Am Dienstag setzten 15.000 Pflegekräfte in vier New Yorker Krankenhäusern ihren am Montag begonnenen Streik fort. Sie kämpfen für eine sichere Personalbesetzung – die auch eine zentrale Forderung ihres dreitägigen Streiks vor zwei Jahren war – sowie angemessene Gesundheitsleistungen, sodass sie sich ihre eigene Gesundheitsversorgung leisten können.
Berichten zufolge hat das Management des Mount Sinai Hospital am Vorabend des Streiks drei Pflegekräfte der Geburtsstation per Voicemail entlassen, um die Belegschaft einzuschüchtern. Die entlassenen Pflegekräfte behaupten, sie hätten die Forderung des Managements abgelehnt, die Leiharbeiter anzulernen, die sie im Fall eines Streiks ersetzen sollten. Daraufhin wurden sie fälschlicherweise beschuldigt, Material versteckt zu haben, und ohne Untersuchung entlassen.
Der Streik stieß auf enorme Unterstützung unter den Arbeitern in New York City und dem ganzen Land, was die tiefsitzende Wut über Ungleichheit und die verschlechterten Lebensbedingungen zeigt. Der Streik der Pflegekräfte entwickelt sich zu einem ersten Funken, der zu einer viel größeren Konfrontation zwischen Arbeitern und dem wirtschaftlichen und politischen Establishment werden könnte.
Allein in diesem Jahr laufen die Tarifverträge von hunderttausenden Arbeitern in New York aus, darunter im November der Tarifvertrag von etwa 150.000 städtischen Beschäftigten, die dem lokalen Gewerkschaftsverband der öffentlichen Angestellten AFSCME (American Federation of State, County and Municipal Employees) angehören, und am 15. Mai der von 37.000 Beschäftigten der U-Bahn- und Verkehrsbetriebe im Ortsverband 100 der Transport Workers Union.
Der Streik muss zu einer vereinten Bewegung gegen soziale Ungleichheit ausgeweitet werden, um die Macht der Arbeiterklasse in direktem Konflikt mit der Finanzoligarchie unter der Trump-Regierung zu mobilisieren, die in New York ihr Zentrum hat.
Die Arbeiter dürfen nicht zulassen, dass die Kämpfe im Lauf des Jahres isoliert werden und einer nach dem anderen scheitern. Sie müssen stattdessen den Pflegestreik zum Ausgangspunkt nehmen, um jetzt eine umfassendere Offensive zu organisieren, die in einem stadtweiten Generalstreik gipfelt. Die Forderungen des Streiks – sichere Personalbesetzung, Gesundheitsversorgung, Löhne und grundlegender Lebensstandard – können nur durch einen Frontalangriff der Arbeiterklasse auf die Privilegien und die Macht der herrschenden Klasse erfüllt werden.
Eine solche Perspektive macht es erforderlich, dass die Arbeiter selbst die Initiative ergreifen. Die Gewerkschaftsfunktionäre der New York State Nurses Association (NYSNA) spielen heute die gleiche Rolle wie 2023, als sie den Streik in 11 der 15 beteiligten Krankenhäuser abrupt abbrachen, die anderen Pfleger isolierten und den Streik nach nur drei Tagen beendeten. Die Pflegekräfte müssen sich vor einer Wiederholung dieses Verrats in Acht nehmen. Auch die Arbeiter in anderen Gewerkschaften dürfen es nicht akzeptieren, dass ihre Funktionäre die Pflegekräfte nur mit Worten „unterstützen“, sondern müssen für gemeinsame Aktionen kämpfen.
Um einen Ausverkauf des Streiks zu verhindern, sollten die Pflegekräfte unabhängige Streikkomitees bilden, um die demokratische Kontrolle über die Streikposten, die Tarifverhandlungen und die Führung des Kampfs zu übernehmen. Sie sollten außerdem aktiv auf andere Teile der Arbeiterklasse in New York City und im Rest des Landes zugehen und sie zu geschlossener Unterstützung und gemeinsamen Aktionen aufrufen.
Reporter der World Socialist Web Site sprachen am Dienstag mit Pflegerinnen und Pflegern am Streikposten von Mount Sinai East in Midtown Manhattan.
Eine Pflegerin der pädiatrischen Intensivstation sprach über die Auswirkungen der personellen Unterbesetzung:
„Wenn unsere Station unterbesetzt ist, geht es in der Schicht sehr hektisch und manchmal gefährlich zu. Das ist auf jeder Station im Krankenhaus so. Auf der Intensivstation haben wir zum Glück ein besseres Verhältnis [von Pflegekräften zu Patienten]. Aber wenn wir Hochbetrieb haben, zum Beispiel wegen RSV und Atemwegsviren, können drei Patienten auf eine Pflegekraft kommen. Auf anderen Stationen, vor allem im Erwachsenenbereich, können auf eine Pflegekraft vier, fünf, sechs oder sieben Patienten kommen, wenn sie unterbesetzt sind.
Bei vielen Risiken geht es um Effizienz und Pflege. Wenn man zu viele Patienten hat, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass man Anzeichen für eine Verschlechterung schnell bemerkt. Wenn ein Patient also mehr Pflege braucht oder kränker wird, merkt man das manchmal nicht schnell genug, weil man sich um all die anderen Patienten kümmert.
Dieser Streik ist jetzt ein perfektes Beispiel dafür, wie das Krankenhaus behauptet, es hätte nicht genug Geld, obwohl es das hat. Sie zahlen [den Streikbrechern] 10.000 Dollar pro Woche, damit sie während des Streiks arbeiten, aber angeblich können sie sich die Krankenversicherung der Pflegekräfte nicht leisten. Deshalb geht es im Grunde darum, wofür sie das Geld ausgeben wollen. Und sie wollen es offensichtlich nicht in ihre eigenen Pflegekräfte stecken. Ich denke, sie wollen das Geld lieber für ihre Profite und ihre millionenschweren Vorstandschefs behalten.
Ich denke, in einem Land wie den Vereinigten Staaten, wo es keine garantierte Krankenversicherung gibt, wird man immer kränker werden. Wir haben eine riesige Ungleichheit beim Zugang zu Gesundheitsvorsorge in diesem Land. Wenn die Leute keine präventive Gesundheitsversorgung haben, sind sie viel stärker auf das Krankenhaussystem angewiesen. Viele Menschen haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung außer über die Notaufnahme. Deswegen sind die Krankenhäuser sehr stark mit vielen Patienten überlastet. Also werden die Patienten kränker, ihre Gesundheit wird vernachlässigt, und dann entsteht eine Überlastung im Krankenhaus.“
Sie erklärte außerdem, im Mount Sinai Hospital gäbe es einen VIP-Flügel für die Reichen: „Die Zimmer sind viel größer. Es gibt eine eigene Concierge-Küche für sie.“
Weiter sagte sie: „Es ist furchtbar, und es wird den Menschen wirklich schaden. Die Oberschicht wird es nicht betreffen. Es wird alle anderen Amerikaner betreffen – die amerikanische Arbeiterklasse. Und ehrlich gesagt, sind wir diejenigen, die das Land am Laufen halten. Und wenn unsere Gesundheit nicht geschützt werden kann, wird das Land in Schwierigkeiten geraten.“
Eine Onkologie-Schwester berichtete von ihren Erfahrungen mit der Krankenversicherung, die sie von ihrem Arbeitgeber erhält: „Als ich vor einigen Jahren bei Mount Sinai angefangen habe, liebte ich meinen Job und war sehr begeistert, Teil der Einrichtung zu sein. Ich wurde schwanger und fand heraus, dass der Mutterschaftsurlaub insgesamt nur siebeneinhalb Stunden beträgt. Ich arbeitete Zwölf-Stunden-Schichten, also musste ich Urlaub nehmen, um das Kind zur Welt zu bringen; danach war ich eine Woche im Krankenhaus. Das ist keine gute Gesundheitsversorgung. Das ist nicht das, was wir unseren Patienten sagen, dass sie Zeit brauchen, um gesund zu werden. Und auch wir sollten nicht so behandelt werden.
Es gab in New York schon immer eine sehr große Diskrepanz zwischen den Reichen und den Armen. Es gibt die sehr sehr Reichen und die Armen. Und wenn ich mir das und die bezahlbaren Mieten anschaue, glaube ich mittlerweile, dass man über 150.000 Dollar verdienen muss. Für die meisten Leute ist das verrückt. Das können sie sich nicht leisten.“
Eine Pflegekraft aus der Neugeborenen-Intensivstation (NICU) erklärte: „Wenn wir unterbesetzt sind, sind wir teilweise 26 Pflegekräfte für mehr als 60 Babys. Wir müssen dann drei Babys gleichzeitig betreuen und zusätzlich noch Aufgaben auf der Intensivstation übernehmen, und das ist gefährlich. Und auf der Intensivstation haben wir intubierte Babys mit einem anderen Patienten. Man kann sich einfach nicht konzentrieren und wirklich auf die eigenen Aufgaben achten. Das gefährdet unsere Babys und ihre Familien, und deshalb protestieren wir hier für sie.“
Eine OP-Pflegekraft, die seit sieben Jahren im Operationssaal arbeitet, bezeichnete die Unterbesetzung als „gefährlich für Patienten und Personal. Ich hatte keine Zwischenfälle, aber ich habe erlebt, wie Patienten Personal angegriffen haben. Wir haben keinen Sicherheitsdienst auf den Stationen, also müssen wir uns auch darum kümmern.
Sie haben unsere Krankenversicherung gestrichen, also haben wir momentan keine Gesundheitsversorgung. Ich bin gezwungen, in Patientenzimmer zu gehen, in denen alle möglichen Krankheiten vorkommen, und ich habe keine Versicherung, wenn ich krank werde. Das liegt nicht am Streik, sondern daran, dass sich [der private Krankenversicherer] Anthem und das Krankenhaus seit dem 1. Januar nicht auf die Preise einigen konnten. Das betrifft die Patienten, die ins Krankenhaus kommen, denn wenn ich krank werde und meine Patienten anstecke, stecken die jemand anderen an. Es sind unsichere Bedingungen hier. Ich kann nicht gesund werden oder die notwendige Zeit nehmen, weil sie versuchen, daran zu sparen.
Aber in allen Krankenhäusern gibt es VIP-Suiten, obwohl in meinen Augen alle Patienten VIPs sind und besondere Behandlung bekommen. VIP-Suiten sind wie Hotelzimmer.
Es besteht eindeutig ein Zusammenhang mit den staatlichen Kürzungen im Gesundheitswesen. Darüber beschwert sich das Krankenhaus. Die neuen Preise gehen auf die Kürzungen vom Präsidenten zurück. Die Demokraten tun überhaupt nichts, um dagegen zu kämpfen.“
Auf die Frage nach einer Ausweitung des Streiks erklärte die OP-Pflegekraft: „Ich wünschte, wir könnten alle zusammenbringen und einen Generalstreik beginnen. Ich glaube, wir würden gewinnen. Wir würden einiges verändern, aber es muss Einigkeit herrschen, wir müssen alle zum Mitmachen bewegen.“
Die Nachricht vom Streik verbreitete sich auch unter Beschäftigten des Gesundheitswesens im Rest des Landes. In San Diego äußerten Beschäftigte des UC Health Hillcrest-Krankenhauses gegenüber der WSWS eindringlich ihre Unterstützung mit den New Yorker Pflegern.
Ein Assistenzarzt erklärte: „Die Assistenzärzte solidarisieren sich mit den Pflegekräften und unterstützen definitiv ihren Kampf für mehr Personal und bessere Löhne. Eine sichere Personalausstattung ist wichtig, um unseren Patienten qualitativ hochwertige Pflege zukommen zu lassen.“
Eine andere Pflegekraft erklärte: „Ich unterstütze das uneingeschränkt! Für bessere Löhne, und vor allem für sichere Arbeitsbedingungen.“
