„Niemand ist sicher“: Ward Sakeik und ihr Anwalt Eric Lee sprechen auf CNN über Trumps Abschiebesystem

Am Samstagmorgen zeigte CNN ein Interview mit der 22-jährigen Ward Sakeik und ihrem Anwalt Eric Lee. Darin diskutierten sie über die Bedeutung von Sakeiks fünfmonatiger Inhaftierung durch die Immigration and Customs Enforcement (ICE). Sakeik, eine staatenlosen Palästinenserin, wurde am letzten Dienstag freigelassen.

Sakeik drohte die Abschiebung „an die Grenzen Israels“, d.h. nicht nur ein erzwungenes Exil, sondern auch die Abschiebung in ein Gebiet, in dem mit Unterstützung der USA seit über 20 Monaten ein Völkermord stattfindet. Der einzige Grund dafür war, dass sie in ihren Flitterwochen mit einem Inlandsflug auf die US-amerikanischen Virgin Islands geflogen war.

Ward Sakeik spricht über die höllischen Bedingungen in der ICE-Haft

Seitdem ihre Familie im Jahr 2011 aus Saudi-Arabien geflohen war, lebte Sakeik in den USA, wo sie erwachsen wurde und arbeitete. Sie wurde noch nie einer Straftat beschuldigt, und seit ihrer Ankunft im Alter von acht Jahren hat sie alle Anforderungen der Einwanderungsbehörden erfüllt.

Am Samstag erklärte sie gegenüber CNN: „Die gesamte Inhaftierung war nicht gerade toll. Das wünsche ich niemandem. Es war sehr hart, sehr traumatisierend.“

Ihr Anwalt Eric Lee erklärte: „Ward ist Palästinenserin. Die Regierung der Vereinigten Staaten erkennt Palästina nicht als Land an. Ihre Familie wurde, genau wie so viele Palästinenser, vor vielen Jahrzehnten von ihrem Land vertrieben und praktisch in eine internationale Diaspora gezwungen. Die Regierung kann sie in kein Land abschieben.“

Nach Sakeik betonte auch Lee, dass sie sich an alle Einschränkungen, Vorschriften und Hürden gehalten habe, die ihr der Staat auferlegt hatte.

Zwei Tage nach ihrer Freilassung beschrieb sie auf einer Pressekonferenz die entmenschlichende und brutale Behandlung, die sie und hunderte andere erlitten hatten. Sie beschrieb, wie sie „wie Vieh herumgeschoben“ wurden, wärend ihnen Wasser, Nahrungsmittel und religiöses Material vorenthalten wurde. Sie wurde auch Zeuge, wie man andern Frauen Medikamente verweigerte, und sie waren gezwungen, auf kalten, rostigen Betten zu schlafen.

Ward Sakeik spricht mit der WSWS, 3. Juli 2025

Sakeik erklärte, dass immer mehr Menschen in die zunehmend beengten Räume gedrängt wurden, obwohl die Einrichtung bereits überfüllt und von Ungeziefer befallen war.

Sakeiks eindrucksvolles Zeugnis und der kriminelle Charakter ihrer Inhaftierung haben unter breiten Teilen der Arbeiterklasse in den USA und der ganzen Welt enorme Wut ausgelöst.

Das Heimatschutzministerium ist sich sehr wohl bewusst, dass diese wachsende Wut bald einen Zerreißpunkt erreichen könnte. Daher hat es versucht, Sakeiks Aussagen zu diskreditieren. Die stellvertretende Heimatschutzministerin, Tricia McLaughlin, erklärte gegenüber Newsweek wahrheitswidrig, es sei „die höchste Priorität der ICE, die Sicherheit und das Wohlergehen von Personen in unserem Gewahrsam zu gewährleisten“. Sakeiks fünfmonatige Inhaftierung tat McLaughlin verächtlich als „rührselige Geschichte“ ab.

Darauf antwortete Lee am Samstag: „Wir möchten die amerikanische Bevölkerung fragen, wem sie glauben wird? Ihrem Lügengesicht, den Aussagen derjenigen Personen, die dafür verantwortlich sind, dass hier in den Vereinigten Staaten Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen werden?“

Über den kriminellen Charakter der US-Regierung erklärte Lee: „Diese Regierung verletzt und untergräbt aktiv die amerikanische Verfassung und die Bill of Rights.“ Sakeiks Fall sei „beispielhaft für die grundlegende Frage, die sich jeder an diesem Wochenende des 4. Juli stellen muss: Leben wir in einer Demokratie oder einer Diktatur?“

Lee wies darauf hin, das Sakeik zu den „zehntausenden“ Menschen überall in den USA gehört, denen die Entführung durch die Trump-Regierung droht. Er erklärte weiter:

Das ist Amerika. Es gibt ein Netzwerk von Internierungslagern im ganzen Land, das von demokratischen wie republikanischen Regierungen aufgebaut wurde. Darin sind Familien inhaftiert, und Kindern werden ihre Eltern weggenommen.

Gerade erst haben sie etwas gebaut, was sie ,Alligator-Alcatraz‘ nennen, und was genauso schrecklich ist, wie es klingt. In Florida helfen US-Marines der ICE bei ihren Angriffen auf die Rechte von Einwanderern in diesem Bundesstaat. Im Kongress haben sie gerade ein Gesetz verabschiedet, das nicht etwa ,groß und schön‘ ist, sondern das die ICE finanzieren wird, sodass sie mehr Mittel als viele Streitkräfte auf der Welt zur Verfügung haben wird. Das ist eine außerordentlich gefährliche Situation.

Die Situation, in der sich Ward befindet, zeigt, dass niemand sicher ist. Sie sprechen von der Ausbürgerung von US-Staatsbürgern. Sie versuchen zu bestimmen, wie Einwanderer sich äußern dürfen, und welche Äußerungen amerikanische Staatsbürger von Einwanderern hören dürfen.

Das hat nichts mit der demokratischen Tradition Amerikas zu tun, die in der Unabhängigkeitserklärung verkörpert ist, die vor fast 250 Jahren unterzeichnet wurde.

Die World Socialist Web Site hat an prominenter Stelle über Sakeiks Fall und ihre Aussagen berichtet, und in den sozialen Medien gehen diese Berichte viral. Ein TikTok-Post der Internationale Youth and Students for Social Equality (IYSSE), in dem ein Ausschnitt von Sakeiks erschütternden Erfahrungen zu sehen war, wurde in weniger als 24 Stunden 75.000-mal angesehen. Tausende verurteilten empört ihre Behandlung und allgemein die Angriffe auf Einwanderer.

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Ein Kommentator schrieb: „ 😔💔💔💔 Ich bin absolut angewidert von unserer Regierung und den Leuten, die in diesen Einrichtungen arbeiten. Das sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit, und der Satz: ,Ich habe nur Befehle befolgt‘, taugt nicht als Verteidigung!“

Ein anderer antwortete unverblümt: „Wir leben in einer Diktatur.“

Wieder ein anderer fragte: „Wann wird es zum Aufstand kommen? (...) Wie weit noch, bis eine Grenze überschritten ist? Meiner Meinung nach haben sie diese Grenze schon vor Monaten überschritten, aber es passiert immer noch mehr, und offenbar kommen sie einfach damit durch.“

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