Israel weitet Krieg gegen Iran aus und ordnet Massenvertreibungen im Libanon an

Die World Socialist Web Site veranstaltet am Sonntag, dem 8. März, um 20:00 Uhr MEZ eine globale Online-Veranstaltung, um die Ursprünge des imperialistischen Krieges der USA gegen den Iran, die zugrunde liegenden sozialen Kräfte und eine Strategie zu seiner Beendigung zu erläutern. Wir rufen alle unsere Leser dringend dazu auf, sich für die Teilnahme anzumelden.

Nur wenige Tage nachdem Israel gemeinsam mit den USA einen unprovozierten und völkerrechtswidrigen Angriff auf den Iran begonnen hat, hat es eine zweite Front eröffnet und die Hisbollah im Libanon angegriffen. Damit signalisiert es die Verwandlung des Kriegs in einen regionalen Flächenbrand.

Israelische Kampfflugzeuge flogen mehr als 250 Angriffe auf die südlichen Vororte von Beirut, den Ostteil des Libanon und die südlichen Küstenstädte Tyr und Sidon. Dabei wurden mindestens 75 Menschen getötet, darunter der Vorsitzende der Hisbollah-Parlamentsfraktion, Mohammed Raad, und einige hochrangige Kommandeure der Hisbollah. Mehr als 400 Menschen wurden verwundet.

Rauchschwaden nach einem israelischen Luftangriff auf den Beiruter Stadtteil Dahiyeh am Donnerstag, dem 5. März 2026 [AP Photo/Hassan Ammar]

Laut dem Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus, wurden in Tyros drei Sanitäter getötet und sechs weitere verletzt, als sie Verletzte nach vorangegangenen Explosionen retteten. Offenbar handelte es sich dabei um einen israelischen „Doppelangriff“.

Israel behauptet, es wolle die Hisbollah zerschlagen, eine mit Teheran verbündete islamistische Gruppe, und damit den verbliebenen Einfluss des Iran im Nahen Osten eliminieren. Die Hisbollah, die von der schiitischen Amal-Partei und den verarmten schiitischen Massen unterstützt wird, entstand in den 1980er-Jahren als Massenbewegung in den blutigen Wirren während des libanesischen Bürgerkriegs, der durch die Beteiligung der USA und die brutale Besetzung des Südens durch Israel angeheizt wurde.

Der zionistische Staat will seit Langem seine Grenzen ausdehnen, u.a. bis zum Litani, unter dem Vorwand, eine „entmilitarisierte Zone“ im Süden des Libanon zu schaffen. Diese Gebiete machen etwa ein Viertel des libanesischen Staatsgebiets aus. Ein Libanon, das Israel unterworfen ist, würde Tel Aviv auch Einfluss auf die Entwicklungen in Syrien verschaffen.

Israelische Regierungsvertreter haben die jüngste Aggression als Vergeltung für Raketenangriffe der Hisbollah auf Nordisrael am Montagmorgen dargestellt. Laut der Hisbollah waren die Angriffe eine Reaktion auf die Ermordung des iranischen Obersten Führers, Ajatollah Ali Chamenei, am Samstag in Teheran.

Der israelische Sender Channel 12 berichtete jedoch, die Regierung habe bereits in der Nacht zuvor, noch vor den Raketenangriffen, einen Angriff auf den Libanon bewilligt. Demnach wartete Israel, bis eine symbolische Zahl von Raketen eingeschlagen war, um den notwendigen Vorwand für einen umfassenden Angriff zu schaffen. Regierungsvertreter erklärten, die israelischen Angriffe würden in den kommenden Tagen „noch weiter verstärkt, unabhängig von den Entscheidungen der Hisbollah“.

Ein geleaktes Botschaftstelegramm beweist indirekt Israels Absichten. Am Vorabend der gemeinsamen amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran hatten israelische Regierungsvertreter Washington mitgeteilt, die Hisbollah würde ihre militärischen Kapazitäten schneller wiederaufbauen, als die libanesischen Streitkräfte sie unterdrücken könnten. Weder Beirut noch Damaskus könne man zutrauen, die Bedrohung an der israelischen Nordgrenze einzudämmen.

Nachdem die Hisbollah am Montag erstmals seit dem Waffenstillstand von 2024 einige Raketen abgefeuert hatte, wiesen die Israelischen Verteidigungskräfte (IDF) alle Einwohner südlich des Litani an, sich in den Norden zu begeben. Diese Anordnung war deutlich umfangreicher als alle früheren Evakuierungsbefehle, selbst während des 13-monatigen Kriegs mit der Hisbollah im Jahr 2024, bei dem 300.000 Menschen vertrieben wurden. Viele der Betroffenen waren aufgrund israelischer Angriffe bereits mehrfach vertrieben worden.

Am Dienstag starteten die IDF eine Bodenoffensive, verlegten Truppen „tiefer in den südlichen Libanon“ und nahmen mindestens neun Orte ein – zusätzlich zu den fünf Stellungen, die Israel seit dem Waffenstillstand vom November 2024 besetzt hält. Die libanesischen Streitkräfte zogen sich von ihren Grenzposten zurück. Die IDF bezeichneten die erneute Offensive als Teil einer „verstärkten Vorwärtsverteidigungs-Haltung“.

Verteidigungsminister Israel Katz drohte auf X: „Die Hisbollah wird einen hohen Preis für den Beschuss von Israel bezahlen. Wer auch immer dem Weg Chameneis folgt, wird ihm bald in der Hölle Gesellschaft leisten, zusammen mit all jenen, die aus der Achse des Bösen ausgelöscht wurden“.

Der IDF-Stabschef Eyal Zamir warnte, der Krieg werde erst aufhören, „wenn die Bedrohung aus dem Libanon beseitigt ist“. Er versprach: „Wir werden den Feldzug erst beenden, wenn nicht nur der Iran beschädigt ist, sondern auch die Hisbollah einen schweren Schlag erlitten hat. Wir bestehen weiterhin auf der Entwaffnung der Hisbollah“. Für die geplante Operation wurden mehr als 100.000 Reservisten der IDF mobilisiert.

Am Donnerstag weiteten die IDF ihren Angriff dramatisch aus und erließen einen beispiellosen Evakuierungsbefehl für große Teile von Beirut, u.a. für die Hisbollah-Hochburg Dahiyeh und drei weitere überwiegend schiitische Vororte. In der Vergangenheit hatten die IDF die Evakuierung bestimmter Gebäude angeordnet, doch dies war das erste Mal, dass das israelische Militär die Evakuierung ganzer Gebiete forderte.

Zudem wurden konkrete Evakuierungsrouten diktiert: Die Einwohner von Bourj el-Baranjeh und Hadath wurden angewiesen, sich in Richtung Osten zum Libanon-Gebirge zu begeben, auf der Straße Beirut–Damaskus; die Einwohner von Haret Hreik und Shiyyah sollten sich entweder nach Norden in Richtung Tripoli bewegen, auf der Straße Beirut–Tripoli, oder nach Osten zum Libanon-Gebirge über die Metn-Schnellstraße.

Oberst Avichay Adraee, ein Sprecher der IDF, warnte: „Retten Sie Ihr Leben und verlassen Sie sofort Ihre Häuser... Wir werden Ihnen mitteilen, wenn Sie gefahrlos in Ihre Häuser zurückkehren können. Es ist verboten, sich nach Süden zu bewegen“.

Die IDF wiesen außerdem alle „Vertreter des iranischen Terrorministeriums“ an, den Libanon innerhalb von 24 Stunden zu verlassen, andernfalls würden sie Ziel von Angriffen werden.

Stunden später wies Israel die etwa 500.000 Einwohner des Südteils von Beirut an, das Gebiet zu verlassen, obwohl sich dort mehrere Krankenhäuser und Ministerialgebäude befinden. Infolgedessen mussten Zehntausende in Notunterkünften, am Straßenrand, in Parks oder ihren Autos übernachten. Viele können die Stadt aufgrund des Verkehrskollaps nicht verlassen. Freiwillige haben Lebensmittelausgaben und Notunterkünfte eingerichtet, die jedoch bereits völlig überlastet sind.

Der Hisbollah-Führer Naim Qassem verurteilte Israels Vorgehen bei einem Fernsehauftritt als „vorbereitete Aggression“, forderte den Rückzug aus dem südlichen Libanon. Er erklärte: „Wir werden nicht kapitulieren, egal welche Opfer wir bringen müssen“. Er betonte, die Reaktion der Hisbollah stehe „nicht im Zusammenhang mit irgendeinem anderen Kampf“ und sei eine Vergeltung für „15-monatige Verstöße“ gegen den Waffenstillstand.

Laut den Vereinten Nationen und dem libanesischen Gesundheitsministerium hatten die IDF in den zwölf Monaten seit dem Waffenstillstand mit Israel vom November 2024 mehr als 10.000-mal dagegen verstoßen. Dabei wurden mehr als 330 Menschen getötet, darunter 127 Zivilisten, und etwa 945 weitere verwundet. Für diesen Zeitraum gab es keinen gemeldeten Beschuss auf Israel durch die Hisbollah.

Die sunnitische politische Elite des Libanon unterstützt die israelische Offensive. Am Montag erklärte Ministerpräsident Nawaf Salam in einer historischen Ankündigung, die militärischen Aktivitäten der Hisbollah seien illegal und wies die Streitkräfte an, Raketenangriffe auf Israel zu verhindern und jeden zu verhaften, der dies versucht.

Seine Regierung gab außerdem grünes Licht für den Plan des Militärs, die Hisbollah nördlich des Litani in Gebieten zu entwaffnen, in denen die Organisation ihre Langstreckenraketen und Munition lagert und ihre Produktionsstätten unterhält. Da den libanesischen Streitkräften die Ressourcen und Fähigkeiten für eine solche Operation fehlen, kommt dies einem Hinweis an die IDF gleich, die Führung bei der Entwaffnung der Hisbollah zu übernehmen.

Israel behauptet, seine Militäroperationen seien mit den USA, und über Washington mit der libanesischen Regierung koordiniert. Letztere wird von Saudi-Arabien und Katar unterstützt, die einen Teil der Gehälter der libanesischen Streitkräfte zahlen.

Salam hat außerdem angekündigt, die Wahlen für zwei Jahre zu verschieben, angeblich nach Beratungen mit Parlamentssprecher Nabih Berri, dem Anführer der schiitischen Amal-Bewegung, einer langjährigen Verbündeten der Hisbollah. Berri will, dass der Staat den Süden wiederaufbaut, wofür die Hisbollah entwaffnet werden muss, was die Partei ablehnt.

Salam behauptete, die Kämpfe und die Vertreibung so vieler Menschen würden ordnungsgemäße Wahlen unmöglich machen. Entscheidend ist jedoch, dass er meint, die Unterstützung für die Hisbollah, deren Finanzierung und Nachschubrouten durch die Ereignisse im Iran und Syrien unterbrochen wurden, würde bis dahin zurückgehen. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die Hisbollah die schiitischen Einwohner des südlichen Libanon entschädigen kann, deren Häuser zerstört oder beschädigt wurden.

Keine der Großmächte hat Israels Massenvertreibung libanesischer Zivilisten oder seine Bombardierung Beiruts und der Hisbollah-Hochburgen verurteilt. Emmanuel Macron, der Präsident von Frankreich, der ehemaligen Kolonialmacht, rief Israel und den Iran lediglich dazu auf, den Libanon nicht in den Konflikt im Nahen Osten hineinzuziehen. Er erklärte, er habe einen Plan zur Beendigung der Kampfhandlungen entworfen, der Militärhilfe für die libanesische Armee und die Entwaffnung der Hisbollah vorsieht.

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