Bildung in den USA: Teilzeitdozenten der Eastern Michigan University drohen Gehaltskürzungen bis zu 25 Prozent

Von Joseph Lorenz
29. Mai 2017

Die Verwaltung der Eastern Michigan University versucht, die Bezahlung von neu eingestellten Teilzeitdozenten um 25 Prozent zu senken und Beförderungen, sowie die allgemeine Jobsicherheit für Angestellte herabzusetzen. Der Gewerkschaft Eastern Michigan University Federation of Teachers (EMU-FT) zu Folge haben die Teilzeitangestellten gegen diese Forderungen demonstriert und sind in Verhandlungen für einen neuen Tarifvertrag. Der aktuelle Vertrag läuft am 31. August aus.

Demonstranten protestierten vor einer Sitzung des Verwaltungsrates am 21. April und schlossen an die Demo eine May Day Kundgebung auf dem Campus an. Andere Proteste fanden bereits am 15. Mai statt. Die Lohnkürzungen geben den Abteilungsleitern Anreize, um derzeitige Lehrende durch neue, schlechter bezahlte zu ersetzen.

Diese Angriffe verdeutlichen die miserable Bezahlung, unter denen Dozenten bereits jetzt schon arbeiten müssen. Der Gewerkschaft zu Folge liegt das durchschnittliche Jahresgehalt für teilzeitarbeitende Lehrkräfte bei 15.000 Dollar. Nach einem EMU-FT Vertreter, der sich im Radio beim Sender WEMU äußerte, „sollen die Leistungen im neuen Tarifvertrag die gleichen bleiben, was bedeutet: keine Kranken- und keine Rentenversicherung“.

Diese Arbeitsbedingungen decken sich mit denen anderer Teilzeitdozenten im ganzen Land. Eine landesweite Umfrage der American Federation of Teachers (AFT) hat ergeben, dass 2010 die Hälfte der Teilzeitdozenten an Hochschulen mit Bachelor-Studiengängen weniger als 15.000 Dollar jährlich verdienten.

Die AFT Umfrage hat ergeben, dass fast die Hälfte der Teilzeitdozenten nicht mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden ist. Nach jedem Semester ist unsicher, wie viele Kurse im nächsten Semester bezahlt werden. Infos darüber erhalten die Dozenten häufig erst einige Wochen vor Semesterbeginn. Nicht selten müssen sie Kurse von Vollzeitdozenten übernehmen, wenn diese nicht voll werden.

Um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, müssen viele Teilzeitmitarbeiter mehrere Jobs annehmen. Die Umfrage hat ergeben, dass jeder vierte Befragte mehr als einem Job nachgeht und jeder Dritte seine Lehrtätigkeit durch einen Job ergänzt, welcher nicht im Lehrbereich liegt.

Der nationale Trend bezüglich der Gesundheits- und Rentenversorgung ist mit den Bedingungen der Lehrkräfte an der EMU vergleichbar. Lediglich 28 Prozent der Befragten der AFT Studie gaben an, eine gesicherte Gesundheitsversorgung zu haben. Nur 39 Prozent gaben an, eine Rentenversicherung über ihren Arbeitgeber zu haben und nur 25 Prozent besitzen eine Versicherung für die Rente, die vom Arbeitgeber finanziell unterstützt wird.

Diese drastische Verschlechterung der Arbeitsbedingungen unter Dozenten geht einher mit den Einsparungen in der Hochschulbildung seit der Finanzkrise 2008. Das Center on Budget and Policy Priorities hat festgestellt, dass der Staat Michigan die Investitionen in Hochschulbildung zwischen 2008 und 2016 um 20 Prozent gesenkt hat. In anderen Staaten betrugen die Sparmaßnahmen sogar noch weitaus mehr. So haben Arizona und Illinois ihren Bildungshaushalt um über 50 Prozent gesenkt.

2014 berichteten zahlreiche Medien über den Fall von Mary-Faith Cerasoli, eine obdachlose Professorin, die an mehreren Universitäten im Staat New York Kurse gegeben hatte. Cerasoli konnte durch einen fünftägigen Hungerstreik auf die Arbeitsbedingungen von außerordentlichen Professoren aufmerksam machen.

Dennoch verschlechtern sich nur drei Jahre später die Arbeitsbedingungen der Teilzeitdozenten weiter.

Die Sparmaßnahmen sind Teil der umfassenden Angriffe gegen die Arbeiterklasse unter der Obama-Regierung. Die Regierung unter Trump wird diese Entwicklung weiter verschärfen. Vor kurzem schlug die Bildungsministerin Betsy DeVos vor, das Bildungsgesetz abzuschaffen. Das Gesetz wurde von Präsident Johnson verabschiedet, um Jugendlichen der Mittelschicht und der Arbeiterklasse den Zugang zu Hochschulen zu gewähren.

Die Angriffe auf die Teilzeitdozenten an Hochschulen können nur als Konterrevolution gegen die Errungenschaften der Arbeiterklasse aus den Kämpfen der vergangenen Jahre verstanden werden. Arbeiter müssen ihre Lebensbedingungen und das Recht auf Bildung und Kultur mit einem revolutionären Programm verteidigen.

Dozenten und Absolventen von Yale, sowie anderen Universitäten haben sich an die Gewerkschaften wie AFT, die United Auto Workers, Unite oder andere gewendet, damit sie für ihre Rechte einstehen. Die Gewerkschaften sind jedoch eng mit der Demokratischen Partei verbunden und haben bisher jeden gemeinsamen Kampf von Lehrern und anderen Teilen der Arbeiterklasse gegen die Sparpläne und gegen die Umverteilung öffentlicher Gelder an die Superreichen und ans Pentagon verhindert.

Mitch Abrams, ein Vertreter der International Youth and Students for Social Equality an der Eastern Michigan University und ein Abgeordneter des Studierendenparlaments, hat ein Statement an die Arbeiter und Studenten der EMU gerichtet:

„Studenten auf dem Campus müssen die Dozenten als Teil der gesamten Arbeiterklasse verteidigen. Die Arbeiterklasse ist die einzige Kraft, die in der Lage ist die öffentliche Bildung grundsätzlich zu verteidigen, denn darauf ist der Angriff tatsächlich gerichtet. Die Verwaltung der EMU hat kürzlich erst die Studiengebühren erhöht und plant eine Investition von 35 Millionen Dollar in die Erweiterung der Sportfakultät, aber kann gleichzeitig den Dozenten nicht mehr als einen Hungerlohn zahlen und ihnen keine Jobsicherheit garantieren?“

„Die Unileitung nutzt das reaktionäre Programm der Trump-Regierung, welches derzeit Einsparungen in Höhe von 10 Milliarden Dollar im Bildungswesen vorsieht, um selber 25 Prozent Lohnkürzungen durchzusetzen. Gleichzeitig fehlt aber kein Geld für die sechsstelligen Gehälter der Führungskräfte der Uni. Noch deutlicher zeigt sich diese Entwicklung im gesamten politischen Establishment, wenn Demokraten wie auch Republikaner erklären, dass es kein Geld für grundlegende Dinge wie Bildung, das Gesundheitswesen und Renten gibt, während Billionen für kriminelle Kriege, Bankenrettung und Steuersenkungen für Unternehmen ausgegeben werden. Der gesamte Campus, inklusive Dozenten, Studenten und Mitarbeitern, muss unsere Lehrer und die öffentliche Bildung generell verteidigen!“

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