Nato will Hunderte ukrainische Soldaten in den USA und Deutschland ausbilden

Die Ankündigung der USA und Deutschlands, die Ausbildung ukrainischer Soldaten in ihren eigenen Grenzen auszuweiten, wird beide Länder noch tiefer in den Krieg gegen Russland involvieren.

Das Pentagon kündigte am Dienstag an, es werde ukrainische Soldaten in Fort Sill (Oklahoma) in der Bedienung des Patriot-Raketensystems ausbilden – der modernsten Waffe, die der Ukraine bisher geliefert wurde.

Die Washington Post bezeichnete die Ankündigung des Pentagons als „den jüngsten Test der Reaktionsschwelle des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Bezug auf die westliche Intervention in den Konflikt“.

Letzten Monat hatte die Biden-Regierung angekündigt, sie werde der Ukraine eine Patriot-Raketenbatterie schicken, die russische Flugzeuge auf dem Weg in die Ukraine über russischem Territorium abschießen kann. Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz kündigte in der vergangenen Woche an, eine eigene weitere Batterie zu schicken.

Der Pentagon-Sprecher, Brigadegeneral Patrick Ryder, erklärte am Dienstag: „Die Ausbildung der ukrainischen Streitkräfte am Patriot-Luftabwehrsystem wird bereits nächste Woche in Fort Sill (Oklahoma) beginnen. ... Etwa 90 bis 100 Soldaten werden in einem Kurs, der vermutlich mehrere Monate dauern wird, auf den Betrieb, die Wartung und den Erhalt des Abwehrsystems vorbereitet werden.“

Ryder wies auf die bereits bestehende Fähigkeit zur Zusammenarbeit zwischen den militärischen Kommandostrukturen der Nato und dem ukrainischen Militär hin und erklärte: „Es wurden bereits ukrainische Streitkräfte in den USA ausgebildet und entwickelt. Ukrainer haben unsere professionellen Militärbildungseinrichtungen besucht und waren in die Hauptquartiere einiger unserer Einheiten integriert.“

Der Pentagon-Sprecher bestätigte außerdem, dass die USA in einer ihrer Einrichtungen in Deutschland etwa 500 Soldaten in „combined arms warfare“ (Gefecht der verbundenen Waffen) ausbilden wollen. Daran werden sowohl die Bradley-Schützenpanzer beteiligt sein, die bereits an die Ukraine geliefert werden, als auch die Kampfpanzer, die die Nato vermutlich in naher Zukunft zur Verfügung stellen wird.

Ryder deutete an, dass die ukrainischen Truppen in der Einrichtung der US Army im bayrischen Grafenwöhr mit einigen der Panzerfahrzeuge trainieren werden, die später mit ihnen in den Kampf geschickt werden: „Die Bradleys sollten also [in Grafenwöhr] verfügbar sein ...und werden auch Teil der Ausbildung im Gefecht der verbundenen Waffen sein, die sie in Deutschland absolvieren.“

Nur kurz vor der Ankündigung des Pentagon hatte US-Präsident Joe Biden eine Waffenlieferung im Wert von drei Milliarden Dollar an die Ukraine bekanntgegeben – die bisher größte Waffenlieferung. Der Kongress hatte zudem weitere 50 Milliarden Dollar für den Krieg bewilligt. Das jüngste Waffenpaket umfasst die Lieferung von Dutzenden von Bradley-Schützenpanzern, die im Grunde als leichte Panzer fungieren.

Noch während sie der Ukraine beispiellose Mengen an Waffen liefern, bereiten die Nato-Mächte eine weitere Eskalation ihrer Beteiligung an dem Krieg vor.

Ein wichtiger Wendepunkt wird beim Gipfeltreffen der Ukraine-Kontaktgruppe am 20. Januar in Ramstein erwartet.

Der Guardian schrieb über das bevorstehende Gipfeltreffen: „Nächste Woche wird ein entscheidender Moment erwartet: Die westlichen Verteidigungsminister werden am 20. Januar beim nächsten Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe über künftige Militärhilfen beraten. Berichte deuten darauf hin, dass die USA bei dem Treffen möglicherweise die Lieferung von Stryker-Radpanzern ankündigen werden.“

Am Dienstag besuchte die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock die Ukraine und erklärte, Deutschlands Solidarität und Unterstützung beinhalte auch weitere Waffenlieferungen. Letzte Woche hatte Deutschland die Lieferung von 40 Marder-Schützenpanzern angekündigt.

Polen und Litauen haben angekündigt, sie wollten der Ukraine Leopard 2-Panzer liefern. Allerdings brauchen sie dafür die Genehmigung Deutschlands, da sie als Gegenleistung für den Erhalt der Panzer Exportabkommen unterzeichnen mussten.

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba erklärte nach dem Treffen mit Baerbock: „Das Thema Leopard-Panzer hat uns während des Besuchs jede Minute unsichtbar begleitet.“

Er fügte hinzu: „Ich glaube, die Bundesregierung versteht zuinnerst, dass diese Entscheidung fallen wird, und die Panzer an die Ukraine geliefert werden.“

Ein Vertreter der US-Regierung erklärte zur Diskussion über die Lieferung von Kampfpanzern gegenüber Politico: „Wenn sie Gebiete zurückerobern wollen, brauchen sie Panzer.“

Bisher wurden laut Statistiken, auf die sich US-Generalstabschef Mark Milley beruft, während des Ukrainekriegs mehr als 200.000 Ukrainer und Russen getötet oder verwundet.

Doch mit zunehmender Heftigkeit des Kriegs besteht die Gefahr, dass die Nato-Mitgliedsstaaten in Osteuropa direkt hineingezogen werden. Der polnische Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak kündigte am Dienstag in einem Interview die Gründung einer neuen Infanteriedivision im Ostteil des Landes an, die sich speziell gegen Russland richtet.

Er erklärte: „Wir wissen, wer uns bedroht, und von wo... Für Polen ist Russland mit seinen imperialen Tendenzen die größte Bedrohung. Deshalb werden im Osten des Landes mehr Truppen benötigt und deshalb wird hier eine neue Division aufgestellt. ... [Polen ist] in direktem Kontakt mit dem Krieg.“

Er schloss: „Wir übernehmen viel Verantwortung, aber wir tun es bewusst. Je weiter wir Russland zurückdrängen, und je größer die Verluste sind, die wir ihm zufügen, desto besser für uns und die Zukunft der demokratischen Welt.“

Nikolai Patruschew, ein Sicherheitsberater des russischen Präsidenten Wladimir Putin, brachte die Realität der zunehmenden Beteiligung der Nato am Krieg zum Ausdruck. Er erklärte, der Konflikt sei „kein Zusammenstoß zwischen Moskau und Kiew“, sondern eine „militärische Konfrontation zwischen der Nato, vor allem den USA und England, und Russland“.

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