Globalisierung: Die sozialistische Perspektive

Teil 3

Von Nick Beams
24. Juni 2000

Nick Beams, Mitglied der internationalen Redaktion des World Socialist Web Site und nationaler Sekretär der australischen Socialist Equality Party, hielt kürzlich eine öffentliche Vorlesungsreihe an sechs australischen Universitäten in Sydney, Melbourne, Newcastle und Canberra. Sie stand unter dem Titel "Globalisierung: Die sozialistische Perspektive". Das WSWS veröffentlicht die Vorlesung fortlaufend in drei Teilen.

Erster Teil | Zweiter Teil | Dritter Teil

Den Priestern der christlichen Religion zufolge verlässt die Seele den Körper und steigt in den Himmel auf. Die Hohepriester des Marktes lehren eine ähnliche Doktrin, wenn sie behaupten, dass Geld sich vom Produktionsprozess lösen kann und in einen Finanzhimmel gelangt, wo Geld endlos Geld erschafft.

Kann das Kapital seinen Traum vom Geld, das sich ohne Ende in mehr Geld verwandelt, wahr machen? Oder sind diesem Prozess Grenzen gesetzt?

Die Aktienwerte können steigen, und Profite können mit dem Handel von Aktien erzielt werden, solange weiteres Kapital auf den Markt gelangt. Mit anderen Worten: Gewinne und Profite können nach der Art eines Pyramidenschemas oder Kettenbriefes akkumuliert werden.

Während das fiktive Kapital kontinuierlich in die Höhe steigt und dabei das produktive Kapital immer kleiner erscheinen lässt, kann es seinen Ursprüngen nicht entkommen. An einem bestimmten Punkt wird es mit der Tatsache konfrontiert, dass es nur ein Anspruch auf Mehrwert ist und dieser Mehrwert tatsächlich aus der Arbeiterklasse herausgeholt werden muss. Wenn wir den Fürsprechern der "neuen Ökonomie" folgen, so sind die Werte im Aktienmarkt nicht "irrational", sondern lediglich die Vorwegnahme der Produktivitäts- und Profitsteigerungen, die durch den Einsatz neuer Technologien (insbesondere der mit dem Internet verbundenen) entstehen werden.

Ohne Frage sorgen neue Technologien heute und zukünftig für große Steigerungen der Arbeitsproduktivität. Aber wie wir gesehen haben, werden diese Steigerungen der Arbeitsproduktivität keinen Ausweg bieten.

Folgerichtig nimmt die Struktur des globalen Kapitals zunehmend die Form einer umgedrehten Pyramide an, da die Masse des fiktiven Kapitals, die ihren Anteil am Mehrwert beansprucht, sprunghaft steigt im Verhältnis zum produktiven Kapital, das diese Forderungen letztlich erfüllen muss.

Ich möchte einige Zahlen anbringen, die dieses Phänomen veranschaulichen. Zum Jahresbeginn 1999 beschäftigte America Online 10.000 Menschen und hatte einen Marktkapitalwert von 66,4 Milliarden Dollar. General Motors allerdings beschäftigte 600.000 Arbeiter und hatte einen Marktwert von 52,4 Milliarden Dollar. Beide beanspruchen einen Anteil des Mehrwerts, der ihrem Marktwert entspricht. Aber es ist klar, dass der Beitrag von America Online mit seinen 10.000 Arbeitern zur gesamten vorhandenen Mehrwertakkumulation des Kapitals als Ganzer wesentlich geringer ist als der von General Motors mit 600.000 Beschäftigten. Selbst wenn die Arbeiter von America Online 24 Stunden am Tag unentgeltlich arbeiten würden, könnten sie nicht die gleiche Menge an Mehrwert beitragen, wie er aus den Arbeitern von General Motors gewonnen wird.

Im Fall von Yahoo! ist dieser Widerspruch - zwischen den Ansprüchen des Kapitals auf Mehrwert einerseits und dem tatsächlich herausgeholten Mehrwert andererseits - noch deutlicher. Yahoo! hat mit nur 673 Angestellten einen Marktwert von 33,9 Milliarden Dollar.

Diese umgekehrte Pyramidenstruktur des globalen Kapitalismus ist die Quelle seiner extremen Instabilität. Hunderte Milliarden Dollar an Kapital drängen durch die Weltmärkte auf der Suche nach Profit, um ihre Profitrate aufrecht zu erhalten.

Wenn die Preise für Vermögenstitel - Aktien, Anleihen, Immobilien etc. - steigen, strömt das Kapital in diese und versucht Profit zu machen, indem billig gekauft und teuer verkauft wird. Das Eisen wird geschmiedet, solange es heiß ist. Aber wenn der Markt zu stocken beginnt, wird offensichtlich, dass die Kapitalwerte gewaltig aufgeblasen waren. Der Andrang Richtung Ausgang nimmt die Form einer Massenpanik an und über Nacht werden Kapitalwerte zerstört - nicht nur fiktives Kapital, sondern ebenso produktives Kapital.

Nach der Asienkrise von 1997/98 versuchte man die Wirtschaftskrise als Folge der besonderen Bedingungen der Region zu erklären. Tatsächlich war der Zusammenbruch Asiens, bei dem Millionen Arbeitsplätze vernichtet wurden und Banken und Unternehmen plötzlich mit Schulden in Milliardenhöhe konfrontiert waren und diese unmöglich decken konnten, kein Ausdruck der "asiatischen Bedingungen", sondern der Funktionsweise des kapitalistischen Marktes insgesamt.

Gewaltige Kapitalströme zogen sich aus Asien und anderen Märkten zurück und flossen in die Vereinigten Staaten, wo sie die Eskalation am Aktienmarkt anheizten. So schufen sie die Voraussetzungen für ein noch größeres Desaster, bei dem die Renten- und Sparfonds und somit die Anlagen von Millionen Menschen bei einem Zusammenbruch der aufgeblasenen Marktbewertungen buchstäblich über Nacht vernichtet werden könnten.

Ein Schriftsteller stellte neulich fest, der Albtraum von Science-Fiction-Autoren von einer Menschheit, die von Robotern und Maschinen kontrolliert wird, würde Wirklichkeit werden - aber nicht als Herrschaft der Maschinen, sondern als Herrschaft des Finanzkapitals. Die Finanzmärkte haben die Form eines kollektiven Kapitalisten - Kapital-im-Allgemeinen - angenommen, sind eine Art Automat, der das Leben der Menschheit weltweit beherrscht und alle Lebensbedingungen dem rücksichtslosen Streben nach der letzten zu akkumulierenden Unze Mehrwert unterordnet. Der Ursprung dieser Herrschaft ist nicht die Technologie, sondern das System der gesellschaftlichen Beziehungen, das auf der Selbstausdehnung des Wertes beruht.

Die Krise, der die Menschheit gegenübersteht, besteht darin, dass dieselben Technologien und Produktionskräfte, die die notwendige materielle Grundlage für die Emanzipation des Menschen darstellen - was zum ersten Mal in der menschlichen Geschichte die wirkliche Freiheit des Menschen in Aussicht stellt, die nicht länger ein utopischer Traum, sondern eine realisierbare Perspektive ist - einem Produktionssystem untergeordnet sind, dessen objektive Logik die Verarmung der Masse, die den Reichtum produziert, verlangt.

Vor mehr als 150 Jahren schrieb Marx in einer brillanten Vorwegnahme der Situation, der die große Masse der Menschen weltweit nun gegenübersteht: "In der bisherigen Geschichte ist es allerdings ebensosehr eine empirische Tatsache, daß die einzelnen Individuen mit der Ausdehnung der Tätigkeit zur weltgeschichtlichen immer mehr unter einer ihnen fremden Macht geknechtet worden sind [...], einer Macht, die immer massenhafter geworden ist und sich in letzter Instanz als Weltmarkt ausweist." [4]

Führen wir uns einen Moment den Charakter dieses Weltmarktes vor Augen - diese enorme Bewegung von Geldern, die hier die Schließung einer Fabrik befehlen, dort die massive Vernichtung von Arbeitsplätzen, die bestimmen, dass inmitten der gewaltigsten produktiven Fortschritte der menschlichen Geschichte nicht genug Geld für Bildung und Gesundheit vorhanden ist, und die in einem Land eine Streichung der Sozialausgaben und in einem anderen "Strukturanpassung" fordern. Ungeachtet der Behauptungen seiner Repräsentanten ist dies weder Gottes Werk noch ein Geschenk der Natur. Es ist der entfremdete Ausdruck der gesellschaftlichen Produktivkräfte der Menschheit.

Die sozialistische Perspektive

Wie ist diese Entfremdung zu überwinden? Marx bestand darauf, dass dies die Erfüllung von zwei praktischen Voraussetzungen erfordert.

"Damit sie eine ,unerträgliche' Macht werde, d.h. eine Macht, gegen die man revolutioniert, dazu gehört, daß sie die Masse der Menschheit als durchaus "eigentumslos" erzeugt hat und zugleich im Widerspruch zu einer vorhandnen Welt des Reichtums und der Bildung, was beides eine große Steigerung der Produktivkraft, einen hohen Grad ihrer Entwicklung voraussetzt." [5]

Diese Bedingungen sind zweifellos erfüllt. Die Globalisierung der Produktion resultierte im Wachstum der Arbeiterklasse um Hunderte Millionen in Regionen der Welt, wo vor wenigen Jahrzehnten praktisch keine Industrie vorhanden war. In den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern wurden ganze Bevölkerungsschichten, die einst als Mittelklasse galten, effektiv proletarisiert. Und die Arbeiterkämpfe weltweit wurden, auch wenn sie verschiedene Formen annehmen, objektiv vereint durch die Tatsache, dass sie von den Operationen des globalen Marktes, der jede Volkswirtschaft beherrscht, und den Forderungen derselben Banken und transnationalen Konzerne herrühren.

Die brennende Frage ist heute, mit welchem Programm und welcher Perspektive der Kampf gegen den globalen Kapitalismus organisiert und durchgeführt werden muss. In den vergangenen Monaten haben wir eine Reihe von Protesten und Demonstrationen gegen die Welthandelsorganisation (WTO), den Internationalen Währungsfond (IWF) und die Weltbank erlebt.

Das Aufkommen dieser Opposition hat in herrschenden Kreisen die Alarmglocken läuten lassen, da erkannt wurde, dass trotz des Anstieges der Aktienwerte und des berauschenden Triumphgeschreis des Marktes vor wenigen Jahren eine große Masse von Menschen weltweit zutiefst unzufrieden mit der herrschenden Ordnung ist und ihr tatsächlich feindlich gegenübersteht.

Während der Wochen der Entstehung dieser Bewegungen schoben sich die Fragen von Programm und Perspektive immer mehr in den Vordergrund. Diese Fragen haben wir in den Stellungnahmen zu den Protesten gegen WTO und IWF und in der jüngsten Diskussion mit Professor Michel Chossudovsky auf dem World Socialist Web Site untersucht.

Die zugrundeliegende politische Perspektive der dominierenden Elemente dieser Protestbewegung besteht, unabhängig von den taktischen Differenzen zwischen ihnen (so z.B. über die Frage, ob der IWF und andere Institutionen "reformiert" oder "abgeschafft" werden sollen), darin, dass es notwendig sei, angesichts der Herrschaft des globalen Wirtschaftssystems die Souveränität der Nationalstaaten wieder herzustellen.

Professor Chossudovsky stellt völlig richtig fest, dass "das einzige Versprechen des ,freien Marktes'" die wirtschaftliche Verwüstung des Lebens der Menschen ist. Aber bei der Ausarbeitung seiner Perspektive erklärt er: "Wir müssen die Unabhängigkeit unserer Staaten und der Menschen in unseren Staaten wiederherstellen."

Hierin besteht der grundlegende Unterschied zwischen einer sozialistischen Opposition zum globalen Kapitalismus, die die Vereinigung der internationalen Arbeiterklasse über die Staatengrenzen hinweg anstrebt, und einer nationalistischen kleinbürgerlichen Opposition zur "Globalisierung", die die Wiederherstellung der Macht des Nationalstaats fordert.

Die letztere Perspektive ist in ihrem Kern, in der ureigensten historischen Bedeutung des Wortes, reaktionär. Auf jeder Entwicklungsstufe des Kapitalismus sind als Reaktion auf den gesellschaftlichen Umbruch, der durch die Revolutionierung der Produktivkräfte eingeleitet wurde, Bewegungen entstanden, die die Rückkehr zu vergangenen Tagen forderten.

In der ersten Entwicklungsphase des Industriekapitalismus gab es diejenigen, die die Zerstörung der Bauernwirtschaft und kleinbürgerlichen handwerklichen Produktion beklagten. In der Ära der Monopolbildung und der Entstehung riesiger kapitalistischer Konzerne während der letzten Jahrhundertwende kamen Bewegungen auf, die die Restauration der Produktion in kleineren Maßstäben wie in früheren Zeiten forderten. Heute, als Reaktion auf die jüngste Entwicklungsphase des Kapitalismus werden Forderungen nach einer Rückkehr zum nationalstaatlich regulierten Kapitalismus der Nachkriegsperiode, der auf der keynesianischen Politik der stimulierten Nachfrage beruhte, immer lauter.

In unserer Stellungnahme vom 30. November 1999 unter dem Titel "Politische Grundprinzipien für eine Bewegung gegen den globalen Kapitalismus" wiesen wir darauf hin, dass mit der Gleichsetzung von "Globalisierung" und "globalem Kapitalismus" eine tiefe Verwirrung zum Ausdruck kommt.

Wir bestanden darauf, dass es "notwendig [ist], zwischen dem zunehmend globalen Charakter der Produktion und des Warenaustauschs - einer an sich progressiven Entwicklung, die das Ergebnis revolutionärer Fortschritte in der Computertechnologie, Telekommunikation und des Transportwesens ist - und den gesellschaftlichen Konsequenzen zu unterscheiden, die nicht aus der Globalisierung an sich folgen, sondern aus der systematischen Unterordnung der Wirtschaft unter ein System, das durch die anarchistische Jagd auf privaten Profit angetrieben wird und mit der veralteten Form der politischen Organisation untrennbar verbunden ist."

"Es geht heute nicht darum, die Entwicklung auf ein weitgehend mystisches Zeitalter isolierter nationaler Wirtschaften zurückzuschrauben. Die große Frage aber lautet: Wer kontrolliert die globale Ökonomie, und wessen Interessen bestimmen über den Einsatz ihrer enormen technischen und kulturellen Möglichkeiten?"

Lasst uns den Ruf nach der Wiederherstellung der nationalen Souveränität in seinen historischen Kontext stellen. Der Nationalstaat wurde von der Bourgeoisie geschaffen, um die Produktivkräfte zu entwickeln und die Welt nach den Bedürfnissen der neuen Gesellschaftsordnung, die sie ins Leben rief, neu zu gestalten. Aber das Nationalstaatensystem erweist sich heute, mit der globalen Entwicklung der Produktivkräfte, als vollkommen reaktionär. Daher entspricht die Forderung nach der Wiederherstellung der staatlichen Souveränität als Grundlage einer politischen Perspektive der Position jener historischen Bewegungen, die sich dem Kapitalismus entgegenstellten, indem sie auf der Beibehaltung der feudalen Ordnung bestanden.

Im Gegensatz zu kleinbürgerlichen Protestbewegungen, die in die Vergangenheit schauen, orientiert sich die sozialistische Opposition gegen den globalen Kapitalismus an der Zukunft. Oder genauer gesagt, sie gründet ihre Perspektiven auf die objektiven Prozesse innerhalb der kapitalistischen Wirtschaft, die derzeit den Weg zur Entwicklung einer höheren gesellschaftlichen Ordnung und zum Fortschritt der Zivilisation bereiten.

Die Entwicklung der kapitalistischen Produktion wird immer und überall von der Bourgeoisie zum Zweck der Profitakkumulation und der Intensivierung der Ausbeutung vorangetrieben. Doch ist es dieselbe Entwicklung der Produktivkräfte, die die Herrschaft der Bourgeoisie unterhöhlt und die Bedingungen für ihre Absetzung vorbereitet. Wie Marx im Manifest der Kommunistischen Partei erklärte, gleicht die Bourgeoisie "dem Hexenmeister, der die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag, die er heraufbeschwor."

Die Globalisierung von Produktion und Wirtschaft hat nicht nur den Totengräber des globalen Kapitalismus in Gestalt der internationalen Arbeiterklasse hervorgebracht, sondern auch die objektiven Grundlagen für eine weltweite sozialistische Planwirtschaft geschaffen.

Was sonst ist der moderne transnationale Konzern mit seinem System von sorgfältiger Planung, Information und Kontrollmechanismen als der innerhalb des Kapitalismus entwickelte Vorläufer von Formen der sozialistischen Planung und Produktion? Heute sind transnationale Konzerne, die zum großen Teil eine größere Wirtschaftsleistung erzielen als ganze Volkswirtschaften, in der Lage, die Produktion und den Austausch von Waren und Dienstleistungen über Länder und Kontinente hinweg zu organisieren. Und das beweist, dass es morgen erst recht möglich ist, eine sozialistische Planwirtschaft im globalen Maßstab durchzuführen, die auf der Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse beruht, in der die Produktivkräfte von der schonungslosen Logik der Mehrwertakkumulation befreit sind und somit der Menschheit dienen, anstatt als Herrschaftsinstrument benutzt zu werden.

Wenn es durch die Entwicklung der globalen Finanzmärkte und den mit ihnen verbundenen Kommunikationssystemen möglich ist, ständig aktuelle Informationen über Wirtschaftsaktivitäten in jedem Winkel der Erde zu erhalten, dann ist es erst recht möglich, die notwendigen Informations- und Kommunikationsmittel zu entwickeln, um zum ersten Mal in der Geschichte die Beteiligung großer Massen an der Planung, Organisation und Kontrolle des Wirtschaftslebens zu ermöglichen.

Dies ist das Ziel, für das die sozialistische Bewegung kämpft - ein Ziel, das nicht den Schemata dieses oder jenes potentiellen Universalreformers entspringt, sondern den Prozessen, die sich vor unseren Augen vollziehen.

Die russische Revolution

Der Aufbau einer politischen Bewegung, die sich diese Perspektive zu eigen macht, erfordert die Aneignung der politischen Lehren aus dem 20. Jahrhundert und vor allem seines größten Ereignisses - der russischen Revolution.

Das Scheitern der Revolution sich auszudehnen und die nachfolgende Degeneration des ersten Arbeiterstaats in das totalitäre Regime des Stalinismus sowie die später erfolgte Restauration des Kapitalismus haben für große Verwirrung und politische Orientierungslosigkeit gesorgt.

Doch die objektiven Voraussetzungen für die Aufklärung der fortschrittlichsten Elemente der Arbeiterklasse und der Intelligenz, und durch diese der großen Masse, werden durch die Entwicklung des globalen Kapitalismus geschaffen.

Die russische Revolution fiel nicht vom Himmel herab. Sie entstand aus der ersten Phase der kapitalistischen Globalisierung am Ende des 19. Jahrhunderts, und ihr Ausbruch wurde von der marxistischen Bewegung vorausgesehen und aktiv vorbereitet.

Der erste Versuch die Barbarei zu überwinden, in die der globale Kapitalismus die Menschheit gestürzt hatte, scheiterte - die Bourgeoisie war in der Lage, ihre Macht aufrecht zu erhalten, und die Revolution degenerierte.

Aber lasst uns diesen ersten Versuch in einen größeren historischen Kontext stellen. All die Voraussetzungen, die zu ihr führten, reifen heute wieder heran. Natürlich wiederholt sich die Geschichte nicht, aber keiner der historischen Widersprüche, die die russische Revolution haben entstehen lassen, ist heute gelöst. Wenn der Kapitalismus während der letzten hundert Jahre in der Lage gewesen wäre, eine harmonische Entwicklung der Produktivkräfte und den sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Fortschritt der Weltbevölkerung sicherzustellen, dann würden wir zugeben müssen, dass die Aussicht auf einen internationalen Sozialismus eine utopische Perspektive und unmöglich zu realisieren ist.

Dies ist aber ganz klar nicht der Fall. Alle historischen Widersprüche, die zum Entstehen der revolutionären Kämpfe in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts führten, haben sogar noch explosivere Formen angenommen. Die historische Perspektive, auf die sich die russische Revolution gründete - die Reorganisation der Welt durch die internationale sozialistische Revolution - bleibt der einzig gangbare Weg aus der Sackgasse, in die der globale Kapitalismus die Menschheit geführt hat. Die Schaffung einer internationalen Führung auf der Grundlage dieser Perspektive ist heute die dringendste Aufgabe. Dies zu erreichen ist das Ziel der Socialist Equality Party und des Internationalen Komitees der Vierten Internationale.

[4] Karl Marx: Die deutsche Ideologie; Berlin 1957; Seite 33f,

[5] ebenda; Seite 31.

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