Polnische Fluglinie LOT übernimmt Condor. UFO stimmt Stellenabbau zu

Von Marianne Arens
31. Januar 2020

Die polnische Fluggesellschaft LOT übernimmt Condor. Dies haben beide Unternehmen auf einer Pressekonferenz am 24. Januar in Frankfurt mitgeteilt. Unter dem Dach von LOT soll Condor bis zu 20 neue Langstreckenflugzeuge erhalten und auch für Kunden aus Mittel- und Osteuropa zum Urlaubsflieger werden.

Der deutsche Ferienflieger Condor gehörte zuletzt zum Tourismuskonzern Thomas Cook, der im September 2019 Insolvenz anmelden musste. Seither wird Condor durch einen Kredit der Bundesregierung und des Landes Hessen in der Luft gehalten. Über den Kaufpreis, den LOT jetzt für Condor bezahlt, wurden keine Angaben gemacht. Aber laut dem Luftverkehrs-Nachrichtenportal Airliners soll die Konzernmutter von LOT, die polnische staatliche Luftfahrtgruppe PGL (Polish Aviation Group), einer Kaufsumme von rund 250 Millionen Euro zugestimmt haben, plus die 380 Millionen Euro für den Überbrückungskredit. Dieser Kredit muss am 15. April zurückgezahlt werden.

Um das Vorhaben zu finanzieren und gleichzeitig die Gewinnmarge weiter auszudehnen, wird der Druck auf die Beschäftigten erhöht. Schon im Vorfeld des Verkaufs haben die Condor-Geschäftsleitung und die Gewerkschaften Stellenstreichungen und Lohneinbußen beschlossen. In der Verwaltung werden 170 Stellen gestrichen, und nochmal so viele Arbeitsplätze fallen bei den Flugbegleitern weg.

Diesen Angriff auf Arbeitsplätze und Errungenschaften trägt auch die Unabhängige Flugbegleiter Organisation UFO mit. Sie hat den Verkauf an LOT als eine „sehr gute Nachricht“ begrüßt. Kurz zuvor gab UFO am 15. Januar bekannt, dass sie auch dem Sparprogramm zugestimmt habe, obwohl dies in der Kabine den Abbau von 150 Vollzeitstellen vorsieht.

Die Zustimmung von UFO zu den Kosteneinsparungen war eine entscheidende Vorbedingung für den Verkauf an LOT. Das bestätigt alles, was die WSWS seit langem über UFO schreibt: Wie andere Spartengewerkschaften – Cockpit, Lokführergewerkschaft, Marburger Bund etc. – unterscheidet sich UFO letztlich nicht von den DGB-Gewerkschaften. Entstanden aufgrund der großen Wut der Arbeiter über die Verdi-Zwangsjacke, erweist sich UFO – nicht anders als Verdi – als Co-Manager der Konzerne für Sozialabbau und Stellenstreichungen.

Wie bewusst UFO diesen Weg geht, zeigt sich an ihrer Erklärung vom 15. Januar. Darin gibt sie nur neun Tage vor der Übernahme ihre Zustimmung zum Sanierungs-Tarifvertrag bekannt. Dort schreibt UFO ausdrücklich: „Wir möchten an dieser Stelle ganz deutlich sagen, dass wir diesen Weg für falsch halten …“ Dennoch hat sie zugestimmt, um, wie es heißt, „den Fortbestand der Condor zu sichern“. Gleichzeitig wird der Wegfall von 150 Vollzeitstellen, wie UFO selbst schreibt, in der Praxis noch weit mehr Flugbegleiter betreffen, da bei Condor heute schon viele Beschäftigte Teilzeit arbeiten. Auch wird sich mit der geplanten Ausweitung der Flotte zweifellos der Arbeitsdruck massiv erhöhen.

Zu ihrer Rechtfertigung schreibt UFO, die Condor-Geschäftsleitung habe den Abschluss zuvor mit Verdi vereinbart und schon veröffentlicht. In Wirklichkeit ist Verdi als Minderheitsvertretung bei Condor gar nicht berechtigt, solche Verträge abzuschließen. Noch im Dezember schrieb UFO: „[A]uch wenn es einen Tarifvertrag mit Verdi gäbe, kann dieser nicht einfach auf alle Mitarbeiter angewendet werden, da Verdi nicht die Mehrheitsgewerkschaft bei Condor ist.“

Kurz nach der Thomas-Cook-Pleite hatte UFO den Condor-Mitarbeitern das Versprechen gegeben: „Wir versichern Euch, dass wir keinen Anlass sehen, tarifliche Errungenschaften zur Disposition zu stellen.“ Dass dies nur ein Lippenbekenntnis war, zeigte sich schon kurze Zeit später, als UFO im November und Dezember die Lufthansa-Flugbegleiter zum Streik aufrief. Sie weigerte sich, die akut gefährdeten Condor-Beschäftigten in die Kampfmaßnahmen einzubeziehen, und sorgte so dafür, dass sie von ihren Kollegen bei Lufthansa getrennt blieben. Zweifellos war UFO in dieser Zeit damit beschäftigt, hinter den Kulissen gemeinsam mit dem Condor-Management, vielleicht sogar mit Verdi, die Pläne zur Kosteneinsparung auszuarbeiten.

Jetzt, im Januar, stellt UFO die Flugbegleiter vor vollendete Tatsachen. Sie fordert sie auf, freiwillige Opfer zu bringen, um die Stellenstreichungen niedrig zu halten. Jetzt sei „der echte Condor-Spirit gefragt“, schreibt UFO in ihrer Erklärung vom 15. Januar. Soll heißen: die Stewardessen, Stewards und Purser von Condor sollen jetzt zusätzlich freiwillige Opfer bringen und Condor dadurch bewegen, nicht so viele zu entlassen.

UFO schreibt, sie habe alles in ihrer Macht Stehende getan, um „die Bedingungen für Abfindungen, zusätzlichen Sonderurlaub und einiges mehr so sehr zu verbessern, dass Kündigungen hoffentlich dennoch nicht nötig sind“. An die Flugbegleiter richtet sie die „dringende Bitte“: „Schaut, wer zusätzliche Teilzeit und unbezahlten Urlaub nehmen kann, damit alle, die bleiben möchten, an Bord bleiben.“ Das sei ein Gebot der „Solidarität“.

Unter den 4900 Condor-Beschäftigten sind noch etwa 2400 Flugbegleiter, nachdem in den letzten Monaten schon rund fünfzig Stellen abgebaut wurden. UFO rühmt sich, zuletzt erreicht zu haben, dass diese fünfzig bereits abgebauten Stellen bei den 150 Stellenstreichungen mit eingerechnet werden. Sie schreibt: „Wenn alle Kabinenmitarbeiter ihre Arbeitszeit in Summe nur um wenige % reduzieren, wäre die erforderliche Reduktion von 100 Vollzeitstellen erreicht und es bräuchte keine weiteren Abgänge.“

Natürlich weiß auch UFO, dass dies genau der Weg ist, der die Abwärtsspirale bei den Löhnen und Bedingungen immer weiter beschleunigt, während die Profite an den Börsen steigen. Besonders im Hinblick auf die Übernahme durch den staatlichen polnischen Konzern, der zweifellos für seine Beschäftigten in Zukunft lieber das niedrigere polnische Lohnniveau zugrunde legen würde, ist dieser Weg ein verheerendes Signal.

Dass zwischen den Angriffen auf die Beschäftigten und den Börsengewinnen ein enger Zusammenhang besteht, machte der ARD-Luftfahrtexperte Michael Immen am Tag der Übernahme durch LOT sehr deutlich, als er über Condor sagte: „Dieser Laden läuft profitabel … Man hat es in vier Monaten hinbekommen, dass man Kosten gesenkt hat. Gemeinsam mit den Personalvertretern hat man die Personalkosten um ein Viertel gesenkt. Man hat die Braut hübsch gemacht und mehr als 23 Millionen Euro eingespart. Das gibt Perspektiven.“

Wie die jüngste Erfahrung mit UFO zeigt, benötigen die Condor-Flugbegleiter, wie alle Arbeiterinnen und Arbeiter, eine andere Strategie. Diese muss sich der Kapital-Hörigkeit und dem Nationalismus aller Gewerkschaften diametral entgegenstellen.

Vor einem halben Jahr schrieb die WSWS in einem Artikel zu UFO: „Um Rechte und Errungenschaften zu verteidigen, müssen Flugbegleiter, Piloten und Bodenarbeiter von den Gewerkschaften unabhängige Aktionskomitees aufbauen und sich einer internationalen sozialistischen Perspektive zuwenden. Dies gilt umso mehr, als sich Konzerne und Regierungen weltweit auf Handelskrieg und Krieg vorbereiten und die Kosten dafür der Arbeiterklasse aufhalsen.“