Perspektive

Durch Öffnung von Schulen droht massive Covid-19-Welle in New York City

Die Covid-19-Pandemie gerät in den Vereinigten Staaten außer Kontrolle. In der vergangenen Woche wurden 1.442.516 Menschen positiv getestet und 16.068 sind gestorben. Die Zahl der ins Krankenhaus eingewiesenen Covid-19-Patienten liegt jetzt bei 102.148, das medizinische Personal arbeitet an der Grenze seiner Kapazität. Prognosen sagen voraus, dass sich die Situation in den kommenden Wochen und Monaten immer stärker zuspitzen wird.

Inmitten dieser Katastrophe öffnete die Schulbehörde von New York City am Montag wieder die öffentlichen Grundschulen bis zur 5. Klasse. 200.000 Schüler, Lehrkräfte und das Schulpersonal kommen nun wieder in engen, schlecht belüfteten Schulen und Klassenräumen in der ganzen Stadt zusammen. Weniger als drei Wochen seitdem Bürgermeister Bill de Blasio (Demokratische Partei) sich gezwungen sah, die Schulen von New York City zu schließen, da im gesamten Stadtgebiet die Positivrate von Tests über drei Prozent lag, hat er sie nun wieder geöffnet, obwohl die stadtweite Positivrate bei Tests mittlerweile fünf Prozent übersteigt und die Zahl der täglichen Neuinfektionen in den letzten zwei Wochen um fast 70 Prozent zugenommen hat.

Jayceon Melendez am 7. Dezember auf dem Weg zur Henrietta-Szold-Grundschule in New York. Die öffentlichen Schulen wurden am Montag wieder für den Unterricht geöffnet, nachdem sie Mitte November geschlossen worden waren. (AP Photo/Emilio Morenatti)

Die Lehrergewerkschaft United Federation of Teachers (UFT) hat erneut die entscheidende Rolle bei der Öffnung der Schulen gespielt. Nachdem sie die Vereinbarung zur Öffnung von Schulen im September unterstützt hatte, beklagte die Gewerkschaft die Schließung im vergangenen Monat und billigte dann wiederum die Erklärung von de Blasio, dass sie diese Woche wieder öffnen.

Der UFT-Vorsitzende Michael Mulgrew veröffentlichte am Montag in am NY einen Meinungsartikel mit dem Titel „Getting, and keeping, New York's public schools open“. Er schreibt darin: „Der Weg zur Wiederöffnung der öffentlichen Schulen von New York City angesichts des Coronavirus war ein langer und schwieriger Weg, der sowohl Eltern als auch Lehrer frustriert hat.“ Mulgrew kommt zu dem Schluss: „Bei Befolgung strenger medizinischer Richtlinien sollte die Stadt in der Lage sein, die Schulen offen zu halten.“

Mulgrew wiederholt die Linie der New York Times, die immer führend die Öffnung der Schulen vertreten hat. In der New York Times war am Montag zu lesen: „Während der vor uns liegende Weg steinig ist, zeigen führende Vertreter der städtischen Gesundheitsbehörden ihre Zuversicht, dass die öffentlichen Schulen Inseln relativer Sicherheit bleiben.“

Nirgendwo führen die Demokraten, die UFT, die Times, die anderen Leitmedien oder die prinzipienlosen Vertreter des öffentlichen Gesundheitswesens den geringsten Beweis an, um ihre Behauptung zu untermauern, dass Schulen irgendwie sichere Orte sind, in denen sich Covid-19 auf wundersame Weise nicht ausbreiten kann. In Wirklichkeit ist es so, dass Epidemiologen Schulen seit langem als Hauptzentren der Virusübertragung betrachten und Covid-19 da keine Ausnahme bildet.

Die Auswirkungen dieser Politik werden katastrophal sein. Unzählige Lehrkräfte, Mitarbeiter an Schulen, Schüler und Eltern werden sich unnötigerweise infizieren und in den kommenden Wochen sterben, während die Ausbreitung der Pandemie in der gesamten Region und darüber hinaus zunimmt. Darüber hinaus beschleunigt der Präzedenzfall, den der größte Schulbezirk der USA geschaffen hat, die Pläne zur Öffnung von Schulen in anderen großen Städten unter der Führung der Demokratischen Partei, darunter Chicago, Los Angeles, Oakland und Washington D.C., um nur einige zu nennen.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien aus den USA, Südkorea, Italien und der ganzen Welt haben bewiesen, dass Kinder genauso wahrscheinlich wie Erwachsene an Covid-19 erkranken und Covid-19 übertragen. Sie werden zu Trägern des Virus, die ihre Lehrer, Eltern und andere Menschen in ihrem Umfeld infizieren. Eine im vergangenen Monat in der wissenschaftlichen Zeitschrift Nature veröffentlichte Studie bezeichnet Schulschließungen als eine der wirksamsten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie und stellt fest, dass Schulschließungen in den USA „den Inzidenzwert und die Sterblichkeitsrate von Covid-19 um etwa 60 Prozent reduzieren“.

Der amerikanische Kinderärzteverband American Academy of Pediatrics berichtet, dass bis zum 3. Dezember 1.460.905 Kinder in den USA mit Covid-19 infiziert waren, bei 123.688 Neuinfektionen in der Woche vom 26. November bis 3. Dezember. Es gibt keine Erfassung von Covid-19-Fällen an Schulen für die gesamten Vereinigten Staaten, aber die vom COVID-Monitor zusammengestellten Berichte der Bundesstaaten und Distrikte zeigen, dass mindestens 181.623 Schüler und 76.839 Pädagogen in öffentlichen Schulen in den USA infiziert wurden.

Die Kampagne für die Eröffnung von Schulen ist nicht durch die Sorge um die öffentliche Gesundheit motiviert, sondern vielmehr vom Profitinteresse der Kapitalistenklasse. Die Öffnung der Schulen ist eine Voraussetzung dafür, Eltern zur Rückkehr an den Arbeitsplatz zu zwingen. Dies dient letztlich der Gewinnmaximierung der Wall Street und der Finanzoligarchie dient.

Ende März wurde das CARES-Gesetz mit nahezu einhelliger parteiübergreifender Unterstützung verabschiedet, um den Zusammenbruch des Aktienmarktes zu verhindern. Infolgedessen hat die US-Notenbank Federal Reserve Schulden im Wert von Billionen von Dollar von den großen Konzernen gekauft und den Aktienmarkt auf Allzeithochs getrieben. Jede Unterbrechung oder Abschwächung in der Gewinnung von Mehrwert aus der Arbeiterklasse durch den Produktionsprozess droht dieses ganze Kartenhaus zum Einsturz zu bringen.

Dieser brutale Imperativ der herrschenden Klasse liegt der parteiübergreifenden Weigerung zugrunde, die grundlegendste, einfachste Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu ergreifen: die Schließung aller Schulen und nicht-systemrelevanten Betriebe.

Die neue Biden-Regierung hat unmissverständlich klar gemacht, dass sie die gleiche Öffnungspolitik durchsetzen wird wie die Trump-Regierung. Letzten Mittwoch sprach Biden wie von vollendeten Tatsachen: „Bis Januar werden wir wahrscheinlich weitere 250.000 Tote beklagen.“ In einem separaten Interview wiederholten Biden und die designierte Vizepräsidentin Kamala Harris die falsche Behauptung, dass Schulen inmitten der grassierenden Pandemie sicher wieder geöffnet werden könnten.

Die andere große Lüge, die von den Demokraten und Republikanern vorgebracht wird, um die Wiedereröffnung von Schulen zu rechtfertigen, lautet, dass sie sich um die Bildungsbedürfnisse der Kinder kümmern, die durch den Distanzunterricht nur eingeschränkt bedient werden.

Welche Heuchelei! Dieselben Politiker haben jahrzehntelang die öffentliche Bildung kaputt gespart. Gegenwärtig sabotieren sie den Distanzunterricht und verweigern wirtschaftliche Hilfen, damit die Eltern ihre Kinder wieder in gefährliche Schulen schicken, um selbst wiederum unter unsicheren Bedingungen zu arbeiten.

Die Washington Post, die Amazon-Chef Jeff Bezos, dem reichsten Mann der Welt, gehört, erschien am Sonntag unter der Titelschlagzeile: „Die Schüler haben bereits zu viel Zeit verloren. Sie müssen wieder in die Klassenzimmer zurückkehren“. Der Leitartikel stellt fest, dass „das Lernen aus der Distanz nicht annähernd die Qualität der Bildung erreicht, die von einem Lehrer in einem Klassenzimmer vermittelt werden kann.“

Auch hier ist das wahre Motiv von Bezos und der Post, dass die Eltern wieder bei Amazon und den anderen großen Unternehmen arbeiten, die während der Pandemie reichlich profitiert haben. Das persönliche Vermögen von Bezos ist auf 185 Milliarden Dollar angewachsen und liegt damit um rund 63 Prozent höher als am 18. März.

Die Prozesse, die sich in den USA abspielen, sind Teil einer globalen Antwort der herrschenden Eliten in jedem Land, von Deutschland bis Brasilien, Indien, Südafrika und der ganzen Welt.

Die Arbeiterklasse, die international mit der gleichen mörderischen Politik konfrontiert ist, muss mit ihrer eigenen globalen Strategie des Klassenkampfes reagieren. In jedem Land müssen die Arbeiter in jeder Branche ein Netzwerk von miteinander verbundenen Aktionskomitees bilden, die völlig unabhängig von den bürgerlichen Parteien und ihren Hintermännern in den Gewerkschaften sind.

Das Internationale Komitee der Vierten Internationale hat bereits Autoarbeiter, Pädagogen und andere Arbeiter bei der Bildung solcher Komitees auf der ganzen Welt unterstützt. In den USA hat die Socialist Equality Party mit Lehrern, Schulpersonal, Eltern und Schülern zusammengearbeitet, um ein Netzwerk von Aktionskomitees für sichere Bildung aufzubauen, mit Komitees, die in New York City, Michigan, Texas, Los Angeles, San Diego, Tennessee und Pennsylvania tätig sind.

Mit der vielversprechenden Entwicklung bei der Herstellung und Verteilung von Impfstoffen bekommt die Forderung der herrschenden Klasse, dass Schulen und nicht-systemrelevante Betriebe offen bleiben müssen, einen zunehmend irrationalen und barbarischen Charakter. Dem muss die Forderung nach einem landesweiten Lockdown und der Schließung aller Schulen und nicht-systemrelevanten Betriebe entgegengesetzt werden, während allen betroffenen Arbeitern ein sicheres Einkommen, Unterkunft, medizinische Versorgung und hochwertige Nahrungsmittel garantiert werden müssen.

Die von den kapitalistischen Politikern präsentierte Alternative, entweder Schulen zu öffnen oder den Schülern unzureichenden Distanźunterricht zu bieten, ist eine falsche Dichotomie. Jedes Kind kann eine qualitativ hochwertige Online-Bildung erhalten, aber dies erfordert eine massive Aufstockung der Ressourcen und des Personals, um alle Schüler angemessen zu unterstützen. Jedem Schüler und Lehrer muss die fortschrittlichste Technologie und Hochgeschwindigkeits-Internet zur Verfügung gestellt werden.

Diese Forderungen können nur durch die Enteignung des riesigen Reichtums, den die Finanzoligarchie gehortet hat, erfüllt werden. Insgesamt haben die 614 Milliardäre Amerikas allein seit Beginn der Pandemie über 931 Milliarden Dollar angehäuft und damit ihre in den letzten Jahrzehnten angesammelten Billionen aufgestockt.

Die objektiven Interessen der Arbeiterklasse, in Übereinstimmung mit den Prinzipien der medizinischen Wissenschaft und der öffentlichen Gesundheit, stehen denen der herrschenden Klasse diametral entgegen. Diese unversöhnlichen Interessen werden in der kommenden Periode Massen von Pädagogen, Autoarbeiter, Logistiker, Schlachtereiarbeiter und Landarbeiter sowie alle anderen Teile der Arbeiterklasse zum Kampf zwingen.

Der Kampf für die Schließung von Schulen und die Eindämmung der Pandemie bedeutet vor allem einen politischen Kampf gegen das gesamte kapitalistische System. Es muss eine revolutionäre Führung aufgebaut werden, um diese kommenden Kämpfe zu lenken, und wir fordern alle, die diese Notwendigkeit erkennen, dringend auf, noch heute die Entscheidung zu treffen, der Sozialistischen Gleichheitspartei beizutreten.

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