Saudi-Arabien, der 11. September und der “Krieg gegen den Terror”

7. Februar 2015

Mehr als dreizehn Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September sind endlich in einem Prozess vor einem Bundesgericht in den USA Ereignisse und Beziehungen entlarvt worden, die bisher von den Medien und den Behörden verschleiert und unter der Decke gehalten wurden. In dem von Verwandten von Opfern des Terroranschlags angestrengten Prozess wurde offen gelegt, dass al-Qaida und die Attentäter vom 11. September von der saudischen Monarchie finanziert wurden. Die Saudis sind wichtige Verbündete der USA mit umfangreichen Verbindungen zu den amerikanischen Geheimdiensten.

Beim Distriktsrichter am Bundesgericht George P. Daniels hinterlegte eidesstattliche Erklärungen belegen Behauptungen, dass führende Mitglieder der saudischen Monarchie, darunter ihr langjähriger Botschafter in Washington, Prinz Bandar bin Sultan, ein Neffe des derzeitigen Monarchen, König Salman, al-Qaida finanziell unterstützt haben.

Zu den Dokumenten zählt eine eidesstattliche Aussage von Zacharias Mussawi, der einzigen Person, die je für die direkte Beteiligung an der Verschwörung verurteilt worden ist, am 11. September 2001 Flugzeuge zu entführen und sie in das World Trade Center und andere Ziele in den USA zu lenken.

Mussawi sagte aus, er habe in den 1990er Jahren in Afghanistan für al-Qaida gearbeitet und in der Zeit, eine digitale Datenbank mit den finanziellen Hintermännern der Gruppe angelegt, der Prinz Bandar und zwei weitere hochrangige saudische Prinzen angehörten: Prinz Turki al-Faisal, der langjährige Chef des saudischen Geheimdienstes und Prinz Alwaleed bin Talal, der Vorsitzende der Holding Company des Königreichs und gleichzeitig reichstes Mitglied der königlichen Familie.

Er berichtete auch, wie er als Kurier bin Ladens Nachrichten an Mitglieder der Königsfamilie überbrachte, darunter an Prinz Salman, den damaligen Gouverneur von Riad und heutigen König.

Die New York Times veröffentlichte am Mittwoch und Donnerstag Leitartikel, die die neuen Vorwürfe einer saudischen Unterstützung für die Anschläge vom 11. September beleuchteten. Diese hatten allerdings weniger den Charakter einer Enthüllung, als eines halbamtlichen Versuchs, die Folgen des Bekanntwerdens des Materials, das aufgrund des Verfahrens der Familienmitglieder des 11.September ans Licht gekommen ist, unter Kontrolle zu halten

Das ist offensichtlich der Grund dafür, dass sich die Artikel fast ausschließlich mit Mussawi beschäftigen, dessen Aussage vom politischen Establishment natürlich viel leichter abgetan werden kann. Mussawis eidesstattliche Erklärung ist eine der juristischen Eingaben, die dem Bundesdistriktsgericht vorlagen, aber es gibt viel mehr. Eine stammt von dem früheren Senator aus Florida, Robert Graham, der eine der Säulen des Washingtoner Establishments bildet. Er schrieb: „Ich bin überzeugt, dass es eine direkte Verbindungslinie gab zwischen zumindest einigen Terroristen, die die Terroranschläge vom 11. September verübten, und der Regierung Saudi-Arabiens.

Graham muss es wissen. Er war Vorsitzender des Senatsausschusses von 2002, der einen ausführlichen Bericht über die Anschläge vom 11. September vorlegte. Dieser beinhaltete einen 28-seitigen Abschnitt über saudische Unterstützung für die Attentäter. Dieser Abschnitt wurde von der Bush-Regierung für geheim erklärt und unterdrückt. Diese Zensurmaßnahme wurde von der Obama-Regierung gebilligt und fortgesetzt. Senator Graham, der dafür ist, dieses Material zu veröffentlichen, schrieb: „Diese 28 Seiten beziehen sich in erster Linie darauf, wer den 11. September finanzierte, und sie weisen stark auf Saudi-Arabien als wichtigsten Finanzier hin.

Die Beweise für eine saudische Komplizenschaft bei den Anschlägen vom 11. September sind eine vernichtende Entlarvung des betrügerischen Charakters, des „Kriegs gegen den Terror“, der zentralen Achse der amerikanischen Sicherheitspolitik seit mehr als dreizehn Jahren.

Die Bush-Regierung nutzte die Anschläge vom 11. September als Vorwand für Kriege gegen Afghanistan, dessen Regierung Obama bin Laden zwar Schutz gewährte, aber nichts mit dem 11. September zu tun hatte, und gegen den Irak, der weder mit al-Qaida noch mit dem 11. September irgendwelche Verbindungen hatte. Hingegen gilt Saudi-Arabien, das Land, das al-Qaida mit Geld versorgte, aus dem ihr oberster Führer sowie fünfzehn der neunzehn Attentäter stammten, als ein zentraler Verbündeter der USA.

Jede offizielle Untersuchung der Anschläge vom 11. September musste entweder die Saudi-Connection verschleiern, oder wurde zensiert, wie der Bericht des Geheimdienstausschusses des Senats. Es ging dabei nicht nur um die reaktionäre Rolle der saudischen Monarchie bei der Finanzierung und Unterstützung al-Qaidas, sondern auch um die engen Beziehungen zwischen den US-Geheimdiensten und den angeblich antiamerikanischen Terrorgruppen. Zu diesen Beziehungen schweigt sich die New York Times völlig aus.

Es gibt Grund zu der Annahme, dass am 11. September 2001 fast 3.000 Amerikaner mit dem stillschweigenden Einverständnis, wenn nicht gar der aktiven Beteiligung von Teilen des militärisch-geheimdienstlichen Apparats ermordet wurden. Die CIA, das FBI und andere Behörden unternahmen nichts, um die Terroristen zu stoppen, obwohl viele Beteiligte den US-Sicherheitsbehörden bekannt waren und mehrere von ihnen unter Beobachtung standen, während sie gleichzeitig die Entführung von vier Passagierflugzeugen planten und ausführten.

Viele Fragen zur Komplizenschaft amerikanischer Behörden mit den Anschlägen vom 11. September wurden schon wenige Wochen nach der Zerstörung des World Trade Centers aufgeworfen. Einige wurden detailliert in einer Artikelserie auf der World Socialiat Web Site genau vor dreizehn Jahren behandelt. (Siehe „War die US-Regierung vor dem 11. September vorgewarnt?“)

Dreizehn Jahre später sind diese Fragen immer noch unbeantwortet:

* Warum wurde den Entführern vom 11. September erlaubt, ungehindert in die Vereinigten Staaten ein- und auszureisen, selbst denen, wie Mohammed Atta, der wegen bekannter al-Qaida-Kontakte unter Beobachtung stand?

*Warum informierte die CIA das FBI Anfang 2001nicht über die Einreise von zwei al-Qaida Mitgliedern in die Vereinigten Staaten? Die beiden wohnten in San Diego im Haus eines FBI-Informanten, bemühten sich um eine Flugausbildung und erhielten Geldmittel von einem saudischen Unterstützer in Washington. Einer von ihnen stand offiziell im Telefonbuch. Die beiden waren am 11. September zwei der neunzehn Entführer.

* Warum wurde den zukünftigen Entführern erlaubt, eine Flugausbildung zu absolvieren, unter ihnen Mussawi, der verlangte zu lernen, wie man einen Jumbo Jet steuert, aber nicht, wie man startet oder landet? Als FBI-Beamte in Minnesota einen Monat vor den Anschlägen Mussawis Aktivitäten und Motive überprüfen wollten, verweigerte ihnen die FBI-Zentrale die Erlaubnis, seinen Computer zu durchsuchen.

*Warum wurde nicht auf wiederholte Hinweise ausländischer Dienste, wie des russischen, des deutschen und des israelischen auf Terrorpläne reagiert, amerikanische Passagierflugzeuge zu entführen und in Gebäude zu fliegen?

Die am 11. September verübten Verbrechen forderten fast 3.000 Menschenleben. Die Verbrechen, die unter dem Vorwand des 11. September begangen wurden, haben Hunderttausende Menschenleben gekostet, wenn nicht Millionen: im Irak, in Afghanistan, im Jemen, in Syrien, in Libyen und in einem Dutzend anderer Länder. Der 11. September dient als Allzweckrechtfertigung für die Zerstörung demokratischer Rechte in den Vereinigten Staaten und anderen imperialistischen Ländern, die im Namen der Verhinderung eines „neuen 11. September“ das Rahmenwerk für Polizeistaaten geschaffen haben.

Die Saudi-Connection zu verschleiern, ist nicht nur entscheidend, um die Rolle der amerikanischen Geheimdienste bei den Ereignissen des 11. September 2001 zu verschleiern, sondern auch für die andauernden Operationen des US-Imperialismus im ganzen Nahen Osten, bei denen Washington auf die Dienste der reaktionären saudischen Monarchie angewiesen ist. Dieses Signal sandte Obama bei seiner Reise vergangenen Monat nach Riad aus, als er dem neuen Monarchen, König Salman, die Reverenz erwies, einem derjenigen, der als einer der finanziellen Hintermänner Osama bin Ladens benannt wurde.

Die Saudi-Connection ist auch wichtig für die Aufrechterhaltung der Beziehungen des amerikanischen Imperialismus zu al-Qaida und anderen islamisch fundamentalistischen Gruppen. Diese Kräfte wurden zuerst in den 1980er Jahren mobilisiert, als die Regierungen Carter und Reagan das von der Sowjetunion unterstützte Regime in Afghanistan unterhöhlten und den Zerfall der Sowjetunion beschleunigten. Die Mudschaheddin, und Osama bin Laden als einer von ihnen, wurden von der CIA bewaffnet und ausgebildet und von Saudi-Arabien finanziert. In jüngerer Zeit wurden sie benutzt, um das Regime von Muammar Gaddafi in Libyen zu stürzen und die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu unterminieren.

Isis selbst ist das Produkt dieser heimtückischen Beziehung. Er ist die Gegenreaktion, die die US-Invasion im Irak bei sunnitischen Fundamentalisten hervorrief. Vor der amerikanischen Invasion gab es keine al-Qaida im Irak. Al-Qaida im Irak tauchte als eine der stärksten islamistischen Gruppen als Islamischer Staat im Irak und in Syrien wieder im Kampf gegen die Assad-Regierung in Syrien auf. Er erhielt Hilfe und Ausbildung von den USA, Saudi-Arabien und Katar. Erst nachdem Isis-Kämpfer in den Irak zurückgingen und gegen das von den USA unterstützte Marionettenregime in Bagdad zu kämpfen begannen, wurden sie von amerikanischen Bomben und amerikanischer Propaganda angegriffen.

Im Zentrum des gesamten “Kriegs gegen den Terror” steht jedoch eine monumentale Lüge, nämlich dass neunzehn Entführer einen großen Angriff auf New York City und Washington, DC planten und durchführten, ohne dass irgend jemand in dem riesigen Militär- und Geheimdienstapparat der USA etwas davon mitbekommen haben will. Die jüngsten Enthüllungen über die Rolle der Saudis beim 11. September sind ein weiterer Schlag gegen dieses Lügengeflecht.

Patrick Martin