Perspektive

2025: Das Jahr der Massenentlassungen – Bereitet eine globale Gegenoffensive der Arbeiterklasse im Jahr 2026 vor!

Arbeiter von Factory Zero verlassen das Werk am 1. Dezember 2025

2025 wird als eines der verheerendsten Jahre der Massenentlassungen in die Geschichte eingehen. Allein in den USA wurden mehr als 1 Million Arbeitsplätze abgebaut, was eines der größten Jobmassaker des 21. Jahrhunderts markiert – und das größte, das außerhalb von Zeiten einer offiziellen Rezession oder Finanzkrise stattfand.

Die herrschende Klasse hat das vergangene Jahr für einen gezielten Umbau der Produktion auf globaler Ebene genutzt und die Automatisierung und den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) ausgeweitet, um die Arbeitskosten zu senken, damit sich eine winzige Finanzoligarchie enorm bereichern kann.

Laut Challenger, Gray & Christmas, einem Unternehmen für Jobberatung, haben Arbeitgeber bis November 2025 mehr als 1,1 Millionen Stellenstreichungen angekündigt, was einem Anstieg von 54 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Das ist die höchste Zahl seit Beginn der Pandemie im Jahr 2020 und es ist erst das sechste Mal seit 1993, dass die Stellenstreichungen in den ersten elf Monaten eines Jahres 1,1 Millionen überstiegen. Diese Zahlen sind aber eine Unterschätzung des tatsächlichen Ausmaßes der Katastrophe, da vorübergehende Entlassungen, Kurzarbeit, nicht verlängerte Verträge und nicht gemeldete Kündigungen nicht berücksichtigt sind.

Der Stellenabbau erstreckt sich über alle wichtigen Wirtschaftssektoren. Besonders hart trifft es die Logistik- und Transportbranche. Im Rahmen einer umfassenden Umstrukturierung kündigte UPS die Kürzung von 48.000 Stellen im Jahr 2025 an. Damit einher gingen die Schließung von Standorten, die Automatisierung von Abläufen und eine verstärkte Ausbeutung der verbleibenden Mitarbeiter.

Die Tech-Branche, die lange Zeit als Motor der „Innovation“ gefeiert wurde, stand an der Spitze der Entlassungswelle: Bis November haben die Konzerne mehr als 153.000 Stellenstreichungen angekündigt, ein Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. KI und Automatisierung wurden eingesetzt, um Tausende von Entlassungen bei Microsoft (15.000), Intel (15.000), Amazon (14.000), Verizon (13.000), HP (4–6.000) und anderen Unternehmen durchzusetzen, während Milliardensummen in Aktienrückkäufe und Vorstandsgehälter flossen.

Die Unterhaltungs- und Medienbranche verzeichnete ein weiteres brutales Jahr mit über 17.000 Stellenstreichungen in den Bereichen Fernsehen, Film, Rundfunk, Nachrichten und Streaming in den ersten 11 Monaten des Jahres – ein Anstieg von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch US-Konzerne in den Bereichen Lebensmittelverarbeitung, Konsumgüter und Einzelhandel haben einen Abbau von Arbeitsplätzen angekündigt: 16.000 bei Nestlé, 3.200 bei Tyson, der einen Fleischverarbeitungsbetrieb in Nebraska schließt, 7.000 bei Procter & Gamble und 1.800 Target. Gleichzeitig erhöhen sie ihre Profite und belohnen ihre Aktionäre.

In der Automobilindustrie hat das Jahr 2025 offenbart, dass die sogenannte „Transformation durch E-Mobilität“ im Kapitalismus reinster Betrug ist. General Motors setzt in der Elektromobilität und Batterietechnologie einen massiven Personalabbau um, darunter mehr als 1.200 Entlassungen in seinem Vorzeigewerk Factory Zero in Detroit, wo die Produktion von zwei Schichten auf eine reduziert wurde. Hunderte weitere Arbeiter wurden in den Batteriewerken von Ultium Cells in Ohio und Tennessee entlassen oder auf unbestimmte Zeit beurlaubt.

Ford stellt die Produktion seines Elektro-Pickups F-150 Lightning ein und gibt sein Batterie-Joint-Venture Blue Oval in Kentucky auf, wodurch 1.600 Arbeitsplätze verloren gehen. Der Stellenabbau beschleunigt sich auch in der Baumaschinen- und Lkw-Herstellung: Das CASE IH-Werk in Burlington, Iowa, wird geschlossen, und im Volvo-Mack-Antriebsstrangwerk in Hagerstown, Maryland, gehen 100 Arbeitsplätze verloren.

Im Gegensatz zu den von Trump gepriesenen offiziellen BIP-Zahlen sagen Ökonomen, dass fast die Hälfte der US-Bundesstaaten bereits einen Stellenabbau und Produktionsrückgang erlebt haben, was einer Rezession entspricht. Oregon beispielsweise meldete im Jahr 2025 fast 9.000 Entlassungen, was das Tempo des Stellenabbaus während der schlimmsten Jahre der Finanzkrise 2008/09 übertrifft.

Das Jobmassaker beschränkt sich nicht nur auf die USA. In ganz Europa finden Massenentlassungen in der Industrie statt. Laut dem deutschen Arbeitgeberverband Gesamtmetall, der auch die Autoindustrie vertritt, verliert die Branche derzeit fast 10.000 Arbeitsplätze pro Monat. VW, Bosch, ZF und andere Hersteller haben mehr als 50.000 Arbeitsplätze abgebaut. Ford plant bis 2027 europaweit 4.000 Arbeitsplätze zu streichen, darunter 1.000 in seinem Werk für Elektrofahrzeuge in Köln. Auch große Unternehmen in Großbritannien, Frankreich und Italien nehmen umfassende Umstrukturierungen vor.

Der Arbeiterklasse wird erzählt, dass diese Zerstörung das unvermeidliche Ergebnis der „Marktlogik“, des „technologischen Wandels“ oder des „globalen Wettbewerbs“ sei. In Wirklichkeit handelt es sich um eine bewusste Politik der kapitalistischen Konzerne und Regierungen, die mit tiefen wirtschaftlichen Widersprüchen konfrontiert sind. Der Einsatz von KI-Technologie und Automatisierung könnte in einer rational organisierten Gesellschaft die Wochenarbeitszeit radikal verkürzen und gefährliche oder repetitive Aufgaben ersetzen. Doch heute werden die Technologien als Waffe eingesetzt, um Arbeitsplätze zu vernichten und die Ausbeutung zu verschärfen.

Die Warnungen vor einer noch größeren Welle von Stellenstreichungen im Jahr 2026 sind eindeutig. Studien zeigen, dass KI bereits heute mehr als 10 Prozent der Arbeitsplätze in den USA ersetzen könnte. Führende Vertreter der Technologiebranche sagen voraus, dass Millionen weiterer Arbeitsplätze wegfallen werden, wenn Unternehmen Kostensenkungen durch KI anstreben. Wirtschaftszeitschriften sprechen inzwischen offen von einer Zukunft des „joblosen Wachstums“, in der Produktivität und Gewinne steigen, während die Beschäftigung stagniert oder zurückgeht.

Dieser Angriff ist untrennbar mit der allgemeinen Krise des Kapitalismus verbunden. Die Verdrängung der lebendigen Arbeitskraft – der einzigen Quelle von Mehrwert – aus dem Produktionsprozess vertieft nur die Widersprüche des Systems. Unternehmen versuchen, diese Widersprüche durch Beschleunigung der Arbeitsprozesse, Massenentlassungen, Handelskriegspolitik und eine verstärkte Ausbeutung der verbliebenen Arbeiter auszugleichen. Die Hinwendung zu Wirtschaftsnationalismus und Militarismus – darunter die Eskalation des Konflikts mit China – ist mit derselben Krise verbunden, deren Kosten die Bourgeoisie auf die Arbeiterklasse abwälzen will.

Das groteske Ergebnis ist eine Gesellschaft, in der Massenarbeitslosigkeit und Unsicherheit neben einer obszönen Anhäufung von Reichtum existieren. Die Wall Street erwartet, dass die Aktienmärkte ihren kometenhaften Anstieg im Jahr 2026 fortsetzen werden, auch wenn Millionen Menschen ihre Existenzgrundlage verlieren. Das persönliche Vermögen von Elon Musk stieg 2025 auf rund 750 Milliarden Dollar und symbolisiert die enorme Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums von unten nach oben, die mit Massenentlassungen und Sparmaßnahmen einhergeht.

Die Gewerkschaften haben während dieser gesamten Entwicklung als Werkzeug des Managements agiert. Sie akzeptieren das vermeintliche „Recht“ der Unternehmen, Arbeitsplätze abzubauen, beschränken ihre Reaktion auf die Forderung nach Abfindungen und Vorruhestandsregelungen und unterdrücken jeden Kampf der Arbeiter zur Verteidigung ihrer Existenzgrundlage. Am schlimmsten ist jedoch, dass die Führer der United Auto Workers und der Transportarbeitergewerkschaft Teamsters nationalistisches Gift verbreiten, die Handelspolitik der Trump-Regierung unterstützen und Arbeiter in anderen Ländern und Migranten für die Entlassungen verantwortlich machen.

Doch das Jahr 2025 war auch von einem erneuten Aufschwung des Klassenkampfs geprägt. Boeing-Arbeiter in der Region St. Louis haben fast vier Monate lang gestreikt und damit ihre enorme Wut und Kampfbereitschaft demonstriert, obwohl der Gewerkschaftsapparat versucht hat, den Kampf zu isolieren und einzudämmen. In ganz Europa fanden Generalstreiks gegen Sparmaßnahmen und Sozialangriffe statt, darunter Belgien, Italien, Portugal und Griechenland. Massenproteste und Streiks in Lateinamerika und anderen Regionen zeigen den globalen Charakter des Widerstands in der Arbeiterklasse.

Diese Kämpfe werden sich 2026 noch verschärfen. Allein in den Vereinigten Staaten laufen Dutzende wichtige Tarifverträge aus, etwa Ende Januar für 30.000 Beschäftigte in Ölraffinerien und petrochemischen Betrieben, für Tausende Arbeiter bei Dana, Nexteer und anderen Autozulieferern sowie für viele Beschäftigte im Gesundheits- und Bildungswesen und in der Logistik. Die Unternehmen bereiten sich darauf vor, die Tarifverhandlungen zu nutzen, um Stellenabbau, Automatisierung und Kürzungen durchzusetzen.

Entscheidend ist die Frage der Führung und Perspektive.

Die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees (International Workers Alliance of Rank-and-File Committees, IWA-RFC) verfolgte 2025 eine völlig andere Strategie als die Gewerkschaften. Sie kämpft für den Aufbau unabhängiger Arbeiterorganisationen, die gegen die Kontrolle der Gewerkschaftsbürokratien gerichtet sind. Diese Aktionskomitees verbinden die Streiks über Branchen- und Landesgrenzen hinweg und sehen die Verteidigung der Arbeitsplätze und -sicherheit als Teil eines größeren politischen Kampfs gegen Kapitalismus, Diktatur und Krieg.

In den USA halfen die Aktionskomitees den Arbeitern dabei, eigene Untersuchungen zu Todesfällen am Arbeitsplatz anzustoßen und deckten damit auf, dass viele sogenannte „Unfälle“ in Wirklichkeit sozialer Mord sind. Die öffentliche Untersuchung zum Tod des Stellantis-Arbeiters Ronald Adams Sr. im Dundee Engine Complex durchbrach die Vertuschungsversuche des Managements und der Gewerkschaft UAW und machte klar, dass die Arbeiter selbst die Untersuchungen zu unsicheren Arbeitsbedingungen kontrollieren müssen. Beim US Postal Service hat die IWA-RFC eine Untersuchung zum Tod der Postarbeiter Nick Acker und Russell Scruggs Jr. initiiert und sich damit gegen die Vertuschungsversuche des Managements und die Komplizenschaft der Gewerkschaftsfunktionäre gestellt, die die Wahrheit verschleiern wollten.

Auf internationaler Ebene intervenierte die Arbeiterallianz der Aktionskomitees gegen die von den Gewerkschaften unterstützte Umstrukturierung in der deutschen Autoindustrie und lehnte Werksschließungen und den Ausverkauf in Tarifverhandlungen bei Ford, Mercedes und anderen Konzernen ab. Sie unterstützte die Kämpfe der Belegschaft gegen die „Amazonisierung“ öffentlicher Dienstleistungen, unter anderem bei der Post in Kanada und Großbritannien, und half Beschäftigten im Bildungs- und Gesundheitsbereich in der Türkei beim Aufbau unabhängiger Komitees, um sich gegen Sparmaßnahmen und Arbeitshetze zu wehren.

Die Verteidigung von Arbeitsplätzen, Sicherheit und Lebensstandard erfordert neue Organisationsformen, die demokratisch, kämpferisch und international ausgerichtet sind. Gleichzeitig können Arbeitskämpfe nicht vom Kampf der Arbeiterklasse um die politische Macht getrennt werden.

Die Arbeiter müssen ihre grundlegenden sozialen Rechte geltend machen, darunter das Recht auf einen sicheren, gut bezahlten Arbeitsplatz. Gegen den Stellenabbau müssen sie für eine kürzere Arbeitswoche ohne Lohnverlust kämpfen, damit der technologische Fortschritt der gesamten Gesellschaft zugute kommt. Arbeiter, die durch Automatisierung ihren Arbeitsplatz verlieren, müssen ein Recht auf garantiertes Einkommen, Gesundheitsversorgung und Rente haben.

Das Ziel dieses Kampfs ist die Arbeiterkontrolle über die Produktion und die Sicherheitsstandards im Betrieb, durchgesetzt von Aktionskomitees, die befugt sind, die Produktion zu stoppen, um das Leben der Beschäftigten zu schützen. Letztendlich erfordert dies die Enteignung der Banken und Großkonzerne und ihre Umwandlung in öffentliche Versorgungsbetriebe, die von der Arbeiterklasse demokratisch kontrolliert werden. Die Rüstungsindustrie muss auf die Produktion von gesellschaftlich nützlichen Gütern umgestellt werden.

In diesem Kampf ist es zentral, dass sich die Arbeiterklasse die neuen Technologien bewusst aneignet. Socialism AI ist in dieser Hinsicht eine wichtige Initiative, die es Arbeitern ermöglicht, genau die Technologien, die von den Konzernen zur Vernichtung von Arbeitsplätzen eingesetzt werden, in Werkzeuge der politischen Bildung, Organisation und globalen Koordination zu verwandeln. Anstatt zuzulassen, dass künstliche Intelligenz ein Instrument der Ausbeutung bleibt, müssen die Arbeiter sie als Waffe im Kampf für sozialistisches Bewusstsein und internationale Einheit einsetzen.

Es ist jetzt notwendig, Aktionskomitees aufzubauen, die Arbeiter über Werke, Branchen und Grenzen hinweg verbinden. Die bevorstehenden Tarifkämpfe müssen zu einem gemeinsamen Kampf gegen Entlassungen, Automatisierung und Sparmaßnahmen vereint werden. Vor allem brauchen Arbeiter eine sozialistische Perspektive, um mit allen Parteien und Fraktionen der Kapitalistenklasse zu brechen und für ihre eigenen unabhängigen Interessen zu kämpfen.

Das Jahr 2025 hat die Logik des Kapitalismus mit brutaler Klarheit offenbart. Das Jahr 2026 wird entscheiden, ob die Arbeiterklasse mit Organisation, internationaler Einheit und bewusstem Kampf reagiert – oder ob es der herrschenden Klasse gelingt, eine neue Ära der Massenarbeitslosigkeit und sozialen Reaktion durchzusetzen.

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