Kriegsvorbereitungen gegen den Iran: USA ziehen Botschaftspersonal aus Beirut ab

Der Flugzeugträger USS Gerald R. Ford am 12. November 2024 in Formation mit den Lenkwaffenzerstörern USS Winston Churchill, USS Mitscher, USS Mahan, USS Bainbridge und USS Forrest Sherman im Atlantik [Photo: Navy Petty Officer 2nd Class Jacob Mattingly ]

Das US-Außenministerium ordnete am Montag die Evakuierung aller entbehrlichen Beschäftigten und der Familienmitglieder aus der amerikanischen Botschaft in Beirut an. Hintergrund ist der massive Aufmarsch von US-Truppen im Nahen Osten und die intensiven Vorbereitungen auf einen Krieg gegen den Iran. Laut Reuters verließen 32 Beschäftigte der Botschaft und ihre Familienmitglieder das Land vom Flughafen Beirut aus. Eine Quelle in der Botschaft selbst sprach von insgesamt 50 Evakuierten.

Das Außenministerium aktualisierte am Montag seine Reisewarnung für den Libanon. US-Staatsbürgern wird von einer Reise in das Land abgeraten. Für das verbliebene Botschaftspersonal wurden „sehr kurzfristig“ Reisebeschränkungen verhängt.

Der Abzug folgt dem Muster vor der Operation Midnight Hammer im Juni 2025. In den Tagen vor dem Angriff der B-2-Bomber auf die iranischen Atomanlagen am 22. Juni hatten die USA ihr Personal in den Botschaften in Bagdad, Kuwait und Bahrain reduziert.

Die USS Gerald R. Ford, das größte Kriegsschiff der Welt, erreichte am Montag nach der Durchquerung des Mittelmeers die Souda-Bucht vor der Insel Kreta. Mit ihrer Ankunft vor der Küste Israels wird in wenigen Tagen gerechnet. Die Flugzeugträger-Kampfgruppe der USS Abraham Lincoln operiert im Arabischen Meer. Zusätzlich sind zahlreiche Kampfflugzeuge, Bomber, Tankflugzeuge und Raketenabwehrsysteme in die Region verlegt worden. Mehr als 40.000 US-Soldaten sind auf Militärbasen und Marineeinrichtungen im Nahen Osten stationiert.

Die New York Times berichtete am Sonntag, es handele es sich um „die größte militärische Streitkraft, die [die USA] seit der Vorbereitung auf die Invasion des Iraks vor fast 23 Jahren in der Region konzentriert haben“. Die Washington Post schrieb am Montag, ein hoher Regierungsvertreter vom Persischen Golf habe der Zeitung mitgeteilt, arabische Staaten hätten Washington informiert, sie würden die Nutzung ihrer Stützpunkte für einen Angriff auf den Iran nicht zulassen. Die Drohung des Iran mit Vergeltungsmaßnahmen gegen jedes Land, das die US-Operation unterstützt, habe Zweifel an Washingtons Fähigkeit aufgeworfen, sich Überflugrechte zu sichern.

Für Donnerstag, den 26. Februar, sind in Genf Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran geplant. Doch die bisherige „Diplomatie“ der USA gegenüber dem Iran widerlegt jede Annahme, Washington würde eine Verhandlungslösung anstreben.

Im April 2025 hatte das Weiße Haus dem Iran ein Ultimatum von 60 Tagen gestellt. In dieser Zeit fanden fünf Runden indirekter Verhandlungen statt. Am 8. Juni 2025, noch während der Verhandlungen, nahm der US-Sondergesandte Steve Witkoff in Camp David an einem Kriegsplanungs-Treffen mit CIA-Direktor John Ratcliffe, Verteidigungsminister Pete Hegseth und hohen Militärvertretern teil. Laut einem Bericht von Axios vom 10. Juni hatte Ratcliffe Trump unterrichtet, Israel stehe kurz vor einem Angriff und habe bereits Geheimdienstmitarbeiter im Iran stationiert. CNN berichtete am 22. Juni, Trumps Berater hätten bereits „in den Monaten zuvor“ Optionen ausgearbeitet, wie sich die USA an Israels Offensive beteiligen können.

Fünf Tage nach dem Treffen in Camp David, am 13. Juni – genau einen Tag nach Ablauf des Ultimatums – begann Israel die Operation Rising Lion. Am 22. Juni folgte die US-Operation Midnight Hammer, mit der drei Atomanlagen in Fordo, Natanz und Isfahan angegriffen wurden. Der iranische Außenminister erklärte vor den Vereinten Nationen: „Wir wurden während eines laufenden diplomatischen Prozesses angegriffen.“

Venezuela wurde Opfer des gleichen Betrugsmanöver. Maduro hatte sich noch am 2. Januar 2026, einen Tag vor der Invasion, um Verhandlungen bemüht. Trump erklärte hinterher auf Fox News: „Ich wollte nicht verhandeln.“

Die Berichte über Debatten innerhalb der US-Regierung verdeutlichen die immensen Risiken und Konsequenzen des drohenden Kriegs. Ein Angriff auf den Iran würde weitaus größere Vergeltungsmaßnahmen nach sich ziehen als der auf Venezuela und potenziell eine erhebliche Zahl an Todesopfern auf Seiten der USA zur Folge haben. Der Iran besitzt mehr als tausend ballistische Raketen, hochmoderne Drohnen, Marschflugkörper und ein Netzwerk von Stellvertreterkräften. Er hat für den Fall eines Angriffs gedroht, US-Basen in der ganzen Region anzugreifen.

Die Washington Post berichtete am Montag, Generalstabschef Dan Caine habe Trump und hochrangige Regierungsvertreter am Dienstag, dem 17. Februar, bei einem Treffen im Weißen Haus gewarnt: „Engpässe bei wichtiger Munition und fehlende Unterstützung von Verbündeten werden die Operation und das US-Militärpersonal erheblichen Risiken aussetzen.“

Laut der Post warnte Caine, die Munitionsbestände seien durch Washingtons Verteidigung Israels und die Unterstützung für die Ukraine „erheblich reduziert“. Zwei für den Schutz der US-Truppen vor iranischen Raketen entscheidende Kampfmittel – THAAD-Abfangraketen und Patriot-Raketensysteme – seien bei den jüngsten Operationen in großem Umfang verbraucht worden, und die USA produzierten nur einige hundert Stück davon pro Jahr.

Die Times berichtete am Sonntag, General Caine habe Trump während der Planungen für Venezuela versichert, es bestehe eine „hohe Erfolgswahrscheinlichkeit“. Allerdings konnte er „Trump bei den Diskussionen über den Iran nicht die gleichen Zusicherungen geben, größtenteils, weil der Iran ein sehr viel schwierigeres Ziel ist“.

Trump reagierte am Sonntag auf Truth Social und bezeichnete die Berichte als „hundertprozentig falsch“. Er behauptete, ein Angriff auf den Iran sei nach Caines Meinung „leicht zu gewinnen“. Die Personen, die mit der Post sprachen, „widersprachen Trumps optimistischer Charakterisierung direkt“.

RANE (vormals Stratfor) veröffentlichte am 19. Februar eine Analyse, laut der „ein umfangreicher, längerer Feldzug diesmal viel plausibler ist, sofern kein Atomabkommen abgeschlossen wird“. In einer früheren Einschätzung war RANE im Januar zu dem Schluss gekommen, dass „die Gefahr eines US-Angriffs auf den Iran in den kommenden Tagen und Wochen weiterhin hoch bleiben wird“. Laut einer Analyse vom Februar werden „die amerikanisch-iranischen Verhandlungen wahrscheinlich wegen unvereinbarer Forderungen ins Stocken geraten oder scheitern, wodurch die Gefahr einer US-amerikanischen (und wahrscheinlich israelischen) Militäraktion bestehen bleibt“.

Die Denkfabrik Atlantic Council veröffentlichte am Sonntag eine detaillierte Analyse, laut der sich ein Feldzug mit dem Ziel eines Regimewechsels „Wochen oder Monate hinziehen, viel mehr Munition erfordern und die US-Truppen intensiven Vergeltungsmaßnahmen aussetzen könnte“.

Das Ausmaß einer potenziellen Militäraktion ist atemberaubend. Laut der Washington Post würde alleine die Zerstörung des iranischen Raketenprogramms Angriffe auf „Hunderte von Zielen in einem Land erfordern, das mehr als dreimal so groß ist wie der Irak“. Dazu gehören mobile Abschussvorrichtungen, Versorgungsdepots, Luftabwehrsysteme und Transportnetzwerke. Sollte ein Regimewechsel das Ziel sein, „würde das eine dramatische Ausweitung der Angriffe auf Tausende von Zielen erfordern, darunter Kommando- und Kontrollzentren, Sicherheitsdienste und wichtige Gebäude mit Verbindungen zu Chamenei“.

Der Iran hat seine Streitkräfte in höchste Alarmbereitschaft versetzt und positioniert ballistische Raketenwerfer entlang seiner Westgrenze zum Irak und entlang des Persischen Golfs, in Reichweite von US-Militärstützpunkten.

Ajatollah Chamenei erklärte letzte Woche vor Publikum: „Das mächtigste Militär der Welt könnte einen solchen Schlag versetzt bekommen, dass es nicht wieder auf die Füße kommen kann.“ Er hat für jede militärische und staatliche Position vier Nachfolgeebenen festgelegt, drei potenzielle Nachfolger für sich selbst benannt und die Macht für den Fall seines Todes einem engen Vertrautenkreis übertragen.

Die US-Demokraten leisten keinen Widerstand gegen die Kriegsvorbereitungen. Keiner ihrer führenden Politiker, auch nicht die Minderheitsführer Hakeem Jeffries (Repräsentantenhaus) und Chuck Schumer (Senat), haben bisher den angedrohten Angriff verurteilt.

Anstatt den Krieg abzulehnen, haben prominente Demokraten ihn aktiv befürwortet. Senator Fetterman erklärte auf Newsmax seine Unterstützung für Luftangriffe auf den Iran. Der Abgeordnete Gottheimer lehnte eine parteiübergreifende Resolution der Abgeordneten Thomas Massie und Ro Khanna ab, die eine Zustimmung des Kongresses als Vorbedingung für Militäraktionen gegen den Iran erfordert hätte.

Die Demokraten haben für die Finanzierung aller Waffen gestimmt, die jetzt für den Angriff aufgeboten werden. Im Repräsentantenhaus stimmten im Dezember 115 Demokraten für den National Defense Authorization Act in Höhe von 901 Milliarden Dollar und im Januar 149 Demokraten für militärische Anschaffungen im Wert von 839 Milliarden Dollar.

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