Israel droht damit, Beirut in ein zweites Chan Yunis und den Libanon in ein zweites Gaza zu verwandeln

Wenige Tage nach Beginn der Angriffe auf den Libanon sagte der rechtsextreme israelische Finanzminister Bezalel Smotrich bei einem Besuch an der Grenze zum Libanon: „Dahiya wird sehr bald wie Chan Yunis aussehen.“ Die Stadt Chan Yunis im südlichen Gazastreifen hat Israel im Zuge seines völkermörderischen Kriegs gegen die Palästinenser praktisch vollständig zerstört.

Die Methoden, die Israel in Gaza gegen die Palästinenser angewandt hat, sind mittlerweile Israels Standardvorgehensweise, die es auch bei der Eliminierung seiner Gegner im Iran und im Libanon einsetzt. Es bedient sich ihrer auch bei der Ausdehnung seiner Grenzen, um ein Großisrael zu errichten, was langjährige zionistische Politik ist.

Palästinenser betrachten sich die Zerstörung durch einen israelischen Bombenangriff auf das Flüchtlingslager Chan Yunis, Gazastreifen, 1. Dezember 2023 [Photo: Mohammed Dahman/WSWS]

Smotrichs Drohung hat in den Mainstream-Medien kaum Beachtung gefunden. Das bestätigt, dass die imperialistischen Mächte Israels Methoden und Ziele als ihre eigenen betrachten.

Israel hat erklärt, es beabsichtige, die mit Teheran verbündete Hisbollah zu entwaffnen und zu vernichten, um den verbleibenden Einfluss des Iran im Nahen Osten ein für alle Mal zu beseitigen. Die Hisbollah, die die Unterstützung der schiitischen Amal-Partei und der verarmten schiitischen Massen genießt, ist in den 1980er Jahren als Massenbewegung inmitten der blutigen Unruhen des libanesischen Bürgerkriegs entstanden, in den sich die USA damals einmischte, während Israel den Süden des Libanon brutal besetzt hielt.

Schon vor dem Angriff der USA und Israels auf den Iran hatte Premierminister Benjamin Netanjahu Pläne für eine erneute Offensive gegen die Hisbollah ausgearbeitet. Den Raketenbeschuss auf Israel durch die Hisbollah – eine Reaktion auf die Ermordung des iranischen Obersten Führers Ali Chamenei – diente nun als Vorwand für eine groß angelegte Militäroperation mit dem Ziel, die islamistische Gruppe zu entwaffnen und zu vernichten.

Dies war der erste Angriff der Hisbollah auf Israel seit dem Waffenstillstand vom November 2024, der die einjährigen Kampfhandlungen beenden sollte. Israel dagegen brach laut den Vereinten Nationen den Waffenstillstand mehr als 10.000 Mal. In den Kämpfen vor November 2024 hatten israelische Bombardierungen 4.000 Menschen, darunter 300 Kinder, getötet, 17.000 verletzt und Gebäude und Infrastruktur zerstört, deren Wiederaufbau schätzungsweise 11 Milliarden Dollar kosten würde.

Diesmal findet der Angriff inmitten des Vernichtungskriegs von US-Präsident Donald Trump gegen den Iran statt, der darauf abzielt, dessen gewaltige Ressourcen und strategisch wichtige Lage unter vollständige imperialistische Herrschaft zu stellen. Dies ist als Teil umfassender Vorbereitungen auf einen Krieg gegen China geplant.

Israelische Militärsprecher haben erklärt, dass die Eliminierung der Hisbollah monatelange Bodenoperationen im Libanon erfordern und wahrscheinlich über das Ende des Krieges gegen den Iran hinaus andauern werde.

Die israelischen Streitkräfte (IDF) haben 100.000 Reservisten einberufen. Sie ziehen Panzer, Schützenpanzer und Minenräum-Bulldozer an der Grenze zusammen, während Bodentruppen in den Südlibanon vordringen. Sie haben in der Nähe der Grenze schon mehrere Hügel eingenommen. Dies alles deutet auf eine Rückkehr zur israelischen Besatzung hin, die von 1982 bis 2000 andauerte.

Die IDF hat alle Bewohner südlich des Litani-Flusses, von denen viele während früherer israelischer Bombardements mehrfach vertrieben wurden, angewiesen, in den Norden überzusiedeln. Anschließend hat die IDF die Evakuierung der südlichen Vororte von Beirut angeordnet, was insgesamt zur Vertreibung von fast 760.000 Menschen führte. Mehr als 10 Prozent der sechs Millionen Einwohner des Landes sind damit vertrieben worden, und die tatsächliche Zahl dürfte noch höher sein, da viele Familien geflohen sind, ohne sich registrieren zu lassen.

Manche sind bereits im dritten Jahr auf der Flucht, ohne nach Hause zurückkehren zu können. Zehntausende leben in Schulen und Regierungsgebäuden, während andere in Autos, an Straßenecken und auf der Corniche, der Uferpromenade von Beirut, schlafen. Libanesische Politiker und internationale Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Krise in einem Land, das sich von früheren Kämpfen noch nicht erholt hat.

Die sunnitische Elite des Libanon arbeitet mit Israel zusammen. Am 2. März erklärte der libanesische Premierminister Nawaf Salam sämtliche Sicherheits- und Militäraktivitäten der Hisbollah mit sofortiger Wirkung für illegal. Er forderte sie auf, ihre Waffen an den Staat zu übergeben, was die Hisbollah jedoch ablehnte. Dies stellt eine bemerkenswerte Eskalation gegen die Partei dar, die seit der Machtübernahme des pro-amerikanischen ehemaligen Dschihadisten Ahmed al-Shara'a in Syrien, und nun erst recht mit dem Krieg der USA und Israels gegen den Iran, ins Abseits geraten ist. Der langjährige Verbündete der Hisbollah, Nabih Berri, Parlamentspräsident und Vorsitzender der schiitischen Amal-Partei, hat diesen Schritt, der die Hisbollah politisch isoliert, unterstützt.

Rauchschwaden nach israelischem Luftangriff auf Dahiyeh im Süden von Beirut, 6. März 2026 [AP Photo/Hassan Ammar]

Die israelischen Streitkräfte IDF haben schon Hunderte von Luftangriffen auf Beirut durchgeführt. Sie haben die dicht besiedelten südlichen Vororte ins Visier genommen, mehr als 600 Menschen getötet und mindestens 1.000 verletzt, sowie Tyros und andere Städte im Süden getroffen. Die IDF behauptet, 200 Hisbollah-Kämpfer getötet zu haben. Außerdem hat sie die Finanzinstitution Al-Qard al-Hasan der Hisbollah bombardiert, die der schiitischen Gemeinschaft zinslose Kredite und andere Finanzdienstleistungen gewährt. Ziel dieses Angriffs war es, die Verbindungen der Hisbollah zu ihrer Unterstützerbasis zu kappen.

Eine Drohne der IDF hat ein bei Touristen beliebtes Hotel am Meer in Raouche angegriffen. Sie tötete laut Gesundheitsbehörden mindestens vier Menschen und verletzte zehn weitere. Israel gab an, bei dem Angriff seien fünf hochrangige Kommandeure der iranischen Eliteeinheit Quds Force, dem Auslandsarm der Islamischen Revolutionsgarde, getötet worden.

Die in New York ansässige Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch veröffentlichte am Montag einen Bericht, in dem sie angibt, Beweise dafür zu haben, dass Israel am 3. März in Yohmor in Südlibanon weiße Phosphormunition über einem Wohngebiet abgefeuert habe. Mindestens zwei Häuser wurden in Brand gesetzt. Der Einsatz von weißem Phosphor im Krieg gegen Zivilisten ist verboten. Aber Israel setzte schon 2006 im Krieg gegen den Libanon weiße Phosphor-Raketen ein. Auch in den Kämpfen von 2023–2024 hat es dies ebenfalls getan und damit sogar bis auf 100 Meter an einen Stützpunkt der Interimstruppe im Libanon (UNIFIL) herangefeuert und 15 Blauhelmsoldaten verletzt, nachdem israelische Panzer in die Basis eingedrungen waren.

Israelische Kampfflugzeuge flogen über dem Südlibanon und dem Bekaa-Tal östlich von Beirut mehrere Angriffswellen. Gleichzeitig forderte das Militär die Einwohner von Tyros und Sidon auf, die Städte nördlich des Litani-Flusses zu evakuieren, da Angriffe auf mutmaßliche Infrastruktur der Hisbollah „unmittelbar bevorstehen“ würden.

Die libanesische Regierung hat Berichten zufolge direkte Verhandlungen mit Israel unter Vermittlung der Trump-Regierung vorgeschlagen, um den Krieg zu beenden und ein umfassenderes Friedensabkommen zu erzielen. Sowohl Washington als auch Jerusalem lehnten dies jedoch ab. US-Politiker bestanden darauf, dass die libanesische Regierung „konkrete Maßnahmen” zur Entwaffnung der Hisbollah ergreifen müsse, und der US-Gesandte Tom Barrack sagte zu seinen libanesischen Amtskollegen: „Schluss mit dem Blödsinn.“

Auf der israelischen Agenda steht weit mehr als die Entwaffnung der Hisbollah. Das gab die libanesische Regierung bei der Verhängung des Verbots militärischer Aktivitäten der Hisbollah am 2. März bekannt. Israel strebt die vollständige Ächtung und Auflösung der Hisbollah als politische Partei an.

Der Krieg, der sich derzeit im Libanon, im Iran und im gesamten Nahen Osten ausweitet, ist Ausdruck einer sich verschärfenden Krise der imperialistischen Vorherrschaft in einer Region, deren herrschende Klassen – ob in Beirut, Riad, Doha, Kairo oder Tel Aviv – alle durch tausend Fäden mit dem globalen Finanzkapital und den strategischen Imperativen Washingtons verbunden sind.

Israels Angriff auf den Libanon ist untrennbar mit den umfassenderen Bemühungen der USA verbunden, die Kontrolle über eine Region zurückzugewinnen, die durch jahrzehntelange Kriege, Sanktionen und den wirtschaftlichen Zusammenbruch völlig destabilisiert ist. Gleichzeitig bereiten sie sich darauf vor, ihren wirtschaftlichen Rivalen China anzugreifen. Diesem Projekt haben sich auch die Golfmonarchien angeschlossen, deren Reichtum auf der Ausbeutung von Wanderarbeitern und der Rückführung von Öleinnahmen in westliche Märkte beruht. Ihre Unterstützung für die libanesischen Streitkräfte, ihr Druck auf Beirut, die Hisbollah einzudämmen, und ihre stillschweigende Koordination mit Israel spiegeln die Interessen einer regionalen Bourgeoisie wider, deren Überleben von der Unterdrückung jeglicher sozialer und politischer Opposition abhängt.

Die Arbeiterklasse und die arme Landbevölkerung des Nahen Ostens – Libanesen, Palästinenser, Iraner, Iraker, Ägypter, Kurden, Syrer und andere – tragen die volle Last von Krieg, Vertreibung, Arbeitslosigkeit, Inflation und der Zerstörung der sozialen Infrastruktur. Die Massenvertreibung libanesischer Zivilisten ist eine Fortsetzung derselben imperialistischen Logik, die zur Verwüstung des Gazastreifens, zum Ruin Somalias, Afghanistans, Iraks, Libyens und Syriens und zur Verarmung von Millionen Menschen in der gesamten Region geführt hat.

Eine einheitliche, von Imperialisten geführte Front zeichnet sich ab: Washington, Israel, die Golfmonarchien und die Kompradoreneliten der arabischen Welt. Sie stehen den Massen des Nahen Ostens gegenüber. Ihr Ziel ist es, die Grenzen neu zu ziehen, jeden Widerstand zu brechen und die Region für das globale Kapital zu sichern. Gegenüber ihrem gemeinsamen Klasseninteresse sind ihre Rivalitäten untereinander zweitrangig. Ihnen geht es darum, jeden Widerstand zu unterdrücken, der ihre Herrschaft bedroht.

Die einzige Kraft, die den Abstieg in eine Katastrophe in der ganzen Region aufhalten kann, ist die Arbeiterklasse. Die Kämpfe der libanesischen Arbeiter gegen die Sparpolitik, die Massenproteste im Irak und im Iran, der palästinensische Widerstand gegen die Besatzung und die wachsende Unzufriedenheit in der gesamten arabischen Welt führen alle zu derselben Schlussfolgerung: Der Kampf gegen den Krieg ist untrennbar mit dem Kampf gegen das kapitalistische System verbunden, das ihn hervorbringt. Eine vereinte, internationalistische Bewegung der Arbeiterklasse im gesamten Nahen Osten – unabhängig von allen bürgerlichen Fraktionen, sektiererischen Parteien und imperialistischen Mächten – ist der einzige gangbare Weg, um den Kreislauf von Krieg, Besatzung und Ausbeutung zu beenden.

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