Zwei Tage Pilotenstreik bei Lufthansa

Lufthansamaschine [Photo: Flickr]

Rund 5.300 Lufthansa Piloten sind gestern früh in den Warnstreik getreten, darunter zum ersten Mal auch die Piloten der LH-Regionaltochter Cityline.

Die Cityline-Crews haben die Arbeit 24 Stunden lang verweigert. 4.800 Piloten der Lufthansa Passage und Lufthansa-Cargo streiken auch am heutigen Freitag weiter, insgesamt 48 Stunden (12. und 13. März). Bei ihnen geht es darum, die schleichende Verschlechterung ihrer betrieblichen Altersrente abzuwehren, während die Cityline-Piloten um die Durchsetzung ihrer Lohnforderungen kämpfen.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) gab bekannt, dass sie aufgrund des Irankriegs die Flüge in den arabischen Raum nicht bestreiken werde, um Rückkehrflüge nicht zu gefährden. Ausdrücklich vom Streik ausgenommen sind demnach Flüge nach Ägypten, Aserbaidschan, Bahrain, Irak, Israel, Jemen, Jordanien, Katar, Kuwait, Libanon, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).

Bei allen übrigen LH- und Cityline-Flügen ist die Streikbeteiligung hoch. Wie VC mitteilte, sind seit dem Donnerstagvormittag 75 Prozent der bestreikten Kurzstreckenflüge und mehr als 70 Prozent der betroffenen Langstreckenverbindungen ausgefallen. Dies liegt deutlich über der Prognose des Konzernvorstands, der am Donnerstagmorgen verkündet hatte, dass Lufthansa 60 Prozent aller Langstreckenflüge durchführen werde.

Am Donnerstagmorgen wurden am größten deutschen Flughafen Rhein-Main Frankfurt mehr als 400 der insgesamt 1.165 (nicht nur von Lufthansa) geplanten Starts und Landungen annulliert; in München waren es etwa 230 von insgesamt rund 800 Flügen. Die Zahlen sind damit mit den Ausfällen beim letzten Streik am 12. Februar vergleichbar.

Besonders die Streikbereitschaft der etwa 500 Cityline-Pilotinnen und -Piloten ist hoch. Wie VC am 26. Februar bekanntgab, hatten sie in einer Urabstimmung mit großer Mehrheit für Streik gestimmt. An der Abstimmung hatten 95 Prozent der Mitglieder teilgenommen, und von diesen hatten 99 Prozent einen Arbeitskampf befürwortet.

Ihre Wut richtet sich gegen den Lufthansa-Vorstand unter CEO Carsten Spohr, der ihre längst überfälligen Lohnerhöhungen seit August 2025 immer weiter hinauszögert. Die Gehälter der Cityline-Crews sollten längst in drei Schritten um jeweils 3,3 Prozent angehoben werden, und zwar rückwirkend auf den 1. Februar 2024, den 1. Januar 2025 und den 1. Januar 2026. Insgesamt fordern die Cityline-Piloten rund elf Prozent mehr Lohn über die gesamte Laufzeit der Vereinbarung, bis Ende 2026 – eine Forderung, die mehr als berechtigt ist angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten in dieser Zeit, besonders in den teuren Regionen Rhein-Main und München.

Der Vorstand will den Lohnerhöhungen nur zustimmen, wenn die Summen anderweitig wieder eingespart werden, und hält die Cityline-Piloten seit Monaten hin. Laut Spohr müsse jede Erhöhung der Arbeitskosten durch Produktivitätsgewinne oder Einsparungen in anderen Bereichen des Tarifvertrags wieder ausgeglichen werden. Dies, obwohl die Lufthansa nach den Corona-Krisenjahren zuletzt wieder deutliche Gewinne verzeichnen konnte.

In der Zwischenzeit wird die (fast namensgleiche) neue Lufthansa-Tochter City Airline immer weiter ausgebaut, und bisher arbeitet sie ohne festes Lohntarifgefüge. Nach den Lufthansa-Töchtern Germanwings, Eurowings und Discover Airlines ist die City Airline die neueste Billiglinie von Lufthansa, die das Ziel verfolgt, die Löhne und Bedingungen in den älteren Gesellschaften unter Druck zu setzen. Parallel zum Ausbau der City Airline sind bei Cityline mittlerweile 800 Stellen im Cockpit und in der Kabine bedroht. Letztlich sollen auch die Lufthansa-Crews in diese schlechteren Bedingungen gezwungen werden – oder ihre Jobs verlieren.

Bei der Lufthansa Passage und der Lufthansa-Cargo geht es derweil nicht um die Löhne – ihr Lohntarif wurde im August 2023 neu verhandelt und läuft noch bis mindestens Ende 2026 (mit Bedingungen und Standards, die noch deutlich über denen bei Cityline – geschweige denn City Airline – liegen). Dennoch kämpfen auch die Pilotinnen und Piloten der Lufthansa Kerngesellschaft gegen systematische Verschlechterungen und soziale Angriffe.

Bei ihnen geht es insbesondere um die Übergangs- und Betriebsrenten, die für Pilotinnen und Piloten lebenswichtig sind. Denn nur wenige von ihnen sind in der Lage, den Beruf mit Dauerstress, ständiger Zeitverschiebung, Klimawechsel und permanent unterschiedlichen Arbeitszeiten bis zum gesetzlichen Rentenalter auszuüben. Lange Zeit konnten Lufthansa-Piloten mit 55 Jahren in Rente gehen und erhielten ein Übergangsgeld und eine feste Betriebsrente. Aber das wurde schon 2017 – übrigens mit Zustimmung der Vereinigung Cockpit! – geändert.

Damals wurde das System von garantierten Betriebsrenten auf kapitalmarktbasierte Modelle umgestellt. Seither zahlt Lufthansa nicht mehr fixe Rentenbeiträge aus, sondern garantiert den Piloten nur noch die Höhe des Arbeitgeberanteils zu dem Rentenfonds. Seit der Niedrigzinspolitik sind die ausgezahlten Summen jedoch gesunken, und sie sind den Schwankungen an der Börse unterworfen. Das Marktrisiko tragen die Beschäftigten selbst. Hinzu kommt, dass Lufthansa die herben Verluste aus der Corona-Zeit, als die Piloten teilweise bis zu 50 Prozent ihrer Löhne einbüßten, niemals ausgeglichen hat.

Die Lufthansa versucht als Flaggschiff der deutschen Wirtschaft, die Kosten des scharfen globalen Handelskriegs auf die Belegschaften abzuwälzen. Über die Lufthansa-Technik als Ausrüster der Luftwaffe ist der Kranich-Konzern auch in die massive deutsche Aufrüstungs- und Kriegspolitik verstrickt. Die Kosten von Handelskrieg, Aufrüstung und letztlich Krieg sollen die Beschäftigten tragen: in Form von ständigem Sozialabbau, Massenentlassungen und auch einem immer größeren Risiko für das eigene Leben.

Es ist mehr als berechtigt, gegen diese Bedrohung den Arbeitskampf aufzunehmen, umso mehr, als der Streik der Piloten zeitgleich mit Arbeitskämpfen von Kolleginnen und Kollegen in Belgien und anderswo stattfindet, die vor den gleichen Bedrohungen stehen. Der Kampf gegen die sozialen Angriffe muss international gemeinsam geführt und mit dem Kampf gegen Krieg verbunden werden. Weder die Vereinigung Cockpit, noch die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo und schon gar nicht Verdi, die Hausgewerkschaft von Lufthansa, sind dazu bereit.

Die Sozialistische Gleichheitspartei, die World Socialist Web Site und die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC) schlagen vor, in jedem Betriebsteil unabhängige Aktionskomitees aufzubauen mit dem Ziel, existenzsichernde Löhne, Gehälter und Renten zu verteidigen und den Krieg zu stoppen. Solche Aktionskomitees werden direkt von den Beschäftigten demokratisch kontrolliert werden, und sie werden sich branchen- und länderübergreifend vernetzen. Das Prinzip muss gelten, dass die Bedürfnisse und das Leben der Beschäftigten und ihrer Familien höher stehen als die Profite der Konzerne.

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