Streiks an Schulen in ganz Großbritannien

In Großbritannien finden zur Zeit mehrere Streiks im Bildungswesen statt, parallel zu weiteren Arbeitskämpfen im öffentlichen Dienst, dem Verkehrs- und Gesundheitswesen und der Energiebranche. Diese Streiks sind Ausdruck einer deutlichen Zunahme des Klassenkampfes.

Viele Unternehmer und öffentliche Arbeitgeber nutzen die Pandemie als Vorwand, um die Ausbeutung der Beschäftigten zu verschärfen. Die geheuchelte Sorge um „benachteiligte Kinder“ und „verlorene Lernzeit“ dient als ideologische Waffe, um die Wiederaufnahme des Schulunterrichts zu erzwingen, damit die Eltern wieder arbeiten und Profite erwirtschaften können.

Für Lehrkräfte war die „Rückkehr in die Schulen“ eine Rückkehr zu Kürzungen, Arbeitsplatzabbau sowie Verleumdung und Schikane für diejenigen, die sich dem Kurs von Boris-Johnson-Regierung widersetzen. Die Gewerkschaften im Bildungswesen haben in der Pandemie eine wichtige Rolle gespielt, den Widerstand gegen unsichere Arbeitsplätze zu unterdrücken und den Kampf der Lehrkräfte für die Schließung von Schulen zu bekämpfen. Im März unterstützten die Gewerkschaften die Öffnung der Schulen mit einem „Big Bang“ trotz der hohen Infektionszahlen und dem fehlenden Schutz für Schüler, Lehrkräfte und Schulpersonal.

Streikposten am West College Scotland (Quelle: EIS Twitter)

In allen Sektoren spielen die Gewerkschaften immer wieder eine kriminelle Rolle bei der Unterdrückung des Widerstands. Arbeiter wehren sich gegen den Abbau von Arbeitsplätzen und Leistungen und dagegen, dass die wirtschaftlichen Kosten der Pandemie und der riesigen Rettungspakete der Arbeiterklasse aufgebürdet werden sollen. Im ganzen letzten Jahr haben die Gewerkschaften unter dem Vorwand der „nationalen Einigkeit“ Arbeitskämpfe unterdrückt, sodass das Großkapital und die britische Tory-Regierung einen Angriff auf Arbeitsplätze, Löhne und Arbeitsbedingungen vornehmen konnten.

In Schottland begann am letzten Mittwoch ein zweitägiger Streik der Lehrkräfte an 26 Hochschulen. Schon eine Woche zuvor hatte ein eintägiger Streik stattgefunden. Die Mitglieder der Educational Institute of Scotland Further Education Lecturers’ Association (EIS-FELA), die zu dem Streik aufgerufen hatte, protestieren gegen Pläne von Colleges Scotland, Lehrkräfte durch schlechter bezahlte Ausbilder zu ersetzen. Weitere Streiks sind geplant.

In Nordirland fand am 24. März ein eintägiger Streik an allen sechs Hochschulen statt, zu dem die University and College Union (UCU) im Rahmen eines Disputs über Bezahlung und Arbeitspensum aufgerufen hatte.

Viele weitere Aktionen an einzelnen Schulen werden unterdrückt, um eine vereinte Kampagne im ganzen Bildungswesen zu verhindern. Seit Februar gab es folgende Streiks an Hoch-, Sekundar-, Grund- und Sonderschulen:

  • Am 25. Februar veranstalteten Beschäftigte der Shrewsbury Colleges Group einen dreitägigen Streik zur Verteidigung des diskriminierten Vertreters der National Education Union (NEU) John Boken, ein weiterer neuntägiger Streik ist für März und April geplant. Boken war Ziel von Angriffen geworden, weil er über Rassismus an dem College geklagt hatte.
  • Gewerkschaftsmitglieder der NEU in Greenwich südöstlich von London sind dabebi, über einen Streik zur Verteidigung der diskriminierten Vertreterin Kirstie Paton aus dem Exekutivkomitee der NEU abzustimmen. Paton, die seit zwanzig Jahre an der John Roan School in Maze Hill (Blackheath) arbeitet, schrieb auf einem Social Media-Account der Gewerkschaft über ihre Sorge, dass einige der Tests nicht zuverlässig seien. Die Schulkette United Learning, die John Roan betreibt, geht wegen grobem Fehlverhalten gegen Paton vor. Der Streik soll den ganzen Stadtteil einbeziehen.
  • In Hackney wurde letzte Woche der Streik an einer unabhängigen Förderschule fortgesetzt, während an der Leeways School, die von der Kedleston Group betrieben wird, Vorwürfe über Mobbing und Einschüchterung des Managements laut wurden. Die Streikenden haben ihre Forderungen vom Dezember nach einer Gehaltserhöhung von 2,75 Prozent bekräftigt, die viele Lehrkräfte bereits 2020 erhalten haben, und klagen über das Fehlen von „angemessener Krankengeldzahlung“. Es gibt außerdem Beschwerden über unzureichende Lehrmittel, fehlende Pausenräume und so niedrige Temperaturen, dass „Personal und Schüler oft Mäntel tragen müssen“. Seit Beginn des Disputs wurden zwei Mitglieder entlassen, einer davon ein Gewerkschaftsvertreter. Berichten zufolge hat die Schulleitung mit einer Massenentlassung gedroht, falls der Streik nicht beendet wird.
  • An der Moulsecoomb Primary School in Brighton traten Mitglieder der NEU, der GMB und UNISON in den Streik, nachdem das Bildungsministerium angekündigt hatte, dass drei neue Sponsoren für die Schule zur Verfügung stehen. Beschäftigte und Kommune lehnen die Privatisierung der Schule ab.
  • An der University of Central Lancashire hat das Lehrpersonal für einen Streik gegen Arbeitsplatzabbau gestimmt. Die Universität hatte erklärt, dass sechs Posten an der Fakultät für Kultur und Kreativindustrie in Gefahr seien. Mehr als 250 Beschäftigte haben bereits freiwillig gekündigt. Am 19. April sollen landesweit alle Mitglieder der UCU im höheren Bildungswesen über einen Streik für besseres Gehalt abstimmen.
  • Bei Novus, einem Bildungsanbieter in englischen Gefängnissen, stimmen Mitglieder der UCU über Streiks wegen Sicherheitsbedenken angesichts der Corona-Pandemie ab.
  • An der Gateshead-Schule in Newcastle streiken die Lehrer gegen Drohungen und Einschüchterungsversuche der Schulleitung. Einige Beschäftigte der Eslington and Furrowfield School Federation, einer Gruppe von Förderschulen in Gateshead, streiken gegen „Praktiken des Management“. Die Aktionen sind auf fünfzehn Tage angelegt.
  • Das Personal der Langley School in Sutton Coldfield hat laut der NEU am 24. Februar einen mehrtägigen Streik begonnen. Ihnen geht es vor allem um unzureichende Heizung, Lüftung und Sauberkeit an der Schule.
  • An der Beal High School in Redbridge begann am 25. März ein sechstägiger Streik gegen die Weigerung der Schule, über die Zahlung von Krankengeld zu verhandeln. Mitglieder der Gewerkschaft NASUWT wollen vom 20. bis zum 29. April wegen „Umstrukturierung, Entlassungen und fehlender Beratung“ streiken.
  • Ende März traten Reinigungskräfte der prestigeträchtigen South London Roman Catholic Girls' School La Retraite für zwei Tage in den Streik und kündigten weitere 40 Streiktage wegen „rechtswidriger Lohnabzüge“, „Armutslöhnen“ und „institutionellem Rassismus“ an. Der Streik wurde mittlerweile beendet, weil die Schule zustimmte, Krankengeld in gleicher Höhe wie bei den Lehrkräften zu zahlen und die Löhne um 24 Prozent zu erhöhen. Der Disput war ausgebrochen, nachdem in der Vorweihnachtszeit die Arbeitszeit der Reinigungskräfte gekürzt wurden und wegen eines einmonatigen Ausstandes zur Durchsetzung von Infektionsschutzmaßnahmen ihre Löhne einbehalten wurden.
  • Mitglieder der EIS-FELA am Argyll College stimmen momentan über einen Streik gegen die Entscheidung ab, die Lehrkräfte für die Dauer der Pandemie zu entlassen. Bei einer Probeabstimmung Anfang des Monats hatten bei einer Beteiligung von 82 Prozent 76 Prozent für den Streik gestimmt. Diese gesetzlich vorgeschriebene Abstimmung begann Mitte März und endet am 15. April. Nur einen Tag zuvor hatten die Lehrkräfte am Argyll College wegen des anhaltenden landesweiten Disputs über den Austausch von Dozenten durch Ausbilder gestreikt.

Die Lehrkräfte geraten bei ihren Kämpfen immer wieder in Konflikt mit den staatstragenden und arbeitgeberfreundlichen Gewerkschaften. Diese versuchen, den Klassenkampf zu unterdrücken und alle Streiks, die sie nicht verhindern können, zu isolieren und in die Niederlage zu führen.

Die Ausweitung und Vereinigung der Kämpfe der Arbeiterklasse erfordert den Aufbau eines Netzwerks von Arbeitsplatzkomitees, die unabhängig von den prokapitalistischen Gewerkschaften agieren. Nur durch solche Komitees können Arbeiter ihre eigenen Forderungen durchsetzen, darunter Notfallmaßnahmen gegen die Corona-Pandemie und ein Ende der unsicheren Öffnung von Schulen und Betrieben bei voller Entschädigung für Arbeiter und Kleinunternehmer.

Das nächste Onlinetreffen des Netzwerks der Aktionskomitees für sichere Bildung in Deutschland findet am kommenden Montag um 19:30 gemeinsam mit dem Netzwerk der Aktionskomitees für sichere Arbeitsplätze statt. Nehmt am Facebook-Event teil und registriert euch hier für den Aufbau von Aktionskomitees an euren Schulen, Einrichtungen und Betrieben.

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