„Wir gegen die Manager“: Streikende Pflegekräfte in New York City im Interview am Streikposten

Streikende Pflegekräfte vor dem New Yorker Presbyterian Hospital

Am Montagmorgen traten in New York City fast 15.000 Pflegekräfte in den ersten großen Streik des neuen Jahres. Die Pflegekräfte der Krankenhauskomplexe Presbyterian Hospital, Mount Sinai Hospital und Montefiore Hospital besetzten den ganzen Tag über Streikposten, und es herrschte eine kämpferische Stimmung. Die Texte auf ihren selbstgemalten Plakaten und Transparenten gaben einen Eindruck von den Bedingungen, gegen die sie kämpfen. Auf einem war beispielsweise zu lesen: „Schränke sind für Kleidung da, nicht für Babys“, auf einem anderen: „Wer nimmt ,Helden‘ die Gesundheitsversorgung weg?“ 

Obwohl die zuständige Gewerkschaft, die New York State Nurses Association, den Streik eingeschränkt hatte, indem sie in letzter Minute Abkommen mit acht Krankenhäusern aushandelte, ist der jetzige Ausstand dennoch der größte Pflegestreik in der Geschichte der Stadt. Drei Jahre zuvor fand der letzte große Streik in der Stadt statt, an dem schon zwei der Krankenhauskomplexe, Mount Sinai und Montefiore, beteiligt waren, die jetzt auch bestreikt werden. Damals wie heute ist ein wichtige Thema die gefährliche Unterbesetzung, die für die Pflegekräfte zu unerträglichen Bedingungen führt. 

Die Personalnot ist seit langem gefährlich für die Patienten und untragbar für die Beschäftigten. Hinzu kommt, dass die Vorstände der Krankenhäuser den Beschäftigten Kürungen bei ihrer eigenen Gesundheitsversorgung zumuten. Sie weigern sich zudem, auf Sicherheitsbedenken einzugehen, die mit der Verschärfung der sozialen Krise in New York City und landesweit zugenommen haben, weil die Trump-Regierung die öffentliche Gesundheitsinfrastruktur zerstören lässt. 

Reporter der WSWS sprachen am Montag mit streikenden Pflegekräften des Presbyterian Hospital in New York über die Bedingungen und die politischen Hintergründe, die zu diesem Kampf geführt haben. 

Eine Krankenschwester am New Yorker Presbyterian Hospital wies auf den katastrophalen Personalmangel und dessen Auswirkungen auf die Versorgung hin: „Derzeit haben wir Patienten, die zwei Tage lang im Aufwachraum warten, weil man sie zwar bereitwillig aufnimmt, aber nicht darauf achtet, wie viele Betten im Krankenhaus zur Verfügung stehen. Das führt zu langen Wartezeiten bei den Patienten. Sie leiden darunter, und wir, die Pflegekräfte, können ihnen nicht helfen.

Auch halte ich es für absolut unfair, unsere Gesundheitsversorgung derart massiv zu kürzen. Warum sollten wir Pflegekräfte keine Gesundheitsversorgung bekommen, die wir unter Corona-Bedingungen arbeiten oder während extremen Grippewellen, wenn die Notaufnahmen voll sind?

Es kann nicht sein, dass deine Angehörigen im Aufwachraum neben jemandem mit Grippe sitzen, nachdem sie sechs Monate bis zu einem Jahr auf eine Organtransplantation gewartet haben. Das ist ein Geschenk, und es kann nicht sein, dass man es derart aufs Spiel setzt und dass das Krankenhaus das nicht ernst nimmt.“

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Auf die Frage nach der politischen Situation, in der unbegrenzte Mittel für Krieg und den Aufbau der Diktatur im Inland ausgegeben werden, während von Pflegekräften und anderen Arbeitern Opfer gefordert werden, antwortete sie: „Ich bin dagegen, dass Geld in den Krieg fließt. Pflegekräfte sind dafür da, einen zu beschützen, zu retten, und sie werden immer da sein und die Menchen retten. Die Konzerne dagegen ziehen einem das Geld aus der Tasche und lassen die Menschen leiden. Die Pflegekräfte stehen für euch ein, und wir wollen, dass ihr auch für uns einsteht. Dies hier ist erst der Anfang. Wenn wir es schaffen, könnt ihr es auch schaffen. Ihr seid es wert.“

Eine Pflegerin aus der Neurochirurgie erklärte: „Wir sind hier und streiken ausdrücklich für faire Löhne, für ein angemessenes Verhältnis von Patienten zu Pflegekräften, die Sicherheit für unsere Patienten und hoffentlich für einen Tarifvertrag. Wir setzen uns sehr für unsere Patienten und für die Leute im Krankenhaus ein, und wir glauben nicht, dass es viel Unterstützung für uns gibt. Wir müssen für uns selbst eintreten, und deshalb streiken wir.“

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Eine Pflegerin mit 24 Jahren Berufserfahrung erklärte: „Es bricht einem das Herz, dass wir während der Pandemie als ,Helden‘ gefeiert wurden. Und jetzt werden wir wie ein Niemand behandelt. Und das Management ist nicht einmal zu den Verhandlungen erschienen. Deswegen ist es richtig, dass wir unsere Rechte verteidigen.“

Eine Schwester von der Wochenbettstation erklärte: „Wir kämpfen für einen fairen Tarifvertrag, mehr Personal, besonders für unsere Babys und Risikoschwangeren. Wir bekommen sehr viele Patienten in gefährlichem Zustand, deshalb kämpfen wir für mehr Personal. Wir kämpfen außerdem für unsere Krankenversicherung und unsere Rente, und einfach für mehr Sicherheit für alle.

Über den breiteren Kontext, in dem sich der Streik der Pflegekräfte abspielt, erklärte sie: „Ich finde es sehr tapfer von jedem, der sich an Streiks oder Protesten beteiligt, zum Beispiel gegen die ICE-Razzien. Es erfordert einiges, tapfer zu sein und für das zu kämpfen, was man will und woran man glaubt.“

Eine andere Streikende erklärte: „Wir, die Bevölkerung, müssen daran denken, worum es geht: Wir gegen die Manager. Sie wollen uns das Gefühl geben, wir wären stimmlos und machtlos. Wir müssen daran denken, dass wir tatsächlich über alle die verschiedenen Branchen, Staaten und Länder hinweg eine Stimme haben und dass wir, wenn wir uns zusammenschließen, alles schaffen und erreichen können.

Wir haben Manager und Vorstände, die Millionen Dollar verdienen. Das Krankenhaus erwirtschaftete 2024 mehr als zehn Milliarden Dollar. Und wir sind heute hier, um zu fordern, dass das Management dieses Geld wieder in die Pflegekräfte, ins Personal, in ihr Team steckt, damit wir uns weiter um unsere Patienten kümmern können.“

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Sie fügte hinzu: „Ich glaube, die große Sache, die uns alle wirklich eint, ist der Kampf für Patientenrechte und Patientensicherheit. Man verbreitet hier das Narrativ, dass die Pflegekräfte nur aus Gier streiken (...) aber genau das Gegenteil ist der Fall. Ich halte es für unglaublich heuchlerisch, vor allem, weil wir hier stehen, weil uns das Management dazu gezwungen hat. Wir haben unsere Patienten nicht im Stich gelassen. Wir kämpfen heute hier draußen, um wieder zu euch zurückzukehren.“

Eine andere kommentierte: „Wir fordern Arbeitsplatzsicherheit, damit die KI die Pflege nicht übernimmt, weil das definitiv nicht möglich ist. Wir wollen ein sicheres Arbeitsumfeld. In einem unserer örtlichen Krankenhäuser kam ein Patient in die Notaufnahme und versuchte, eine Pflegerin anzugreifen. Wir riskieren jeden Tag unser Leben, während wir versuchen, Patienten zu retten. Deshalb wollen wir sicherstellen, dass man auch für uns sorgt.

Das Management versucht, uns zum Schweigen zu bringen. Es will sicherstellen, dass niemand von außen erfährt, was wirklich passiert. Als Pflegekräfte leiden wir innerlich, aber wir müssen uns jetzt Gehör verschaffen.

Wir sehen jeden Tag viele schreckliche Dinge, aber wir müssen so tun, als wäre alles in Ordnung, was aber ganz offensichtlich nicht der Fall ist.“

Streikende Pflegekräfte in New York City am 12. Januar 2026

Eine Streikende erklärte: „Wir sind völlig überlastet. Wir sind immer im Einsatz, um für andere zu sorgen, und dann wird erwartet, dass wir nicht für uns selbst kämpfen. Deshalb sind wir hier und kämpfen für einen fairen Tarifvertrag. Sie versuchen, unsere Gesundheitsversorgung anzugreifen. Es ist nicht fair, dass wir alles geben, um ganz New York City zu pflegen und dass dann unsere Gesundheitsversorgung in Frage gestellt wird. 

Diesen Unternehmen geht es um ihre Profite. Es geht ihnen nicht um die Beschäftigten, und auch nicht um ihre Patienten, sonst wäre es nicht so weit gekommen. Sie hätten ehrliche Verhandlungen geführt, und wir wären nicht hier gelandet. Keine von diesen Pflegekräften will hier sein, aber wir sind es.

Die Gesundheitsversorgung ist in dieser Stadt schon lange ein Problem, deshalb müssen wir es angehen, aber die Regierung muss uns dabei helfen. Das Problem ist, dass wir nicht die nötigen Mittel haben. Wir schaffen unsere Arbeit, aber das liegt an unseren Patienten. Letzten Endes müssen sie versorgt werden, also kriegen wir es irgendwie hin. Aber wenn es auch eine Zeitlang funktioniert, bleibt es immer Flickwerk.

Mit dem Wenigen, das uns zur Verfügung steht, kann man nur begrenzt viel erreichen, und selbst damit schaffen wir es. Das zeigt unser Engagement für die Gemeinschaft, für unsere Patienten. Wenn wir doch nur dasselbe Engagement von diesen großen Krankenhäusern sehen würden.“

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