Vor dem Hintergrund der allgegenwärtigen wirtschaftlichen, sozialen und geopolitischen Krise versammeln sich die Milliardäre diese Woche zum Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos. Der Konflikt zwischen den USA und Europa über Trumps Annexionspläne gegen Grönland spitzt sich weiter zu. Gleichzeitig hat Trump im eigenen Land Minneapolis unter militärisch-polizeiliche Besatzung gestellt und ist dabei, eine Diktatur zu errichten.
Der Jahresbericht der britischen Wohltätigkeitsorganisation Oxfam, der am Montag erschienen ist, macht deutlich, welche soziale und wirtschaftliche Entwicklung dieser explosiven Eskalation der kapitalistischen Krise zugrunde liegt. Er zeigt, wie die gewaltsame Ausweitung von Diktatur und Krieg mit einer ebenso gewaltsamen Zunahme der sozialen Ungleichheit auf Weltebene einhergeht.
In dem Bericht „Resisting the Rule of the Rich“ (Widerstand gegen die Herrschaft der Reichen) wird betont, dass die Welt „einen kritischen Punkt erreicht hat“, an dem „extreme Ungleichheit“ die demokratischen Regierungsformen zerstört.
Die Ungleichheit nimmt schon seit Jahrzehnten zu, aber 2025 war ein Rekordjahr: Die Anhäufung von Reichtum durch die kapitalistische Oligarchie hat sich drastisch beschleunigt. Oxfam nennt folgende Fakten:
Im Jahr 2025 wuchs das globale Vermögen der Milliardäre dreimal so schnell wie in den vorangegangenen fünf Jahren und erreichte einen Rekordwert von 18,3 Billionen US-Dollar, was einem Anstieg von 81 Prozent seit 2020 entspricht. Die Zahl der Milliardäre überschritt erstmals die Marke von 3.000.
Die 12 reichsten Milliardäre besitzen heute mehr als die ärmste Hälfte der Menschheit, also 4 Milliarden Menschen. Mit den 2,5 Billionen Dollar, um die sich das Vermögen der Milliardäre im letzten Jahr erhöht hat, könnte man die extreme Armut 26 Mal beseitigen.
In den Vereinigten Staaten gewannen Milliardäre im ersten Jahr nach Trumps Wiederwahl 1,5 Billionen Dollar hinzu, was einem Anstieg von 22 Prozent entspricht und ihr Gesamtvermögen auf 8,2 Billionen Dollar erhöht. Die 14 reichsten amerikanischen Milliardäre besitzen nun mehr als alle US-Milliardäre zusammen im Jahr 2020.
Das Vermögen von Elon Musk, CEO von Tesla und SpaceX, stieg auf über 700 Milliarden Dollar. Das ist mehr als das gesamte Vermögen der 400 reichsten Menschen Amerikas auf der Forbes-Liste im Jahr 1997. Er ist der erste Mensch in der Geschichte, der ein persönliches Vermögen von mehr als einer halben Billion Dollar angehäuft hat.
Oxfam untersucht, wie diese enorme Zunahme sozialer Ungleichheit zu einer – laut dem Bericht – „demokratischen Erosion“ und dem Zusammenbruch demokratischer Herrschaftsformen geführt hat. Bei Milliardären ist es 4.000 Mal wahrscheinlicher, dass sie ein politisches Amt bekleiden, als andere Menschen, so der Bericht. Bei den US-Wahlen 2024 stammte jeder sechste Dollar von nur 100 Milliardärsfamilien.
Der gigantische Reichtum der Oligarchie steht in direktem Zusammenhang mit ihrer Kontrolle über die riesigen Konzerne. So befinden sich beispielsweise mehr als die Hälfte der weltweit größten Medienunternehmen im Besitz von Milliardären. Sechs Milliardäre betreiben neun der zehn größten Social-Media-Plattformen. Acht der zehn größten KI-Unternehmen werden von Milliardären kontrolliert.
Das Gesamtvermögen der Mitglieder in Trump-Kabinetts übersteigt 450 Milliarden Dollar – mehr als das Bruttoinlandsprodukt von 175 Ländern. Es ist die reichste Regierung in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Trump selbst hat laut der New York Times die Präsidentschaft genutzt, um in einem Jahr mindestens 1,4 Milliarden Dollar einzustreichen. Davon kommen 867 Millionen Dollar aus Geschäften mit Kryptowährung, die es ausländischen Regierungen ermöglichen, Geld direkt an seine Familie zu überweisen. Aus Katar hat er einen 400 Millionen Dollar teuren Jet erhalten. Während der frühere US-Präsident Harry Truman nicht einmal ein Auto besaß, als er 1953 aus dem Amt schied, streicht Trump das 16.822-fache eines mittleren US-Haushaltseinkommens ein.
Elon Musk, Jeff Bezos von Amazon, Mark Zuckerberg von Meta, Sundar Pichai von Google, Tim Cook von Apple und Sam Altman von OpenAI saßen bei Trumps Vereidigung im Kapitol in der ersten Reihe und wurden reichlich belohnt. Diese Männer gehören zu den 15 reichsten Menschen der Welt, die ihr Gesamtvermögen im Jahr 2025 um 747 Milliarden Dollar erhöht haben – ein Anstieg von 31 Prozent. Musk allein häufte weitere 308 Milliarden Dollar an, eine Erhöhung um 73 Prozent; die Google-Mitbegründer Larry Page und Sergey Brin 106 bzw. 93 Milliarden Dollar; Mark Zuckerberg 24 Milliarden Dollar; und Jensen Huang von Nvidia 49 Milliarden Dollar.
Der Titel des Oxfam-Berichts „Resisting the Rule of the Rich“ verspricht eine politische Antwort auf die zunehmende soziale Ungleichheit. Der Leser bleibt jedoch mit einer Reihe bescheidener Sozialreformen zurück: Steuern für Milliardäre, Reform der Wahlkampffinanzierung und Schließung von Steuerschlupflöchern.
US-Senator Bernie Sanders wird nicht müde, von den Oligarchen zu fordern, dass sie „ihren gerechten Anteil zahlen“. Aber was ist ihr gerechter Anteil? Ebenso wie einst die Sklavenhalter im amerikanischen Süden und die Aristokraten im vorrevolutionären Frankreich schafft die Kapitalistenklasse keinen Reichtum, sondern eignet sich diesen durch die Ausbeutung der Arbeiterklasse an, die den gesamten Reichtum in der Gesellschaft produziert. Wie in vergangenen revolutionären Perioden geht es nicht darum, bescheidene Reformen von einer verschanzten herrschenden Klasse zu erwirken, die diese Veränderungen nicht zulassen wird. Vielmehr muss die gesamte Gesellschaftsstruktur, die ihre Macht erhält, gestürzt werden.
Der oligarchische Charakter der Gesellschaft ist mit den grundlegendsten demokratischen Rechten nicht vereinbar. Diese Tatsache macht die Forderung nach der „Enteignung bestimmter Gruppen von Kapitalisten“ umso dringlicher, die Trotzki im Gründungsprogramm der Vierten Internationale aufgestellt hat. Darin heißt es: „Desgleichen fordern wir die Enteignung der Monopolgesellschaften in der Kriegsindustrie, bei den Eisenbahnen, den wichtigsten Rohstoffquellen usw.“
Der Würgegriff der Oligarchen über das soziale, wirtschaftliche und politische Leben muss gebrochen werden, indem sie enteignet werden und ihnen die Kontrolle über die Produktionsmittel entzogen wird. Dies kann nicht durch Appelle oder Reformen erreicht werden, sondern nur durch den Aufbau einer sozialen Massenbewegung der Arbeiterklasse in den Vereinigten Staaten und international.
Schließlich stehen hinter diesen Milliardären massive, bis an die Zähne bewaffnete Militär- und Polizeiapparate. Diejenigen, die den Reichtum besitzen, sind sich sehr wohl bewusst, dass sie objektiv in Konflikt mit der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung stehen. Trumps Entsendung von Truppen nach Minneapolis ist Teil seiner Verschwörung zur Errichtung einer Diktatur. Trump spricht und handelt jedoch im Interesse einer Klasse, der kapitalistischen Oligarchie.
Alle Parteien, die dieses System aufrechterhalten, einschließlich aller Fraktionen der Demokratischen Partei, sind nicht in der Lage, sich gegen die Finanzoligarchie zu stellen. Bezeichnenderweise veröffentlichte die New York Times am selben Tag, an dem der Oxfam-Bericht erschien, einen Artikel, in dem es heißt, dass Zohran Mamdani, Mitglied der Democratic Socialists of America und jetzt Bürgermeister von New York, seinen „Plan zur Besteuerung der Reichen“ nun „beiseite legt“.
Mamdani hatte aufgrund der breiten Opposition gegen soziale Ungleichheit große Unterstützung gewonnen. Doch nur wenige Wochen nach seinem Amtsantritt hat er sich dem Möchtegern-Diktator Trump angebiedert und selbst seine zurückhaltendsten Wahlversprechen zur Verringerung sozialer Ungleichheit aufgegeben. Die Politik folgt wie immer einer Klassenlogik.
Die Lösung aller großen sozialen Probleme, mit denen die Menschheit konfrontiert ist – Faschismus und Diktatur, Armut, Umweltkatastrophen, Krieg und erschütternde Ungleichheit – erfordert einen direkten und bewussten Angriff auf die Macht der kapitalistischen Oligarchie. Diese Krisen können nicht durch Reformen oder Appelle an die herrschende Elite gelöst werden. Dafür ist es notwendig, die Milliardäre zu enteignen, ihnen die Kontrolle über die Wirtschaft zu entreißen und das kapitalistische System selbst abzuschaffen.
Der Widerstand wächst und nimmt verschiedene Formen an. In den ersten drei Wochen dieses Jahres fanden Massenproteste gegen die Besetzung von Minneapolis durch Militär und Polizei statt und in New York traten 15.000 Pfleger in den Streik. Aber diese entstehende Bewegung braucht eine klare politische Strategie.
Die Socialist Equality Party in den USA und ihre deutsche Schwesterpartei SGP (Sozialistische Gleichheitspartei) rufen zur Bildung von Aktionskomitees in den Betrieben, Schulen und Stadtvierteln auf, um die Arbeiterklasse in einer gemeinsamen Offensive für ihre sozialen und demokratischen Rechte zu vereinen, unabhängig vom prokapitalistischen Gewerkschaftsapparat. Das muss mit dem Aufbau einer revolutionären Führung in der Arbeiterklasse verbunden werden, die sich dem Kampf für Sozialismus in den USA und weltweit verschrieben hat.
