämpfe sei Ausdruck objektiver ökonomischer Kräfte, die im Weltmaßstab wirksam sind.

North betonte unter Rückgriff auf Marx, Lenin und Trotzki, dass der Kampf für den Sozialismus die marxistische Theorie, die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse und die Perspektive des sozialistischen Internationalismus erfordert.

Genau wie an der Wayne State und der Michigan State war die darauffolgende Diskussion ein zentraler Bestandteil der Veranstaltung. Die Teilnehmenden fragten, warum antimarxistische Theorien einen derart großen Einfluss gewonnen haben, was eine marxistische Geschichtsauffassung von der akademischen Wissenschaft unterscheidet, wie die unmittelbaren Kämpfe der Arbeiter mit dem Kampf für Sozialismus verbunden werden können und wie der Krieg in der Ukraine zu verstehen sei.

Ein Student fragte nach den antimarxistischen Theorien, die North im Vortrag kritisiert hatte, und warum im Jahrhundert seit 1917 die pauschale Ablehnung des Marxismus für viele Menschen plausibel geworden sei. North antwortete: „Tatsächlich fragst du: Was war das Schicksal der Sozialismus im 20. Jahrhundert?“

Er zeichnete die Degeneration der bolschewistischen Partei nach, die Ersetzung der Perspektive der Weltrevolution durch das nationalistische Programm der Stalinisten vom „Sozialismus in einem Land“ und die daraus resultierenden Niederlagen der Arbeiterklasse in den 1930ern. Diese Niederlagen, die Trotzki als „nicht unvermeidlich“ bezeichnete, spielten „eine enorme Rolle bei der politischen Desorientierung der Intellektuellen“.

North fügte hinzu: „Die größte Herausforderung beim Aufbau einer revolutionären Bewegung ist die Rückeroberung der Geschichte.“

Ein anderer Student fragte, wie sich der Aufruf zur „Rückeroberung“ der Geschichte von der einfachen Lektüre vergangener Ereignisse unterscheide. North erklärte, die Aufgabe bestehe darin, „ein historisches Narrativ zu etablieren, das objektiv begründet ist – und nicht etwa einen sogenannten Diskurs. ... Die Geschichte folgt einer Logik; wir verstehen sie.“

North erklärte, politische Führer müssten „auf grundlegende Weise die Gesellschaft widerspiegeln, aus der sie hervorgehen“. Roosevelt habe die „Periode des explosionsartigen Aufstiegs [des US-Imperialismus] zur globalen Vorherrschaft“ repräsentiert, während das letzte halbe Jahrhundert „eine Periode des sich beschleunigenden politischen, sozialen, wirtschaftlichen Niedergangs und Zusammenbruchs“ gewesen sei. Trump repräsentiere „den Einsatz offener Gangstermethoden durch den amerikanischen Kapitalismus, um dessen Interessen zu sichern“.

Ein Teilnehmer wies auf die zunehmenden Kämpfe der Arbeiter und Jugendlichen um Löhne, Wohnraum, Bildung und Inflation hin und fragte, wie diese unmittelbaren Bedürfnisse mit dem Kampf gegen Kapitalismus verbunden werden können. North erklärte, das Verständnis für diesen Zusammenhang „muss in die Arbeiterklasse hineingetragen werden“. Er fügte hinzu: „Das ist die Rolle der politischen Führung. Wir sagen den Arbeitern nicht nur Dinge, die sie wissen, sondern auch solche, die sie wissen müssen.“

North beschrieb die Auswirkungen der Ereignisse auf die Arbeiterklasse: „Die Masse der Bevölkerung wird mit einem rotglühenden Schürhaken behandelt. Sie werden radikalisiert, doch sie brauchen die Fähigkeit zur Verallgemeinerung.“ Diese Fähigkeit zu entwickeln, erfordere „geduldige und hartnäckige Arbeit. Man muss in die Fabriken gehen. Man muss darum kämpfen, Arbeiter zu rekrutieren. Man muss Schulungen organisieren.“

Auf die Frage nach dem Krieg in der Ukraine erklärte North: „Jeder Krieg hat Gründe, jeder Krieg hat Ursachen.“ Er erklärte, der Konflikt könne nicht mit der vereinfachenden Behauptung erklärt werden, Russland habe den ersten Schuss abgegeben.

Er schilderte die Ausbreitung der NATO nach der Auflösung der Sowjetunion und die Absicht der imperialistischen Mächte, Russland zu zerschlagen und sich seine Rohstoffe anzueignen. Er erklärte: „Das ist kein unprovozierter Krieg, sondern ein imperialistischer Stellvertreterkrieg.“

Die SEP lehne Putins Überfall ab, so North, weil er „nur dem Imperialismus in die Hände spielt“ und kämpfe für die Einheit ukrainischer und russischer Arbeiter. Er rief die Anwesenden auf, sich an der Kampagne für die Freilassung des jungen ukrainischen Trotzkisten Bogdan Syrotjuk zu beteiligen, der im August zu 15 Jahren Haft wegen „Hochverrats“ verurteilt wurde, weil er für diese Einheit eintrat.

Nach den Veranstaltungen an der Wayne State und Michigan State ist die Resonanz an der George Mason ein weiterer Ausdruck der starken, weltweiten Radikalisierung junger Menschen und Arbeiter. Von den Massenkämpfen in Frankreich und ganz Europa bis zum wachsenden Widerstand gegen Krieg und Diktatur in den USA wendet sich eine neue Generation dem Sozialismus zu und sucht nach den historischen und theoretischen Grundlagen für den Kampf gegen den Kapitalismus.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe finden noch zwei Vorträge statt. Wir rufen alle Leser und Unterstützer in der San Francisco Bay Area und ganz Michigan auf, an den Veranstaltungen teilzunehmen, bei ihrer Bekanntmachung zu helfen und ihre Kollegen, Klassenkameraden und Freunde mitzubringen.

UC Berkeley: Montag, 2. November, 17 Uhr, Genetics and Plant Biology Building, Raum 100, Bayard Rustin Way, Berkely, Kalifornien

University of Michigan: Montag, 9. November, 19 Uhr. Michigan League, Vandenberg Room, 2. Stock, 911 N. University Ave., Ann Arbor, Michigan

Studierende und Jugendlichen weltweit, die für den Sozialismus kämpfen wollen, sollten das untenstehende Formular auszufüllen. Wir werden uns mit euch in Verbindung setzen und euch beim Aufbau eine Ortsgruppe der IYSSE an eurer Einrichtung helfen.

Loading