Andy Friends 2025 erschienenes Buch Comrades in Art: Artists Against Fascism 1933–1943 bildet das Fundament der aktuellen Ausstellung Artists’ International: The First Decade im Londoner Kunstmuseum Tate Britain. Sie wird auch Grundlage für eine umfassendere Ausstellung in der Towner Gallery in Eastbourne bilden. Dort wird die Ausstellung Comrades in Art: Artists Against Fascism vom 7. Mai bis zum 18. Oktober 2026 zu sehen sein.
Comrades in Art zeichnet nach, wie Künstler in Großbritannien auf ein Jahrzehnt politischer und kultureller Umbrüche reagierten: den Aufstieg des Faschismus, den Spanischen Bürgerkrieg, den Zweiten Weltkrieg und später den Kalten Krieg.
Im Zentrum von Friends' Erzählung steht die Artists’ International Association (AIA), die 1933 in Großbritannien von einer kleinen Gruppe radikaler, überwiegend aus der Arbeiterklasse stammender Jugendlicher, Flüchtlinge und Exilanten gegründet worden war. In ihrer Anfangsphase strebten viele Mitglieder aufrichtig nach revolutionärem Wandel – eine Haltung, die später durch den Aufstieg des Stalinismus und die den kommunistischen Parteien aufgezwungene Volksfrontpolitik zerstört wurde.
Friend rekonstruiert die Entstehung der AIA. Der Karikaturist James Holland erinnerte sich, dass der Zusammenbruch des Mäzenatentums nach dem Ersten Weltkrieg und die weitverbreitete Verelendung die Künstler dazu zwangen, „ihre Fähigkeiten zu nutzen, um ein System zu diskreditieren, das Kunst und Kultur von den Launen der Geldmärkte abhängig macht“. Viele dieser jungen Künstler sahen in der Sowjetunion die einzige Gesellschaft, die den Versuch unternahm, Kultur auf nichtkapitalistischer Grundlage neu zu organisieren.
Doch die von Friend dokumentierte Entwicklung ist letztlich nicht das revolutionäre Potential der AIA, sondern ihre politische Kapitulation vor der Volksfront – das direkte Ergebnis der stalinistischen bürokratischen Konterrevolution. Verwurzelt in der ökonomischen Rückständigkeit Russlands, der Isolation des Sowjetstaates nach der Niederlage von Revolutionen im Ausland, den Verheerungen des Bürgerkriegs und dem Aufstieg einer privilegierten bürokratischen Kaste, verwandelte der Stalinismus – mit seinem erklärten Ziel, den „Sozialismus in einem Land“ als Alternative zur sozialistischen Weltrevolution aufzubauen – die Bolschewiki und die Komintern von Organen des proletarischen Internationalismus in diplomatische und politische Instrumente zur Verteidigung bürokratischer Interessen.
Die Komintern erzwang klassenkollaborierende Volksfrontbündnisse mit „progressiven“ bürgerlichen Kräften und unterdrückte unabhängige revolutionäre Strömungen – ein Prozess, den Leo Trotzki, die Linke Opposition und die Vierte Internationale angesichts grausamer Unterdrückung bekämpften.
Kulturell bedeutete diese politische Wende die Auflösung explizit revolutionärer Künstlergruppierungen zugunsten breiter, politisch verwässerter Koalitionen. Das Experimentelle wurde der Propaganda untergeordnet und ideologische Konformität wurde über kritische und kreative Integrität erhoben.
In Großbritannien spiegelte die AIA diese Volksfront-Wende wider: Die revolutionäre Gesinnung, die die frühen Berichte ihrer führenden Gründer Clifford Rowe und Pearl Binder nach Besuchen in der Sowjetunion beseelte, wich allmählich institutionellen Kompromissen und klassenübergreifenden Koalitionen.
Friend schildert diese frühen, militanten Jahre auf lebendige Weise. Rowe war bereits ein politischer Künstler, wie sein Titelbild für The Spirit of Invergordon zeigt, das an die Marinemeuterei von 1931 erinnerte. Anfang der 1930er Jahre verbrachte er 18 Monate in Moskau. Dort begegnete er einer visuellen Kultur, die für Massenbildung und politische Agitation mobilisiert wurde. Dies bestärkte seinen Glauben, dass Kunst als kollektive gesellschaftliche Kraft wirken könne. Sein Wandgemälde „The Struggle between the Unemployed and the Police Forces“ (Der Kampf zwischen den Arbeitslosen und den Polizeikräften), das für die Feierlichkeiten zum fünfzehnten Jahrestag der Roten Armee entstand und die brutale Unterdrückung der britischen Hungermärsche darstellte, war beispielhaft für eine dem Klassenkampf verpflichtete Kunst.
Pearl Binder, die als Tochter eines russisch-jüdischen Schneiders in Salford geboren wurde, war von der Begeisterung für Kunst beeindruckt, die sie in der Sowjetunion bei „Rotarmisten, Hausfrauen, Straßenkehrern, Ladenbesitzern, Lehrern und Kindern“ erlebte. Ihre Lithografie Russian Railway Journey (Russische Eisenbahnreise) aus dem Jahr 1935 fängt diese Sympathie auf wunderbare Weise ein.
Beide lehnten die stalinistische Doktrin ab, die sich später zum Sozialistischen Realismus verhärtete. Sie erkannten darin eine dogmatische Fessel, die das Experimentieren erstickte und Künstler zu bloßen Propagandisten degradierte.
Friend erzählt die Geschichte von Edith Simon (1917–2003), einer in Berlin geborenen jüdischen Flüchtlingsfrau, die mit 16 Jahren das jüngste Gründungsmitglied der AIA wurde. Sie erinnerte sich an das elektrisierende Gefühl der Bestimmung, das die Organisation ihr vermittelt hatte: den Glauben, dass Kunst dazu beitragen könne, die Gesellschaft zu revolutionieren; dass künstlerische und gesellschaftliche Werte untrennbar miteinander verbunden seien, und dass die Integration von Kunst in den Alltag beides bereichern könne.
Friend rückt die lebendigen politischen Karikaturen der AIA in den Vordergrund, insbesondere die Arbeiten der Drei James (Holland, Fitton und Boswell).
Zu James Fittons frühen Werken zählen seine Lithografie May Day von 1928 und sein Plakat Russian Oil Products von 1930 im konstruktivistischen Stil. Sein Werk Trapeze II aus dem Jahr 1935 verband politisches Engagement mit grafischer Disziplin und populärem Spektakel. Fittons Frau Margaret schuf weniger politische, eher häusliche und lyrische Kunstwerke wie Rhubarb Pie (Rhabarberkuchen).
Der in Neuseeland geborene James Boswell (1906–1971) war von deutschen Satirikern beeinflusst und wurde zu einem der pointiertesten Grafiker der AIA. Mit seinen Illustrationen für die Left Review, darunter His Majesty’s Servants (Die Diener Seiner Majestät), machte er sich über staatliche Überwachung und verdeckte Polizeiarbeit lustig. Boswell war bei der Gründungsversammlung das einzige Mitglied mit Parteibuch der Kommunistischen Partei Großbritanniens (CPGB).
Eine weitere Schlüsselfigur war der ungarisch-jüdische Bildhauer Peter Laszlo Peri (1899–1967). Er war vom Konstruktivismus und politischem Exil geprägt und führte innovative Betonskulpturen ein, wie sein Werk Fishing (Angeln) aus dem Jahr 1938 zeigt. Peri widmete sich der Darstellung der Arbeiterklasse.
Die frühen Aktivitäten der AIA – darunter Plakate, Karikaturen, Buchumschläge und Ausstellungen, die sich gegen Hunger, Unterdrückung, Krieg und Arbeitslosigkeit richteten – behandelten Kunst explizit als Waffe im Klassenkampf. Die Ausstellung Comrades in Art zeugt von dieser militanten Praxis und reproduziert mehrere Bilder aus dem Karikaturenband Why We Are Marching! von 1934, der anlässlich des Hungermarsches jenes Jahres veröffentlicht wurde. Zu sehen sind unter anderem Rowes Titelentwurf sowie Roy Lauriers It is a Fascist Scheme!, welche das Arbeitslosengesetz der Nationalen Regierung und die bösartige Bedürftigkeitsprüfung satirisch aufs Korn nimmt.
Nach 1935 erlebte die AIA eine rasante Expansion – von etwa 30 Gründungsmitgliedern auf fast 1.000 Mitglieder, darunter etablierte Persönlichkeiten wie Augustus John, Henry Moore, Paul Nash und Laura Knight. Ihre Parole besagte: „Unity of Artists against Fascism, War and the Suppression of Culture“ (Einheit der Künstler gegen Faschismus, Krieg und die Unterdrückung der Kultur).
Diese Umbenennung fiel zeitlich mit der vollständigen Ausrichtung der Organisation auf die Strategie der Volksfront zusammen. Ihre tragischen Konsequenzen zeigten sich am deutlichsten in Spanien: Der Tod von Freiwilligen wie dem AIA-Mitglied Felicia Browne, deren Zeichnungen republikanischer Milizen in Comrades in Art erscheinen, und der Zusammenbruch des revolutionären proletarischen Widerstands unter klassenübergreifenden Bündnissen dienen als Mahnung, welch hohen menschlichen Preis es kostet, wenn Antifaschismus in das Fahrwasser der Klassenkollaboration gelenkt wird.
Friend hebt auch oppositionelle Figuren hervor, die der AIA beitraten, darunter Viscount Jack Hastings. Der in Eton ausgebildete Aristokrat brach mit seiner Klasse, nahm trozkistische Ideen an, während er bei dem mexikanischen Künstler Diego Rivera in die Lehre ging, und versuchte, diese revolutionäre visuelle Politik nach Großbritannien zu bringen.
Hastings erreichte nie Riveras Kraft, aber sein Wandgemälde The Worker of the Future Clearing Away the Chaos of Capitalism (Der Arbeiter der Zukunft beseitigt das Chaos des Kapitalismus) in der Marx Memorial Library ist ein seltener britischer Versuch, den Muralismus mit einer explizit antikapitalistischen Botschaft zu verbinden.
Im Jahr 1937 wurden die AIA-Ausstellung Unity of Artists und ihr Künstlerkongress zur Unterstützung von Frieden, Demokratie und kultureller Entwicklung als große antifaschistische Mobilisierungen gefeiert. Sie enthüllten jedoch auch die vollen Konsequenzen der Volksfront-Wende. Die AIA war nun eine breite, politisch verwässerte Koalition, die jede unabhängige sozialistische Perspektive aufgegeben hatte und nach Anerkennung durch das Establishment gierte. Der Kongress wiederholte die Resolutionen der Volksfront und ignorierte die Gefahren der Klassenkollaboration. Einen Tag nach Ende des Kongresses wurde Guernica in Spanien von Nazi-Bombern zerstört.
Die Zickzack-Kurse der stalinistischen Außenpolitik hatten außerordentlich desorientierende Auswirkungen. So führte die abrupte Ankündigung des Stalin-Hitler-Pakts im Jahr 1939 dazu, dass die AIA den Zweiten Weltkrieg zunächst als inter-imperialistischen Konflikt definierte. Nach Hitlers Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 wurde der Krieg jedoch zu einem patriotischen „Volkskrieg“ im Bündnis mit Großbritannien, Frankreich und den Vereinigten Staaten umgedeutet.
Die kulturelle Mobilisierung während des Krieges, erkennbar daran, dass sich Fitton, Rowe, Binder und andere einer moralstärkenden Bildsprache zuwandten, gipfelte 1943 in der Ausstellung Art for Liberty. Diese stellte Präsident Roosevelts „Four Freedoms“ (Vier Freiheiten) in den Mittelpunkt – eine Reihe vermeintlich „universeller“ Rechte, von denen er behauptete, sie würden die Nachkriegswelt formen, während sie tatsächlich die aufsteigende US-Hegemonie legitimierten. Die kriegsbedingte Eingliederung der AIA in die Propaganda des Establishments mündete direkt in den Wiederaufbau nach 1945 und die Stabilisierung des britischen Kapitalismus – eine Entwicklung, die sich bis zur Auflösung der Organisation im Jahr 1971 fortsetzte.
Friends Buch rückt vernachlässigte Künstler und Episoden wieder ins Blickfeld, umgeht jedoch das zentrale Narrativ der stalinistischen Degeneration und des Opportunismus der Volksfront, dass die 1930er Jahre prägte. Die Volksfront brachte die sozialistische Revolution nicht voran, sondern demobilisierte die Arbeiterklasse. Zudem zog sie Künstler in klassenübergreifende Projekte, die die kapitalistischen Eigentumsverhältnisse und den Staat stützten. Damit verriet sie die revolutionären Horizonte, die sich viele frühe AIA-Mitglieder vorgestellt hatten.
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