Es gärt unter den Mitgliedern der United Auto Workers, weil sich die „historische Wahl“ der Gewerkschaft – die der Belegschaft zum ersten Mal die Möglichkeit geben sollte, führende UAW-Funktionäre direkt zu wählen – als ein Hohn auf die Demokratie erwiesen hat.
Durch Manipulation, Unterdrückung der Wahlbeteiligung, Lügen und Betrug schloss der UAW-Apparat 90 Prozent der Mitgliedschaft im ersten Wahlgang Ende letzten Jahres von der Abstimmung aus. Jetzt führt die UAW-Bürokratie mit dem Segen des gerichtlich bestellten UAW-Aufsehers eine „Stichwahl“ zwischen dem amtierenden UAW-Präsidenten Ray Curry und dem langjährigen nationalen UAW-Vertreter Shawn Fain durch, die jeweils die Stimmen von weniger als 4 Prozent der Mitglieder erhielten.
Der Wettbewerb zwischen den beiden handverlesenen Kandidaten der UAW-Bürokratie wird fortgesetzt, obwohl die Ergebnisse der ersten Runde noch nicht einmal bestätigt wurden. Will Lehman, ein Arbeiter aus dem Werk Mack Trucks und einer der fünf Kandidaten der ersten Abstimmung, hatte das Wahlergebnis angefochten. In einer offiziellen Protestnote, die er am 19. Dezember beim UAW-Wahlaufseher eingereicht hatte, dokumentierte Lehman die vorsätzlichen Bemühungen der etablierten UAW-Führung, die Abstimmung zu unterdrücken und ihre Posten zu schützen.
Bis heute hat der UAW-Aufseher nicht auf Lehmans Protest und seine Forderung reagiert, dass alle fünf Kandidaten der ersten Runde in die aktuelle Abstimmung einbezogen werden müssen.
In den letzten drei Wochen sind Unterstützer von Will Lehman zu den Werken in Ohio, Indiana, Kentucky, Michigan, Illinois und anderen Staaten gereist, um die Arbeiter über den Protest zu informieren und Widerstand gegen diese Wahlfarce aufzubauen. An den Werkstoren und in Einzelgesprächen trafen die Unterstützer auf eine weit verbreitete Wut über die Wahl und eine standfeste Bereitschaft, das Wahlrecht zu verteidigen.
Viele Arbeiter kauften gedruckte Broschüren mit Lehman’s offiziellem Protest und brachten ihre Dankbarkeit für seine Kampagne zum Ausdruck, mit der er die Arbeiter zur Verteidigung ihrer Rechte auf freie und faire Wahlen aufrief.
Letzte Woche besuchten die Wahlkämpfer das Kentucky LKW-Werk in Louisville. Die KTP-Arbeiter gehören dem UAW-Ortsverband 862 an, einem großen Zusammenschluss von 8.600 Mitgliedern, dem auch die Arbeiter des nahe gelegenen Ford-Montagewerks in Louisville angehören.
John, ein langjähriger Arbeiter bei KTP, sagte der WSWS: „Ich wollte wählen, aber ich habe nie einen Stimmzettel bekommen. Das ist das erste Mal, dass ich von dieser Sache höre. Niemand aus meinem Team hat einen Stimmzettel bekommen, und das sind wahrscheinlich 14 oder 15 Leute. Bei mir zu Hause hängt ein Zettel, auf dem steht, dass ich einen Wahlzettel bekommen sollte, aber ich habe ihn nie gesehen. Ich bin darüber angewidert. Ich denke, dass ich ein Recht darauf habe, mitzubestimmen, wer uns führt, genauso wie jeder andere, der Beiträge zahlt.“

Der Protest von Lehman dokumentiert, wie UAW-Funktionäre in mehreren Werken Lehman-Wahlkämpfer bedrohten und den Werksschutz aufforderten, sie zu entfernen, was einen klaren Verstoß gegen die Wahlregeln des gerichtlich bestellten Aufsehers darstellt. „Ich habe das gelesen“, fügte John hinzu. „Das ist Wahnsinn.“
Als er erfuhr, dass Ray Currys Jahreseinkommen 270.000 Dollar betrug und er im Vorstand von Daimler und anderen Unternehmen saß, sagte John: „Das hört sich nicht nach jemandem an, von dem ich möchte, dass er etwas für mich aushandelt. Ich glaube, viele Leute denken so. Keine unserer Stimmen wurde gehört.“
Ein Kollege bei KTP, der ebenfalls John heißt, erläuterte eine Reihe von Zugeständnissen, die die UAW in den letzten drei Verträgen bei Ford durchgesetzt hat, und kritisierte insbesondere das zweistufige Lohn- und Leistungssystem.
„Wenn ich einen Job mache, sollte die Person, die direkt gegenüber von mir arbeitet, den gleichen Lohn erhalten wie ich. Wir stecken dieselbe Arbeit hinein. Wir sollten auch gleich bezahlt werden.“
John stimmte Lehmans Forderung nach einer Neuwahl zu, an der alle Kandidaten der ersten Runde teilnehmen sollten, um sicherzustellen, dass jedes Mitglied von der Wahl weiß und die Möglichkeit hat, seine Stimme abzugeben. „Ich stehe zu 100 Prozent hinter dem Protest“, sagte er.
John sagte, er habe bei der ersten Wahl keinen Stimmzettel erhalten, aber vor kurzem einen für die betrügerische Stichwahl bekommen. „Es ist ein Schwindel. Die ganze Situation ist einfach korrupt. Das Unternehmen schmiert die UAW.“
„Ich finde es ziemlich beschämend“, fügte seine Kollegin Kyler hinzu, „und ehrlich gesagt auch respektlos, dass wir nicht über eine Wahl informiert werden, bei der es um unsere Zukunft geht. Das ist für mich verrückt. Ich war mir dessen im November nicht einmal bewusst.

Sie sagte, dass sie im Herbst keinen Stimmzettel erhalten, aber einen für die Stichwahl bekommen habe. Sie sagte, dass die lokalen UAW-Vertreter überall im Werk Aushänge für die Stichwahl gemacht hätten. „Sie sind überall“, sagte sie und fügte hinzu, dass sie bei der Wahl im Herbst keinerlei Plakate oder Aushänge gesehen habe.
Im ersten Wahlgang erhielt Lehman 128 Stimmen bei der UAW Local 862, was zeigt, dass seine Forderung nach der Abschaffung des UAW-Apparats und der Übertragung der Macht auf die Arbeiter in den Betrieben durch den Aufbau von Aktionskomitees eine starke Basis hat.
Lehman ist ein Sozialist, der das kapitalistische Profitsystem ablehnt und für die Einheit der Arbeiter über alle nationalen Grenzen hinweg gegen die globalen Autokonzerne wie Ford kämpft.
Kyler sagte, die Arbeiter müssten für inflationsausgleichende Lohnerhöhungen kämpfen und das Stufensystem und die Ausbeutung der Zeitarbeiter abschaffen. „Wir müssen definitiv Änderungen vornehmen. Aber wenn wir das tun wollen, müssen wir diese Leute abwählen und Leute einsetzen, die tatsächlich auf unserer Seite stehen. Ich habe jetzt die Laufzeit von zwei Tariferträgen durchgemacht, und die Löhne sind immer noch die gleichen, aber die Inflation ist gestiegen.“
Weitere Informationen über den Protest von Lehman und den Kampf für den Aufbau von Aktionskomitees findet ihr unter: https://www.willforuawpresident.org.
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