Perspektive

Internationale Opposition gegen Trump und ICE prägen Eröffnung der Olympischen Spiele in Mailand

Protest in Mailand gegen den Einsatz der ICE an den Olympischen Winterspielen 2026, 6. Februar 2026 [AP Photo/Luca Bruno]

Bei den Olympischen Winterspielen 2026 regt sich massiver Widerstand gegen Trump und die Präsenz von Agenten seiner mörderischen Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) in Mailand.

Die faschistische italienische Ministerpräsidentin Georgia Meloni hat den US-Vizepräsidenten JD Vance in Mailand empfangen und eine Ausgangssperre über die Stadt verhängt. Nun patrouillieren fast 6.000 schwer bewaffnete italienische Polizisten und Militärangehörige auf den Straßen. Scharfschützen sind auf den Dächern postiert, über der Stadt wurde eine Flugverbotszone eingerichtet, und ein Sondererlass erlaubt es der Polizei, Menschen in Mailand für 12 Stunden zu inhaftieren, wenn auch nur der vage Verdacht besteht, dass sie an gewalttätigen Protesten beteiligt sein könnten.

Was jedoch die weltweite Aufmerksamkeit auf die Spiele gelenkt hat, abgesehen von den sportlichen Leistungen der Olympioniken, ist nicht die Maschinerie des Polizeistaats, sondern der wachsende politische Widerstand gegen faschistische Politik auf beiden Seiten des Atlantiks. Proteste erschütterten Mailand, Anti-Kriegs-Stimmung prägte die Eröffnungsfeier der Spiele und US-Olympioniken kritisierten öffentlich die Trump-Regierung.

Die illegale Besetzung von US-Städten durch ICE, die Abschiebung von Einwanderern und die Hinrichtungen von Renée Nicole Good und Alex Pretti in Minneapolis schockieren und radikalisieren Massen von Menschen in ganz Europa und darüber hinaus. Den arbeitenden Menschen auf der ganzen Welt wird immer deutlicher bewusst, dass sie es mit der Trump-Administration mit einer US-Regierung zu tun haben, wie sie sie noch nie erlebt haben: einem völlig gesetzlosen Regime, das unverhohlen faschistische Politik verkündet und umsetzt.

Die Ereignisse in Mailand spiegeln die ersten Reaktionen wider, die dies weltweit bei breiten Bevölkerungsschichten hervorruft. Am 30. und 31. Januar protestierten Tausende in Mailand gegen die Ankündigung, dass die ICE an den Spielen teilnehmen würde. Sie versammelten sich auf der Piazza 25 Aprile, der seinen Namen nach dem Generalstreik und bewaffneten Aufstand der italienischen Widerstandsbewegung in Mailand am 25. April 1945 erhalten hat. Damals wurde die deutsche und italienische Faschistenherrschaft gestürzt und Diktator Benito Mussolini wurde gefangen genommen und hingerichtet.

Der Ausbruch der Wut hat die italienischen Behörden schockiert, und Außenminister Antonio Tajani verurteilte die Kritik am Einsatz der ICE. „Es ist ja nicht so, als käme die SS“, sagte er in Anspielung auf die völkermörderischen paramilitärischen Einheiten der Nazis. Dies beruhigte die Lage jedoch nicht, da die Ähnlichkeit zwischen der ICE und einer Nazi-Miliz für die breite Masse der Bevölkerung offensichtlich ist. ICE ist ein Organ des Polizeistaatsterrors, das im Auftrag einer herrschenden Klasse, die die arbeitende Bevölkerung als entbehrlich betrachtet, Massenunterdrückung, Deportationen, Masseninhaftierungen und außergerichtliche Morde verübt.

Die Proteste gegen die sozialen Verhältnisse in Italien, den Völkermord Israels in Gaza und die Präsenz von ICE in Mailand dauern an. Auch am Wochenende haben sich Tausende erneut in Mailand versammelt und der polizeilichen Abriegelung der Stadt getrotzt. Sie sind zum Olympischen Dorf marschiert, wo es zu Zusammenstößen mit der Bereitschaftspolizei kam, die Tränengas und Wasserwerfer gegen die Menge einsetzte.

Äußerungen gegen Krieg und versteckte Kritik an Trump fanden sogar Eingang in das vorab festgelegte Programm der Eröffnungsfeier. Der Mailänder Rapper Ghali trug Gianni Rodaris berühmtes Antikriegs-Kindergedicht „Promemoria“ aus dem Jahr 1948 vor, und die US-amerikanisch-südafrikanische Schauspielerin Charlize Theron zitierte den ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela gegen Rassenvorurteile.

Die 60.000 Zuschauer der Eröffnungsfeier buhten den US-Vizepräsidenten Vance aus, als dieser mit seiner Frau Usha während des Applauses für die US-Olympiamannschaft auf den Stadionbildschirmen gezeigt wurde. Die Zuschauer ignorierten die Aufforderungen der Olympiaorganisatoren, während des Einmarsches der US-Athleten nicht zu buhen.

Die Regierungen von Trump und Meloni wurden schließlich durch Aussagen der Olympioniken selbst tief erschüttert. Vielfach waren es außergewöhnlich talentierte Sportler, die Jahre ihres Lebens einem rigorosen Training gewidmet hatten. Viele leben während der Wettkämpfe im Olympischen Dorf und treffen dort Athleten aus aller Welt, wodurch internationale Kameradschaft und Respekt gefördert werden. Ihre Aussagen machen deutlich, dass der Nationalismus und das Fahnenflattern, die die Medienberichterstattung über die Olympischen Spiele prägen, nicht etwas sind, das sie freiwillig annehmen, sondern das ihnen aufgezwungen wird.

Auf die Frage, ob er sich wohl dabei fühle, sein Land zu vertreten, während ICE operiert, antwortete der US-Freestyle-Skifahrer Hunter Hess: „Nur weil ich die Flagge trage, heißt das nicht, dass ich alles repräsentiere, was in den USA vor sich geht.“

Sein US-amerikanischer Freestyle-Skifahrer-Kollege Chris Lillis sagte, er sei „untröstlich“ über die Maßnahmen der ICE und überhaupt über das, was in den Vereinigten Staaten passiert: „Ich denke, wir als Land müssen uns darauf konzentrieren, die Rechte aller zu achten und sicherzustellen, dass wir unsere Bürger sowie jeden andern auch mit Liebe und Respekt behandeln. Ich hoffe, dass die Menschen, wenn sie die Athleten bei den Olympischen Spielen sehen, erkennen, dass dies das Amerika ist, das wir repräsentieren wollen.“

Solche Aussagen reihen sich in eine lange Tradition kritischer Momente in der Geschichte der Olympischen Spiele ein, die von großer politischer Bedeutung sind. Da war der ikonische Protest der US-amerikanischen Athleten von 1968, die nur wenige Monate nach dem Mord an Dr. Martin Luther King Jr. mit erhobener Faust den Black-Power-Gruß zeigten, um gegen Rassismus zu protestieren.

Während der Olympischen Spiele 1936 in Berlin, die vom Hitler-Regime ausgerichtet wurden, widerlegte der schwarze US-amerikanische Athlet Jesse Owens mit vier Goldmedaillen die Rassenideologie der Nazis. Der deutsche Weitspringer Luz Long hatte Owens nach zwei ungültigen Versuchen in der ersten Runde einen wichtigen Rat erteilt, wodurch Owens sich qualifizieren und weiterkommen konnte und schließlich die Goldmedaille gewann. Luz, der die Silbermedaille gewann, gratulierte Owens öffentlich und zeigte sich Arm in Arm mit ihm in Hitlers Gegenwart.

Äußerungen wie die von Hunt und Lillis spiegeln eine wachsende Feindseligkeit breiter Schichten der Weltbevölkerung gegenüber Regierungen wie die von Trump und Meloni wider. Eine tiefgreifende gesellschaftliche und politische Radikalisierung gegen reaktionäre Regierungen hat begonnen, während diese Regierungen isoliert und verachtet dastehen. Diese Stimmung in den Massen gewinnt trotz Zensur und polizeistaatlicher Repression die Oberhand.

Wenig überraschend haben Trump und Meloni mit herabwürdigenden Beschimpfungen der Sportler reagiert und die Demonstrierenden, die während der Spiele gegen sie aufstanden, denunziert. Auf Truth Social titulierte Trump Hunter Hess als „echten Verlierer, der sagt, dass er sein Land bei den aktuellen Olympischen Winterspielen nicht vertritt“. Meloni attackierte diejenigen, die während der Olympischen Spiele protestierten, als „Feinde Italiens und der Italiener“.

Wer die „Feinde des Volkes“ sind, ist jedoch nicht schwer zu erkennen. Das sind die faschistischen Vertreter der herrschenden kapitalistischen Oligarchie, die zu Krieg, Völkermord, Anheizung von Rassismus gegen Einwanderer, Sparmaßnahmen und polizeistaatlicher Unterdrückung greifen – nicht die Arbeiter und Jugendlichen, die gegen sie protestieren.

International breitet sich die oppositionelle Stimmung aus, und sie steht im Einklang mit einem Wiederaufleben des Klassenkampfs und einer Wiederbelebung der gesellschaftlichen Kraft, die der kapitalistischen Oligarchie die wirtschaftliche und politische Macht entreißen kann: der Arbeiterklasse. Die Massenproteste im Januar in Minneapolis gegen die Polizeimorde an Good und Pretti sind Vorboten einer sozialen Umwälzung in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt.

Tatsächlich begann am Tag der olympischen Eröffnungsfeier – inmitten anhaltender Streiks von 46.000 Krankenschwestern in den USA – ein Streik von Hafenarbeitern in Italien und im gesamten Mittelmeerraum unter dem Motto „Hafenarbeiter arbeiten nicht für Krieg“. Ihr Streik verzögert die Lieferung von Waffen für den Nahen Osten und den Völkermord in Gaza, da die Arbeiter Schiffe mit Waffen für die Häfen blockieren, in denen Gewerkschaftsfunktionäre die Hafenarbeiter zur Arbeit zwingen.

Diese Ereignisse weisen auf die Möglichkeit und Notwendigkeit einer internationalen Vereinigung der Kämpfe der Arbeiterklasse hin. Das bewusste Ziel einer solchen Bewegung muss die Mobilisierung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Macht der Arbeiter sein, um kapitalistische Regierungen zu stürzen, die eine Politik der Sparmaßnahmen, des imperialistischen Krieges und der Diktatur verfolgen. Die Macht muss an die arbeitenden Menschen übertragen werden, um eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen, in der soziale und wirtschaftliche Ressourcen zur Befriedigung der gesellschaftlichen Bedürfnisse – und nicht zur Erzielung privater Gewinne – eingesetzt werden.

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